Bernhard Peter
Wappen der Wormser Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Wormser Fürstbischöfe - Teil (2): 1694-1803

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732)

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg war ein Sammler von kirchlichen Würden: 1683-1732 war er Fürstbischof von Breslau, 1694-1732 war er Fürstbischof von Worms, Fürstpropst von Ellwangen sowie Hochmeister des Deutschen Ordens. 1716-1729 war er Fürstbischof von Trier, Kurfürst und Fürstabt von Prüm, und 1729-1732 war er zwar immer noch Kurfürst, aber in anderer Position, nämlich als Fürstbischof von Mainz. Seine Wappen als Fürstbischof von Worms enthalten folglich immer die Fürstbistümer Breslau und Worms, dazu in der ersten Phase Trier und in der zweiten Phase Mainz. Da diese Änderungen nur die oberste Lage, das kleine Herzschildchen betreffen, sind die Wappen bis auf dieses gleich. Hier ist das komplette Wappen beschrieben, wie Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg es in der ersten Phase von 1716 bis 1729 bis zu seinem Wechsel nach Mainz führte. Das komplexe Wappen hat 13 verschiedene Felder und drei Ebenen:

Sein Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthält das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail.

Im Vergleich zu seinem Verwandten und Vorgänger hat es einen Platzwechsel gegeben. Das liegt daran, daß 1707 die Grafschaft Moers zu einem Fürstentum erhoben wurde und deshalb vor Veldenz rückte. Alle anderen drei Felder rücken um eins weiter auf die "billigeren Plätze", wobei die Reihenfolge untereinander gleich bleibt.

Bildbeispiel: Haupteingang Schloß Horneck in Gundelsheim am Neckar, ehemaliger Sitz des Deutschmeisters

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (Nr. 4 oder 3), das Prümer Lamm belegt Feld 3 oder 4. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber. 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht, dem Ämterwechsel entsprechend.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Zeichen des Fürstbistums Trier.

Oben abgebildet Schloß Horneck in Gundelsheim am Neckar. Die Reihenfolge im Mittelschild kann sich ändern (Felder 3 und 4 ausgetauscht). Ein solches Beispiel befindet sich im Innenhof der Steipe am Hauptmarkt zu Trier.

Es folgt die Beschreibung des kompletten Wappens, wie Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg es in der zweiten Phase von 1729 bis zu seinem Tod 1732 führte. Das komplexe Wappen hat 13 verschiedene Felder und drei Ebenen. Wesentlichster Unterschied ist der Austausch des Herzschildchens.

Bildbeispiel: Pfarrkirche St. Georg in Ellingen

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (Nr. 4), das Prümer Lamm belegt Feld 3.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler.

Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Rot ein silbernes sechs- bzw. achtspeichiges Rad (Erzstift Mainz), sein zu der Zeit wichtigstes und politisch einflußreichstes Amt.

Bildbeispiel: Pfarrkirche St. Georg in Ellingen, Ausschnittsvergrößerung

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Franz Georg von Schönborn (1732-1756)

Franz Georg von Schönborn (1732-1756) war ein Sammler von kirchlichen Würden: 1729 -1768 war er Fürstbischof von Trier, Kurfürst und Fürstabt von Prüm, und 1732-1756 war er auch Fürstbischof von Worms. Und schließlich war er auch noch ab 1732 Fürstpropst von Ellwangen. Seine Wappen als Fürstbischof von Worms enthalten folglich immer beide Bistümer. Hier sei das komplette Wappen beschrieben, wie Franz Georg es ab 1732 bis zu seinem Tode 1756 geführt hat: Das komplexe Wappen hat 13 verschiedene Felder und drei Ebenen (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 60 Tafel: 96):

Schöne Beispiele finden sich an seinem Grabaltar im Trierer Dom, an der Kirche St. Paulin zu Trier und an der Abtei Prüm. Ein weiteres Wappen befindet sich an der Wallfahrtskirche Schönenberg über Ellwangen. Wegen der außerordentlichen Vielfalt und Anzahl wird dieses Wappen in der Regel ohne Helme geführt. Fürstenhut, Kreuz, Schwert und Krummstab markieren den hohen Rang des Trägers.

