Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2424
Buchenau (Gemeinde Eiterfeld, Landkreis Fulda)

Alte Burg Buchenau (Seckendorff-Schloß, Spiegel-Schloß)

Im Zentrum von Buchenau erhebt sich die Alte Burg auf einem teils bewaldeten Bergsporn über dem Eitratal nordöstlich des Neuen Schlosses, ringsum von einer Mauer umschlossen, im Westen, wo das Gelände weniger steil abfällt, und im Süden zum Dorf hin durch einen tiefen, aber trockenen Graben gesichert. Aufgrund des Gefälles war der innen und außen mit einer Wallmauer verkleidete Graben nie zur Wasserführung vorgesehen. Der Zugang führt von Süden auf das Gelände. Man kann drei Baugruppen unterscheiden: Im Süden kontrolliert die tiefergelegene Vorburg als Torhaus den über eine steinerne Brücke führenden Zugang vom Dorf her zum Burgplateau. Die sich von Westen nach Osten in einer langen Reihe aneinanderfügenden Gebäude bilden eine separate Baugruppe bergseitig im Westen, das Spiegel-Schloß, und eine ebensolche talseitig im Osten, das Seckendorff-Schloß. Im Osten der Anlage stehen die ältesten Gebäude des Komplexes, zwei Wohntürme nebeneinander, Wand an Wand.

Erbaut wurden alle Gebäude von den Herren von Buchenau, die 1217 erstmals urkundlich in Erscheinung traten. Ihr Verhältnis zu den Fürstäbten von Fulda, dessen Lehen sie innehatten, war ambivalent. Einerseits machten sie Geschäfte mit den Fürstäbten, nahmen Lehen, gaben Besitz als Pfandschaft, um an Geld zu kommen zum Bau des Neuen Schlosses, verkauften Besitz an diese etc., andererseits schlugen sie sich, aus der Grenzlage zwischen den beiden rivalisierenden Stiften Fulda und Hersfeld Vorteil schlagend, auch durchaus mal auf die Seite der Hersfelder Äbte, wenn es Vorteile versprach, wie überhaupt die Herren von Buchenau Konflikten mit ihren Nachbarn selten aus dem Wege gingen, wie allein 14 Fehdebriefen aus dem Jahr 1468 belegen. 1305 beispielsweise mußten sie für einen gescheiterten Aufstand gegen Fuldaer Abt Sühne leisten. Daß sie ihre Sympathien opportun auf beide Stifte verteilten, wird auch dadurch deutlich, daß sie mit Simon von Buchenau (1305-1315) und Albrecht von Buchenau (1418-1438) zwei Hersfelder und mit Hermann von Buchenau (1440-1449) einen Fuldaer Abt stellten. Auf dem befestigten Burgberg saßen sie relativ sicher (die Alte Burg wurde trotz aller Fehden 1468 etc. nicht eingenommen, obwohl die Burg im Bruderkrieg zwischen Ludwig II. von Niederhessen und Heinrich III. von Oberhessen mit 4000 Mann belagert wurde, weil die Herren von Buchenau Partei für Ludwig ergriffen hatten); ein Schloß in der Ebene konnten sie erst Ende des 16. Jh. bauen, als sich die Verhältnisse beruhigt hatten.

