
Bernhard
Peter
Wappen der
Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten

Die
Geschichte der Wappen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten -
Teil (2): 1504-1629
Jakob
von Liebenstein (1504-1508)
Das Wappen ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: Von Silber und Schwarz
dreimal geteilt. Stammwappen der von Liebenstein.
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut ein aufrecht stehendes, silbernes,
sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Zwei wie Feld 2 und 3 bez.
Büffelhörner. Stammkleinod der von Liebenstein
Uriel
von Gemmingen (1508-1514)
Das Wappen ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: In Blau zwei goldene
Balken. Stammwappen der von Gemmingen.
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut ein aufrecht stehendes, silbernes,
sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Zwei wie Feld 2 und 3 bez.
Büffelhörner. Stammkleinod der von Gemmingen
Kardinal
Albrecht von Brandenburg (1514-1545)
Albrecht II. Markgraf von
Brandenburg-Ansbach (geb. 28. Juni 1490 in Cölln an der Spree,
gest. 24. September 1545 in Mainz) war Erzbischof von Magdeburg
(1513-1545) sowie von Mainz (1514-1545) und damit auch Kurfürst
des Heiligen Römischen Reichs, Bischof von Halberstadt
(1513-1545) und bis zu seiner Bischofsweihe Co-Markgraf von
Brandenburg (1499-1513) zusammen mit seinem Bruder.
Sein Wappen ist komplex aufgebaut und in
mehreren Varianten zu finden. Zunächst die relativ einfache
Variante:
- Hauptschild: Geviert:
- Feld 1: Markgrafentum
Brandenburg: In Silber ein roter Adler, auf den
Saxen belegt mit goldenen sog. Kleestengeln,
golden bewehrt.
- Feld 2: Herzogtum Pommern: In
Silber ein roter, golden bewehrter Greif
- Feld 3: Burggrafen von
Nürnberg: Innerhalb eines silbern-rot
gestückten Bordes in Gold ein schwarzer
doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt
- Feld 4: Stammwappen
Hohenzollern: silbern-schwarz geviert.
- 3 (2:1) gestellte Herzschilde: Die
drei Herzschildchen - eine heraldisch äußerst
interessante und seltene Anordnung - repräsentieren
seine kirchlichen Würden. Nur die beiden
Erzstifts-Schildchen tragen ein Kreuz.
- Herzschild 1 mit goldenem
Kreuz: Erzstift Mainz: In Rot ein silbernes,
sechsspeichiges Rad
- Herzschild 2 mit goldenem
Kreuz: rot-silbern geteilt für das Erzstift
Magdeburg
- Herzschild 3: silbern-rot
gespalten für das Hochstift Halberstadt.

Bildbeispiel:
Aschaffenburg, Stiftskirche, Grünewald's "Beweinung
Christi"
Das komplexere Wappen des
Albrecht von Brandenburg hat 8 Felder und drei Herzschildchen.
Die Felder des Hauptschildes sind das Familienwappen mit allen
territorialen Ansprüchen der Markgrafen, die drei Herzschildchen
demonstrieren seine kirchlichen Würden, zwei Erzbischofsstühle
und ein Bischofsstuhl.
- Hauptschild: zweimal gespalten und
zweimal geteilt. Das mittlere Feld (Nr. 5) wird von den
drei herzschildchen eingenommen.
- Feld 1: Burggrafen von
Nürnberg: Innerhalb eines silbern-rot
gestückten Bordes in Gold ein schwarzer
doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt und
bewehrt.
- Feld 2: Markgrafentum
Brandenburg: In Silber ein roter Adler, auf den
Saxen belegt mit goldenen sog. Kleestengeln,
golden bewehrt
- Feld 3: Herzogtum Stettin: In
Blau ein roter Greif, gekrönt, hier golden
bewehrt. Man beachte die Besonderheit eines gegen
die Farbregel verstoßenden Wappens.
- Feld 4: Herzogtum Pommern: In
Silber ein roter, golden bewehrter Greif.
- Feld 6: Herzogtum Wenden: In
Silber ein von Rot und Grün eigentlich sechsmal
schräglinksgeteilter Greif, golden bewehrt.
- Feld 7: Herzogtum Kassuben
(Cassuben, Kaschubei): In Gold ein schwarzer
Greif.
- Feld 8: Stammwappen
Hohenzollern: silbern-schwarz geviert.
- Feld 9: Fürstentum Rügen.
Gold-blau geteilt. Oben ein wachsender schwarzer
Löwe, rot gekrönt und ebenso bewehrt, unten ein
aus roten Steinen gemauerter Stufengiebel
- 3 (2:1) gestellte Herzschilde: Die
drei Herzschildchen - eine heraldisch äußerst
interessante und seltene Anordnung - repräsentieren
seine kirchlichen Würden. Nur die beiden
Erzstifts-Schildchen tragen ein Kreuz.
- Herzschild 1 mit goldenem
Kreuz: Erzstift Mainz: In Rot ein silbernes,
sechsspeichiges Rad
- Herzschild 2 mit goldenem
Kreuz: rot-silbern geteilt für das Erzstift
Magdeburg
- Herzschild 3: silbern-rot
gespalten für das Hochstift Halberstadt.

