Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2421
Großkochberg (zu Uhlstädt-Kirchhasel, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt)

Schloß Kochberg

Schloß Kochberg ist ein Wasserschloß am nördlichen Ortsrand von Großkochberg. Auf einer rechteckigen, von einem Wassergraben umgebenen Schloßinsel steht das eigentliche Schloß, dessen baulicher Schwerpunkt das Hohe Haus an der Südostecke mit seinen vier Wohngeschossen über hohem Sockelgeschoß darstellt. Der Hof ist nach Südwesten hin offen. Im Süden wird die Anlage von einer weitläufigen ehemaligen Vorburg mit einstigen Wirtschaftsgebäuden hufeisenförmig umschlossen; nach Norden schließt sich ein weitläufiger Park an.

Der Ort Kochberg wird 1125 erstmalig erwähnt, als "Kochoberg". Ein Ritter Johann von Kochberg taucht 1274 urkundlich auf. Noch ein weiteres Jahrhundert dauerte es, bis eine Burganlage erwähnt wird, nämlich 1380 ein "Purgstall zu Kochberg". Daß es sich dabei um eine Wasserburg handelte, geht aus der 1455 verwendeten Bezeichnung als "Freier Wasserhof" hervor. Diese Burg war ein festes Haus, das die östliche Hälfte des jetzigen Innenhofes einnahm und dessen Grundmauern noch teilweise als Fundamente des Renaissance-Schlosses existieren, im Osten des Hofes und auf der östlichen Hälfte der Südseite des Hofes, wobei die vorherige Außenmauer zur inneren, hofseitigen Mauer des neuen Schlosses wurde. Daß beim späteren Umbau der alte Innenbereich zum Außenbereich wurde, belegt auch ein bei der der 1968-1975 durchgeführten Sanierung im Mauerwerk gefundenes Fragment eines Fenstergewändes. Der ursprüngliche Zugang verlief über eine Brücke im Osten der Schloßinsel.

Aufgrund von Schulden mußten die Herren von Kochberg den Kochberger Besitz verkaufen, zunächst kam dieser 1553 an die von Berlepsch. Zum Schloß ausgebaut wurde Kochberg, nachdem die Brüder von Schönfeld aus dem Hause Wachau 1577 die Burganlage gekauft hatten und zu einer Renaissance-Anlage umbauten sowie neue Wohngebäude errichteten. 1659 kamen Nebengebäude hinzu wie das Pächterhaus. Das Hohe Haus bekam Zwerchhäuser mit Ziergiebeln. Erste Gartenanlagen entstanden, die 1659, 1696 und 1705 urkundliche Erwähnung finden.

Eine erneute Umgestaltung erfuhr Schloß Kochberg im 18. Jh., begonnen unter den Herren von Schönfeld und fortgeführt unter den Freiherren von Stein. 1732 begann man mit dem Umbau des Wohnbereiches durch den Weimarer Barockbaumeister Gottfried Heinrich Krohne. Die Fensteranordnung wurde verändert, und die Zwerchgiebel aus der Renaissance wurden abgerissen. Auch das später zum Theater umgebaute Gartenhaus entstand bereist im Barock unter den Herren von Schönfeld. Die letzten Besitzer dieser Familie waren Johann Heinrich von Schönfeld, Oberaufseher der Saaleflößer und Oberjägermeister in sächsischen Diensten, Johann Friedrich von Schönfeld und dessen Bruder Christian Wilhelm von Schönfeld, Kammerjunker und Oberforstmeister in Diensten der Herzöge von Sachsen-Gotha resp. der Schwarzburger.

