Bernhard Peter
Wappen der Wormser Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Wormser Fürstbischöfe - Teil (1): 1410-1694

Das Wappen des Hochstifts Worms zeigt in Schwarz einen schräg gestellten silbernen Schlüssel, der oben und unten von jeweils vier goldenen, geviertelten Schindeln (in der sich später durchsetzenden Form, alternativ auch Rauten, Kreuzchen, Sterne, Kleeblättchen) begleitet ist. Bereits in der Züricher Wappenrolle ist der silberne Schlüssel als Hochstiftssymbol zu sehen, allerdings dort noch geradestehend, außerdem in abweichend blauem Feld. Der erste Bischof, welcher das Hochstiftssymbol mit seinem Familienwappen zum Amtswappen kombinierte, war Salmann Cleman (1329-59). Die übliche Stellung des Schlüssels ist die mit Griff unten und Bart nach oben und rechts. In historischen Wappendarstellungen kann die Anzahl der Schindeln von 4:4 auch zu 4:3 oder 3:4 variieren. Die Variabilität des Hochstiftswappens erstaunt.

Bildbeispiel: Ladenburg, Bischofshof.


Johann II. von Fleckenstein (1410-1426)

Sein Wappen (vgl. Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 195) ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Friedrich II. von Domeneck (1427-1445)

Der von einer Inful überhöhte Wappenschild von Friedrich II. von Domeneck ist geviert:

Bildbeispiel: Nordwand des Schlosses im Bischofshof von Ladenburg am Neckar.
Weiteres Vorkommen am Treppenturm des Ladenburger Bischofshofes (ohne Abb.)

Friedrich von Domeneck, der letzte der Familie, wurde 1423 Domdekan zu Worms und am 5.2.1427 (auf St. Agatha) zum Bischof gewählt. Er starb am 1.7.1445 in Heidelberg. Mit ihm starb die Familie aus.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Dietrich II. von Bettendorf (1552-1580)

Sein Wappen (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 118 Tafel: 196) ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Bildbeispiel: Ladenburg, heutige Stadtbibliothek, ehem. Gästehaus der Fürstbischöfe (bei den Schindeln nur 4:3).

Drei mögliche Helme:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg von Schönenberg (1580-1595)

Sein Wappen (vgl. Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 196, Familienwappen alleine: Zobel Tafel 302, Gruber S. 122-123, Siebmacher Band: NaA Seite: 37 Tafel: 60) ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Bildbeispiel: Ladenburg, Bischofshof am rechten Standerker (mit 4:3 goldenen Kleeblättchen anstelle der Schindeln).

Drei Helme:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Philipp I. von Rodenstein (reg. 1595-21.3.1604)

Sein Wappen ist geviert:

Abb.: Ladenburg, Bischofshof, Wappen eines der beiden Rodenstein-Fürstbischöfe auf dem Wormser Thron, die wir ohne zusätzliche Hinweise nicht unterscheiden können, nämlich entweder Philipp I. von Rodenstein (reg. 1595-21.3.1604) oder der etwas später regierende Georg Anton von Rodenstein (1629-1652).

Für die Familie von Rodenstein gibt es in der Literatur mehrere unterschiedliche Tingierungsvarianten. Hier ist die Farbwahl rot und golden, wie das Wappen auch im Scheiblerschen Wappenbuch wiedergegeben wird, allerdings in inverser Form, also golden-rot einmal gespalten und zweimal geteilt, ebenso im Aschaffenburger Wappenbuch. Der alte Siebmacher von 1612 bringt die Tingierungsvariante silbern-rot ins Spiel, dito im Gatz für den späteren Fürstbischof Georg Anton von Rodenstein, und im neuen Siebmacher finden sich beide Farb-Varianten, so werden im Siebmacher Hessen die drei Varianten rot-golden, golden-rot und silbern-rot genannt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Wilhelm von Effern (1604-1616)

Sein Wappen (vgl. Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 195) ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Dazu werden drei Helme geführt (im Siebmacher Bistümer werden keine Helme angegeben):

Bildbeispiel: Treppenturm des Ladenburger Bischofshofes, in der Aedikula über dem Portal

Das abgebildete reale Wappen von Fürstbischof Wilhelm von Effern in Ladenburg weist einige Unterschiede zum theoretisch korrekten Wappen auf:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg Friedrich von Greiffenclau-Vollraths (1616-1629)

Georg Friedrich von Greiffenclau-Vollraths war 1616-1629 Bischof von Worms und 1626-1629 auch noch zusätzlich Kurfürst und Bischof von Mainz. Je nach Phase gibt es also Wappen mit oder ohne die Mainzer Komponente. Das Wappen aus der frühen Zeit wäre folgendermaßen möglich: Geviert:

Das Wappen des Bischofs von Mainz und Worms aus der Zeit 1626-1629 besteht aus dem Hauptschild mit den kirchlichen Amtswappen und Herzschild mit dem Familienwappen (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 2 Tafel: 3).

Bildbeispiel: Stadtprozelten am Main, an der Pfarrkirche

Für das Oberwappen gibt es mehrere Varianten. Eine einfache Variante ist die mit Inful und hinter dem Schild gekreuzten Insignien, dem Schwert für die weltliche und dem Krummstab für die geistliche Macht.

