Bernhard Peter
Wappen der Bamberger Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Bamberger Fürstbischöfe
Teil (1): AD 1431-1577

Symbol der Bamberger Fürstbischöfe
Das Wappen des Hochstifts Bamberg ist: In Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste.

Die Helmzier ist ein meist rundes oder achteckiges, goldenes Schirmbrett mit einem rotbewehrten und rotgezungten, schwarzen Löwen, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, an den freien Ecken Pfauenfederbüschel. Die Helmdecken sind schwarz und golden.

Das Hochstift Bamberg war eine kaiserliche Stiftung und geht auf den letzten Kaiser der Ottonen, Kaiser Heinrich II zurück (Stiftung 1007 AD). Es ist ein kaiserliches Hochstift, und die späteren Stauferkaiser waren Schirmvögte des Hochstiftes Bamberg. Wahrscheinlich wurde das Wappen dem Hochstift unter dem Stauferkaiser Friedrich II um 1235 verliehen, der damalige Bamberger Bischof war Ekbert von Andechs-Meranien. Dies erklärt das Motiv - der Bamberger Löwe geht auf einen staufischen Löwen zurück, von diesem unterschieden durch die silberne Schrägleiste als differenzierendes Zeichen.

Korrekte Darstellung
Wir haben hier einen lagenweisen Aufbau: Zuunterst kommt das goldene Feld, dann der schwarze Löwe, dann als dritte, oberste Lage die silberne Schrägleiste. Drei Ebenen übereinander, wobei zwischen erster und zweiter sowie zwischen zweiter und dritter Ebene ein Wechsel zwischen Metall und Farbe bzw. zwischen Farbe und Metall stattfindet, gutem heraldischen Stil entsprechend. Nur in den beiden äußeren Bereichen, dem rechten Obereck und dem linken Untereck in Schildrandnähe stößt damit Metall an Metall. Da es unvermeidbar ist, ist es legitim. Gutem heraldischen Stil entspricht ebenso, die Figuren, also den Löwen so raumfüllend wie möglich darzustellen, dadurch werden die besagten Bereiche minimal, und das Silber der Schrägleiste ist größtenteils vom Gold des Feldes durch den als Mittelebene dazwischen liegenden Löwen separiert.

Diesem Lagendenken entspricht, auch die Schrägleiste wirklich gänzlich über den Löwen zu legen. Es handelt sich nicht um eine silberne Schrägleiste in goldenem Feld, auf der kauernd oder reitend sich ein müder Löwe ausruht, zwei Beine rechts, zwei Beine links der "Stange" herabhängend. Heraldisch ist das zentrale Motiv der Löwe, variiert durch die Schrägleiste, daher kommt die graphisch obendrauf und wird nicht von Teilen des Löwen überdeckt, sondern geht über Hinterleib, über die Beine, den Bauch hinweg. Eine Darstellung als "Stangenreiter" ist nicht korrekt, auch wenn sich genügend historische Beispiele dafür finden lassen.

Das Hauptmotiv ist der Löwe, variiert durch die Schrägleiste, nicht umgekehrt. Daher ist die Schrägleiste als modifizierendes Element auch dünn - es handelt sich nicht um einen Schrägbalken. Ein Schrägbalken würde plus minus ca. 2/7 der Schildbreite als Eigenbreite haben, viel zu breit und dominant für ein modifizierendes Element. Korrekt ist eine Breite einer Leiste oder eines Fadens, also maximal plus minus ca. die Hälfte einer Balkenbreite.

Die Ausrichtung des Löwen ist grundsätzlich rechtsgerichtet. Bei aus zwei Wappenschilden zusammengestellten Kombinationen kann der Löwe im optisch linken Schild aus Courtoisie gewendet werden. In kombinierten Wappen, hauptsächlich gevierten Bischofswappen, begegnen uns mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann das identische Schildbild unverändert in die beiden schräg gegenüberliegenden Felder einbeschrieben werden, beidesmal mit rechtsgerichtetem Löwen und Schrägrechtsleiste. Aus heraldischer Courtoisie kann aber auch der Löwe in Feld 1 gewendet werden, dann wendet natürlich die Schrägrechtsleiste mit, so daß im Ergebnis die beiden Löwen in Feld 1 und 4 beide nach innen gerichtet sind und die beiden Schrägleisten gegenläufig sind. Dieses Wenden ist bezüglich Feld 1 in gevierten Wappen eine korrekte Gestaltungsvariante, Feld 4 dagegen ist invariant. Doch keine Regel ohne Ausnahme, es finden sich nämlich auch historische Beispiele, wo beide Löwen gewendet sind.

 

Lambert von Brunn (1374-1398)

Lambert oder auch Lamprecht von Brunn war Bischof von Bamberg 1374-1398, zuvor Bischof von Brixen 1363–1364, Bischof von Speyer 1364–1371 und Bischof von Straßburg 1371–1374.

Geviert:

Bildbeispiel: Historisches Glasfenster in St. Sebald, Nürnberg, sog. Bamberger Fenster im Chor.

