Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2425
Buchenau (Gemeinde Eiterfeld, Landkreis Fulda)

Obere Burg Buchenau (sogenanntes Generalshaus)

Die sogenannte Obere Burg ist ein Herrschaftsensemble nordöstlich des Neuen Schlosses, älter als dieses und der erste Herrschaftssitz eines Familienzweiges innerhalb der Ganerbschaft außerhalb der Mauern der Alten Burg. Das auf einem heute teilweise bis zu 2 m Höhe verschütteten Sockelgeschoß in Fachwerkbauweise errichtete, zweigeschossige Generalshaus wurde 1550 von Georg von Buchenau (1535-1563) und seiner Frau Susanne von Mansbach erbaut (schlichte Kratzzeichnung eines Allianzwappens an der Nordost-Ecke an einem Eckquader, ohne Abb.), vermutlich auf einem älteren Sockel aus dem 15. Jh. (Sockelportal und kleine Fenster lassen ein höheres Alter annehmen als die darüber liegenden Fachwerkgeschosse aus der Mitte des 16. Jh.). Es ist damit das älteste Gebäude des Ensembles, das außerdem noch das Försterhaus aus der Mitte des 18. Jh. als Sitz des zuständigen Forstverwalters, das moderne, erst 1953 als Internatshaus errichtete Berghaus, das Garagenhaus, die alte Landwirtschaft, das Seminarhaus, das Backhaus sowie das Torhaus umfaßt. Die Obere Burg wird im Norden von einer Zinnenmauer mit kräftigen Mauerstützen gegen das abfallende Gelände hin gesichert. Mit dem angegebenen Baujahr ist das Generalshaus älter als das Seckendorff-Schloß und das Spiegelschloß auf der Alten Burg und sowieso älter als das knapp 70 Jahre jüngere Neue Schloß. Die obere Burg gehörte zu dem Teil der Ganerbschaft, der von den Herren von Buchenau zuerst an das Stift Fulda und dann an die Schenck von Schweinsberg ging, und sie nahm die gleichen besitzrechtlichen Wege wie das Neue Schloß.

Eine umfangreiche Wiederherstellung unter Erneuerung des Dachwerks erfuhr das einst als Renterei für das Schenckenschloß dienende Generalshaus im Jahre 1713 durch Wolf Christoph Schenck zu Schweinsberg (26.9.1653-3.9.1717). Er war Erbschenk, Generalleutnant in Diensten von Hessen-Kassel, wurde 1689 vor Mainz lahm geschossen, quittierte 1694 den Dienst, wurde 1706 als Kommandant von Marburg berufen. Dieser war es, der 1692 sein halbes Erbe in Burghaun mit Fulda gegen dessen Teil an Buchenau tauschte und 1694 seinen Wohnsitz nach Buchenau verlegte, und nach ihm wird das Gebäude Generalshaus genannt. Der Zugang zum Gelände wird flankiert von zwei runden Torpfosten unbekannter Herkunft, in die Löwenmasken mit weit aufgerissenen Mäulern eingelassen sind.

Eine zweite Renovierung erfuhr das Generalshaus 1903, der ein Umbau folgte: An das historische Generalshaus wurde von Hans Schenck zu Schweinsberg im Jahre 1904, ohne daß es dafür ein bauliches oder historisches Indiz gegeben hätte, an dieses ein wuchtiger Turm "dranrestauriert", offensichtlich war ihm das alte Holzhaus nicht herrschaftlich genug. Der historistische Turm ist eine Kopie des entsprechenden Turmes auf der Wartburg (hinterer, niedrigerer Bergfried), nur daß sich dort ein riesiger, steinerner, staufischer Palas anschließt, und hier nur ein Fachwerkhäuschen. So deplaciert der Turm auch ist, heute ist er schon wieder ein Dokument der romantisierenden Denkmalpflege jener Zeit, die Ideen Gestalt gab ohne Rücksicht auf nachweisbaren Baubefund.

