Bernhard Peter
Kennzeichen illegitimer Geburt

Der Bastardfaden als Kennzeichen einer illegitimen Geburt:
Ein Faden ist ein um mehr als die Hälfte in seiner Breite verschlankter, schmaler Balken. Die Sichtbarmachung einer unehelichen Geburt erfolgt meist durch einen Schräglinksfaden (sog. Bastardfaden).

Führung des Bastardfadens:
Besonders verbreitet war der Bastardfaden in Frankreich, England, den Niederlanden, und zwar ab dem 15. Jh. In der Regel war der Gebrauch desselben beim Hochadel zu finden, nicht bei Bürgerwappen.

Die Verwendung des Bastardfadens für den Bastard ist keine Pflicht, aber ein häufiger Usus. Viele Bastarde führten unverändert das Wappen ihres Vaters weiter. Hier kam es stark auf die Gepflogenheiten der Zeit und der Familie an. Des weiteren gab es noch andere Möglichkeiten, uneheliche Geburt heraldisch auszudrücken.

Streng genommen vererbt sich das Zeichen für illegitime Geburt auch auf die ehelichen Nachkommen des Bastards. Besonders gerecht ist das nicht, denn weder der Bastard selbst noch seine Nachkommen konnten ja etwas für den "Fehltritt" des Verursachers dieser Bastardlinie, welcher heraldisch ohne Konsequenzen aus der Sache hervorging. Die ehelichen Nachkommen eines Bastards führen also ebenfalls den Bastardfaden in ihrem Schild. Er galt aber natürlich als abwertend und verschwand auch schon mal im Laufe der nachfolgenden Generationen aus ungeklärten Gründen.....

Beispiele für Bastardfäden in Deutschland:

     
     

Änderung in einen Schrägrechtsfaden
Natürlich war der Bastardfaden eine Abwertung, die die Besitzer möglichst wieder loswerden wollten. Ein Schräglinksfaden (sog. Bastardfaden) signalisiert uneheliche Geburt und stigmatisiert den Träger innerhalb einer Gesellschaft, in der das ein Manko war. Ein Schrägrechtsfaden dagegen diente häufig der Sichtbarmachung einer Nebenlinie und war nicht mit dem ungünstigen Eindruck behaftet. So strebte man nach Richtungswechsel des Fadens. Das bekannteste Beispiel ist das des Grafen von Dunois, Bastard von Orléans, dem Charles VII, König von Frankreich, im Jahre 1456 erlaubte, seinen Schräglinksfaden in einen Schrägrechtsfaden (wie für eine Nebenlinie üblich) zu ändern.

Bastardfäden in Großbritannien:
In der britischen Heraldik sind Bastardfäden eine wichtige, aber nicht die einzige Möglichkeit der Darstellung einer illegitimen Geburt. Ein Bastardfaden "bend sinister" konnte in Großbritannien sogar über ein Badge gelegt werden, nicht nur über Wappen. Er konnte auch über die Helmzier gelegt werden, auch dies wird als Kennzeichen illegitimer Geburt verstanden.

Historische Darstellungen mit Bastardfäden:

Vorsicht Falle:
Besonders lustig ist das, wenn man im Web sucht und auf einmal auf ein neu angenommenes Bürgerwappen stößt, welches jemand dieser Regel Unkundiges mit einem Schräglinksfaden ausgestattet hat...... Wie peinlich!

Variante: Der Einbruch
Hierbei handelt es sich nicht um ein Eigentumsdelikt nach StGB, sondern um eine Art verkürzten und etwas verdickten Bastardfaden. Als Einbruch bezeichnet man in der Heraldik einen extrem abgeledigten Balken mit schrägen Schnittkanten an der Herzstelle des Schildes, dem Schildinhalt aufgelegt. Ein Schräglinkseinbruch wird ebenfalls zum gegenüber dem Schräglinksfaden dezenteren Zeichen illegitimer Geburt. Die Richtung des gestutzten Schrägbalkens muß beim Blasonieren angegeben werden.

