Bernhard Peter
Wappen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten

Die Geschichte der Wappen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten - Teil (4): 1729-1802

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1729-1732)

Das war wieder so ein "Ämter-Sammler" auf dem Mainzer Bischofsstuhl: Breslau (1683-1732), Worms (1694-1732), Fürstpropst von Ellwangen (1694-1732), Trier (1716-1729), später Mainz (1729-1732)- kaum zu glauben, daß er alle Ämter tatsächlich nicht nur innehatte, sondern auch ausübte. Und weil das anscheinend noch nicht genug war, kam noch die Würde des Hoch- und Deutschmeisters des Deutschen Ordens hinzu. Vielbeschäftigter Mann, bei dem man annehmen muß, daß seine Wappen eine höhere Präsenz zeigten als seine Person. Als Mainzer Fürsterzbischof hat er also alles im Wappen, was er im Laufe seines Lebens gesammelt hat, bis auf die Komponenten Trier und das damit verbundene Prüm, da er Trier für das reichspolitisch bedeutsamere Bistum Mainz aufgab.

Sein Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail.

Bildbeispiel: Pfarrkirche St. Georg in Ellingen

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (Nr. 4), das Prümer Lamm belegt Feld 3. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber. 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht, dem Ämterwechsel entsprechend.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler.

Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Rot ein silbernes sechs- bzw. achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz).

Bildbeispiel: Pfarrkirche St. Georg in Ellingen, Ausschnittsvergrößerung

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Hier finden wir ein Wappen aus der Zeit als Mainzer Fürstbischof:

Zu diesem Zeitpunkt war der Hochmeister Erzbischof von Mainz, das Amt in Worms wurde beibehalten, Prüm und Trier, die früher im Mittelschild vertreten waren, flogen aus dem Schild raus. Das heißt, daß dieses Wappen nur in die Zeit von 1729-1732 passen kann, deckt sich also mit der Bauzeit 1729-1731.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Rot ein silbernes Rad, das Mainzer Rad bzw. das Rad des Erzstifts Mainz, sein zu der Zeit wichtigstes und politisch einflußreichstes Amt.

Weitere bauplastische Beispiele für sein Wappen:

Philipp Karl von Eltz (1732-1743)

Nach dieser Ämter-, Titel- und Komponentenflut seines Vorgängers ist das Wappen des Philipp Karl von Eltz zu Kempenich wohltuend einfach: Das Wappen ist geviert:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Johann Friedrich Karl von Ostein (1743-1763)

Johann Friedrich Karl von Ostein, seit 1712 Reichsgraf, hatte zwei Bistümer inne: 1743-1763 Mainz, und 1756-1763 Worms. Sein frühes Wappen nur als Erzbischof von Mainz ist geviert:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Weitere Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:

Bildbeispiel: Mainz, Schloß

Ab 1756 wurde er zusätzlich Fürstbischof von Worms. Seine späteren Wappen enthalten folglich beide Bistümer, wovon das wichtigere und reichspolitisch bedeutsamere in den Feldern 1 und 4 zu finden ist:

Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774)

Reichsfreiherr Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, hatte zwei Bistümer inne: 1763-1774 Mainz, und 1768-1774 Worms. Sein frühes Wappen nur als Erzbischof von Mainz ist geviert:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Bildbeispiel: Mainz, Augustinerkirche

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:

Ab 1768 wurde er zusätzlich Fürstbischof von Worms. Seine späteren Wappen enthalten folglich beide Bistümer, wobei zwei Varianten zu finden sind. Mainz, das wichtigere und bedeutungsvollere, insbesondere vor dem Hintergrund des Einflusses auf die Reichspolitik, kam immer in die Felder 1 und 4. Gerade Feld 1 war sozusagen der Ehrenplatz im Schild. Die erste Variante ist wie folgt aufgebaut:

Bildbeispiel: Mainz, Alter Dalberger Hof

Die zweite Variante bildet Mainz und Worms je zweimal in einem gevierten Schild ab und versetzt das Stammwappen in einen dem Hauptschild aufgelegten Herzschild:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Die Helmzier des Familienwappens wäre ein wachsender roter Drache, die Helmdecken wären rot-silbern.