Der kaiserliche Reichshofrat, sachsen-meiningische und sachsen-coburgische Geheime Rat und Komitalgesandte beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg Christian Ludwig von Stein (1703-1739) war 1731 in den Freiherrenstand erhoben worden, und 1733 hatte er das Rittergut von den oben genannten Herren von Schönfeld gekauft, das er neben seiner dienstlichen Wohnung in Regensburg fortan als festen privaten Wohnsitz nutzte. Außer Groß- und Klein-Kochberg wurden Clößwitz, Geitersdorf, Meckfeld, Studnitz, Kuhfraß und andere Güter mitverkauft. Ebenso erhielt der Käufer die Jagdrechte, die Gerichtsbarkeit und die Menschen. Die Arbeiten am Schloß wurden unter Christian Ludwig von Stein fortgeführt; und die Wohnräume erhielten Stuckdecken.

Der Bauherr verstarb aber bereits 1739 im Alter von nur 36 Jahren, und sein Sohn, Gottlob Ernst Josias Friedrich Freiherr von Stein (1735-1793), erbte den Besitz. Da er erst vier Jahre alt war, wurde dieser freilich von seiner Mutter verwaltet, Elisabeth Rosine Dorothea Charlotte von Rotenhan (um 1710-1778). Derweil besuchte er das Coburger Gymnasium "Casimirianum". Er war ein Patenkind des Herzogs Franz Josias von Sachsen-Coburg-Gotha. Seine Mutter veranlaßte um 1750 den Abriß des bisherigen Schloßturmes; als Ersatz wurde ein kleines Türmchen auf das Hohe Haus gesetzt. Von 1750 datiert ein Lehensbrief des Herzogs Friedrich von Sachsen-Gotha über den Kochbergischen Besitz. Als Gottlob Ernst Josias Friedrich Freiherr von Stein 20 Jahre alt war, wurde er 1755 Hofjunker und Kammerassessor in Weimar. Ein Jahr später wurde er Kammerjunker bei Herzog Ernst August Constantin, dem Gatten Anna Amalias. 1760 wurde er als Stallmeister an den Marstall versetzt, wo er 1775 unter Carl August zum Oberstallmeister aufstieg. Das Gut wurde 1769 an Johann Philipp Händel verpachtet, 1776-1779 an Ernst Friedrich Jäckisch, und danach führte zunächst ein Verwalter und dann Charlotte von Stein (s. u.) selbst das Gut.

Schloß Kochberg entwickelte sich unter Gottlob Ernst Josias Friedrich Freiherr von Stein (1735-1793) und seiner Frau, Charlotte Albertine Ernestine von Schardt (1742-1827), der ältesten Tochter des Weimarer Hofmarschalls Johann Wilhelm Christian von Schardt und der Konkordia Elisabeth von Irving, seit 1758 Hofdame und Kammerfrau der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, zum Ort der Gesellschaft und der Kultur. In zehn Jahren Ehe gebar sie ihrem Mann sieben Kinder; nur drei Söhne überlebten; die vier Mädchen starben früh. Nachdem Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach 1775 Luise von Hessen-Darmstadt geheiratet hatte und im gleichen Jahr die Regierung angetreten hatte, kam am 7.11.1775 Johann Wolfgang Goethe in Weimar an, wo er die sieben Jahre ältere Charlotte kennenlernte. Bereits am 6.12. des Jahres ist er erstmals in Schloß Kochberg Charlottes Gast, der Beginn einer intensiven Freundschaft, häufiger Besuche, beflügelnder künstlerischer Inspiration und großer Zuneigung: In dieser Zeit entstanden 16 Gedichte, die zweite Fassung der "Leiden des jungen Werthers", das Schauspiel "Mahomet", die Übersetzungen von Fabeln des Äsop, und er arbeitete hier am "Faust" - und er schrieb ihr fast zweitausend Briefe. Charlotte von Stein war die Frau, die am meisten und über einen längeren Zeitraum auf Goethes Denken, Fühlen und Schreiben Einfluß ausüben konnte, zu der er die größte gedankliche Nähe und Freundschaft aufbaute. In seinen Gedichten, in der "Iphigenie", im "Tasso" macht er auch deutlich, wie sehr er Charlotte zu seiner eigenen Vollendung brauchte. 1777 zeichnete er das Schloß, und 1779 schenkte er Charlotte einen Schreibtisch, vielleicht in der Hoffnung auf noch regeren Briefverkehr.