Bildbeispiel: Abtei Prüm, Nordfassade des kurfürstlichen Schlosses

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Friedrich Karl von Ostein (1756-1763)

Johann Friedrich Karl von Ostein, seit 1712 Reichsgraf, hatte zwei Bistümer inne: 1743-1763 Mainz, und 1756-1763 Worms. Seine späteren Wappen als Fürstbischof von Worms enthalten folglich immer beide Bistümer, wovon das wichtigere und reichspolitisch bedeutsamere in den Feldern 1 und 4 zu finden ist:

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Johann Philipp von Walderdorff (1763-1768)

Reichsfreiherr Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, hatte zwei Bistümer inne: 1758-1768 Trier, und 1763-1768 Worms. Seine Wappen als Fürstbischof von Worms enthalten folglich immer beide Bistümer. Aufbau:

 

Bildbeispiel: Koblenz, Liebfrauenkirche, Schlüssel hier schräglinks, Lamm einwärts.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1768-1774)

Reichsfreiherr Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, hatte zwei Bistümer inne: 1763-1774 Mainz, und 1768-1774 Worms. Seine Wappen als Fürstbischof von Worms (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 118 Tafel: 198) enthalten folglich immer beide Bistümer, wobei zwei Varianten zu finden sind. Mainz, das wichtigere und bedeutungsvollere, insbesondere vor dem Hintergrund des Einflusses auf die Reichspolitik, kam immer in die Felder 1 und 4. Gerade Feld 1 war sozusagen der Ehrenplatz im Schild. Die erste Variante ist wie folgt aufgebaut:

Bildbeispiel: Mainz, Alter Dalberger Hof

Die zweite Variante bildet Mainz und Worms je zweimal in einem gevierten Schild ab und versetzt das Stammwappen in einen dem Hauptschild aufgelegten Herzschild:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Die Helmzier des Familienwappens wäre ein roter Drache, die Helmdecken wären rot-silbern.

Bildbeispiel: Mainz, Schloß

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802)

Friedrich Karl Joseph von Erthal, der vorletzte Fürstbischof auf dem Mainzer Bischofsstuhl, hatte von 1774-1802 gleichzeitig die beiden Bistümer Mainz und Worms inne. Alle seine Wappen zeigen daher beide Komponenten:

Als Oberwappen findet man stets den Kurhut und Schwert sowie Krummstab hinter dem Schild gekreuzt. Im Siebmacher, Band: Bi Seite: 118 Tafel: 197, wird eine weitere Variante mit zwischen Haupt- und Herzschild gelegtem Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens beschrieben, Hochmeister waren aber während von Erthals Amtszeit zuerst Karl Alexander von Lothringen, dann Maximilian Franz von Österreich und schließlich Karl Ludwig von Österreich. Mit diesem Hochmeisterkreuz ist das Wappen auch in Aschaffenburg zu sehen.

Bildbeispiel: Aschaffenburg, Frühstückspavillon im Schloßpark

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Karl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1802-1803)

Hier haben wir den letzten Fürstbischof von Worms. Seine Karriere vor dem Hintergrund europäischer Neuordnung, vor der Auflösung der geistlichen Fürstentümer ist komplex. 1800 wird er Fürstbischof von Konstanz, 1802 von Worms und Mainz, aber dieses Amt behält er nur ein Jahr lang bis 1803. Als Erzbischof von Mainz ist er Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Gleichzeitig wird er 1802 Administrator und späterer Erzbischof von Regensburg. Ferner war er Fürstprimas der deutschen Kirche 1803-1817. Und nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches sehen wir ihn als Fürst von Aschaffenburg und Großherzog von Frankfurt. Diese abwechslungsreiche politische und geistliche Karriere dieser bemerkenswerten Persönlichkeit spiegelt sich auch in seinen Wappen wider:

Wappen als Bischof von Konstanz, Worms und Erzbischof von Mainz (1802-1803 geführt):

Nach Siebmacher (Band Bistümer, Seite: 2, Tafel 5, Lehnssiegel) gibt es auch eine aus vier Schilden unter einem Wappenzelt zusammengestellte Version, alles unter einer halben Petrusfigur:

Weitere Wappen werden danach geführt und in der Literatur beschrieben, da sie aber kein Feld für Worms enthalten, werden sie hier nicht aufgelistet.

Beispiele für das Vorkommen dieses Wappens:


Im Jahre 1803 wurde das Bistum aufgelöst. Das Territorium kam erst an Mainz, dann an Worms und Speyer. Einige Mainzer Bischöfe hielten die Erinnerung an das ehemalige Hochstift Worms durch Aufnahme der entsprechenden Symbole in ihren Wappen wach.


Literatur, Links und Quellen:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten und Familien angegebenen Quellen, sofern eigene Seiten existieren.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Andreas Urban Friedmann, Burkard Keilmann, Paul Warmbrunn und Hans Ammerich, Das Bistum Worms, von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801, hrsg. von Friedhelm Jürgensmeier, Würzburg 1997, 301 Seiten, ISBN 3-429-01876-5

Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1)
Die Wappen der Herren, Freiherren und Grafen von Walderdorff
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