Bildbeispiel: Mainz,
Marktbrunnen des Albrecht von Brandenburg
Sebastian
von Heusenstamm (1545-1555)
Das Wappen ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: Von Rot und Silber mit
drei vom Fußrande aufsteigenden Spitzen geteilt.
Stammwappen der von Heusenstamm.
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Ein wachsender silberner oder
roter Brackenrumpf mit rotem Halsband, die Ohren können
wie der Schild tingiert sein. Helmdecken rot-silbern.
Stammkleinod der Heusenstamm (Heussenstamm,
Heissenstein). Im Mainzer Dom ist die Bracke silbern
(schwarz angelaufen), im Aschaffenburger Wappenbuch rot,
in den verschiedenen Bänden Siebmacher überwiegend als
silbern angegeben, nur einmal als rot.
Vorkommen des Wappens:
Daniel
Brendel von Homburg (1555-1582)
Das Wappen ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: In Gold ein roter
Zickzackbalken (Sparrenbalken). Stammwappen der Brendel
von Homburg.
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Ein wie Feld 2 und 3 bez.
Flug. Stammkleinod der Brendel von Homburg.
Alternativ nur Vortragekreuz hinter dem Wappenschild senkrecht,
Schwert und Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.
Vorkommen des Wappens:
- Mainz, Dom, Grabmal des Erzbischofs
- Schloß Burgjoss, Portal und
Fensterstürze
- Schloß Lohr, Fensterstürze
- Schloß Rothenbuch, Tordurchfahrt und
Treppenturm
- Schloß Weyberhöfe, Sailauf bei
Aschaffenburg

Bildbeispiel: Schloß
Burgjoss im Spessart, Renaissance-Wohngebäude, datiert auf 1573.
Wolfgang
von Dalberg (1582-1601)
Sein Wappen ist geviert. Es verwendet nur
die Komponente der Kämmerer von Worms, nicht das Dalberger
Ankerkreuz:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: Unter einem mit drei
Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6
(3:2:1) silberne Lilien. Stammwappen der Kämmerer von
Worms, genannt von Dalberg (Dahlberg).
Für das Oberwappen
gibt es mehrere Varianten. Eine einfache Variante ist die mit
Inful und hinter dem Schild gekreuzten Insignien, dem Schwert
für die weltliche und dem Krummstab für die geistliche Macht.
Vollständiges Oberwappen:
Vortragekreuz hinter dem Wappenschild senkrecht, Schwert und
Krummstab hinter dem Schild gekreuzt, 3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Ein Flug, dessen goldener
oberer Teil mit drei Spitzen abgeteilt ist, und der
ansonsten in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien zeigt.
Helmdecken blau-gold. Stammkleinod der Kämmerer von
Worms, genannt von Dalberg (Dahlberg).

Bildbeispiel:
Stadtprozelten am Main
Bauplastische
Beispiele:
- Schloß Höchst, über dem
Eingang
- Stadtprozelten am Main
- Rothenbuch (Spessart), Forstamt
- Schloß Lohr, ein Fenstersturz im
Obergeschoß
Johann
Adam von Bicken (1601-1604)
Er war ausschließlich Bischof von Mainz,
sein Wappen ist einfach gehalten und lediglich geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: Stammwappen von Bicken:
In Schwarz zwei silberne Balken.
Die von Bicken haben zwei Stämme, einen
"roten Stamm" und einen "schwarzen Stamm".
Der rote Stamm führt in Gold drei schrägrechts
aneinandergereihte rote Rauten. Der schwarze Stamm führt in
Schwarz zwei silberne Balken. Der Kurfürst Johann Adam von
Bicken gehört zum schwarzen Stamm.
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechs- oder achtspeichiges Rad, Erzstift
Mainz. Helmdecken rot-silbern.
- Helm 3: Zwei wie der Schild bez.
Büffelhörner. Helmdecken schwarz-silbern. Stammkleinod
von Bicken.