Beispiele für Einbrüche in Deutschland:

     

Andere Möglichkeiten in der deutschen Heraldik:
In Deutschland hat sich der Gebrauch des Bastardfadens aber nicht als allgemeines Prinzip durchgesetzt, vielmehr wurden andere Stilmittel der Wappenscheidung bevorzugt bemüht.

     
     
     

Weitere Kennzeichen illegitimer Geburt:

Ein Beispiel für Kennzeichen illegitimer Geburt in der britischen Heraldik: Die Barone Leconfield
Dieses heraldische "Peerage Plate" aus dem Jahr 1894 von Charles William Sherborn (1831-1912) wurde für die englische Adelsfamilie Wyndham, Barone Leconfield, angefertigt. Leconfield bezieht sich auf eine Herrschaft in East Riding in der Grafschaft York. Der Titel eines Earls of Egremont wurde 1749 geschaffen, die Position wurde mit einem Mitglied der Familie Seymour besetzt, mit Algernon Seymour, 7th Duke of Somerset, 1st Earl of Egremont (11.11.1684-1750). Danach ging der Titel an die bisherigen Wyndham baronets of Orchard Wyndham in Somerset. Dieser Titel eines Baronets Wyndham of Orchard Wyndham wiederum war 1661 geschaffen worden und erlosch 1845. Der 4. Baronet Wyndham, Sir Charles Wyndham (19.8.1710-21.8.1763), folgte nun 1750 als zweiter Earl of Egremont nach. Danach kam als dritter Earl of Egremont George O'Brien Wyndham (18.12.1751-11.11.1837) und dann als vierter und letzter Earl of Egremont George Wyndham (30.8.1785-2.4.1845), mit dem mangels Leibeserben auch der Titel wieder erlosch. Die Besitzungen, aber nicht der Titel, fielen an George Wyndham (5.6.1787-18.3.1869), einen Sproß einer illegitimen Linie der Familie, welchem am 4.4.1859 der Titel Lord Leconfield verliehen worden war. Genauer war er der älteste uneheliche Sohn des dritten Earls of Egremont mit Elizabeth Iliffe, Tochter des Rev. Iliffe, Master of Westminster School, und er war vom letzten Earls als Erbe ausersehen worden. Um es noch komplizierter zu machen, wurde dem Urenkel des 1. Lord Leconfield, John Edward Reginald Wyndham, 6th Baron Leconfield (5.6.1920-6.6.1972) im Jahre 1963 am 27.11. zusätzlich noch der Titel eines Lord Egremont (nicht Earl!) of Petworth in der Grafschaft Sussex verliehen, so daß die heutigen Wyndham den Titel Lord Egremont and Leconfield führen. So ganz neu ist der Titel eines Barons Egremont nicht, denn ein solcher wurde bereits 1449 geschaffen, damals aber für ein Mitglied der Percys, nämlich Thomas Percy, 1st Baron Egremont (1422-1460). Nach dessen Tod verschwand aber der Titel in der Versenkung, während die gräflichen Egremonts aufstiegen, um dann 1963 wiederentdeckt zu werden. Seit 2010 ist der Titelinhaber der 7. Baron, (John) Max Henry Scawen Wyndham, 7th Baron Leconfield, 2nd Baron Egremont (21.4.1948-) ist unter dem verkürzten Namen Max Egremont als Autor tätig. Die Familie Wyndham lebt seit über 250 Jahren auf ihrem Stammsitz Petworth House in West Sussex, der allerdings 1947 dem National Trust übergeben wurde und heute zum größten Teil als Museum zu besichtigen ist, während die Familie nur noch im Südflügel wohnt.