Die Alte Burg war früher in Vorburg (im Westen) und Hauptburg (im Osten) aufgeteilt. Diese funktionale Trennung wurde aufgehoben, als die beiden Burgteile im 16. Jh. zu zwei gleichwertigen und gleichrangigen Herrschaftssitzen für zwei unterschiedliche Zweige der Familie umgebaut wurde. Verteidigungsanlagen und sonstige Infrastruktur wie der 14 m tiefe, auch heute noch wasserführende Burgbrunnen wurden gemeinsam genutzt und unterhalten, wie es typisch für Ganerbschaftssitze war. Das Zusammenleben auf der Alten Burg regelte ein 1406 geschlossener Burgfriede. Im gleichen Jahr gab es insgesamt 20 Ganerben von Buchenau. Den ältesten Teil des Komplexes bilden die aus dem 14. Jh. stammenden Wohntürme, die den östlichen Abschluß der Hauptburg (Osthälfte der Alten Burg, Seckendorffsches Schloß) bilden und den Brand von 1524 überlebt haben. Der Wohntrakt des östlichen Teilschlosses wurde um 1578 errichtet; als dessen Erbauer wird Conrad Hermann von Buchenau identifiziert. Einst befand sich im Hof der Stammburg noch ein 30 m hoher Bergfried, den gemäß einer überlieferten Steininschrift Georg oder Gottschalk von Buchenau 1508 erbauen ließ, der aber im 19. Jh. wieder abgetragen wurde. Die Westhälfte (Spiegel-Schloß) wurde unwesentlich früher, nämlich 1572-1575 durch Eberhard von Buchenau erbaut. Zusammen mit der Oberen Burg (siehe Folgekapitel) und dem Neuen Schloß (siehe vorheriges Kapitel) besitzt Buchenau damit über vier adelige Wohnsitze aus der Zeit der Renaissance.

Den abweichenden Namen bekamen die Teilschlösser der Alten Burg wegen Aufteilung des Besitzes und Übernahme des Teilbesitzes durch jeweils andere Familien, denn erst baute man mehrere Schlösser für die Familie, bis einzelne Anteile aus dem Familienvermögen herausgelöst wurden und an andere Familien kamen, so entstand der ortsbildprägende Cluster von Herrschaftssitzen. Was als großartige Ansammlung verschiedener Sitze für die Familie begann, löste sich bald auf: Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einem Macht- und Bedeutungsverlust der Herren von Buchenau, die sich mehr und mehr mit Erbstreitigkeiten beschäftigen, und so gingen die in den Jahrhunderten davor angesammelten Besitzungen nach und nach verloren. Im ersten Kapitel zu Buchenau wurde beschrieben, wie der größte Teil von Buchenau mit dem Neuen Schloß an die Schenck von Schweinsberg kam.

Das später so genannte Spiegel-Schloß wurde 1680, 1694 bzw. 1710 an die von Boineburg veräußert. Anna Elisabeth von Buchenau hatte Wolf Daniel von Boineburg zu Lengsfeld, der den Westteil der Alten Burg kaufte. Und die Herren von Buchenau brauchten gerade Geld, so wurde ein Achtel des Besitzes verkauft. Zwei Generationen später erbten es die von Warnsdorf, weil Wolf Daniels Enkelin, Philippine von Boineburg-Lengsfeld, den Oberforstmeister von Warnsdorf geheiratet hatte. Im 19. Jh. erlangten die Herren von Spiegel zu Peckelsheim den westlichen Teil der Alten Burg durch Kauf und Erbheirat. Nach ihnen wurde dieser der Teil der Alten Burg Spiegel-Schloß benannt. Die von Buchenau besaßen nach wie vor den anderen Anteil der Alten Burg, aber als sie 1815 mit Ludwig Karl von Buchenau im Mannesstamm erloschen (er war in eine Bürgerliche verliebt und erschoß sich aus Liebeskummer), ging ihr Anteil an die Freiherren von Seckendorff. 1839 erstritt Ernst von Seckendorff-Gutend (17.2.1780-26.12.1866), Oberforstmeister und Forstrat, das Erbe von Buchenau. Die Herren von Seckendorff kauften außerdem noch im Jahre 1878 den Anteil der Herren von Spiegel hinzu, so daß sie nun die gesamte Alte Burg besaßen und die beiden Burgteile wieder der Hand von Hermann von Seckendorff vereinigt waren.

