Bernhard Peter
Wappen der Trierer Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Trierer Fürstbischöfe und Bischöfe - Teil (2): 1711-2007

Karl Joseph von Lothringen (1711-1715)

Hier haben wir wieder einen Bischof, der die Anhäufung kirchlicher Würden und Ämter liebte: Im Alter von zarten 15 Jahren war er bereits 1695 Bischof von Olmütz, 1698 wurde er Bischof von Osnabrück, 1711 wurde er Erzbischof von Trier, mußte Olmütz zwar dafür aufgeben, führte es aber dennoch weiter in seinem Wappen. Das Amt hatte er nur 4 Jahre inne, dann starb er früh, so daß kaum Wappen von ihm existieren, eines ist am Amtshaus Daun, eines am Amtshaus Welschbillig. Beide sind wie folgt aufgebaut:

Bildbeispiel: Welschbillig, kurtrierisches Amtshaus (jetzt Pfarrhaus) auf dem Gelände der ehemaligen Burg

Doch das ist nur die "mittlere" Version. Im Siebmacher wird noch eine "große" Version beschrieben, die drei Ebenen hat. Zwischen den Hauptschild (Ebene 1) mit den Amtswappen und den Herzschild (Ebene 3) mit dem Stammwappen wird ein Mittelschild (Ebene 2) mit Ansprüchen der Lothringer geschoben. Es handelt sich also einfach nur um ein erweitertes Familienwappen, das dem Amtswappenschild aufgelegt wird. Es ist dann wie folgt aufgebaut:

Eine weitere Darstellungsvariante ist die mit unterlegtem Johanniterkreuz.

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs:

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716-1729)

Das war wieder so ein "Ämter-Sammler" auf dem Trierer Bischofsstuhl: Breslau, Worms, Ellwangen, Trier, später Mainz - kaum zu glauben, daß er alle Ämter tatsächlich nicht nur innehatte, sondern auch ausübte. Und weil das anscheinend noch nicht genug war, kam noch die Würde des Hoch- und Deutschmeisters des Deutschen Ordens hinzu. Vielbeschäftigter Mann, bei dem man annehmen muß, daß seine Wappen eine höhere Präsenz zeigten als seine Person.

Sein Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail.

Bildbeispiel: Haupteingang Schloß Horneck in Gundelsheim am Neckar, ehemaliger Sitz des Deutschmeisters

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (Nr. 4 oder 3), das Prümer Lamm belegt Feld 3 oder 4. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber. 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht, dem Ämterwechsel entsprechend.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Zeichen des Fürstbistums Trier.

Ein Beispiel wie beschrieben befindet sich im Innenhof der Steipe am Hauptmarkt zu Trier. Oben abgebildet Schloß Horneck in Gundelsheim am Necker mit etwas anderer Reihenfolge im Mittelschild (Felder 3 und 4 ausgetauscht).

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs:

Franz Georg von Schönborn (1729-1756)

Ein Sammler von kirchlichen Würden: Erst nur Erzbischof von Trier, dann auch Fürstbischof von Worms und schließlich auch Fürstpropst von Ellwangen. Hier sei das komplette Wappen beschrieben, wie Franz Georg es ab 1732 bis zu seinem Tode 1756 geführt hat: Das komplexe Wappen hat 13 verschiedene Felder und drei Ebenen:

Schöne Beispiele finden sich an seinem Grabaltar im Trierer Dom, an der Kirche St. Paulin zu Trier und an der Abtei Prüm. Ein weiteres Wappen befindet sich an der Wallfahrtskirche Schönenberg über Ellwangen. Wegen der außerordentlichen Vielfalt und Anzahl wird dieses Wappen in der Regel ohne Helme geführt. Fürstenhut, Kreuz, Schwert und Krummstab markieren den hohen Rang des Trägers.