 

Die beiden Ausschnittsvergrößerungen von Schild und Helmzier zeigen das Bemerkenswerteste an diesem Wappen, mehrere typisch britische Zeichen für "illegitime Geburt". Die Wyndham, Barone Leconfield stammen, wie oben dargelegt, von einem der illegitimen Söhne des 3. Earl of Egremont ab. Im Schild sehen wir als Zeichen der unehelichen Geburt einen Wellenbord (a bordure wavy) zur Differenzierung, hier in goldener Tinktur. Die Wyndham, Earls of Egremont führen das Schildbild ohne den Wellenbord (Azure, a chevron or between three lion's heads erased or). Die Wyndham Barons Egremont and Leconfield haben jedoch zusätzlich die bordure wavy or. Bei der Helmzier (Abb. unten) ist der wachsende Löwenrumpf mit einem roten Wellenschragen belegt, quasi durchgestrichen (the crest slashed through with a saltire wavy gules), auch dies ein weiterer Hinweis auf illegitime Abstammung. Die Wyndham, Earls of Egremont haben nur "a lion's head erased within a fetterlock Or the bow compony counter-compony Or and Azure" ohne Wellenschragen.

 

Insgesamt lautet die Blasonierung für die Wyndham, Barone Leconfield: Innerhalb eines goldenen Wellenbordes in Blau ein goldener Sparren zwischen drei (2:1) abgerissenen, goldenen Löwenköpfen, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken innerhalb eines goldenen Fesselschlosses mit in zwei Reihen blau-golden gestücktem Bügel ein goldener, abgerissener Löwenkopf, rot gezungt und mit einem roten Wellenschragen belegt. Der englische Blason wäre: Azure, a chevron between three lion's heads erased Or within a bordure wavy of the last, crest a lion's head erased Or, within a fetterlock, the lock Or and the bow countercompony Or and Azure, the head charged with a saltire wavy Gules. Der seltene Begriff "fetterlock" hat nur noch in der Heraldik überlebt, er bezeichnet eine D-förmige Vorrichtung, um ein Pferd an seiner Fessel damit irgendwo anzubinden. Die beiden Schildhalter würde man als "dexter: a Winged Lion Azure collared Or, sinister: a Griffin Argent gouty de sang plain collared Gules", also rechts ein blauer, geflügelter Löwe mit goldenem Halskragen, links ein silberner, mit roten Tropfen bestreuter Greif mit rotem Halskragen. Dies ist ein drittes Differenzierungsmerkmal, denn die Wyndham, Earls of Egremont haben nur "dexter: a lion Azure winged Or, sinister: a griffin Argent guttée de sang", also jeweils ohne den Halskragen.

Die Familie Lennox, Dukes of Richmond: ein illegitimer Sproß von King James II.:
Zur Illustration eines weiteren Falles von Illegitimität in der britischen Heraldik diene dieses aus dem späten 18. Jh. stammende Bücherzeichen, das ein unbekannter Künstler für Lord George Lennox anfertigte, der auf Stoke bei Chichester in Sussex lebte. Bei dem Exlibriseigner handelt es sich um Lord George Henry Lennox (29.11.1737-25.3.1805), den Sohn von Charles Lennox, 2nd Duke of Richmond (18.5.1701-8.8.1750). Lord George Henry Lennox war ein nachgeborener Sohn, der vierte insgesamt und der zweite überlebende. Sein älterer Bruder Charles Lennox trat nach dem Tod des Vaters die Nachfolge als 3rd Duke of Richmond an, der 1806 starb, ein Jahr nach dem Exlibriseigner. Da Charles Lennox selbst keine Kinder hatte, kamen jetzt die Kinder des übergangenen zweiten Sohnes zum Zuge: Der 4th Duke of Richmond wurde Charles Lennox (9.9.1764-28.8.1819), Sohn des hier relevanten Lord George Henry Lennox, der einfach ein Jahr zu früh verstarb, um selbst zum Zuge zu kommen. So kommt es, daß der Exlibriseigner aus der Familie der Lennox nicht unter dem geläufigen Namen der Dukes of Richmond auftritt, weil er als nachgeborener und in der Erbfolge übergangener Sohn keine eigenen Titel innehatte.