Das Seckendorff-Schloß
Das Seckendorffsche Schloß hat sich aus der ehemaligen Haupt- oder Kernburg der Herren von Buchenau entwickelt und ist die Burghälfte mit der größeren, markanteren und bedeutenderen Bausubstanz. Hier sind die ältesten Teile zu finden, ganz im Osten ein wuchtiger, massiv gebauter fünfgeschossiger Wohnturm aus Bruchsteinmauerwerk mit Buckelquadern an den Ecken auf quadratischem Grundriß, mit einem Kamin an der talseitigen Außenseite im Osten und mit gekoppelten Fenstern aus der Renaissancezeit. Der Wohnturm hat einen erhöhten Eingang und ist nur über eine Galerie vom westlich angebauten Teil erreichbar. Der Platz unter besagter Galerie wurde später unten verkleidet, um zusätzlichen Raum zu gewinnen. Ein gotisches Portal führt zwar in das Erdgeschoß des Wohnturmes und von da in die ausgedehnten Felsenkeller unter dem Burgplateau, allerdings gibt es aus Sicherheitsgründen im Wohnturm keine vom Erdgeschoß nach oben in die Wohnräume führende Treppe.

Direkt anschließend steht ein teilweise hinter späterem Fachwerk (vorgenannte Galerie und Verkleidung) verborgener Anbau von nur wenig geringeren Dimensionen, ebenfalls mit Eckbuckelquadern. Beide Wohntürme sind spätmittelalterlich. Auf der Südseite des Wohnturms ist ein Epitaph mit 4er-Ahnenprobe in die Mauer eingelassen, stark vom Zahn der Zeit angenagt, aber die Wappen der von Buchenau (optisch oben links) und der von Boineburg (optisch unten rechts) sind noch zu identifizieren (ohne Abbildung, siehe Quellen). Im Westen an die Wohntürme anschließend und den Anbauturm teilweise überlappend wurde 1576 ein dreigeschossiger Renaissance-Wohntrakt errichtet, der ein massives Erdgeschoß und darüber zwei Fachwerkgeschosse besitzt. Im Süden ist diesem neuen Wohnflügel ein fünfgeschossiger Treppenturm vorgebaut, mit drei massiven Geschossen von gerundetem Grundriß und zwei Fachwerkgeschossen von polygonalem Querschnitt. Umlaufende Gesimse unterteilen den massiven Unterbau in einzelne Geschoßhöhen.

Der Treppenturm des Seckendorff-Schlosses besitzt auf seiner Westseite ein Portal mit der Inschrift "1578 LOTZ HANS IORG ZANG", neben der Datierung vermutlich ein Hinweis auf den Baumeister. Am rechteckig gerahmten Portalgewände befindet sich im Scheitel ein Allianzwappen (ohne Abb.) der von Buchenau (Erläuterung siehe unten) und der von Schwertzel (gespalten, rechts in Silber drei rote Schräglinksbalken oder silbern-rot fünfmal schräglinksgeteilt, links ledig und golden, auf dem Helm ein Flug in den Formen und Farben des Schildes, Siebmacher Band: He Seite: 25 Tafel: 28, Band: OstN Seite: 196 Tafel: 131, Band: Pr Seite: 373 Tafel: 422). Ein passendes Paar wäre Conrad Hermann von Buchenau (1556-1582) und seine Frau Anna Schwertzel von Willingshausen. Links neben dem Treppenturmportal befindet sich ein weiterer Wappenstein, ebenerdig aufgestellt und auf 1756 datiert, mit dem Allianzwappen (ohne Abbildung) der von Buchenau und der von Weisbach (nach Literatur, ohne Beleg). Die Initialen "J F V B D S V B G B V W" sind daher als "Justus Friedrich von Buchenau, Dorothea Sophia von Buchenau geborene von Weisbach" zu entschlüsseln. Weiter links verweisen Steinkonsolen direkt unter dem ersten Oberschoß auf einen ehemals dort vorhandenen Erker.