1786 brach Goethe zu seiner Italienreise auf, fast fluchtartig und ohne Charlotte Bescheid zu sagen. Charlottes Depressionen erlitten dadurch einen neuen Schub, 1787 auch noch befeuert vom Tod ihres zweiten Sohnes Ernst. Von diesem abrupten Ende, von diesem als Vertrauensbruch empfundenen Entzug erholte sich die Beziehung nie mehr. 1788 war Goethe, seit 1782 geadelt, zum letzten Mal Gast auf dem Schloß. Als Charlotte dabei erfuhr, daß Goethe mit der 18jährigen Christiane Vulpius ein Verhältnis hatte, kam es zum endgültigen Bruch zwischen ihr und dem Dichter. In ihrem eigenen Trauerspiel "Dido" verarbeitete sie 1794/1795 u. a. ihre Beziehung zu Goethe. Neben "Dido" war Charlotte mit den Bühnenwerken "Ryno", "Die zwey Emilien", "Die Probe" und "Neues Freiheitssystem oder Die Verschwörung gegen die Liebe" schriftstellerisch tätig. Erst gegen Lebensende nahmen die Beiden in Weimar wieder Kontakt zueinander auf.

Doch Goethe ist nicht der einzige Kulturschaffende, der hier oft zu Gast war: Der Dichter Jakob Reinhold Michael Lenz ist 1776 auf Schloß Kochberg als Englischlehrer für Charlotte von Stein, Johann Gottfried Herder, gerade General-Superintendant am Weimarer Hof geworden, besuchte 1777 Schloß Kochberg. Und um auch noch einen anderen großen Dichter zu bemühen: Charlotte von Lengefeld, die spätere Frau Friedrich Schillers, war die Patin von Charlotte von Stein und ihre gute Freundin in der "Nach-Goethe-Zeit". Die beiden weilten ebenfalls in Kochberg als Gäste, und viele andere klingende Namen wie Karl Ludwig von Knebel, Albert Methfessel, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und viele andere Freunde aus der Zeit der Weimarer Klassik. Ein Einschnitt war die französische Revolution mit ihren Folgen, denn in Kochberg wurden französische Emigranten aufgenommen, ein weiterer Einschnitt war das Ableben des Josias von Stein im Jahre 1793.

Danach begann die klassizistische Ära auf dem Schloß: Gottlob Carl Wilhelm Friedrich von Stein (1765-1837), als Ober-Landdrost in Diensten des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin stehend, übernahm 1794 das bisher von seiner Mutter geführte Gut. Seine Mutter Charlotte von Stein zog sich in das ehemalige Weimarer Stiedenvorwerk an der Ackerwand zurück, das sogenannte "Haus der Frau von Stein", welches ihr und ihrem Mann ab 1776 als städtischer Wohnsitz gedient hatte. Im Schloß ließ Carl von Stein klassizistische Veränderungen in den Innenräumen vornehmen. Das bedeutendste Bauwerk aus jener Zeit ist aber das auf kreuzförmigem Grundriß erbaute Liebhabertheater in klassizistischem Stil, das aus einem barocken Gartenhaus entstand und als Besonderheit im Innern mit handgefertigter Marmorpapiertapete ausgestattet ist. Es ist das einzige frei stehende Privattheater der Goethezeit. Johann Wolfgang von Goethe kam jedoch nie mit diesem Theater in Berührung, denn als es erbaut wurde, waren Charlotte und er längst wieder auf Distanz gegangen, außerdem hatte er seine eigene Theaterphase an der Weimarer Liebhaberbühne 1773-1782 längst hinter sich gelassen.