Bildbeispiel: Mainz, Schloß

Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802)

Friedrich Karl Joseph von Erthal, der vorletzte Fürstbischof auf dem Mainzer Bischofsstuhl, hatte von 1774-1802 gleichzeitig die beiden Bistümer Mainz und Worms inne. Alle seine Wappen zeigen daher beide Komponenten:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Im Siebmacher, Bistümer wird eine weitere Variante mit zwischen Haupt- und Herzschild gelegtem Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens beschrieben, Hochmeister waren aber während von Erthals Amtszeit zuerst Karl Alexander von Lothringen, dann Maximilian Franz von Österreich und schließlich Karl Ludwig von Österreich.

Karl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1802-1803)

Hier haben wir den letzten Fürstbischof von Mainz. Seine Karriere vor dem Hintergrund europäischer Neuordnung, vor der Auflösung der geistlichen Fürstentümer ist komplex. 1800 wird er Fürstbischof von Konstanz, 1802 von Worms und Mainz, aber dieses Amt behält er nur ein Jahr lang bis 1803. Als Erzbischof von Mainz ist er Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Gleichzeitig wird er 1802 Administrator und späterer Erzbischof von Regensburg. Ferner war er Fürstprimas der deutschen Kirche 1803-1817. Und nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches sehen wir ihn als Fürst von Aschaffenburg und Großherzog von Frankfurt. Diese abwechslungsreiche politische und geistliche Karriere dieser bemerkenswerten Persönlichkeit spiegelt sich auch in seinen Wappen wider:

Wappen als Bischof von Konstanz, Worms und Erzbischof von Mainz (1802-1803 geführt):

Nach Siebmacher (Band Bistümer, Tafel 5, Lehnssiegel) gibt es auch eine aus vier Schilden unter einem Wappenzelt zusammengestellte Version, alles unter einer halben Petrusfigur:

Im Siebmacher, Band Bistümer, Tafel 9, ist ein weiteres Wappen als Kurfürst, Erzkanzler und Fürstprimas sowie als Erzbischof von Regensburg abgebildet. Hinter dem Schild sind Schwert und Krummstab gekreuzt, weitere Prunkstücke sind Fürstenmantel und Fürstenhut. Der Schild ist wie folgt aufgebaut:

Ein weiteres Wappen wird für ihn im Siebmacher, Band Bistümer, als Großherzog von Frankfurt wie folgt beschrieben: Geviert:

Prunkstücke: Wappenmantel, königliche Krone.

Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1850-1877)

Ein Beispiel für einen Erzbischof von Mainz nach Ende der Feudalzeit. Sein Wappen ist geviert:

Hinter dem Schild sind Kreuz und Krummstab schräggekreuzt. 3 Helmzieren, über allem ein grüner Klerikerhut mit Schnüren und seitlich herabhängenden 2x 10 (1:2:3:4) grünen Fiocchi - Kennzeichen für den Rang eines Erzbischofs.

Dr. Paul Leopold Haffner (1886-1899)

Geb. 21.1.1829, amtierte als Mainzer Bischof 1886-2.11.1899. Paul Leopold Haffner, der "schwäbische Philosoph auf dem Bischofsthron", stammte aus Horb und studierte im nahen Tübingen. 1855 kam er nach Mainz als Professor der Philosophie, zuvor war er Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen. Das Bischofsamt übernahm er nach einer Zeit der Sedisvakanz wegen des Kulturkampfes. Er galt als engagierter und bisweilen auch kämpferischer Bischof, der auch Mitbegründer der "Görres-Gesellschaft zur Pflege der katholischen Wissenschaften" war. Sein Wappen ist geviert mit Herzschild und folgt klassischen Gestaltungsprinzipien:

Dieses Wappen findet sich in moderner Form als Glasfenster übrigens im Mainzer Dom.

Ausschnitt aus einem auf 1886 datierten und mit "CK" signierten Exlibris-Entwurf von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911). Es handelt sich nur um ein "Vorbild", wie Kissel selbst es nennt (Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894). Auf dem Schild mit vier nach hinten eingerollten Ecken und einer nach vorne eingerollten Fußspitze ruht eine reich verzierte Inful, schräg dahinter als einziges Attribut der Bischofsstab. Die beiden unten aus der Inful herabhängenden Bänder werden im Stile einer Helmdecke rechts und links des Schildes angeordnet.

Literatur, Links und Quellen:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten und Familien angegebenen Quellen, sofern eigene Seiten existieren.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894

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