Die Herren von Buchenau lebten in diesem Teil der Alten Burg bis zu ihrem Erlöschen des älteren Stammes im Jahr 1815. Der vorletzte Herr auf der Alten Burg war Julius Karl Christian von Buchenau (1767-1808), den seine Trunksucht und seine Schulden plagten. Wegen letzteren wurde er 1804 von amtlicher Seite zum "Verschwender" erklärt und unter Vormundschaft ("Curatel") gestellt, wegen ersterer verließ er diese Welt im Alter von nur 41 Jahren. Die Erträge des Gutes waren für die noch minderjährigen Söhne vom Königlich-Westfälischen Tribunal verwaltet worden. Der letzte Herr auf der Alten Burg war Julius Karl Christians jüngster Sohn Ludwig Karl Wilhelm von Buchenau, der am 21.5.1815 im Alter von 19 Jahren per Freitod diese Welt verließ. Dessen älterer Bruder, Karl Ferdinand Anton von Buchenau, ist im Dienst von "König Lustig" Jerome von Westfalen auf Napoléons Rußland-Feldzug verschollen (Jerome war sein Bruder), wahrscheinlich ist Karl Ferdinand Anton in Smolensk an der Ruhr gestorben. Die beiden Brüder hatten noch eine Schwester, Charlotte von Buchenau.

Das Torhaus
Das Torhaus selbst ist in seiner jetzigen Form ein relativ junges Gebäude, das erst 1923 errichtet wurde und die Einfriedungsmauer der mittelalterlichen Burg als äußere Wand nutzt. Direkt neben dem Torbau ist eine Stallung angebaut. Über der rustizierten Einfassung der Durchfahrt ist ein dreiteiliger, auf das Jahr 1923 datierter Wappenstein angebracht. In der Mitte, genau auf dem Schlußstein, befindet sich das Wappen der von Buchenau, in Gold ein gekrönter grüner Sittich mit rotem Halsband, auf dem gekrönten Helm mit grün-goldenen Decken ein auffliegender gekrönter grüner Sittich mit rotem Halsband und mit goldenen Flügeln. Die Anbringung ist eine Erinnerung, denn zu diesem Zeitpunkt waren die Herren von Buchenau schon über ein Jahrhundert erloschen.

Heraldisch rechts befindet sich das Wappen der von Seckendorff; der Schild zeigt in Silber zwei rote, unten verbundene und achtförmig miteinander verschlungene Lindenzweige mit acht nach außen gerichteten Blättern. Traditionell wird das Motiv so dargestellt, daß alle Blätter nach außen weisen. Die Helmzier ist ein roter, hermelingestulpter Hut, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Die Helmdecken sind rot-silbern (Siebmacher Band: Bay Seite: 22 Tafel: 15-16, Bad Seite: 76 Tafel: 45, Bay Seite: 57 Tafel: 60, Brau Seite: 9 Tafel: 7, He Seite: 26 Tafel: 28, Pr Seite: 27 Tafel: 30, Pr Seite: 64 Tafel: 82, Pr Seite: 374 Tafel: 422, Reu Seite: 9 Tafel: 7, Sa Seite: 16 Tafel: 15, Wü Seite: 4 Tafel: 4, Wü Seite: 11 Tafel: 14).

Der Übergang der Alten Burg an die von Seckendorff verlief nicht nahtlos. Zunächst waren 1815 keine Erben bekannt, und der Staat, also der Kurhessische Lehnshof, kassierte die Güter als heimgefallenes Lehen. Der ältere Stamm derer von Buchenau war erloschen, und Georg Wilhelm von Buchenau aus einer ganz anderen Linie als allerletzter Vertreter des Geschlechtes hatte keine Erbansprüche gestellt; letzterer stellte nur in Bayern Ansprüche und starb am 30.3.1831 im Würzburger Juliusspital. Erst 1819 meldete sich der bereits erwähnte Ernst von Seckendorff-Gutend (17.2.1780-26.12.1866), Oberforstmeister und Forstrat, und meldete seine Ansprüche auf das Erbe an, die darauf beruhten, daß Maria Magdalena von Buchenau seine Großmutter war; sie hatte Wilhelm Gottfried von Seckendorff zu Oberzenn geheiratet. Der Kurhessische Lehnshof verschleppte den Prozeß noch 20 Jahre, ehe der Erbe in den Besitz des Anwesens kam, und auch das nur in einem Vergleich. Einer der Hindernisse war, daß der neue Ehemann der Mutter der letzten Buchenau-Sprößlinge, ein Hauptmann von Warendorf, die Ausstellung der Todesurkunde für den in Rußland verschollenen Karl Ferdinand von Buchenau verzögerte, wodurch Ernst von Seckendorff das Erbe nicht antreten konnte.

