Bernhard Peter
Wappen der Würzburger Fürstbischöfe

Die Geschichte der Wappen der Würzburger Fürstbischöfe
Teil (4): AD 1729 - 1808

Sonderfall: Bischöfe von Würzburg und Bamberg zugleich
In der Geschichte der Fürstbistümer Würzburg und Bamberg kam es häufiger vor, daß beide einen gemeinsamen Fürstbischof in Personalunion hatten. Das Bistum Würzburg ist von beiden das ältere, es wurde 741 von Bonifatius gegründet, 266 Jahre vor Bamberg. Und das Bistum Bamberg wurde nicht nur "erst" 1007 gegründet, sondern die beiden älteren Bistümer Würzburg und Eichstätt mußten Gebiet dafür zur Verfügung stellen, neben kaiserlichen Schenkungen, die den Grundstock für das wirtschaftliche Überleben des neuen Bistums bildeten. Also sowohl Alter als auch Geschichte müßten Würzburg einen höheren Rang als Bamberg einräumen. Und doch ist es anders:

Wenn in einem Wappen Elemente beider Hochstifte kombiniert werden, finden wir immer und grundsätzlich die Symbole für Bamberg in den höherwertigen, angeseheneren Feldern im Schild, so z. B. Feld 1 und 4 im gevierten Schild, während die Symbole für Würzburg auf die "billigen Plätze" kamen, Feld 2 und 3 in geviertem Schild. Das eigentliche Familienwappen des Bischofs kam dann beispielsweise in einen Herzschild.

Was ist der Grund? Zum einen war Bamberg eine kaiserliche Stiftung, ein kaiserliches Hochstift, weshalb die Bischofswappen auch die Kaiserkrone zeigen. Würzburg war eine Gründung von Bonifatius, seines Zeichens Missionar und Kirchenreformer, nicht Kaiser. Zum anderen war das Bistum Bamberg exemt, also aus der kirchenrechtlichen Zuständigkeitsstruktur ausgegliedert und Rom unmittelbar unterstellt, was ihm eine weitreichende Eigenständigkeit ermöglichte, ohne einem Erzbistum unterstellt zu sein. Diese Exemtion war ein besonderen Privileg, das z. B. auch das Kloster Fulda besaß. Würzburg, obwohl älter und mächtiger, hatte dieses Privileg nicht. Würzburg wurde gegen Ende des 8. Jh. Suffraganbistum des von Karl dem Großen zum Erzbistum erhobenen Bistums Mainz. Auch auf Reichstagen nahm der Bamberger Bischof einen höheren Rang ein als der Kollege aus Würzburg.

Einzige heraldische Ausnahme: Mainbrücke in Würzburg.

Wappen des Würzburger Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) (1729-1746)

Photobeispiel: Würzburg, Kaufhaus am Markt

Das einfache Wappen von Friedrich Carl von Schönborn ist geviert mit Herzschild:

Photobeispiel: Bamberg, Neues Rathaus

Das komplexe Wappen von Friedrich Carl von Schönborn als Bischof von Würzburg und Bamberg (es gibt nur Wappen mit beiden Bistümern, da die Regierungszeiten deckungsgleich sind) zeigt wesentlich mehr Elemente:

Optisch linke, heraldisch rechte Spalte, von oben nach unten:

Mittlere Spalte, von oben nach unten:

Optisch rechte, heraldisch linke Spalte, von oben nach unten:

Bauplastische Beispiele für das komplexe Wappen des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)

Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749

Bildbeispiel: Würzburg, geschmiedete Tore des Hofgartens

Das Wappen ist geviert mit Herzschild:

Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754

Bildbeispiel: Würzburg, geschmiedete Tore des Hofgartens

Das Wappen ist wie das seines Amtsvorgängers Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths (s.o.) geviert:

Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Photobeispiel: Bad Kissingen-Hausen, obere Saline

Von 1755-1757 ist er Bischof nur von Würzburg. Die Personalunion der Hochstifte Würzburg und Bamberg galt 1757-1795. Ab 1757 gibt es von diesem Bischof nur kombinierte Wappen Seinsheim/Würzburg/Bamberg. Das Wappen ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Zu diesem Stammwappen würden folgende zwei Helmzieren gehören:

Daneben könnte er natürlich die Kleinode der Hochstifte Würzburg und Bamberg führen sowie das Kleinod des Herzogtums zu Franken. Tatsächlich wird aber den Insignien der Vorzug gegeben.

Franz Ludwig von Erthal 1779-1795

Bildbeispiel: Pfarrkirche in Hollfeld (Oberfranken, Landkreis Bayreuth)

Er war gleichzeitig Bischof von Würzburg und Bamberg (Personalunion der Hochstifte Würzburg und Bamberg 1757-1795), deshalb gibt es von ihm nur Wappen mit beiden Hochstiften gleichzeitig: Das Wappen ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Die Helmzier des Stammwappens auf dem gekrönten Helm wäre ein in den Schildfarben tingiertes Paar Büffelhörner, die Helmdecken wären rot und silbern.

Daneben könnte er natürlich die Kleinode der Hochstifte Würzburg und Bamberg führen sowie das Kleinod des Herzogtums zu Franken. Tatsächlich wird aber den Insignien der Vorzug gegeben.

Georg Karl von Fechenbach 1795-1808

Letzter Fürstbischof von Würzburg. Wappen nur als Bischof von Würzburg (Aufhebung der Personalunion der Hochstifte Würzburg und Bamberg 1795):

1802 Niederlegung der Würzburger Ämter. 1805 Wahl zum Bischof von Bamberg als Nachfolger seines Onkels: Das Wappen ist 1805-1808 geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Literatur:
Siehe zusätzlich allgemeines Quellenverzeichnis bzw. die bei den jeweiligen Objekten angegebenen Quellen.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Herrn Peter Kolb ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

Die Entwicklung der Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein - Der Bamberger Löwe

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