
Bernhard
Peter
Wappen der
Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten

Die
Geschichte der Wappen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten -
Teil (3): 1629-1729
Anselm
Casimir Wambolt von Umstadt (1629-1647)
Anselm Casimir Wambolt von Umstadt war
ausschließlich Erzbischof von Mainz. Sein Wappen ist also
geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes, sechsspeichiges Rad.
Das ist das Mainzer Rad, das Wappen des Erzstifts Mainz.
- Feld 2 und 3: Von Schwarz und Silber geteilt mit drei
nebeneinanderstehenden Wecken (Rauten) in verwechselten
Farben. Stammwappen Wambolt von Umstadt.
Theoretisch mögliche Helmzieren:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Ein silberner Brackenkopf mit
schwarzen Ohrlappen und goldenem Halsband. Helmdecken
schwarz-silbern. Stammkeinod Wambolt von Umstadt

Bildbeispiel:
Mainz, Weihergarten 6
Johann
Philipp von Schönborn (1647-1673)
Johann Philipp von Schönborn, seit 1663
Reichsfreiherr, war in drei Bistümern Bischof: Würzburg ab
1642, Mainz ab 1647 und Worms ab 1663. Wir finden also aus seiner
Mainzer Zeit erst Wappen ohne Worms, später mit Worms.
Das frühe Wappen ist geviert mit
Herzschild:
- Hauptschild: Geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein
sechsspeichiges, silbernes Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2: "Fränkischer
Rechen" = von Rot und Silber mit drei
aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu
Franken
- Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte,
schräggestellte und an den beiden senkrechten
Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit
goldenem Schaft,
Hochstift Würzburg
- Herzschild: In Rot auf drei silbernen
Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit Krone.
Stammwappen der Grafen von Schönborn.

Bildbeispiel:
Mainz, Zitadelle
Weitere bauplastische Vorkommen dieses
Wappens:
- Würzburg, Festung, Neutor, Innen- und
Außenseite, sowie am Schönborntor
- Würzburg, Alte Mainmühle
- Krautheim an der Jagst, St.
Marien-Kirche
Das spätere Wappen ist wie folgt
aufgebaut:
- Hauptschild: geteilt und zweimal
gespalten:
- Feld 1: "Fränkischer
Rechen" = von Rot und Silber mit drei
aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu
Franken
- Feld 2 und 5: in Rot ein silbernes
sechsspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 3 und 6: In Schwarz ein
schräg aufwärts gerichteter und
schräggestellter silberner Schlüssel, begleitet
von 4:4 goldenen Schindeln, Hochstift Worms
- Feld 6: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte und an den
beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte,
schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg
- Herzschild: In Rot auf drei silbernen Spitzen ein
schreitender goldener Löwe mit blauer Krone. Stammwappen
der Grafen von Schönborn.

Photobeispiel: Stift Haug,
Würzburg
Als Oberwappen findet man
stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild
gekreuzt.
Weitere bauplastische
Vorkommen dieses Wappens:
- Königstein (Taunus), Eingang zur
Festung (Burg)
Lothar
Friedrich von Metternich-Burscheid (1673-1675)
Er war ab 1652 Fürstbischof von
Speyer und ab 1673 von Mainz und Worms.
Aus seiner Mainzer Zeit gibt es also nur Wappen, die ihn als
Bischof aller drei Bistümer zeigen. Sein ab 1673 geführtes
Wappen ist wie folgt aufgebaut:
- Hauptschild: geteilt und zweimal
gespalten:
- Feld 1 und 6: In Schwarz ein
schräg aufwärts gerichteter silberner
Schlüssel, begleitet von 4:4 goldenen Schindeln,
Hochstift Worms
- Feld 2 und 5: in Rot ein silbernes
sechsspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 3: In Blau ein
durchgehendes silbernes Kreuz (Hochstift Speyer)
- Feld 4: In Rot eine silberne
Burg, durchsteckt von einem silbernen Abtsstab,
überhöht von einer goldenen Krone (Propstei
Weißenburg (Wissembourg)/Elsaß)
- Herzschild: In Silber 3 (2:1) schwarze Jakobsmuscheln.
Stammwappen der Reichsfreiherren von Metternich.
Mögliche Helmzieren (meist wird ein Kurhut
geführt, dazu hinter dem Schild Schwert und Krummstab gekreuzt):
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem
purpurfarbenen Kissen ein sechseckiges schwarzes
Schirmbrett, darauf ein schräg
aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, begleitet von
4:4 goldenen Schindeln, das Schirmbrett an den fünf freien Ecken mit einer
Pfauenfeder besteckt, Hochstift
Worms
- Helm 3: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 4: ein silberner Schwanenrumpf
(Kopf und Hals) mit rotem Schnabel auf gekröntem Helm.
Der Rücken des Halses kann kammartig gestaltet sein und
mit schwarzen Federbüscheln besteckt. Helmdecken
schwarz-silbern. Stammkleinod Metternich.
Damian
Hartard von der Leyen (1675-1678)
Damian Hartard von der
Leyen-Hohengeroldseck war Reichsritter und ab 1653
Reichsfreiherr. Er wurde 1675 gleichzeitig Fürstbischof von
Worms und Fürsterzbischof von Mainz. Alle seine Wappen enthalten
folglich beide Bistümer, wovon das wichtigere und
reichspolitisch bedeutsamere in den Feldern 1 und 4 zu finden
ist:
- Hauptschild: Geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein
sechsspeichiges, silbernes Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: In Schwarz ein
schräg aufwärts gerichteter silberner
Schlüssel, begleitet von 4:4 goldenen Schindeln
(Hochstift Worms)
- Herzschild: In Blau ein silberner
Pfahl. Stammwappen der Reichsfreiherren von der Leyen.
Als Oberwappen findet man meist den Kurhut
und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Es geht
aber auch komplizierter mit senkrecht hinter den Schild
gestelltem Vortragekreuz und hinter dem Schild schräggekreuzten
Insignien Schwert und Krummstab sowie 4 Helmen:
- Helm 1: Auf einem roten
Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Helm 2: Auf einem roten,
hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes,
silbernes, sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- Helm 3: Auf einem roten oder
purpurfarbenen Kissen ein sechseckiges schwarzes
Schirmbrett, darauf ein schräg
aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, begleitet von
4:4 goldenen Schindeln, das Schirmbrett an den fünf freien Ecken mit einer
Pfauenfeder besteckt, Hochstift
Worms
- Helm 4: ein silberner Brackenrumpf mit
goldenem Halsband zwischen mit silbernen Lindenblättern
bestreutem blauen Flug. Helmdecke blau-silbern.
Stammkleinod von der Leyen.