Heraldisch links befindet sich das Wappen der von Schöning bzw. Meyer von Schöning, in Silber ein aus einem grünen Busch hervorbrechender roter Hirsch, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender roter Hirsch. Das Wappen der pommerschen Familie wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 263 Tafel: 313, Band: PrA Seite: 82 Tafel: 60, Band: Pr Seite: 365 Tafel: 414, Band: Me Seite: 18 Tafel: 16 sowie im Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 2, 1898. Die von Schöning dürften ihren Namen von Schöningen im Kreis Randow in Pommern herleiten, während sie seit dem 13. Jh. auf Lübtow im Kreis Phrytz nachweisbar sind, von wo aus sie sich in Pommern, Brandenburg, der Niederlausitz und der Provinz Preußen verbreiteten.

Hier steht die Wappenkombination für Sigmund Gustav Hermann Georg Ernst von Seckendorff-Gutend (7.7.1878-16.12.1917) auf Obernzenn und Deufstetten, königlich preußischer Rittmeister, Sohn von Hermann Wilhelm Freiherr von Seckendorff auf Buchenau (21.5.1833-23.4.1897) und dessen am 27.6.1874 geehelichter Frau, Sophie von Heppe (22.1.1836-9.10.1918). Sigmund von Seckendorff hatte am 2.8.1914 in Buchenau die im heutigen Polen geborene Gertrud Barbara von Schöning (31.8.1891-3.9.1980) geheiratet, die Tochter von Hans von Schöning (17.8.1864-1945) auf Muscherin, Klemmen etc. und Else Anna Marie von Saldern (15.1.1869-14.7.1942). Die in diesem Wappenstein vertretenen Personen sind die Eltern des letzten Besitzers aus der Familie der von Seckendorff. Sigmund starb im ersten Weltkrieg im Alter von nur 39 Jahren bei Brügge in Flandern. Die früh verwitwete Gertrud Barbara von Schöning heiratete am 12.10.1926 den aus Lothringen stammenden Landwirt José (Joseph Maria) Filler (20.1.1888-21.4.1971).

Rechts und links der Tordurchfahrt befinden sich zwei sogenannte Augensteine in den Torpfeilern, eine quadratische, aus zwei Steinen bestehende Hülse mit kreisförmiger Öffnung, in der eine Steinkugel mit durchgehendem Loch beweglich gelagert ist. Im rechten Stein ist das Auge noch vorhanden, im linken fehlt es. Sinn der Sache ist eigentlich eine geschützte Schießscharte, in der man den Schußkanal ohne eigenes Risiko frei wählen kann, und in echten Schießscharten dieses Typs sind die Augen leicht beweglich aus Holz. Aus Stein ist der praktische Nutzen aufgrund der hohen Reibung gering, auch erschließt sich der Zweck nicht aus dem Kontext, denn zum einen fehlt eine gute Deckung für den Schützen, zum anderen fehlt eine Öffnung zum Beobachten und Anvisieren, so daß man im Buchenauer Fall von einem eher schmückenden und weniger zweckentsprechenden Einsatz dieses alten Verteidigungselementes ausgehen kann.

Das Spiegel-Schloß
Die linke Hälfte der Alten Burg hat sich aus der ehemaligen Vorburg entwickelt, die aufgewertet und zu einem eigenständigen Adelssitz ausgebaut wurde. Es gibt sogar eine Trennmauer zwischen beiden Burgteilen, die aber erst im 20. Jh. errichtet wurde (die Bewohner beider Schlösser mußten ja auch an den Brunnen gelangen können). Dieses sogenannte Spiegel-Schloß ist unregelmäßig gegliedert und besteht aus zwei im 90°-Winkel zueinander stehenden, dreigeschossigen Flügeln, jeweils aus Bruchstein unten und Fachwerk im Obergeschoß kombiniert. Auf der Südseite des Nordflügels, der im ersten Obergeschoß in der Gebäudemitte die große Halle enthält, ist ein halbrunder Treppenturm mit einfacher Spindel vorgebaut, der ein mehrfach profiliertes Rundbogenportal nach Süden hat. Eine der ersten Treppenstufen trägt an der Vorderseite die Jahreszahl 1572. Auch später wurde am Spiegel-Schloß verändert, wie die Jahreszahl 1623 unter einer Steinbank rechts vom Portal zeigt.

