Bernhard Peter
Kennzeichen illegitimer Geburt

Der Bastardfaden als Kennzeichen einer illegitimen Geburt:
Ein Faden ist ein um mehr als die Hälfte in seiner Breite verschlankter, schmaler Balken. Die Sichtbarmachung einer unehelichen Geburt erfolgt meist durch einen Schräglinksfaden (sog. Bastardfaden).

Führung des Bastardfadens:
Besonders verbreitet war der Bastardfaden in Frankreich, England, den Niederlanden, und zwar ab dem 15. Jh. In der Regel war der Gebrauch desselben beim Hochadel zu finden, nicht bei Bürgerwappen.

Die Verwendung des Bastardfadens für den Bastard ist keine Pflicht, aber ein häufiger Usus. Viele Bastarde führten unverändert das Wappen ihres Vaters weiter. Hier kam es stark auf die Gepflogenheiten der Zeit und der Familie an. Des weiteren gab es noch andere Möglichkeiten, uneheliche Geburt heraldisch auszudrücken.

Streng genommen vererbt sich das Zeichen für illegitime Geburt auch auf die ehelichen Nachkommen des Bastards. Besonders gerecht ist das nicht, denn weder der Bastard selbst noch seine Nachkommen konnten ja etwas für den "Fehltritt" des Verursachers dieser Bastardlinie, welcher heraldisch ohne Konsequenzen aus der Sache hervorging. Die ehelichen Nachkommen eines Bastards führen also ebenfalls den Bastardfaden in ihrem Schild. Er galt aber natürlich als abwertend und verschwand auch schon mal im Laufe der nachfolgenden Generationen aus ungeklärten Gründen.....

Beispiele für Bastardfäden in Deutschland:

     
     

Änderung in einen Schrägrechtsfaden
Natürlich war der Bastardfaden eine Abwertung, die die Besitzer möglichst wieder loswerden wollten. Ein Schräglinksfaden (sog. Bastardfaden) signalisiert uneheliche Geburt und stigmatisiert den Träger innerhalb einer Gesellschaft, in der das ein Manko war. Ein Schrägrechtsfaden dagegen diente häufig der Sichtbarmachung einer Nebenlinie und war nicht mit dem ungünstigen Eindruck behaftet. So strebte man nach Richtungswechsel des Fadens. Das bekannteste Beispiel ist das des Grafen von Dunois, Bastard von Orléans, dem Charles VII, König von Frankreich, im Jahre 1456 erlaubte, seinen Schräglinksfaden in einen Schrägrechtsfaden (wie für eine Nebenlinie üblich) zu ändern.

Bastardfäden in Großbritannien:
In der britischen Heraldik sind Bastardfäden eine wichtige, aber nicht die einzige Möglichkeit der Darstellung einer illegitimen Geburt. Ein Bastardfaden "bend sinister" konnte in Großbritannien sogar über ein Badge gelegt werden, nicht nur über Wappen. Er konnte auch über die Helmzier gelegt werden, auch dies wird als Kennzeichen illegitimer Geburt verstanden.

Historische Darstellungen mit Bastardfäden:

Vorsicht Falle:
Besonders lustig ist das, wenn man im Web sucht und auf einmal auf ein neu angenommenes Bürgerwappen stößt, welches jemand dieser Regel Unkundiges mit einem Schräglinksfaden ausgestattet hat...... Wie peinlich!

Variante: Der Einbruch
Hierbei handelt es sich nicht um ein Eigentumsdelikt nach StGB, sondern um eine Art verkürzten und etwas verdickten Bastardfaden. Als Einbruch bezeichnet man in der Heraldik einen extrem abgeledigten Balken mit schrägen Schnittkanten an der Herzstelle des Schildes, dem Schildinhalt aufgelegt. Ein Schräglinkseinbruch wird ebenfalls zum gegenüber dem Schräglinksfaden dezenteren Zeichen illegitimer Geburt. Die Richtung des gestutzten Schrägbalkens muß beim Blasonieren angegeben werden.