Am 28.10.1796 schied Carl von Stein aus mecklenburgischen Diensten aus und heiratete 1798 die aus Weimar stammende Amelie Constantine Luise Henriette von Seebach (1773-1860). 1799 mußte Carl von Stein seinen Bruder Fritz ausbezahlen und verkaufte dafür mit Spaal einen Teil des Gutes. Carl von Stein war es auch, der den ca. 6 ha. großen Schloßpark ab 1800 in einen nachklassisch-romantischen Landschaftspark nach englischem Vorbild mit gewundenen Wegen und quellgespeistem Weiher und Teich umwandeln ließ, der sich auch heute noch nördlich des Schlosses erstreckt und wirklich sehenswerten alten Baumbestand hat und seltene historische Blumen- und Pflanzensorten besitzt. Kleinere Parkarchitekturen wie die Grotte, das Badehaus, eine Turmruine und das sogenannte Leinwandhäuschen wurden in das Umfeld des Schlosses als Blickfang eingesetzt. Eine Sandstein-Rinne führt das Wasser quer durch den Park bis zu einem Brunnen vor dem Liebhabertheater. Gerade die noch erhaltene Kombination aus herrschaftlichem Wohnsitz, Park und Musentempel macht auch heute noch den unwiderstehlichen Reiz der Gesamtanlage aus, als kultureller Glanzpunkt in idyllischer Lage in tiefster Provinz. Über den nach wie vor wasserführenden Wallgraben wurde im Westen eine neue, überdachte Brücke erbaut. Auch unter Carl von Stein blieb Schloß Kochberg Ort intensiven kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, eine kleine Kopie des Hoflebens in Weimar.

Ab 1806 begann der wirtschaftliche und kulturelle Niedergang von Schloß Kochberg, zum einen, weil die in Weimar und Kochberg einfallenden Truppen Napoléons plünderten, zum anderen, weiß Preußen Soldaten einquartierte und die Männer einzog. Am Erfurter Fürstentag nahm Carl von Stein 1808 als Beobachter teil. An den Freiheitskriegen 1815 organisierte er als Oberst den Landsturm. 1827 wurde ein Teil des Gutes, das Vorwerk Kuhfraß, an den Schwiegersohn James Patrick von Parry verkauft. 1830 verkaufte der 65jährige Carl von Stein das ganze verbleibende Gut an seinen Sohn August Carl von Stein. Dieser wohnte zwar nur zeitweise auf dem Schloß, ließ es aber sanieren; erst 1847 nahm er in Kochberg dauerhaft Quartier und übernahm die Bewirtschaftung des bis dahin verpachteten Gutes selbst. Zu dieser Zeit wurde der Zugang zur Schloßinsel verändert; war die östliche Brücke bereits 1841 abgebrochen worden, so entstanden nach 1850 zwei neue Brücken. In dieser Zeit um 1850 nahm August Carl von Stein einige historisierende Veränderungen am Schloß vor. Unter ihm wurde die Gobelingalerie eingerichtet, und er ließ den ganz unten beschriebenen Grabstein des Burchard von Kochberg in die Schloßmauer vermauern.

Ein prominenter Wappenstein befindet sich auf der Stirnseite des neugotischen Anbaus am Westflügel des Schlosses. Das Wappen der Herren und Freiherren von Stein ist gespalten, rechts silbern, links golden, mit zwei aufeinander zu springenden, doppelschwänzigen, golden gekrönten Löwen, der rechte rot, der linke blau, auf dem freiherrlich gekrönten Schild zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): zu blau-goldenen Decken ein blauer Löwe wie im Schild, Helm 2 (links): zu rot-silbernen Decken der rote Löwe wie im Schild, jeweils wachsend. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Sa Seite: 16 Tafel: 15.

