Bernhard Peter
Wappen der Konstanzer Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Konstanzer Fürstbischöfe
AD 1462-1803

Wappen des Hochstiftes Konstanz
Das Wappen des Hochstifts Konstanz zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz. Dieses Motiv ist bereits um 1340 in der Züricher Wappenrolle belegt. Das Kreuz findet sich erstmals in Siegeln aus dem Jahr 1347 des Bischofs Ullrich Pfefferhard (1344-1351).

Abb.: Meersburg, Hotel Schiff, ursprünglich ein Hof des Konstanzer Domkapitels. Das Wappen auf dem inneren Schild ist das des Hochstifts Konstanz, in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz. Dieser Schild wird in blauem Feld gehalten von der Himmelskönigin Maria mit goldener Krone und silbernem Zepter in der Rechten, das Jesuskind auf dem linken Arm haltend.

Zwei weitere Elemente finden sich regelmäßig in Wappen der Konstanzer Fürstbischöfe:


Burkhard II. von Randegg (1462-1466)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg.


Hermann III. von Breitenlandenberg (1466-1474)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg.


Ludwig von Freiberg (1474-1481, Bistumsstreit, Kandidat des Papstes)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg.


Otto IV. von Sonnenberg (1474-1491, Bistumsstreit, Kandidat des Domkapitels und des Kaisers)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg, ohne weitere Belege.


Thomas Berlower (1491-1496)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg, ohne weitere Belege.


Hugo von Hohenlandenberg (1496-1532, Rücktritt 1529)

Hugo von Hohenlandenberg studierte ab 1470 in Basel, 1487-88 in Erfurt. Er hatte etliche Pfründen, darunter ein Kanonikat, Kanonikate in Konstanz, in Friesach in Kärnten, in Chur und in Basel, dazu Propsteien in Trient und in Erfurt. Am 17.10.1496 wurde er zum Konstanzer Bischof gewählt als Nachfolger von Thomas Berlower. Am 18.12.1496 erhielt er die Bischofsweihe. Die Regalien bekam er 1497. Er war derjenige, der 1526 restlos die "Nase voll hatte" von den aufsässigen und reformatorischen Konstanzer Bürgern und aus der Stadt Konstanz auszog und seinen ständigen Sitz in das gegenüberliegende Meersburg verlegte, um seine Ruhe vor den Bürgern zu haben. Schon seit 1506 hatte er sich zunehmend hier aufgehalten. Konfliktherde waren die Verteilung von weltlicher Macht und Gerichtsbarkeit zwischen Bistum und Rat der Konstanzer Bürger. Ein weiterer Konfliktherd waren die Bemühungen um Eingliederung der Reichenau, der sich die Bürger widersetzten. Es schwelte also schon jahrelang zwischen den beien Antipoden innerhalb von Konstanz. Aber der akute Anlaß war folgender: 1526 forderte der Rat der Stadt Konstanz die Teilnahme des Klerus an den Arbeiten zur Befestigung der Stadt. Nicht so sehr wegen der durchaus geteilt zu beurteilenden körperlichen Fähigkeiten der Geistlichkeit, sondern als Symbol ihrer Unterwerfung und Einbürgerung. Das war denn doch des Guten zu viel, und dem Bischof folgten viele Kleriker nach Meersburg, um sich ihren Pflichten gegenüber der Stadt Konstanz zu entziehen. Hugo von Hohenlandenberg baute die Burg Meersburg zur permanenten Bischofsresidenz aus. Konstanz gab sich nach gescheiterten Verhandlungen der Reformation und dem Bildersturm hin. Das Verhältnis zu den Habsburgern war ambivalent, einerseits unterstützten sie ihn gegen Konstanz, andererseits war der Preis dafür, daß er 1527 den Reichsvizekanzler Balthasar Merklin als Koadjutor mit Recht auf die Amtsnachfolge zur Seite gestellt bekam, quasi ein habsburgischer Wachhund. Hugo von Hohenlandenberg trat am 5.1.1529 als Bischof offiziell zurück, bestieg aber am 13.11.1531 wieder den bischöflichen Stuhl, nachdem Balthasar Merklin am 28.5.1531 verstorben war, und führte die Amtsgeschäfte noch bis zu seinem Ende. Er starb am 7.1.1532. Sein Wappenkennt mehrere Varianten des Umgangs mit den drei möglichen Inhalten. Die umfangreichste Form ist geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg. Abb. im Siebmacher Bistümer, Glasscheibe von Lukas Zeiner im Victoria & Albert Museum (C.39-1919, Sacred Silver & Stained Glass, room 84, case S4), Wappenscheibe im Steiner Rathaus.

