Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2151
Assenheim (zu Niddatal, Wetteraukreis)

ehem. Rentkammer (Wallgasse 2)

In Assenheim befindet sich an der zum Schloßberg ansteigenden Wallgasse in der Nähe der Einmündung in die Wirtsgasse die ehemalige Rentkammer der Grafen von Solms-Rödelheim und Assenheim, einer Linie der Grafen von Solms, die sich 1607 als jüngere Linie von der Linie Solms-Laubach abgespalten hatte, welche ihrerseits eine 1548 entstandene, jüngere Linie der Grafen von Solms-Lich war. Es handelt sich bei dem Rentkammergebäude um ein zweistöckiges Gebäude im spätbarockem bis klassizistischem Stil von sieben Fensterachsen Breite und mit Mansarddach, welches den durch eine doppelläufige Freitreppe zu erreichenden Eingang in der mittleren Achse durch ein Querhaus akzentuiert. Die Vorderfront und der Erker sind mit Schindeln belegt. Rückseitig sieht man, daß das Haus in den 1920er Jahren verändert wurde. Heute dient das Gebäude als Postdienststelle und beherbergt mehrere Mietwohnungen.

Das Wappen im Giebelfeld des Querhauses, ein aus zwei Schilden unter einem Fürstenhut zusammengestelltes Ehewappen, gehört zu Karl Franz Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim (15.12.1864-9.2.1923), 1892 zu Rödelheim und Assenheim, erbliches Mitglied der Ersten Kammer im Großherzogtum Hessen, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, Sohn von Maximilian Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim (14.4.1826-15.2.1892) und dessen Frau Thekla Gräfin zu Solms-Laubach (4.6.1835-17.1.1892). Er hatte am 26.10.1892 in Ettal in erster Ehe Anastasia Alexandra Leontine Ludmilla Gräfin zu Pappenheim (9.3.1863-5.7.1904) geheiratet, die Tochter von Ludwig Ferdinand Friedrich Carl Alexander Haupt Graf und Herr zu Pappenheim (5.12.1815-2.8.1883) und dessen Frau Anastasia Katharina Gräfin von Schlieffen (9.1.1827-22.4.1898). Karl Franz hatte nach ihrem Ableben noch einmal geheiratet, in zweiter Ehe am 25.7.1907 in Castell Jenny Gräfin zu Castell-Castell (22.6.1866-24.2.1923). Aus erster Ehe entstammten die Kinder Maximilian Ludwig (24.9.1893-2.9.1968), ordentlicher Professor für Soziologie an der Universität Marburg, 1923 zu Rödelheim und Assenheim, Joachim Ernst (13.6.1896-10.9.1978), Oberstleutnant, Editha Thekla (23.5.1897-26.8.1971) und Anna Hedwig (26.5.1903-2.6.1971).

Das hier einwärts gewendete Stammwappen der Grafen von Solms heraldisch rechts zeigt in Gold einen blauen, rotgezungten Löwen, von blauen Schindeln begleitet, die hier als Besonderheit Schildform haben. In sehr alten Wappen des 13. und 14. Jh. wird der Löwe noch von Schindeln begleitet, die fielen später ab dem ausgehenden 14. Jh. weg, und erst in neuerer Zeit besann man sich bei den Darstellungen wieder auf die alten Schindeln. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein blauer, rotbewehrter und -gezungter Löwe sitzend zwischen einem goldenen Flug. Das Wappen wird beschrieben im Münchener Kalender 1897, bei Wolfert auf Tafel 39 Seite 77, 96, 97, 147 sowie im Siebmacher Band: FstM Seite: 62 Tafel: 139 u.v.a.m. Auf der linken Seite ist der Wappenschild der Grafen von Pappenheim zu sehen, er ist unter einem goldenen Schildhaupt, welches mit einem schwarzen Doppeladler belegt ist, der golden gekrönt und mit zwischen den Häuptern schwebender Kaiserkrone dargestellt wird und auf der Brust mit den Initialen FII belegt ist, geviert, Feld 1 und 4: schwarz-silbern geteilt mit zwei schräggekreuzten roten Schwertern (Kurschwertern), Feld 2 und 3: blau-silberner Eisenhutfeh (in Blau sechs (3:2:1) silberne Eisenhütlein. Nicht dargestellt ist das Oberwappen, das wären zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken zwei schräggekreuzte, schwarz-silbern geteilte Fähnchen mit zwei schräggekreuzten roten Schwertern (Kurschwertern), an goldenen Stangen (Lanzen), Helm 2 (links): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der wachsende Rumpf einer golden gekleideten und gekrönten Mohrin mit nach hinten abstehendem goldenem Zopf. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert, Tafel 68 Seite 226, 227, Siebmacher Band: Gf Seite: 29 Tafel: 63.

Literatur, Links und Quellen:
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter"
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben.
Otto Hupp, Münchener Kalender 1897
Rentkammer:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=6384&session=1274170&event=Query.Details
Solms:
http://de.wikipedia.org/wiki/Solms_(Adelsgeschlecht) - http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_des_Hauses_Solms
Schloß Assenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Assenheim
Pappenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pappenheim_(Adelsgeschlecht) - http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Pappenheim

altes Rathaus

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