Bildbeispiel: Abtei Prüm, Nordfassade des kurfürstlichen Schlosses

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs:

Johann Philipp von Walderdorff (1756-1768)

Das Wappen hat zwei Ebenen, die untere ist der Hauptschild mit den Kirchenämtern, die obere ist der Herzschild mit dem Familienwappen. Beide sind aus je zwei Komponenten geviert, was das Wappen insgesamt sehr symmetrisch wirken läßt. Es ist im Detail wie folgt aufgebaut:

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs:

Der Zeit entsprechend fehlen bei der Darstellung meistens die Helmzieren. Theoretisch möglich und denkbar wären:

Einen Beleg mit einer solchen Darstellung habe ich bisher nicht gefunden. Üblich ist die Abbildung mit Grafenkrone über dem Herzschild, Fürstenhut über dem Hauptschild und dahinter Kreuz, Schwert und Krummstab.

Bildbeispiel: Abtei Prüm, Nordfassade des kurfürstlichen Schlosses

Eine parallel geführte, vereinfachte Variante, überflüssige Vierungen werden entfernt, und der Herzschild hat nur das Stammwappen. Aufbau:

1763 wird er auch Bischof von Worms. Seitdem wird Worms im Wappen geführt, überflüssige Vierungen werden entfernt, und der Herzschild hat nur das Stammwappen. Aufbau:

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieser Variante:

Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1768-1801)

Clemens Wenzeslaus war zuerst Bischof von Augsburg, ehe er auch Erzbischof von Trier wurde. Demzufolge finden wir kein Wappen aus der Trierer Zeit ohne die Augsburger Komponente. Aber erst nach dem Trierer Amt bekam er die Probstei Ellwangen, also gibt es zwei Wappen-Varianten: 1768-1787 ohne Ellwangen und 1787-1803 mit Ellwangen.

Ersteres soll hier dargestellt werden: Das Wappen hat drei Ebenen, die untere ist der Hauptschild mit den Kirchenämtern, Kurfürst und Erzbischof von Trier sowie Bischof von Augsburg, die mittlere Ebene ist der Mittelschild mit weitreichenden familiären Ansprüchen auf Polen und Litauen, denn Clemens Wenzeslaus Hubertus Franziskus war Prinz von Polen, die oberste Ebene ist der Herzschild mit dem Familienwappen, denn er war gebürtig ein Wettiner und Herzog von Sachsen. Es ist im Detail wie folgt aufgebaut:

Bildbeispiel: Trier, Hauptwache am Hauptmarkt

1787 erwarb er die Fürstpropstei Ellwangen. Im Fürstenrat des Reichstags befand sich deren Platz rangmäßig vor der Fürstabtei Prüm, deshalb wurde Ellwangen nun auf Platz 3 und Prüm auf Platz 4 des Hauptschildes geführt:

Beispiele für das Vorkommen von Wappendarstellungen dieses Fürstbischofs:

Charles Mannay (1802-1816)

Das Wappen des Bischofs ist eine ganz und gar gegen die Regeln guter Heraldik verstoßende Komposition: In Blau ein Monogramm, bestehend aus einem breiten lateinischen M, das in der Mitte von einem gestreckten lateinischen C belegt ist. Inful auf und Bischofsstab hinter dem Schild.

Joseph Alois Hommer (1828-1836)

Das Wappen des Bischofs, der am 7.8.1823 vom König von Preußen die Anerkennung seines Adels erhielt, ist geteilt:

Hinter dem Schild Kleeblattkreuz und Krummstab, auf dem Schild die Bischofsmütze.

Wilhelm Arnoldi (1842-1864)

In Schwarz ein Kleeblattkreuz. Hinter dem Schild Kleeblattkreuz und Krummstab, auf dem Schild die Bischofsmütze.

Leopold Pelldram (1865-1867)

Erstmalig taucht wieder das Trierer Kreuz im Wappen auf, das zwischenzeitlich ganz unterschlagen worden war. Das Wappen des Bischofs ist geviert:

Dr. Matthias Eberhard (1867-1876)

Die Sache mit dem wiederaufgenommenen Trierer Kreuz wird weiter verbessert, jetzt steht es wieder in den angestammten Feldern 1 und 4. Das Wappen des Bischofs ist geviert:

Dr. Reinhard Marx (2002 - 2008)

Am Bischofspalast in Trier in der Liebfrauenstraße wird mit dem Amtseintritt eines neuen Bischofs das Feld in der spätbarocken, von zwei Schildhalterlöwen flankierten Kartusche ausgetauscht - eine lebendige heraldische Tradition. Hier das Wappen von Dr. Reinhard Marx:

Das persönliche Wappen, in Blau ein goldener Markuslöwe, ist unterlegt von einem zweiten silbernen Schild mit dem roten Trierer Kreuz. Der Wappen-Schild ist auf ein bischöfliches Vortragekreuz aufgelegt. Über dem Wappen schwebt ein grüner Prälatenhut mit 2x 10 ebenfalls grünen Fiocchi in 4 Reihen.