Die Inschrift im unteren Teil des über der Tür angebrachten steinernen Bogenfeldes lautet: "Anno 1903 / Liess Freiherr Hans Schenck dies erneu.(ern) / In's Herren Treu' steht Haus und Bäu." Mit diesem Wortlaut greift der Bauherr den Inschriftentext der Spolie am Schenckenschloß auf, der lautet: "M.D.LXXX DREI (1583) LI(ES)S / BERNHARD WILHELM DI(E)S / ERNEV INS HERREN TREV / STEHT HAVS VND BEV." Die Parallelität der Wortwahl ist beabsichtigt und soll die Kontinuität zwischen ältestem und neuestem Wappenstein versinnbildlichen. Im oberen Teil sind zwei Wappen angebracht, die für die beiden die Geschichte der Oberen Burg bestimmenden Familien stehen.

Optisch links befindet sich neben der Jahreszahl 1550 der einwärts gewendete Wappenschild für die Herren von Buchenau, in Gold ein gekrönter grüner Sittich mit erhobenem Bein und mit rotem Halsband (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 165 Tafel: 115, Band: NaA Seite: 17 Tafel: 23, Band: PrE Seite: 33 Tafel: 26, Band: ThüA Seite: 95 Tafel: 74, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 58 Seite 153). Gegenüber ist das Wappen der Schenck von Schweinsberg neben der Jahreszahl 1694, welche sich auf den Einzug der Familie in Buchenau bezieht.

Nur ein Jahr später, 1904, ist dieser Wappenstein von Hans Hermann Georg Conrad Freiherr Schenck zu Schweinsberg (4.3.1871-19.10.1912), Sohn von Ernst Moritz Ludwig Schenck zu Schweinsberg (1838-2.5.1887) und Sophie Caroline Marie Wilhelmine Luise von Biedenfeld (1850-1.7.1930), an der Rückseite des historistischen Turmes angebracht worden. Es ist der gleiche Bauherr, der 1910 den Hochzeitsturm am Neuen Schloß errichten ließ und auch dort mit seinem Wappen verewigt ist, geteilt, oben in Blau ein schreitender goldener Löwe, unten in Silber 4 (3:1) rote Rauten (hier falsche Richtung der Schraffur). Dazu würden zwei hier nicht dargestellte Helme gehören: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Wolfsrumpf, in dessen Ohren zwei Federn stecken, silbern und rot (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein beiderseits mit einem wie der Schild bez. Schildchen belegter schwarzer Flug (der Flug ohne Schildchen wurde 1568 nach dem Absterben der Vogt von Fronhausen angenommen, die Schildchen wurden später draufgelegt). Hans Schenck zu Schweinsberg war der letzte seiner Familie in Buchenau. Hoch verschuldet starb er 1912, und seine Frau, Else Hupertz (1890-1979) und seine Tochter, Hedwig Schenck zu Schweinsberg (16.10.1911-10.4.1997), verließen Buchenau für immer, während die Obere Burg ebenso wie das Schenckenschloß veräußert werden mußten (siehe dort).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Buchenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Eiterfeld)
August Weber: Die Geschichte des Kreises Hünfeld, 1960, S. 41-44 f.
Erwin Sturm: Die Bau- und Kunstdenkmale des Kreises Hünfeld, Bad 2 der Reihe Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes, 1971, S. 51-55
Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 190.
Rudolf Buttlar-Elberberg: Stammbuch der Althessischen Ritterschaft, Kassel 1888:
http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN513401067 - http://gdz.sub.uni-goettingen.de/download/PPN513401067/PPN513401067___LOG_0001.pdf
Schenck zu Schweinsberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schenck_zu_Schweinsberg
Peter Schaaf: Geschichtliche Tabelle:
http://www.buchenau.info/historie/geschichtliche-tabelle/
Peter Schaaf: Geschichte von Buchenau:
http://www.buchenau.info/historie/
Hubertus von Wilmowsky: Die Geschichte der Ritterschaft Buchenau von ihren Anfängen bis zum Wiener Kongreß, in: Fuldaer Geschichtsblätter, 40. Jahrgang, Nr. 1, 1964
Burgen und Schlösser in Buchenau:
http://www.eitratal.de/index.php/2-uncategorised
Obere Burg Buchenau:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Buchenau,_Obere_Burg
http://www.schloss-buchenau.de/infos-download/ort-buchenau -
http://www.schloss-buchenau.de/mydata/pdf/Info_Geschichte.pdf
Peter Schaaf: Obere Burg:
http://www.buchenau.info/obere-burg/

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