Wir sehen auf dem Blatt ein typisches Ehewappen. Der Schild ist gespalten, heraldisch rechts befindet sich die Hälfte mit dem Wappen des Ehemannes. Dieses ist geviert, Feld 1 und 4 erneut geviert, Feld a und d: in Blau drei (2:1) goldene Lilien (Königreich Frankreich, Azure three fleurs de lis Or), Feld b und c: in Rot drei schreitende, hersehende, goldene Löwen übereinander (Königreich England, Gules three lions passant guardant in pale Or armed and langued Azure), Feld 2: in Gold innerhalb eines roten, beiderseits mit Lilien besteckten Zwillingsinnenbordes ein roter Löwe (Königreich Schottland, Or a lion rampant within a double tressure flory counter-flory Gules), Feld 4: in Blau eine goldene Harfe (Königreich Irland, Azure a harp Or stringed Argent). Das Ganze wird umgeben von einem rot-silbern gestückten Bord, wobei die silbernen Plätze jeweils mit einer roten Rose belegt sind (the whole within a bordure company Argent charged with roses Gules barbed and seeded proper and the last), als Zeichen der Illegitimität.

Bei diesem Wappen handelt es sich - bis auf den Bord - um ein historisches Wappen des Königshauses von Großbritannien, wie es von den Stuarts geführt wurde, beginnend mit James I. Es war so in Gebrauch bis zum Act of Union with Scotland 1707. Im einzelnen umfaßt das die Herrscher aus dem Hause Stuart James I. (1603-1625), Charles I. (1625-1649), Charles II. (1660-1685), James II. (1685-1688), und später wurde es in dieser Form noch einmal von Anne (1702-1707) verwendet. Daß die Lennox dieses Wappen verwenden, hat seine Ursache darin, daß sie von Charles II. abstammen und eine illegitime Linie des britischen Königshauses sind: Charles Fitzroy (29.7.1672-1723), der später den Namen Lennox erhielt und zum 1st Duke of Richmond erhoben wurde, war der uneheliche Sohn von König Charles II. und seiner Mätresse Louise Renée de Penancoet de Kérouaille (6.9.1649-14.11.1734), suo jure Duchess of Portsmouth und of Aubigny. Charles II. hatte eine so ausgiebige Mätressenwirtschaft und mehrere uneheliche Kinder, daß der englische Hof im Ausland gerne "Herrschaft der Unterröcke" genannt wurde. Übrigens... Louise Renée de Penancoet de Kérouaille ist eine Vorfahrin beider Ehefrauen von Prince Charles, sowohl von Diana, Princess of Wales, als auch von Camilla, Duchess of Cornwall.

 

Der Königssohn (Fitzroy = fils du roi) Charles wurde nun von seinem Vater mit Titeln ausgestattet: Am 9.8.1675 wurde er zum Baron Settrington erhoben, of Settrington in the County of York, weiterhin zum Earl of March und zum Duke of Richmond. Am 9.9.1675 wurde er noch zum Lord Torbolton, Earl of Darnley und zum Duke of Lennox gemacht. Trotz allem: Der Bord als Kennzeichen unehelicher Geburt blieb. Die Familie Lennox sammelte eine bunte Mischung "internationaler" Titel: Rein englische Titel sind Duke of Richmond, Earl of March und Baron Settrington. Rein schottische Titel sind Duke of Lennox, Earl of Darnley und Lord Torbolton. Später - greifen wir in der Familiengeschichte ein wenig vor - kamen noch britische Titel des Vereinigten Königreiches hinzu, der am 13.1.1876 geschaffene Titel eines Duke of Gordon und der am selben Datum geschaffene Titel eines Earl of Kinrara. Und über die Stammmutter, des Königs Mätresse also, besitzt die Familie noch einen Titel des Königreichs Frankreich, den 1683/1684 geschaffenen Titel eines Herzogs von Aubigny (bezieht sich auf Aubigny-sur-Nère). Ihr Enkel Charles, der 2nd Duke of Richmond, folgte ihr am 14.11.1734 als 2nd Duke of Aubigny nach. Charles Fitzroy, später Lennox, bekam neben den vielen Titeln auch Schlösser, Ländereien, Ehren und Ämter: 1675 erhielt er das Castle of Richmond; 1680 bekam er die Ländereien von Lennox. Er wurde 1681 Ritter des Hosenbandordens. 1681 wurde er Governor of Dumbarton Castle. 1681-1684/1685 war er Master of the Horse, 1683 High Steward der Stadt York, 1694 Lord High Admiral, was in etwa dem Marineminister entsprach. Er war 1714-1723 Lord of the Bedchamber und wurde 1715 Privy Councillor. Außerdem war er als engagierter Freimaurer bekannt, der 1696-1697 den englischen Freimaurern als Grand Master vorstand.