Damit ist die Wappenkomposition zur einfachen, schlichten und wirkungsvollen Kombination aus Person und Amt zurückgekehrt, wie sie schon in der Gotik praktiziert wurde: Das Trierer Kreuz bekam schon unter Otto Graf von Ziegenhain (1418-1483) einen Herzschild mit dem Familienwappen aufgelegt.

Andererseits ist das Wappen auch ein Bruch mit einer anderen Tradition, denn der Schild mit dem Markuslöwen ist kein Familienwappen, sondern wurde eigens für den Bischof von Trier geschaffen. In Paderborn führte er ein ganz anderes Wappen, in dem der Markuslöwe nicht vorkam, so daß hier nicht die geringste Kontinuität gegeben ist. Nur der Wahlspruch ist geblieben.

Bischofspalast zu Trier, Wappen des Bischofs Dr. Reinhard Marx

Dr. Stephan Ackermann (2009 - )

Zum Amtsantritt wurde das Wappen am Bischofspalast in Trier in der Liebfrauenstraße ausgewechselt. Das Wappen ist geviert:

Der Wappen-Schild ist auf ein bischöfliches Vortragekreuz aufgelegt. Über dem Wappen schwebt ein grüner Prälatenhut mit 2x 10 ebenfalls grünen Fiocchi in 4 Reihen. 10 Fiocchi in vier Reihen? Wie ein Erzbischof also? Die Ausnahme von der Regel, daß ein Bischof drei Reihen und ein Erzbischof vier Reihen führt, ist das Bistum Trier: Früher war es ein Erzbistum, seit 1802 und dem Konkordat zwischen Papst Pius VII. und Kaiser Napoleon (damals war das Gebiet Frankreich zugehörig) ist Trier nicht mehr Erzbistum, sondern Bistum. Das blieb auch so, nachdem Trier wieder preußisch geworden war. Dennoch hat sich aus Tradition nichts an der heraldischen Symbolik geändert, nach wie vor werden grüner Prälatenhut mit 2x 10 Fiocchi in vier Reihen geführt, desgleichen wird der Schild einem bischöflichen Vortragekreuz aufgelegt. Die Wappen aller Trierer Bischöfe von Charles Mannay (1802-1816) bis hin zu Bischof Ackermann (ab 2009) zeigen diese historisch begründete Besonderheit, mit Ausnahme (die Ausnahme von der Ausnahme) des Wappens von Hermann Josef Spital (1981-2001).

Wahlspruch des Bischofs „In lumine tuo Domine“ – „In deinem Licht, o Herr“, ein Zitat aus "Apud te, Domine, est fons vitae, et in lumine tuo videbimus lumen" - "Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht" (Ps 36,10).

Symbolik: Palmzweig (Attribut des Namenspatrons Stephanus, erster Märtyrer des Christentums) und Pflug (redendes Wappen für den Familiennamen "Ackermann", naheliegend ein Gerät zur Feldbearbeitung, zugleich Sinnbild für die Seelsorge) wurden von Dr. Stephan Ackermann schon als Weihbischof im Wappen geführt, wenn auch ein klein wenig anders positioniert. Die Symbole wurden lediglich mit dem Trierer Kreuz, dem Bistumssymbol, geviert. In senem Wappen als Weihbischof war das Trier Kreuz zwar auch vorhanden, aber nur einmal im oberen Teil des Schildes.

Ein weiteres aus Metall gefertigtes Wappen befindet sich übrigens an der schmiedeeisernen Brüstung der Freitreppe.

Literatur:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten angegebenen Quellen.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Trier - Teil (1) - Teil (2)

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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