Demnach gibt es von dieser alten thüringischen Familie insgesamt drei Linien, die sich in ihrem Beinamen und in ihrem Wappen unterscheiden. Die Stein von Lausnitz führen nur in Gold einen blauen Löwen, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken den blauen Löwen wachsend. Die Stein von Lausnitz zu Braunsdorf führten das vermehrte Wappen mit zwei Löwen, aber alle Löwen ungekrönt. Die hier vorliegenden Stein von Lausnitz zu Kochberg haben das oben beschriebene Wappen, das sich von dem der anderen Linie nur durch die gekrönten Löwen unterscheidet. Fürst Heinrich LXII. von Reuss-Schleitz erhob die beiden letztgenannten Linien am 14.11.1853 in den Freiherrenstand, so die Angabe im Siebmacher. Die in Kochberg ansässige Linie war aber bereits 1731 in den Freiherrenstand erhoben worden.

Nach August Carl von Stein übernahm das Gut sein Sohn Ludwig Felix von Stein, der seinerzeit während seines Studiums in Berlin sich an aufrührerischen Aktivitäten beteiligt hatte, relegiert und wiederaufgenommen wurde, so daß er doch noch sein juristisches Examen machen dufte, und der 1867 Mitglied des Johanniterordens geworden war. Nach Ludwig Felix übernahm dessen bis dahin im diplomatischen Dienst in Brasilien und in Italien tätige Sohn Felix von Stein Schloß und Gut; er heiratete am 19.5.1921 die aus Schlesien stammende Marie-Eva von Gersdorff (1889-1966), geschiedene von Lindeiner-Wildau, die wertvolle Einrichtungsgegenstände aus Familienbesitz nach Kochberg brachte. Um 1900 wurden erste Räume in Erinnerung an Charlotte und Goethe museal hergerichtet, und das Bemühen um angemessenen Umgang und Verbleib der Autographen und Erinnerungsstücke bestimmte die Folgejahre.

Felix von Stein schloß 1933 einen Erbvertrag mit seinem Neffen, Graf Woldemar von Schwerin. Er sollte demnach den Besitz erben, aber das Mobiliar muß auf dem Schloß verbleiben, und alle historischen Erinnerungsstücke sind vom Erbe ausgenommen. Die Goethe-Gesellschaft bekam ein Vorkaufsrecht auf das Inventar des Goethezimmers. Eva von Stein, geb. von Gersdorff, bekommt testamentarisch lebenslanges Wohnrecht auf dem Schloß. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam jedoch alles anders: Der aus dem Krieg heimkehrende Graf Woldemar von Schwerin konnte sein Erbe nicht antreten, denn erst marschierten die Amerikaner, dann die Rote Armee in Großkochberg ein. Schloß Kochberg wurde durch die Bodenreform 1946 den Eigentümern genommen; in den Gebäuden wurden erst einmal ca. 40 Umsiedler einquartiert. Schloß und Park wurden dem Land geschenkt, das wegen der Goethestätte Interesse hat und die verwitwete Eva von Stein als örtliche Leiterin einsetzte. Doch schon am 4.12.1947 wird Eva von Stein als Angehörige eines ehemaligen Rittergutsbesitzers aus dem Kreis Rudolstadt ausgewiesen - soweit zum lebenslangen Wohnrecht. Sie zog erst nach Weimar und siedelte dann 1955 in die Bundesrepublik über. Nachfahren der Familie von Stein leben heute in Dänemark. Im Schloß wurde die Goethe-Gedenkstätte wiedereröffnet, erstmals zu Goethes 200. Geburtstag am 28.8.1949 in vier Räumen des Hohen Hauses. Im Liebhabertheater, das erst 1929 unter Mitwirkung der Werkstätten des Deutschen Nationaltheaters in Weimar wiederhergestellt worden war, wurde 1951 notdürftig ein Kindergarten eingerichtet.