Über dem Portal am Treppenturm des Nordflügels, das mit Blumenornamenten und zwei männlichen Kopfmasken verziert ist, ist außen ein bauzeitlicher Wappenstein in die Bruchsteinmauer des Turmes eingelassen, der unten die Datierung auf das Jahr 1575 und ein Steinmetzzeichen aus zwei miteinander verschränkten Sparren trägt. Die im linken Teil zweizeilige, im rechten Teil dreiteilige und vertikal am Rand fortgeführte Inschrift lautet: "EBERHARD VON VN / D ZV BVCHENAW // MARGRETA V(ON) / BVCHENAW GEB / ORNE GOLDACKERIN".

Das gewendete Wappen für Eberhard von Buchenau, Sohn von Georg von Buchenau und Agnes von Wangenheim, Fuldaer Amtmann in Burghaun, zeigt in Gold einen gekrönten grünen Sittich mit rotem Halsband, auf dem gekrönten Helm mit grün-goldenen Decken ein auffliegender gekrönter grüner Sittich mit rotem Halsband und mit goldenen Flügeln (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 165 Tafel: 115, Band: NaA Seite: 17 Tafel: 23, Band: PrE Seite: 33 Tafel: 26, Band: ThüA Seite: 95 Tafel: 74, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 58 Seite 153). In dieser Darstellung hat der Sittich im Schild ein Bein erhoben; in der Helmzier hingegen sind keine Beine zu sehen, sondern der Sittich ist quasi wachsend und auffliegend dargestellt.

Eberhard von Buchenau tritt nicht nur hier an der Alten Burg als Bauherr auf, sondern er ließ auch 1568-1573 die evangelische Kirche im Dorf errichten, als erste rein evangelische Kirche Hessens, nachdem er den evangelischen Glauben angenommen und in seinem Herrschaftsbereich die Reformation eingeführt hatte, übrigens eine sehr interessante Tatsache im direkten Einflußgebiet des Stifts Fulda. Die Bauinschrift an der Außenwand der Kirche lautet: "ANNO DOMINI 1568 IST HER  IACOB KOCH SIDDICH VIED  SIND BAUMEISDER GEWASD AN KRISDLICHEN KIRCHEN". Normalerweise wurden einst katholische Kirchen umgewandelt, aber diese Kirche wurde von Anfang an als protestantische Kirche erbaut. Die Buchenauer Kirche war sogar Vorbild und typbildend, als kurze Zeit später die Kirchen von Buchenau, Bodes und Erdmannrode errichtet wurden. Damit bildeten die Herren von Buchenau eine kleine protestantische Kulturinsel neben dem ungleich bedeutenderen Herrschaftsbereich der Landgrafen von Hessen-Kassel. Eberhards Sohn Georg Melchior übrigens ließ später das Neue Schloß erbauen.

Das Wappen für seine Frau, Margareta von Goldacker, ist geteilt und halbgespalten, Feld 1: in Gold ein aus der Teilung wachsender schwarzer Ziegenbock, Feld 2: silbern, Feld 3: rot, auf dem Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-goldenen Decken wachsend ein golden gekleideter bärtiger Mannesrumpf mit silbern-gestulpter roter Mütze (Siebmacher Band: Pr Seite: 143 Tafel: 190, Band: Sa Seite: 29 Tafel: 31, Band: SchwA Seite: 10 Tafel: 7, auch abgebildet in: Carl Alexander von Volborth: Heraldik - eine Einführung in die Welt der Wappen). Die Familie ist in Thüringen, Sachsen und Schwarzburg beheimatet.

