Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2164
Bad Brückenau (Landkreis Bad Kissingen)

Pfarrhaus und Gemeindezentrum in Bad Brückenau

In unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche St. Bartholomäus an der Westseite des Kirchplatzes befinden sich das zugehörige Pfarrhaus (Kirchplatz 2) und dahinter das 1958 angebaute Gemeindezentrum mit dem Pfarrsaal. Ersteres ist ein im 1. Viertel des 18. Jh. erbautes Haus, das ursprünglich zweistöckig war und später zu einem dreigeschossigen Bau mit Walmdach aufgestockt wurde. Insgesamt lassen sich an diesem Ensemble drei Wappensteine finden.

Als Spolie eingemauert in der Außenwand des Gemeindezentrums, oben links im Bild unter dem Vordach neben der modernen Tür, befindet sich das Wappen (Abb. unten) des Fuldaer Fürstabtes Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen (30.4.1503-20.5.1541, regierte 1529-1541), Sohn von Wilhelm VI. von Henneberg-Schleusingen, Graf und Herr zu Mainberg (29.1.1478-24.1.1559) und Markgräfin Anastasia von Brandenburg (17.3.1478-4.7.1534). Es ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: Alt-Henneberg, geteilt, oben in Gold (hier falsch silbern angestrichen) ein wachsender schwarzer Doppeladler, darüber schwebend eine goldene Krone, unten rot-silbern in zwei Reihen geschacht, Feld 2 und 3: in Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, redendes Wappen der gefürsteten Grafen von Henneberg, Neu-Henneberg, Herzschild: in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Fürstabtei Fulda. Das hier auf 1536 datierte Wappen wird ohne Oberwappen und ohne Prunkstücke dargestellt. Eine bessere Darstellung befindet sich am Hammelburger Rathaus. Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen war in mehreren Domstiften als Kleriker vertreten, 1515-1538 war er Kanoniker in Straßburg, 1517-1541 Domherr in Mainz, 1518 Domherr zu Köln und 1519-1523 Domherr in Bamberg. Seine große Karriere machte er jedoch in Fulda, wo er bereits ab 1521 die Geschicke der Fürstabtei leitete, denn schon mit 18 Jahren war er auf dem Reichstag zu Worms vom Kaiser zum regierenden Koadjutor des Abtes Hartmann von Kirchberg bestellt worden. Als sein Vorgänger starb, war die Wahl zum Nachfolger eine Formsache, denn Hartmann II. von Kirchberg wußte die Abtei in guten Händen und hatte sich ohne weiteres Interesse nach Mainz zurückgezogen und die Geschäfte seinem Koadjutor überlassen. De facto leitete also Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen die Fürstabtei schon 1521. Er starb jung, mit 38 Jahren. Seine Amtszeit war geprägt von Reformation und Bauernkrieg, und er mußte die Fürstabtei zwischen aufständischen Bauern und hessischen Besatzungstruppen irgendwie hindurchmanövrieren.

Als weitere, sekundär verbaute Spolie in der Außenwand des Gemeindezentrums, im ersten Bild über dem Vordach in Höhe des ersten Obergeschosses zu lokalisieren, befindet sich das Wappen (Abb. unten) des Fuldaer Fürstabtes Joachim Graf von Gravenegg (regierte 1644-1671). Es ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Fürstabtei Fulda, Feld 2 und 3: in Rot eine silberne Raute, Stammwappen der von Gravenegg bzw. von Grafeneck. Sein Wappen ist in z. T. besserer Darstellung mehrfach in Fulda (Priesterseminar, Denkmal in den Grünanlagen am Frauenberg, Lapidarium des päpstlichen Seminars) und in Hammelburg (Rotes Schloß, Innenhof und freistehender Stein auf der Gartenterrasse, Burg Saaleck) zu sehen.

Dieses nicht farbig gefaßte Wappen wird mit drei Helmen dargestellt, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken auf einem roten Kissen aus einer goldenen Krone hervorkommend ein aufrecht stehendes, schwarzes Kreuz, Fürstabtei Fulda, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine Bischofsmütze, aus der zwei schräggestellte Fähnchen hervorkommen, die jeweils gespalten sind, vorne in Rot eine grüne Lilienstaude mit drei silbernen Blüten, hinten in Gold ein schwarzer Adler am Spalt (hier nicht zu erkennen), Fürstabtei Fulda, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine Bischofsmütze (ohne sonst übliche Details) zwischen einem roten, beiderseits mit einer silbernen Raute belegten Adlerflug, Stammkleinod der von Gravenegg bzw. von Grafeneck. Krummstab und Schwert sind hinter dem Wappen gekreuzt.

Ein weiteres Wappen (ohne Abb.) ist im Foyer des Gemeindezentrums zu finden, dieses verweist auf Fürstabt Konstantin von Buttlar.

 

Über dem Segmentbogengiebel über dem Südportal des Pfarrhauses, oben rechts im ersten Übersichtsphoto zu lokalisieren, befindet sich das farblich völlig abwegig gefaßte Wappen (Abb. oben) des Fuldaer Fürstabtes Adalbert I. von Schleifras (18.2.1650-6.10.1714, regierte 1700-1714), der auf den Namen Hermann Otto getaufte Sohn von Georg Lukas von Schleifras und dessen Frau Maria Margareta von Rotzmann. Es ist geviert und wird korrekt wie folgt tingiert: Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Fürstabtei Fulda, Feld 2 und 3: von Schleifras, gespalten, rechts: in Gold eine rote, aufrecht gestellte Axt, Schneide nach hinten, links: in Rot ein schwarzer, höhenverstellbarer Kesselhaken mit Zahnschiene. Das Oberwappen hat drei Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken auf einem roten Kissen eine goldene Krone, aus der ein schwarzes, lateinisches Kreuz herausragt, Fürstabtei Fulda, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine Bischofsmütze, aus der noch zwei Fähnchen schräg herausragen, jedes Fähnchen gespalten, vorne in Rot aus grünem Dreiberg wachsend ein grüner Lilienstock mit drei silbernen Blüten und hinten in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt (Details hier nicht aufgelöst), Fürstabtei Fulda, Helm 3 (links): auf dem gekröntem Helm mit rot-goldenen Decken ein roter Flug mit goldenen Saxen, von Schleifras. Hinter dem Schild stehen Schwert (heraldisch links) und Abts-Pedum (heraldisch rechts), seitlich neben den äußeren Helmen zu erkennen. Bessere Darstellungen sind in Fulda (Stadtschloß, Dom - unter diesem Fürstabt wurden beide errichtet, wie überhaupt unter ihm eine rege sakrale und profane Bautätigkeit begann) und Hammelburg (Kloster Altstadt) zu finden. Hier lautet die Inschrift: "HOC STANTE FLOREBIT CULTUS DIVINUS" - solange dies steht, wird der göttliche Kult (d. h. die Gottesverehrung) in Blüte sein.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bad_Brückenau#Bad_Br.C3.BCckenau
Adalbert I. von Schleifras: http://de.wikipedia.org/wiki/Adalbert_von_Schleifras
Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_III._von_Henneberg-Schleusingen
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Leonhard Rugel: St. Bartholomäus Bad Brückenau, Schnell Kunstführer Nr. 1313 (von 1982), 2. Auflage 1999, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg, ISBN 3-7954-5024-1, S. 10.

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