Soweit zum Stammvater der Dukes of Richmond. Nach seinem Tod folgte sein erstgeborener Sohn nach, Charles Lennox (18.5.1701-8.8.1750), 2nd Duke of Richmond, der Vater des Exlibrisbesitzers. Er machte eine militärische und politische Laufbahn. Zunächst ging er 1721/1722 zu den Horse Guards, wo er 1722 Captain, 1739 Brigadegeneral, 1742 Major General und 1745 Lieutenant General und General wurde. Er saß 1722-23 im Parlament für Chichester. Zur Krönung von George II. wurde er 1727 Lord High Constable of England. 1734/35-1750 war er Master of the Horse, 1734/35 war er Privy Councillor. 1740, 1745, 1748 sowie 1750 war er jeweils Lord Justice of the Realm. 1748-49 war er Botschafter in Frankreich. 1735 war er Mayor of Chichester; 1749 wurde er High Steward of Chichester. Gleich seinem Vater war er als Freimaurer aktiv und war 1724-1725 Grand Master of Freemasons. An Ehrungen erfuhr er 1725 die Aufnahme als Knight of the Bath und 1726 als Ritter des Hosenbandordens. Und er war 1726-1735 Lord of the Bedchamber.

Dessen nachgeborener Sohn war also der Exlibrisbesitzer, Lord George Henry Lennox (29.11.1737-25.3.1805), der eine Karriere beim Militär machte und danach politisch aktiv wurde, wenn auch immer ein wenig im Schatten seines Bruders. 1758-1762 diente er als Colonel des 33. Infanterieregiments, war auf der Isle of Wight stationiert und nahm von da aus im Siebenjährigen Krieg an Angriffen auf die französische Küste und die Küstenfestungsstadt St. Malo teil. Zusammen mit seinem Bruder, der ein weiteres Regiment anführte, führten sie im August 1758 einen erfolgreichen Angriff auf die Hafenstadt Cherbourg durch, bei dem sie u. a. 30 französische Schiffe zerstörten. Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges kämpfte er auch auf deutschem Boden bei Minden und Campen. Danach folgte ereignisarmer Garnisonsdienst auf der Isle of Wight. 1762 wurde er Colonel des 15. Infanterieregiments, das er bis zu seinem Tod befehligte. Er wurde 1763 Brigadegeneral in Portugal, 1772 Major-General, 1777 Lieutenant-General. 1769 ging er mit seinem Regiment nach Menorca und kehrte erst ca. 1773 nach England zurück. Im Jahre 1767 lehnte er das Angebot ab, Botschafter in Rußland zu werden. 1771 bekam er Ärger nach einem Streit mit dem Gouverneur, John Mostyn, und er wurde vor Gericht wegen respektloser Rede mit einen Vorgesetzten belangt und zur Entschuldigung gezwungen. Am 16.2.1784 wurde er Constable des Towers in London, was er ein Jahr lang blieb. 1761-1790 war Lord George Henry Lennox Parlamentsmitglied, zunächst 1761 bis Januar 1767 für Chichester und vom 3.2.1767 bis 1790 für Sussex. Von 1774 bis 1782 hielt er es bei Abstimmungn grundsätzlich mit der Opposition. 1772 wurde er zum Mayor of Chichester gewählt. 1784 wurde er zum Mitglied des Privy Council ernannt. 1790 zog er sich aus dem Parlament zurück; sein Sohn übernahm seinen Sitz.