Bildbeispiel: Mainzer
Schloß, über dem Westportal des Rheinflügels
Weiteres Vorkommen des
Wappens:
Karl
Heinrich von Metternich-Winneburg (1679-1679)
Die kurze Regierungszeit von Karl Heinrich
von Metternich-Winneburg, Reichsritter und seit 1635
Reichsfreiherr, in den Bistümern Worms und Mainz macht seine
Wappen eher rar. Alle seine Wappen, die komplex mit Haupt-,
Mittel- und Herzschild aufgebaut sind, enthalten beide Bistümer,
wovon das wichtigere und reichspolitisch bedeutsamere in den
Feldern 1 und 4 des Hauptschildes zu finden ist:
- Hauptschild: Geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein
sechsspeichiges, silbernes Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: In Schwarz ein
schräg aufwärts gerichteter silberner
Schlüssel, begleitet von 4:4 goldenen Schindeln
(Hochstift Worms)
- Mittelschild: geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein
schrägrechter, staffelförmiger, silberner
Balken, oben und unten begleitet von je drei
(oben 1:2 und unten 2: 1) goldenen Kreuzchen
(Winneberg).
- Feld 2 und 3: In Rot drei
(2:1) silberne Hifthörner mit goldenen Spangen
und Bändern (Beilstein).
- Herzschild: in Silber 3 (2:1)
gestürzte schwarze Jakobsmuscheln (Stammwappen
Metternich)
Mögliche Helmzieren (meist wird ein Kurhut
geführt, dazu hinter dem Schild Schwert und Krummstab gekreuzt):
- Auf einem roten Kissen mit
goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde
- Auf einem purpurfarbenen
Kissen ein sechseckiges schwarzes Schirmbrett, darauf ein schräg aufwärts gerichteter
silberner Schlüssel, begleitet von 4:4 goldenen
Schindeln, das Schirmbrett an den fünf freien Ecken mit einer
Pfauenfeder besteckt, Hochstift
Worms
- Auf einem roten, hermelingestulpten
Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes, silbernes,
sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz
- ein silberner Schwanenrumpf (Kopf und
Hals) mit rotem Schnabel auf gekröntem Helm. Der Rücken
des Halses kann kammartig gestaltet sein und mit
schwarzen Federbüscheln besteckt. Helmdecken
schwarz-silbern. Stammkleinod Metternich.
- Ein von Schwarz und Silber gespaltener
Steinbocksrumpf mit goldener Bewehrung (Kleinod
Winneberg). Decken rot-silbern.
Anselm
Franz von Ingelheim (1679-1695)
Mit Anselm Franz von Ingelheim begegnet uns
wieder ein ganz einfaches Wappen, weil er nur in Mainz Bischof
war. Seit 1680 war er übrigens auch Reichsfreiherr. Das Wappen
ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Rot ein silbernes,
sechsspeichiges Rad (Erzstift Mainz)
- Feld 2 und 3: In Schwarz ein
rot-golden geschachtes, durchgehendes Kreuz (Stammwappen
Ingelheim)
Als Oberwappen findet man stets den Kurhut
und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Bildbeispiel:
Erzbischöfliche Burg in Eltville am Rhein
Lothar
Franz von Schönborn (1695-1729)
Lothar Franz von Schönborn, seit 1701
Reichsgraf, war in zwei Bistümern Bischof: Bamberg ab 1693 und
Mainz ab 1695. Wir finden also aus seiner Mainzer Zeit nur
kombinierte Wappen Bamberg und Mainz. Gegenüber seinem
Amtsvorgänger hat unterdessen das Familienwappen der Schönborns
Bereicherungen erfahren, die jetzt den Schild verkomplizieren.
- Hauptschild: geteilt und zweimal
gespalten
- Feld 1 und 6: In Gold ein
schwarzer Löwe, darüber eine silberne
Schrägrechtsleiste, Hochstift Bamberg
- Feld 2 und 5: Mainzer Rad, in
Rot ein silbernes sechsspeichiges Rad. Erzstift
Mainz.
- Feld 3: In Rot drei (2:1)
silberne Schildchen. Reichsständische Herrschaft
Reichelsberg. Diese wurde 1671 von der Familie