Vollständiges Oberwappen: Vortragekreuz senkrecht hinter dem Schild, Schwert und Krummstab hinter dem Schild gekreuzt, 4 Helme:

Bildbeispiel: gemaltes Wappen am Bischofshof in Ladenburg (mit farblichen Abweichungen bei den Decken)

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Georg Anton von Rodenstein (1629-1652)

Sein Wappen ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Auf seine Regierungszeit folgte eine zweijährige Sedisvakanz.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Hugo Eberhard Cratz von Scharffenstein (1654-1663)

Sein Wappen ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Vollständiges Oberwappen: Vortragekreuz senkrecht hinter dem Schild, Schwert und Krummstab hinter dem Schild gekreuzt, 3 Helme:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Philipp von Schönborn (1663-1673)

Johann Philipp von Schönborn, seit 1663 Reichsfreiherr, war in drei Bistümern Bischof: Würzburg ab 1642, Mainz ab 1647 und Worms ab 1663. Wir finden also aus seiner Wormser Zeit nur Wappen mit allen drei Bistümern. Das Wappen ist in der in Frage kommenden Zeit wie folgt aufgebaut (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 118 Tafel: 197):

Photobeispiel: Stift Haug, Würzburg

Als Oberwappen findet man meist den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:

Daneben gibt es aber auch eine noch aufwendigere Variante mit insgesamt sechs Helmen:

Abb.: Erfurt, Peterstor

Der Schild ist wie oben aufgebaut:

Abb.: Erfurt, Peterstor

Dazu werden sechs Helme geführt. Das ist eine große Seltenheit, das Wappen dieses Kurfürsten mit vollständigem Oberwappen in der Bauplastik zu finden.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid (1673-1675)

Er war ab 1652 Fürstbischof von Speyer und ab 1673 von Mainz und Worms. Aus seiner frühen Zeit gibt es Wappen, die ihn als Bischof nur von Speyer zeigen:

Meist wird ein Fürstenhut geführt, dazu hinter dem Schild Schwert und Krummstab gekreuzt.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:

Aus seiner Mainzer Zeit gibt es nur Wappen, die ihn als Bischof aller drei Bistümer zeigen. Sein ab 1673 geführtes Wappen ist wie folgt aufgebaut:

Mögliche Helmzieren (meist wird ein Kurhut geführt, dazu hinter dem Schild Schwert und Krummstab gekreuzt):

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Damian Hartard von der Leyen (1675-1678)

Damian Hartard von der Leyen-Hohengeroldseck war Reichsritter und ab 1653 Reichsfreiherr. Er wurde 1675 gleichzeitig Fürstbischof von Worms und Fürsterzbischof von Mainz. Alle seine Wappen (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 118 Tafel: 197) enthalten folglich beide Bistümer, wovon das wichtigere und reichspolitisch bedeutsamere in den Feldern 1 und 4 zu finden ist:

Als Oberwappen findet man meist den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Es geht aber auch komplizierter mit senkrecht hinter den Schild gestelltem Vortragekreuz und hinter dem Schild schräggekreuzten Insignien Schwert und Krummstab sowie 4 Helmen:

Bildbeispiel: Mainzer Schloß, über dem Westportal des Rheinflügels

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Karl Heinrich von Metternich-Winneburg (1679-1679)

Die kurze Regierungszeit von Karl Heinrich von Metternich-Winneburg, Reichsritter und seit 1635 Reichsfreiherr, in den Bistümern Worms und Mainz gleichzeitig macht seine Wappen eher rar. Alle seine Wappen, die komplex mit Haupt-, Mittel- und Herzschild aufgebaut sind, enthalten beide Bistümer, wovon das wichtigere und reichspolitisch bedeutsamere in den Feldern 1 und 4 des Hauptschildes zu finden ist:

Mögliche Helmzieren (meist wird ein Kurhut geführt, dazu hinter dem Schild Schwert und Krummstab gekreuzt):

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Franz Emmerich Kaspar Waldbott von Bassenheim (1679-1683)

Sein Wappen ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen wäre geviert:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Karl Reichsfreiherr von und zu Franckenstein (1683-1691)

Sein Wappen ist einfach, weil er außer dem Fürstbistum Worms keine anderen geistlichen Würden in seiner Person vereinigte. Sein Wappen ist geviert:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg (1691-1694)

Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg war 1684–1694 Hochmeister des Deutschen Ordens, 1689-1694 war er Fürstpropst von Ellwangen, und schließlich war er 1691-1694 Fürstbischof von Worms, eine Ämterakkumulation, die nur noch von seinem Nachfolger übertroffen wurde. Sein Wappen als Fürstbischof von Worms ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild, hat also rein formal 4 Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthält das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm.

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Literatur, Links und Quellen:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten und Familien angegebenen Quellen, sofern eigene Seiten existieren.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Andreas Urban Friedmann, Burkard Keilmann, Paul Warmbrunn und Hans Ammerich, Das Bistum Worms, von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801, hrsg. von Friedhelm Jürgensmeier, Würzburg 1997, 301 Seiten, ISBN 3-429-01876-5

Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (2)
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