Lord George Henry Lennox heiratete am 25.12.1759 Lady Louisa Kerr (-1830), die erstgeborene Tochter von William Kerr (1710-12.4.1775), 4th Marquess of Lothian, und dessen Frau Caroline D'Arcy (-15.11.1778), einzige Tochter von Robert D'Arcy, 3rd Earl of Holderness. Das Wappen der Ehefrau, das der Kerr, sieht man in der linken Spalthälfte des Schildes: Geviert, Feld 1 und 4: in Blau eine gesichtete, goldene Strahlensonne, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner, mit drei roten, fünfzackigen Sternen belegter Sparren. Englischer Blason: Quarterly, 1st and 4th: a sun in splendour proper (Lothian), 2nd and 3rd: Gules on a chevron Argent three mullets of the field (Lordship of Jedburgh).

Die ohne Helm geführte Helmzier auf dem Exlibris ist die des Ehemannes, auf einem roten, mit Hermelin aufgeschlagenen Turnierhut ein stehender goldener Löwe, mit einer roten herzoglichen Krone (engl.: on a chapeau Gules turned up Ermine a lion statant guardant Or crowned with a ducal coronet Gules). Hier nicht zu sehen, wird dem Löwen heute noch ein Kragen umgelegt, der wie der Bord um den Schild gestaltet ist (engl.: gorged with a collar company of four pieces Argent charged with roses Gules and the last). Wir sehen ferner zwei Schildhalter, rechts ein silbernes, golden bewehrtes und bemähntes Einhorn, links eine ebensolche Antilope. Beide tragen einen silbern-blau geschachten Halskragen, der heute aber anders geführt wird, hier vermutlich an das Wappen der Stuarts erinnern soll. Englischer Blason: Supporters: dexter an Unicorn Argent armed, crined and unguled Or, sinister an Antelope Argent, also armed, crined and unguled Or, each supporter gorged with a collar chequy Argent and Azure. Unter dem Wappen ist als Devise zu lesen: EN LA ROSE JE FLEURIE - unter der Rose erblühe ich.

Was im Wappen des Ehemannes fehlt, ist der Herzschild für das französische Herzogtum Aubigny, in Rot drei (2:1) goldene runde Gürtelschnallen (engl.: overall an escutcheon Gules charged with three buckles Or, frz.: de gueules, aux drois fermaillets d'or). Das liegt daran, daß dieser Titel, den sein Vater dessen Großmutter am 14.11.1734 als 2nd Duke of Aubigny nachfolgte, dieser Titel aber 1750 an den älteren Bruder des Exlibrisbesitzers ging. Dieser hätte den Herzschild verwenden können.

Die Familie, die neben all den bereits genannten Titeln auch noch Hereditary Constable of Inverness Castle ist, lebt auf Goodwood House, Chichester, West Sussex. Der gegenwärtige Inhaber der Titel ist Charles Henry Gordon-Lennox (19.9.1929-), 10th Duke of Richmond. Der Heir Apparent ist sein Sohn, Lord Charles Henry Gordon-Lennox (8.1.1955-), Earl of March and Kinrara, vermählt in erster Ehe am 3.7.1976 mit Sally Clayton, geschieden 1989, vermählt in zweiter Ehe 1991 mit Janet Elizabeth Astor.

Die Familie Gordon-Lennox führt das Wappen heute noch etwas aufwendiger als auf dem historischen Blatt dargestellt: Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4 erneut geviert mit Herzschild, Feld a und d: erneut geviert: Feld aa und dd: in Blau drei (2:1) goldene Lilien (Königreich Frankreich), Feld bb und cc: in Rot drei schreitende, hersehende, goldene Löwen übereinander (Königreich England), Feld b: in Gold innerhalb eines roten, beiderseits mit Lilien besteckten Zwillingsinnenbordes ein roter Löwe (Königreich Schottland), Feld c: in Blau eine goldene Harfe (Königreich Irland), Herzschild: in Rot drei (2:1) goldene runde Gürtelschnallen (Herzogtum Aubigny). Das Ganze wird nach wie vor umgeben von einem rot-silbern gestückten Bord, wobei die silbernen Plätze jeweils mit einer roten Rose belegt sind, als Zeichen der illegitimen Abstammung von König James II. Feld 2: in Silber ein roter, gedornter Schragen, bewinkelt von vier roten, golden bebutzten Rosen mit grünen Kelchblättern (Lennox), Feld 3: geviert, Feld a: in Blau drei (2:1) goldene Eberköpfe (Gordon), Feld b: in Gold drei (2:1) rote abgerissene Löwenköpf (Badenoch), Feld c: in Gold innerhalb eines beiderseits mit Lilien besetzten roten Zwillingsinnenbordes drei (2:1) rote liegende Mondsicheln (Seton), Feld d: in Blau drei (2:1) silberne Fünfblätter (Fraser).

