Der Beutelstand
Der
Beutelstand - eine frühe Helmzier
Der Beutelstand ist ein
hochinteressantes Hilfskleinod. Der Name kommt von der besonderen
Form, die an einen umgedrehten Geldbeutel erinnert. Ein
Beutelstand wirkt wie ein umgedrehtes Säckchen mit Mittelfalte,
das an den beiden oberen Ecken meistens je eine Quaste oder
Federn am Zipfel besitzt. Dadurch sieht es aus wie eine über den
Helm gezogene zweizipflige Mütze, ist aber nicht identisch mit
einer zweizipfligen Narrenkappe o. ä., obwohl manche Autoren das
gleichsetzen, denn die Narrenkappen unterscheiden sich vom
Beutelstand durch die vorhandenen Schellen anstelle der Quasten
oder Federbüschel und die weiter ausladenden Zipfel. Eine
Narrenkappe ist von vornherein als Kopfbedeckung konzipiert, mit
Aufschlag etc., ein Beutelstand entsteht aber aus einem an sich
flachen Objekt, das über die Rundung des Helmes gezogen wird und
zum Ausgleich die Mittelfalte wie bei einem Sofakissen erhält.
So ein mittelalterlicher Beutel bestand aus Stoff oder Leder mit
Prägungen oder Bemalungen, mit einer durch den Rand geflochtenen
Schnur (oder Lederbändsel) zum Verschließen. Als Helmzier
diente die Fläche des Beutelstandes zumeist als Hilfskleinod
unter Wiederholung der Schildmotive. In der frühen Heraldik
finden wir Beutelstände öfters als Helmzier, aber später kam
er ziemlich aus der Mode. Nun unterliegen Helmkleinode
normalerweise inhaltlich nicht mehr der Mode, aber in der frühen
Heraldik waren die Helmzieren noch einem erheblich größeren
Wandel unterworfen als später, als man eine gewählte Helmzier
als bindend empfand, und so kam es, daß in der formativen
Periode der Heraldik Helmzieren öfter mal ersetzt oder
abgewandelt wurden.

Beispiele aus der Manessischen Liederhandschrift:
Beispiele aus dem Siebmacher:
Literatur,
Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher,
insbesondere Bayern und Lothringen
Beispiele aus der Manessischen Liederhandschrift: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0043, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0512, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0575, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0593 und http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0612
Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Von Apfelkreuz bis
Zwillingsbalken. Battenberg-Verlag, 2. Auflage 2006, ISBN:
3-86646-010-4
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