Exkurs: Wer diese Wappenkombination in Farbe sehen möchte, muß sich in die Kirche des Ortes auf der Anhöhe über dem Dorf begeben, denn dort befindet sich das passende Epitaph im Chor, links hinter dem Altar, im Aufsatz auf 1584 datiert. Die zugehörige zweiteilige Inschrift auf der Predella lautet: HOC EBERHARDVS OPVS STATVIT BVCHENOICVS HEROS VXORI AC NATIS MORTIS ET IPSE MEMOR ANNO POST QVANDO PIA MARGARIS VXOR OBIVIT AVRO CVI DEDERAT NOMINA IVNCTVS AGER QVA CVM TRES HABVIT NATOS TOTIDEMQVE PVELLAS QVORVM GEORG CHRISTOPH ORDINE MAIOR ERAT / WILHELM WOLF NONDVM BIMVS DISCESSIT IN AVRAS QVADRIMVS GEORG MELCHIOR HINC SEQVITUR TVM CHRISTINA AMLEY MATRIS PRIMO AEDITA PARTV NVPSERAT A BOYNBVRGKQVE GVLIELME TIBI ANN CVNGVNT DEINCEPS POST BEMAQVE BARBARA DICTA AGNETIS TENERA VIRGINITATE VIRENT". Abweichend von Literaturbeschreibungen ist dort die Goldacker-Helmzier rot-schwarz gespalten, und die flache schwarze Mütze trägt eine Reihe silbern-schwarz-golden-schwarz-roter Federn. Heraldisch rechts sind am Epitaph die teils falsch angestrichenen Ahnenwappen der von Buchenau, Nordeck von Rabenau, Steinau genannt Steinrück, Wais von Faurbach, von Wangenheim, von Boineburg und zwei weitere aufgereiht, heraldisch links die der Familien von Goldacker, von Zollner, von Boineburg, von Schlitz genannt Görtz, Hundt, Rüdt von Collenberg, von Herda und von Wangenheim, mit ebenso deutlichen Vorbehalten bei der gegenwärtigen Farbfassung.

Der im rechten Winkel angesetzte Westflügel des Spiegel-Schlosses ist genauso hoch wie der Nordflügel und besitzt die gleiche Traufhöhe, hat aber einen höher gezogenen Massivteil unter dem Fachwerkgeschoß. Zeitlich ist dieser Flügel in dieselbe Zeit wie der Nordflügel zu datieren. Auch hier gibt es am Portal einen Wappenstein, ein sehr einfaches Allianzwappen von Buchenau und von Goldacker (ohne Abbildung).

Ungewisse Zukunft der Alten Burg
Nach dem Tod von Sigmund Veit-Ludwig Johann Erich Buchonius Graf von Seckendorff-Gutend (20.12.1917-16.10.2005), Sohn eines ebenfalls Sigmund heißenden Vaters, und seiner Frau Ursula von der Wense (23.8.1919-21.3.2007) wurde das Zwillings-Schloß von deren Enkelin, Anna Freifrau von Rotenhan, geerbt und kam so in den Besitz der fränkischen Familie Rotenhan. Die Kinder von Sigmund und Ursula von Seckendorff sind Ferdinand Sigmund Graf Seckendorff (2.3.1949-), Sophie Luise Gräfin Seckendorff (4.2.1950-), vermählt mit Joachim Schütze, und Henriette Gräfin Seckendorff (10.12.1951-), vermählt mit Michael Braitinger.