Englischer Blason des heutigen Wappenschildes: Quarterly: 1st and 4th grand quarters, the Royal Arms of Charles II. (quarterly, 1st and 4th: France and England quarterly, 2nd: Scotland, 3rd: Ireland), the whole within a bordure company Argent charged with roses Gules barbed and seeded proper and the last, overall an escutcheon Gules charged with three buckles Or (Dukedom of Aubigny), 2nd grand quarter: Argent a saltire engrailed Gules between four roses of the second barbed and seeded proper (Lennox), 3rd grand quarter: quarterly, 1st: Azure three boars' heads couped Or (Gordon), 2nd: Or three lions' heads erased Gules (Badenoch), 3rd: Or three crescents within a double tressure flory counter-flory Gules (Seton), 4th: Azure three cinquefoils Argent (Fraser).

Literatur, Quellen und Links:
Hans Trüper, Unebenbürtige Nachkommen von Bremer Domherren und Landadligen im 16. und 17. Jh. - http://www.genealogy.net/vereine/maus/blaetter/dgt2002_seite_187-201.pdf
Wappenbuch der Stadt Basel. Unter den Auspizien der historischen u. antiquarischen Gesellschaft in Basel herausgegeben von W. R. Staehelin, Zeichnungen Carl Roschet et al., 3 Teile in mehreren Folgen, Basel
Herrn Stephen Slater ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
Wappenbuch des churbayrischen Adels (Kopie eines Originals von 1560 aus dem 18. Jh.), Band 1 – Bayerische Staatsbibliothek, BSB Cgm 1508
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Herrn Stephen Slater ein herzliches Dankeschön für die Abbildung des Sherborn-Exlibris und wertvolle Hinweise und Erläuterungen dazu.
Earl of Egremont:
http://en.wikipedia.org/wiki/Earl_of_Egremont
Wyndham:
www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/wyndhamb1661.htm
Baron Leconfield:
http://en.wikipedia.org/wiki/Baron_Leconfield
Petworth House:
http://en.wikipedia.org/wiki/Petworth_House - http://www.nationaltrust.org.uk/petworth-house/visitor-information/ - http://www.nationaltrust.org.uk/petworth-house/history/
Baron Leconfield:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/leconfield1859.htm
Earl of Egremont:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/egremont1749.htm
Blason:
http://apps.nationalarchives.gov.uk/a2a/records.aspx?cat=182-pha_3&cid=14#14
Wappen der Dukes of Richmond:
http://www.thehistoryguide.co.uk/the-duke-of-richmonds-coat-of-arms/
Dukes of Richmond:
https://en.wikipedia.org/wiki/Duke_of_Richmond
Aubigny-sur-Nère:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Aubigny-sur-N%C3%A8re - https://de.wikipedia.org/wiki/Aubigny-sur-N%C3%A8re
Dukes of Richmond:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/richmond1675.htm
Lord George Lennox:
http://www.historyofparliamentonline.org/volume/1754-1790/member/lennox-george-henry-1737-1805
Lord George Lennox:
https://en.wikipedia.org/wiki/Lord_George_Lennox
Charles Lennox, 2nd Duke of Richmomnd:
https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Lennox,_2nd_Duke_of_Richmond
Charles Lennox, 1st Duke of Richmond:
https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Lennox,_1st_Duke_of_Richmond
König Charles II. von England:
https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_II_of_England - https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_II._(England)
Marquess of Lothian:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/lothian1701.htm
Goodwood House:
https://www.goodwood.com/estate/goodwood-house/
Goodwood House:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/index2020.htm
Louise de Kérouaille:
https://en.wikipedia.org/wiki/Louise_de_K%C3%A9rouaille,_Duchess_of_Portsmouth

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