Variante 1 Variante 2 Variante 3

Mögliche Alternative (z. B. Schloß Blumenfeld, in Meersburg am Erker des Gasthofes Zum Bären in moderner Umsetzung, in Meersburg am 1505 erbauten Gred, Decke der Kath. Pfarrkirche St. Verena in Roggenbeuren, Gemeinde Deggenhausertal, Bodenseekreis):

Geviert:

Eine weitere Alternative zeichnet Otto Hupp im Münchener Kalender 1934 (in gewendeter Form):

Eine weitere Alternative ist auf dem Stifterbild aus einem lateinischen Missale für Hugo von Hohenlandenberg zu sehen, das in Konstanz um 1500 entstanden ist, heute in Freiburg/Brsg., Erzbischöfliches Diözesanarchiv Cod. Da 42, 3: Zwei unter einer Inful zusammengestellte Schilde, Schild 1 Hochstift Konstanz, Schild 2 geviertes Familienwappen.

 

Facsimile eines handkolorierten Druckes aus dem 16. Jh. für Hugo von Hohenlandenberg von unbekanntem Künstler (Holzschnitt), Wappenschild mit fürstbischöflichen Insignien vor einer Maria mit Kind, rechts und links begleitet von den Heiligen St. Conradus und St. Pelagius. Es gibt noch ein weiteres, ähnliches Blatt von Hans Burgkmair dem Älteren, bei dem allerdings noch zwei Engel zusätzlich als Schildhalter dienen.

Bildbeispiel: Das Wappen am Meersburger Gredhaus entspricht der Variante 2. Der zweite Schild heraldisch links hat nichts mit dem Fürstbischof zu tun und stellt das Meersburger Stadtwappen dar.


Johann von Lupfen (1532-1537)

Geviert:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg. Im Siebmacher Bistümer ist der Stern im unteren Feld, was gegen die Farbregel verstößt.


Johann von Weeze (1537-1548)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg, ohne weitere Belege.


Christoph Metzler (1549-1561)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Gemäß einem nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg, ohne weitere Belege.


Mark Sittich von Hohenems (1561-1589)

Das Wappen ist im Siebmacher, Bistümer abgebildet, vgl. auch einen nachgebildeten Schild in der Burg Meersburg, mit Diskrepanzen zwischen beiden Darstellungen.


Andreas von Österreich (1589-1600)

Hinter dem Schild Prozessionskreuz, darüber Kardinalshut mit Fiocchi. Nach Siebmacher, Bistümer.

Andreas von Österreich war auch noch 1591-1600 Fürstbischof von Brixen. Das Wappen als zweifacher Fürstbischof ist anders aufgebaut: Hauptschild: geviert mit eingepfropfter Spitze, Feld 1: Konstanz, Feld 2: das Brixener Agnus Dei, Feld 3: der Brixener Adler, Feld 4: Abtei Murbach (in Silber ein aufspringender schwarzer Windhund mit Halsband), eingepfropfte Spitze: Oehningen. Mittelschild: geviert, Feld 1: Burgau, Feld 2: rot-silbern geteilt, Feld 3: Württemberg, Feld 4: Kirchenfahne. Herzschild: gespalten, rechts Österreich, links Habsburg. Ein solches Wappen hängt in der Burg Meersburg und wird in dem Wappenregister "Wappen der zu Regensburg zur Reichsversammlung 1594 anwesenden Fürsten", Bayerische Staatsbibliothek München, Cod. icon. 326, abgebildet.


Jakob Fugger (1604-1626)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Abb.: Reichenau, Mittelzell, Innenhof des Klosters

Oberwappen:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Sixt Werner von Praßberg und Altensummerau (1626-ca. 1628)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:


Johann Constanz Graf von Waldburg-Wolfegg (1628-1644)

 

Das Wappen des Konstanzer Bischofs ist auf drei Schilde aufgeteilt:

Oberwappen:

Abb.: Meersburg, in der Steigstraße 19, auf 1628 datiert.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Franz I. von Praßberg und Altensummerau (1645-1689)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Oberwappen:


Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild eine Mitra über Puttengesicht, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.