Das seit mehreren Jahren leerstehende, baufällige und sich innen in desolatem Zustand befindende Seckendorff-Schloß steht aktuell (2017, optional zuzüglich der Vorburg) für 350000 € zum Verkauf. Es ist aber eine umfangreiche Sanierung des als unbewohnbar eingestuften Gebäudes erforderlich unter Erneuerung nur notdürftig abgestützter Decken und unter Einschluß der kompletten Sanitär- und Elektroinstallation und Erneuerung der Ausstattung, was mit einem Mehrfachen des Kaufpreises veranschlagt werden dürfte. Wegen der Baufälligkeit und dem Leerstand ist das Burgplateau unter normalen Umständen dem Besucher verschlossen; eine Besichtigung der Burg jenseits des Torhauses ist nur für Kaufinteressenten nach Absprache möglich (Stand 2017). Es ist dringend erforderlich, daß hier der erschreckend fortschreitende Verfall gestoppt wird und dringend notwendige Baumaßnahmen eingeleitet werden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Buchenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Eiterfeld)
Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 190.
Peter Schaaf: Geschichtliche Tabelle:
http://www.buchenau.info/historie/geschichtliche-tabelle/
Peter Schaaf: Geschichte von Buchenau:
http://www.buchenau.info/historie/
Herren von Buchenau:
https://heraldik-wiki.de/wiki/Buchenau_(Adelsgeschlecht,_Eiterfeld) - https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Adelsgeschlecht,_Eiterfeld)
Hubertus von Wilmowsky: Die Geschichte der Ritterschaft Buchenau von ihren Anfängen bis zum Wiener Kongreß, in: Fuldaer Geschichtsblätter, 40. Jahrgang, Nr. 1, 1964
Burgen und Schlösser in Buchenau:
http://www.eitratal.de/index.php/2-uncategorised
Genealogie der Herren von Buchenau: Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ Tafel 98 ff.
Peter Schaaf: Eberhard von Buchenau:
http://www.buchenau.info/historie/eberhard-von-buchenau/
Genealogie der letzten Seckendorff auf Buchenau:
http://gw.geneanet.org/jeskos?lang=fr&m=N&v=VON%20SCH%C3%96NING - http://gw.geneanet.org/jeskos?lang=fr&pz=jesko+wichard&nz=stampa&ocz=0&p=gertrud+barbara&n=von+schoning - http://gw.geneanet.org/jeskos?lang=fr&pz=jesko+wichard&nz=stampa&ocz=0&p=sigmund&n=von+seckendorff und abhängige Seiten
Peter Schaaf: Seckendorff-Schloß:
http://www.buchenau.info/seckendorff-schloss/
Peter Schaaf: Spiegel-Schloß:
http://www.buchenau.info/spiegel-schloss/
Peter Schaaf: Evangelische Kirche Buchenau:
http://www.buchenau.info/evangelische-kirche/
Zum Torhaus, Genealogie:
http://www.stammreihen.de/getperson.php?personID=I878707S&tree=tree1
Genealogie der von Seckendorff:
http://www.stammreihen.de/familygroup.php?familyID=F889913S&tree=tree1&PHPSESSID=f175460a027aa7f03f901253e6acf2aa und
http://geneall.net/de/name/1847101/sigmund-gustav-hermann-georg-ernst-freiherr-von-seckendorff-gutend/ - http://geneall.net/de/name/1847103/sigmund-veit-ludwig-johann-erich-buchonius-graf-seckendorff/ -
Verkauf des Seckendorff-Schlosses:
http://www.fuldaerzeitung.de/topthema/immobilien-ausverkauf-in-osthessen-wasserschloss-und-seckendorff-schloss-im-internet-angeboten-KN6249783
Verkaufsangebot Seckendorff-Schloß:
https://www.schloss-burg-verkauf.de/verkauf-burg-osthessen-hessen.html#page
Alte Burg:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Buchenau,_Alte_Burg
Buchenau:
http://www.schloss-buchenau.de/infos-download/ort-buchenau - http://www.schloss-buchenau.de/mydata/pdf/Info_Geschichte.pdf
August Weber: Die Geschichte des Kreises Hünfeld, 1960, S. 41-44 f.
Erwin Sturm: Die Bau- und Kunstdenkmale des Kreises Hünfeld, Bad 2 der Reihe Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes, 1971, S. 49 ff.
von Seckendorff:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seckendorff
von Goldacker:
https://de.wikipedia.org/wiki/Goldacker
von Schöning:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schöning_(Adelsgeschlecht)

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