Kleinode sind oben zwar nicht abgebildet, doch könnte Lambert von Brunn folgende beanspruchen:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Anton von Rotenhan (1431-1459)

Bildbeispiel: Giechburg, äußeres Tor

1. Variante: als zusammengestelltes Wappen dargestellt mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden:

2. Variante: als geviertes Wappen (Quelle: Siebmacher, Bistümer, nach einer Münze):

Helmzieren sind oben zwar nicht abgebildet, doch könnte Anton von Rotenhan folgende beanspruchen (bei zwei Schilden jeweils einzeln):

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg I. von Schaumberg (1459-1475)

Bildbeispiel: Giechburg, äußeres Tor

1. Variante: als zusammengestelltes Wappen dargestellt mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden:

Bildbeispiel: Kronach, Festung Rosenberg, am Fürstenbau beim Spitaltor

2. Variante: als geviertes Wappen:

Bildbeispiel: Kronach, Festung Rosenberg, am Nordostturm der Kernburg

Zwei Kleinode kann Georg I. von Schaumberg beanspruchen (bei zwei Schilden jeweils einzeln):

3. Variante: mit zusätzlichen Elementen:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Philipp von Henneberg (1475-1487)

Bildbeispiel: Bamberg, alte Hofhaltung

Das Wappen ist geviert, die Felder 1 und 3 sind aus Courtoisie gewendet:

Zwei Helmzieren:

Bildbeispiel: Historisches Glasfenster in St. Sebald, Nürnberg, sog. Bamberger Fenster im Chor.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Heinrich III. Groß von Trockau (1487-1501)

1. Variante: Als zusammengestelltes Wappen dargestellt mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden:

Bildbeispiel: Bamberg, Alte Hofhaltung

2. Variante: das Wappen ist geviert:

Zwei Helme:

3. Variante: mit zusätzlichen Elementen:

Bildbeispiel: Historisches Glasfenster in St. Sebald, Nürnberg, sog. Bamberger Fenster im Chor.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Veit I. Truchseß von Pommersfelden (1501-1503)

1. Variante: Das Wappen ist geviert:

Zwei Helme:

2. Variante: mit zusätzlichen Elementen:

Bildbeispiel: Historisches Glasfenster in St. Sebald, Nürnberg, sog. Bamberger Fenster im Chor.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)

1. Variante: Als zusammengestelltes Wappen dargestellt mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden:

Bildbeispiel: Bamberg, Alte Hofhaltung

2. Variante: das Wappen ist geviert:

Dazu gehören folgende mögliche Helmzieren:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg III. Erbschenk von Limpurg (1505-1522)

1. Variante: als Allianzwappen dargestellt mit zwei separaten, einander zugeneigten Schilden:

2. Variante: als geviertes Wappen:

Bildbeispiel: Bamberg, Burg Altenburg, südliche Ringmauer

Mögliche Helmzieren (alternativ Bischofsmütze oder Rangkrone, auch Kaiserkrone, die bei diesem Bischof zuerst auftaucht und in Folge an die Stelle der Inful tritt. Der Anspruch auf Abbildung der Kaiserkrone bezieht sich auf den Titel "Kaiserliches Hochstift"):

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Weigand von Redwitz (1522-1556)

Das Wappen ist geviert:

Bildbeispiel: Kronach, Festung Rosenberg, Nordostturm der Kernburg

Dazu gehören folgende Helmzieren:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg IV. Fuchs von Rügheim (1556-1561)

Das Wappen ist geviert:

Dazu gehören folgende mögliche Helmzieren (alternativ oder zusätzlich die Bischofsmütze oder Kaiserkrone):

Abb.: Posthum angebrachtes Wappen an der Bastion St. Veit, Forchheim

Alternativ werden zwei separate Schilde, rechts das Hochstiftswappen, links das Familienwappen, unter den Insignien der Bamberger Fürstbischöfe zusammengestellt, wie z. B. an der sog. Kaiserpfalz in Forchheim.

Abb.: sog. Kaiserpfalz Forchheim, Alter Schultheißenbau

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Veit II. von Würtzburg (1561-1577)

Bildbeispiel: Bamberg, Alte Hofhaltung, Eingangstor

Das Wappen ist geviert:

Dazu gehören folgende mögliche Helmzieren (alternativ oder zusätzlich die Bischofsmütze oder Kaiserkrone):

Bildbeispiel: Kronach, Festung Rosenberg, Treppenturm in der Südwestecke des Innenhofes der Kernburg

Eine alternative Darstellung ist die mit zwei separaten, einander zugeneigten, zusammengestellten Wappenschilden:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Literatur:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten angegebenen Quellen.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
von Schaumberg:
http://www.von-schaumberg.net/GeorgBischof.htm
von Schaumberg:
ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise an Herrn Martin Knoch
M. Landgraf, Der Dom zu Bamberg mit seinen Denkmälern, Inschriften, Wappen und Gemälden, 1836

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Der Bamberger Löwe

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