Als 1952 das Land Thüringen aufgelöst wurde, kam Schloß Kochberg an den Kreis Rudolstadt. Der Park verwilderte; die Gebäude verwahrlosten durch Fehlnutzung und mangelnde Pflege. Im Park wurde 1952 ein Pionierlager des VEB Maxhütte Unterwellenborn errichtet mit mehreren Baracken und Nebengebäuden, ein typisches Beispiel, wie die Sozialisten absichtlich bevorzugt mit altem Feudalgut umgingen und es verschandelten. Erst 1963 wurden die Baracken wieder abgerissen, nachdem 1958 der Vertrag mit dem VEB Maxhütte aufgelöst worden war. 1954 lagert die LPG Großkochberg ihr Getreide im Liebhabertheater. Glücklicherweise nahmen sich die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten (NFG) der klassischen deutschen Literatur in Weimar, die das Schloß 1964 übernommen hatten, der Anlage an, sanierten und restaurierten 1968-1975 Schloß und Liebhabertheater und rekonstruierten 1974-1975 die Parkanlage, wozu ein Katasterplan des Rittergutes aus dem Jahr 1869 als Richtschnur diente.

1975-1977 wurde das Schloß zu einer Arbeits- und Erholungsstätte des Kulturfonds der DDR für Künstler und Autoren (AES) ausgebaut (2. und 3. Obergeschoß, teilweise noch mit Renaissancedecken). Das mit Stuckdecken und Wandmalereien ausgestattete erste Obergeschoß mit den Wohnräumen Charlotte von Steins wurde museal hergerichtet. Der das Wappen tragende neugotische Anbau war so baufällig, daß er 1968 komplett abgerissen und 1974 wiederaufgebaut wurde. Die umfassende Wiederherstellung war durch die direkte Zugehörigkeit der NFG zum Kultusministerium der DDR möglich. Nach der Wende wurde das Schloß kurz und erfolglos als Hotel betrieben. 1991 ging die NFG in der Stiftung Weimarer Klassik auf. Die AES wurde aufgelöst.

2002 wurde die frei zugängliche Ausstellung zur Geschichte des Rittergutes im Erdgeschoß des Schlosses neugestaltet. Das Theater wurde von 2009 bis 2011 Weimar erneut saniert und restauriert, besonders die kostbaren Tapeten und der originalen Holzfußboden, und die Nebenräume für die Künstler wurden umgestaltet. Eine weitere Renovierung des Schlosses begann 2010 und dauerte bis 2012 und verschlang 2 Millionen Euro. Im Liebhabertheater Schloß Kochberg mit seinen 75 Sitzplätzen, das als Theaterbetrieb ebenfalls von der Klassik-Stiftung Weimar betrieben wird, finden von Mai bis Oktober an den Wochenenden Opern- und Theateraufführungen sowie Kammerkonzerte statt, hauptsächlich von Werken des Barocks, der Klassik und der Romantik. Seit dem Jahr 2013 werden auf dem Schloß internationale Meisterkurse für die historische Aufführungspraxis für Opernsänger und Schauspieler organisiert. Im Mai findet jährlich das Kochberger Gartenvergnügen statt, im Dezember jeweils der Kochberger Nikolausmarkt, um das alte Gemäuer mit zusätzlichem Leben zu füllen. Das Schloß selbst beherbergt ein Restaurant. Der Park wird vom Dezernat Gartendenkmalpflege der Stiftung Weimarer Klassik erhalten und gepflegt.

Genealogie zur Familie von Stein unter Hervorhebung der im Text besprochenen Personen (Lebensdaten manchmal nicht eindeutig zu ermitteln):

 

Ein wesentlich älteres Wappen, das auf die ersten Besitzer von Kochberg verweist, ist auf einer im Hofbereich des Schlosses eingelassenen Grabplatte für den 1485 verstorbenen Bernhard von Kochberg zu sehen. Die Ritter von Kochberg, die im 15. Jh. ihre größte Bedeutung hatten und am meisten Ländereien besaßen, standen in Lehensverhältnissen zu den Grafen von Orlamünde, den Grafen von Schwarzburg, den sächsischen Herzögen und den Reuß von Plauen auf Kranichfeld. Neben Kochberg besaßen die Ritter von Kochberg noch Wohnsitze in Uhlstädt, Heilingen, in Rudolstadt und auf der Weißenburg. Anfang des 16. Jh. gerieten die Herren von Kochberg in wirtschaftliche Schwierigkeiten (aufmüpfige Bauern, Verweigerung der Abgaben und der Frondienste etc.), so daß sie ihren Besitz wegen ihrer Schulden veräußern mußten, und so kam Kochberg in andere Hände.