Bildbeispiel:
Stadtprozelten am Main, an einer Hauswand eingemauert
Johann
Schweikhard von Kronberg (1604-1626)
Johannes Schweikhard,
Erzbischof von Mainz und Kurfürst, hat einen aus dem Mainzer Rad
und dem Cronberger Kronenstamm-Stammwappen gevierten Schild.
Dabei benutzt er meist ein Mainzer Rad mit 8 Speichen, obwohl das
Mainzer Rad eigentlich - und in neuerer Zeit wieder - sechs
Speichen hat.
Blasonierung: Geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechs- /achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: Geviert:
- Feld 1: In Rot eine goldene
Krone.
- Feld 2 und 3: In Silber vier
(2:2) blaue Eisenhütlein
- Feld 4: Rot
3 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechs- oder achtspeichiges Rad, Erzstift
Mainz. Helmdecken rot-silbern.
- Helm 3: Auf gekröntem Helm ein
schwarzer Federbusch, auch als eine schwarze Zirbelnuß
interpretiert. Helmdecken rot-silbern. Stammkleinod
Cronberg, Kronen-Stamm.

Bildbeispiel:
Mainz, Höfchen 4
Weitere bauplastische
Beispiele:
- Aschaffenburg, Schloß, Stützmauer
der Terrasse zum Main
- Aschaffenburg, Schloß, untere
Treppenabsätze in den Treppentürmen
- Mainz, Alte Universität
- Stadtprozelten, eingemauerter
Wappenstein an einer Hauswand sowie über einem Torbogen
- Großheubach am Main, Rathaus.
- Großheubach am Main, Kirche.
- Großwallstadt am Main, Hauptstraße 9
- Kleinwallstadt am Main,
Kreuzigungsgruppe
- Klingenberg am Main, Stadttor
- Taufstein im Kloster Hülfensburg
(Eichsfeld) (6 Speichen)
- Jesuitenkolleg Heiligenstadt,
Wappenstein über derm Hoftor
Georg
Friedrich von Greiffenclau-Vollraths (1626-1629)
Das Wappen des Bischofs von Mainz
und Worms besteht aus dem Hauptschild mit den kirchlichen
Amtswappen und Herzschild mit dem Familienwappen. Da er schon
1616 zum Bischof von Worms gewählt wurde, aber erst 10 Jahre
später im Fürstbistum Mainz die Regierung übernahm, finden wir
in seiner Mainzer Zeit nur kombinierte Wappen.
- Hauptschild: Geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechsspeichiges Rad. Das ist das Mainzer Rad, das
Wappen des Erzstifts Mainz.
- Feld 2 und 3: In Schwarz ein schräg aufwärts
gerichteter silberner Schlüssel, begleitet von
4:4 goldenen Schindeln, Hochstift Worms
- Herzschild: von Greiffenclau-Vollraths, geviert:
- Feld 1 und 4:
Greiffenclau-Vollraths, silbern-blau geteilt,
darüber ein goldenes Glevenrad
- Feld 2 und 3: Ippelbrunn, in
Schwarz ein silberner Schräglinksbalken.

Bildbeispiel:
Stadtprozelten am Main, an der Pfarrkirche
Für das Oberwappen
gibt es mehrere Varianten. Eine einfache Variante ist die mit
Inful und hinter dem Schild gekreuzten Insignien, dem Schwert
für die weltliche und dem Krummstab für die geistliche Macht.
Vollständiges Oberwappen:
Vortragekreuz senkrecht hinter dem Schild, Schwert und Krummstab
hinter dem Schild gekreuzt, 4 Helme:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem
purpurfarbenen Kissen ein sechseckiges schwarzes
Schirmbrett, darauf ein schräg
aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, begleitet von
4:4 goldenen Schindeln, das Schirmbrett an den fünf freien Ecken mit einer
Pfauenfeder besteckt, Hochstift
Worms
- Helm 3: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 4: Eine goldene Greifenklaue mit
silbern-blauer Befiederung. Helmdecken blau-silbern.
Stammkleinod Greiffenclau-Vollraths
Weitere bauplastische
Beispiele:
- Mainz, Schloß
- Östrich-Winkel, Schloß
Vollrads, Erker des Wohnturmes
- Edesheim (Pfalz),
Umfassungsmauer des Schlosses, neben dem Tor eingemauert
Literatur,
Links und Quellen:
Siehe zusätzlich allgemeines
Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten und
Familien angegebenen Quellen, sofern eigene Seiten existieren.
Siebmachers Wappenbücher,
insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im
Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz,
erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert
Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN
978-3-7954-1637-9

Die Wappen der Erzbischöfe und
Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
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der Kath. Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, 23.1.2007