Beispiele für Einbrüche in Deutschland:

     

Andere Möglichkeiten in der deutschen Heraldik:
In Deutschland hat sich der Gebrauch des Bastardfadens aber nicht als allgemeines Prinzip durchgesetzt, vielmehr wurden andere Stilmittel der Wappenscheidung bevorzugt bemüht.

     
     
     

Weitere Kennzeichen illegitimer Geburt:

Ein Beispiel für Kennzeichen illegitimer Geburt in der britischen Heraldik: Die Barone Leconfield
Dieses heraldische Bücherzeichen aus dem Jahr 1894 von Charles William Sherborn (1831-1912) wurde für die englische Adelsfamilie Wyndham, Barone Leconfield, angefertigt. Leconfield bezieht sich auf eine Herrschaft in East Riding in der Grafschaft York. Der Titel eines Earls of Egremont wurde 1749 geschaffen, die Position wurde mit einem Mitglied der Familie Seymour besetzt, mit Algernon Seymour, 7th Duke of Somerset, 1st Earl of Egremont (11.11.1684-1750). Danach ging der Titel an die bisherigen Wyndham baronets of Orchard Wyndham in Somerset. Dieser Titel eines Baronets Wyndham of Orchard Wyndham wiederum war 1661 geschaffen worden und erlosch 1845. Der 4. Baronet Wyndham, Sir Charles Wyndham (19.8.1710-21.8.1763), folgte nun 1750 als zweiter Earl of Egremont nach. Danach kam als dritter Earl of Egremont George O'Brien Wyndham (18.12.1751-11.11.1837) und dann als vierter und letzter Earl of Egremont George Wyndham (30.8.1785-2.4.1845), mit dem mangels Leibeserben auch der Titel wieder erlosch. Die Besitzungen, aber nicht der Titel, fielen an George Wyndham (5.6.1787-18.3.1869), einen Sproß einer illegitimen Linie der Familie, welchem am 4.4.1859 der Titel Lord Leconfield verliehen worden war. Genauer war er der älteste uneheliche Sohn des dritten Earls of Egremont mit Elizabeth Iliffe, Tochter des Rev. Iliffe, Master of Westminster School, und er war vom letzten Earls als Erbe ausersehen worden. Um es noch komplizierter zu machen, wurde dem Urenkel des 1. Lord Leconfield, John Edward Reginald Wyndham, 6th Baron Leconfield (5.6.1920-6.6.1972) im Jahre 1963 am 27.11. zusätzlich noch der Titel eines Lord Egremont (nicht Earl!) of Petworth in der Grafschaft Sussex verliehen, so daß die heutigen Wyndham den Titel Lord Egremont and Leconfield führen. So ganz neu ist der Titel eines Barons Egremont nicht, denn ein solcher wurde bereits 1449 geschaffen, damals aber für ein Mitglied der Percys, nämlich Thomas Percy, 1st Baron Egremont (1422-1460). Nach dessen Tod verschwand aber der Titel in der Versenkung, während die gräflichen Egremonts aufstiegen, um dann 1963 wiederentdeckt zu werden. Seit 2010 ist der Titelinhaber der 7. Baron, (John) Max Henry Scawen Wyndham, 7th Baron Leconfield, 2nd Baron Egremont (21.4.1948-) ist unter dem verkürzten Namen Max Egremont als Autor tätig. Die Familie Wyndham lebt seit über 250 Jahren auf ihrem Stammsitz Petworth House in West Sussex, der allerdings 1947 dem National Trust übergeben wurde und heute zum größtenteil als Museum zu besichtigen ist, während die Familie nur noch im Südflügel wohnt.