Als Wappen der Herren von Kochberg tauchen zuerst drei silberne, fünfspeichige Räder auf, später eine silberne Faß- oder Schrotleiter in rotem Feld, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Gupf, mit der silbernen Faßleiter belegt und oben mit Pfauenfedern besteckt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: SaAE Seite: 28 Tafel: 21 (nach dem Scharff'schen Wappenbuch), vgl. auch Band: SchwA Seite: 17 Tafel: 11 und Band: ThüA Seite: 12 Tafel: 8, jeweils ohne Angabe von Tinkturen und Oberwappen. Ein weiteres Vorkommen des Wappens der Herren von Kochberg ist eine 1532 datierte Sandsteinplatte mit insgesamt drei Wappen im Oberhof zu Uhlstädt.

Literatur, Links und Quellen:
Informationstafeln im Schloß Kochberg zu Orts-, Bau- und Familiengeschichte; Ausstellungsinformationen im musealen Bereich des Schlosses
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Schloß Kochberg auf der Seite der Klassik-Stiftung:
https://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/schloesser-und-gaerten/schloss-park-und-liebhabertheater-kochberg/ - http://www.klassik-stiftung.de/index.php?id=165
Schloß Kochberg auf der Seite Schatzkammer Thüringen:
http://www.schatzkammer-thueringen.de/de/schloesser/schloss-grosskochberg.html
Schloß Kochberg auf der Seite des Theaters:
http://www.liebhabertheater.com/schloss/
Liebhabertheater, Artikel in der Thüringer Allgemeinen:
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Theater-im-Schloss-Kochberg-Die-Stein-Offensive-1549336094
Schloßrestaurant Kochberg:
http://www.schlossrestaurant-kochberg.de/geschichte.html
Liebhabertheater:
http://www.schlossrestaurant-kochberg.de/liebhabertheater.html
Liebhabertheater:
http://www.liebhabertheater.com/liebhabertheater/
Schloß Kochberg auf der Seite von Uhlstädt-Kirchhasel:
http://www.uhlstaedt-kirchhasel.de/info/sehenswuerdigkeiten/das-schloss-kochberg.html
Schloß Kochberg auf der Seite Thüringen-infol:
https://www.thueringen.info/schloss-kochberg.html
Schloß Kochberg auf der Seite Urlaubsland-Thüringen:
http://www.urlaubsland-thueringen.de/schloesser-burgen/schloss-kochberg.html
Schloß Kochberg bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kochberg
Charlotte von Stein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_von_Stein
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/18Jh/Stein/ste_intr.html
Kenneth Keeton: Charlotte, Goethe, and Freiherr von Stein, in: Monatshefte Bd. 51, Nr. 1 (Jan. 1959), S. 25-30, University of Wisconsin Press, online:
http://www.jstor.org/stable/30159006?seq=1#page_scan_tab_contents
Charlotte von Stein:
https://blog.klassik-stiftung.de/schriftstellerin-charlotte-von-stein/
Goethes Briefe an Charlotte:
https://blog.klassik-stiftung.de/goethes-gedichtbriefe-fuer-charlotte-von-stein/ und https://blog.klassik-stiftung.de/goethes-fruehe-briefe-an-charlotte-von-stein-neu-ediert/
Genealogie:
http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=NLF&ID=I367047&nachname=FREIHERR+VON+STEIN+ZU+KOCHBERG&lang=de und abhängige Seiten

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