Schönborn vom Hochstift Würzburg erworben.
Damit waren Sitz und Stimme im Fränkischen
Grafenkollegium verbunden.
- Feld 4: In Blau ein silberner
Balken, begleitet von 3 (2:1) silbernen Rauten.
Herrschaft Heppenheim, von Heppenheim genannt von
Saal. Selbige Familie erlosch in direkter Linie
im Jahre 1684 und fiel an die Grafen von
Schönborn.
- Herzschild: In Rot auf drei silbernen
Spitzen ein schreitender, gekrönter goldener Löwen. Als
Variante findet sich auch eine blaue Krone. Stammwappen
der Grafen von Schönborn.
Als Oberwappen findet man stets den Kurhut
und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Bildbeispiel: Kronberg im
Taunus, kurmainzische Rezeptur
Weitere bauplastische
Wappenbeispiele finden sich:
- Bamberg, Neue Residenz
- Erfurt, Kurmainzische Statthalterei
- Memmelsdorf, Pfarrkirche
- Kronach, Festung Rosenberg, Bastion
St. Lothar im Norden, an der nordöstlichen Flanke
- Kronach, Festung Rosenberg,
Südkurtine, innere Mauer zur Rampe, die vom inneren
Wallgraben auf die Bastion hoch führt
- Kronach, Festung Rosenberg,
Artilleriekaserne, genau am Gebäudeknick im Südosten
- Kronach, Kastenamt
- Bamberg, Neue Residenz, über dem
Eingang des östlichsten Flügels
- Gößweinstein, Wappenstele im Ort
- Gößweinstein, am Franziskanerkloster
- Kronberg, kurmainzische Rezeptur
- Königstein, kurmainzische Rentei
- Königstein, Festungstor
- Memmelsdorf, Schloß Seehof
- Miltenberg, Franziskanerklosterkirche
- Bamberg, Obere Pfarrkirche, innen im
Chor
- Bamberg, St. Martin, Sebastiansaltar
und Anna-Altar
- Bamberg, Benediktinerkloster
Michaelsberg, über dem Kirchenhaupteingang
- Forchheim, sog. Kaiserpfalz, im
Innenhof aufgestellter Wappenstein, der von abgebrochenen
Festungswerken stammt
- Forchheim, Nürnberger Tor
- Lahnstein, Martinsburg
(Martinsschloß) in Oberlahnstein, zwei Wappensteine
Hier finden wir die
Symbole für Bamberg in den höherwertigen, angeseheneren Feldern
im Schild. Der Bamberger Löwe kommt bei einem geteilten und
zweimal gespaltenen Schild in die Felder 1 und 6, während das
Mainzer Rad in die Felder 2 und 5 kommt. Was ist der Grund? Zum
einen war Bamberg eine kaiserliche Stiftung, ein kaiserliches
Hochstift, weshalb die Bischofswappen auch die Kaiserkrone
zeigen. Mainz war zwar Erzbistum, und der Mainzer Fürstbischof
war zwar Kurfürst und hatte als Erzkanzler des Heiligen
Römischen Reiches eine wichtige politische Schlüsselposition im
Reich, aber das Bistum Mainz war keine kaiserliche Stiftung. Zum
anderen war das Bistum Bamberg exemt, also aus der
kirchenrechtlichen Zuständigkeitsstruktur ausgegliedert und Rom
unmittelbar unterstellt, was ihm eine weitreichende
Eigenständigkeit ermöglichte, ohne einem Erzbistum unterstellt
zu sein. Diese Exemtion war ein besonderen Privileg, das z. B.
auch das Kloster Fulda besaß.
Literatur,
Links und Quellen:
Siehe zusätzlich allgemeines
Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten und
Familien angegebenen Quellen, sofern eigene Seiten existieren.
Siebmachers Wappenbücher,
insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im
Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz,
erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert
Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN
978-3-7954-1637-9

Die Wappen der Erzbischöfe und
Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Bamberger Löwe - Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein
Die Entwicklung des Wappens der von
Schönborn
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