 

Die beiden Ausschnittsvergrößerungen von Schild und Helmzier zeigen das Bemerkenswerteste an diesem Wappen, mehrere typisch britische Zeichen für "illegitime Geburt". Die Wyndham, Barone Leconfield stammen, wie oben dargelegt, von einem der illegitimen Söhne des 3. Earl of Egremont ab. Im Schild sehen wir als Zeichen der unehelichen Geburt einen Wellenbord (a bordure wavy) zur Differenzierung, hier in goldener Tinktur. Die Wyndham, Earls of Egremont führen das Schildbild ohne den Wellenbord (Azure, a chevron or between three lion's heads erased or). Die Wyndham Barons Egremont and Leconfield haben jedoch zusätzlich die bordure wavy or. Bei der Helmzier (Abb. unten) ist der wachsende Löwenrumpf mit einem roten Wellenschragen belegt, quasi durchgestrichen (the crest slashed through with a saltire wavy gules), auch dies ein weiterer Hinweis auf illegitime Abstammung. Die Wyndham, Earls of Egremont haben nur "a lion's head erased within a fetterlock Or the bow compony counter-compony Or and Azure" ohne Wellenschragen.

 

Insgesamt lautet die Blasonierung für die Wyndham, Barone Leconfield: Innerhalb eines goldenen Wellenbordes in Blau ein goldener Sparren zwischen drei (2:1) abgerissenen, goldenen Löwenköpfen, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken innerhalb eines goldenen Fesselschlosses mit in zwei Reihen blau-golden gestücktem Bügel ein goldener, abgerissener Löwenkopf, rot gezungt und mit einem roten Wellenschragen belegt. Der englische Blason wäre: Azure, a chevron between three lion's heads erased Or within a bordure wavy of the last, crest a lion's head erased Or, within a fetterlock, the lock Or and the bow countercompony Or and Azure, the head charged with a saltire wavy Gules. Der seltene Begriff "fetterlock" hat nur noch in der Heraldik überlebt, er bezeichnet eine D-förmige Vorrichtung, um ein Pferd an seiner Fessel damit irgendwo anzubinden. Die beiden Schildhalter würde man als "dexter: a Winged Lion Azure collared Or, sinister: a Griffin Argent gouty de sang plain collared Gules", also rechts ein blauer, geflügelter Löwe mit goldenem Halskragen, links ein silberner, mit roten Tropfen bestreuter Greif mit rotem Halskragen. Dies ist ein drittes Differenzierungsmerkmal, denn die Wyndham, Earls of Egremont haben nur "dexter: a lion Azure winged Or, sinister: a griffin Argent guttée de sang", also jeweils ohne den Halskragen.

Literatur, Quellen und Links:
Hans Trüper, Unebenbürtige Nachkommen von Bremer Domherren und Landadligen im 16. und 17. Jh. - http://www.genealogy.net/vereine/maus/blaetter/dgt2002_seite_187-201.pdf
Wappenbuch der Stadt Basel. Unter den Auspizien der historischen u. antiquarischen Gesellschaft in Basel herausgegeben von W. R. Staehelin, Zeichnungen Carl Roschet et al., 3 Teile in mehreren Folgen, Basel
Herrn Stephen Slater ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
Wappenbuch des churbayrischen Adels (Kopie eines Originals von 1560 aus dem 18. Jh.), Band 1 – Bayerische Staatsbibliothek, BSB Cgm 1508
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Herrn Stephen Slater ein herzliches Dankeschön für die Abbildung des Sherborn-Exlibris und wertvolle Hinweise und Erläuterungen dazu.
Earl of Egremont:
http://en.wikipedia.org/wiki/Earl_of_Egremont
Wyndham:
www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/wyndhamb1661.htm
Baron Leconfield:
http://en.wikipedia.org/wiki/Baron_Leconfield
Petworth House:
http://en.wikipedia.org/wiki/Petworth_House - http://www.nationaltrust.org.uk/petworth-house/visitor-information/ - http://www.nationaltrust.org.uk/petworth-house/history/
Baron Leconfield:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/leconfield1859.htm
Earl of Egremont:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/egremont1749.htm
Blason:
http://apps.nationalarchives.gov.uk/a2a/records.aspx?cat=182-pha_3&cid=14#14

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