Abb.: Meersburg, Schloßplatz 11, Wappenstein aus dem Jahr 1700 für Fürstbischof Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704). Das Haus wurde unter ihm als Stadtpalais erbaut. Später war es Wohn- und Amtshaus bischöflicher Beamter. 1838-1928 wurde es als katholisches Pfarrhaus genutzt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Franz II. Schenk von Stauffenberg (geb. 1658, reg. 1704-1740)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.

Abb.: Meersburg, Neues Schloß, Treppenanlage zum Alten Schloß hin

Spätere Wappen des Fürstbischofs, so. z. B. an seinem Epitaph im Konstanzer Münster, wo er auf eigenen Wunsch bestattet wurde, haben einen anderen Aufbau, weil noch die Bischofswürde von Augsburg mit eingearbeitet wurde. Es ist nun geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert. Zwei Kleinode, rechts Schirmbrett mit Kreuz und links Schenk von Stauffenberg.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Hugo Damian von Schönborn (1740-1743)

Wegen der vielen Würden sind die Inhalte auf mehrere Schilde aufgeteilt.

Ab 1740 war er auch noch Bischof von Konstanz, und der entsprechende dritte Separatschild war geteilt:


Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.


Kardinal Franz Konrad von Rodt (1750-1775)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert. Er war aber nicht nur Fürstbischof, sondern auch Kardinal, daher schwebt über allem ein roter Klerikerhut, dazu 2x 10 (eigentlich Anzahl für einen Bischof) Fiocchi in 4 Reihen.

Abb.: Meersburg, Neues Schloß, farblich etwas abweichend

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Maximilian Christof von Rodt (1775-1800)

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.

Abb.: Schloß Rotwasserstelz bei Hohentengen am Hochrhein, mit untergelegtem achtspitzigen Kreuz, weil er Träger des Großkreuzes des Johanniterordens war.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Karl Theodor von Dalberg (1800-1817, weitere Bischofsthrone in Worms, Regensburg und Mainz, Fürst von Aschaffenburg, Großherzog von Frankfurt)

Seine Karriere vor dem Hintergrund europäischer Neuordnung, vor der Auflösung der geistlichen Fürstentümer ist komplex. 1800 wird er Fürstbischof von Konstanz, 1802 von Worms und Mainz, aber dieses Amt behält er nur ein Jahr lang bis 1803. Als Erzbischof von Mainz ist er Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Gleichzeitig wird er 1802 Administrator und späterer Erzbischof von Regensburg. Ferner war er Fürstprimas der deutschen Kirche 1803-1817. Und nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches sehen wir ihn als Fürst von Aschaffenburg und Großherzog von Frankfurt. Diese abwechslungsreiche politische und geistliche Karriere dieser bemerkenswerten Persönlichkeit spiegelt sich auch in seinen Wappen wider:

Wappen als Bischof von Konstanz (1800-1802 geführt):

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.

Wappen als Bischof von Konstanz, Worms und Erzbischof von Mainz (1802-1803 geführt):

Nach Siebmacher (Band Bistümer, Tafel 5, Lehnssiegel) gibt es auch eine aus vier Schilden unter einem Wappenzelt zusammengestellte Version, alles unter einer halben Petrusfigur:

Im Siebmacher, Band Bistümer, Tafel 9, ist ein weiteres Wappen als Kurfürst, Erzkanzler und Fürstprimas sowie als Erzbischof von Regensburg abgebildet. Ein weiteres Wappen wird für ihn im Siebmacher, Band Bistümer, als Großherzog von Frankfurt. Beide enthalten aber keine Symbole für Konstanz, deshalb werden die betreffenden Wappen hier nicht weiter ausgeführt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Literatur:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten angegebenen Quellen.
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Galerie nachgebildeter Schilde in der Burg Meersburg.
Hugo von Hohenlandenberg im VA-Museum:
http://media.vam.ac.uk/media/thira/collection_images/2006AK/2006AK2802_jpg_l.jpg
Hugo von Hohenlandenberg im Steiner Rathaus:
http://www.shn.ch/media/36882001rj14fwappen1.jpg

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