Bernhard Peter
Französische Heraldik: Vokabular

Französische heraldische Basisvokabeln
Die grundlegenden Ausdrücke der Heraldik (l'héraldique) und der heraldischen Kunst (l'art héraldique) sollen uns zuerst beschäftigen. Vier Ausdrücke gibt es für die Benennung eines Wappens, je nachdem, welcher Aspekt im Vordergrund steht, die aber in der Praxis stellvertretend füreinander benutzt werden:

Die Ausdrücke "les armes" und "les armoiries" werden in der Sprachpraxis aber vollkommen homonym gebraucht und von französischen Heraldikern im Austausch füreinander verwendet.

Interessant ist, welche Redewendungen heraldische Basisausdrücke verwenden:

Aufbau eines Wappens:

Das Französische kennt drei verschiedene Ausdrücke für Schildhalter

Das Französische benennt Schildinhalte (les charges) wie folgt:

Französische heraldische Farben und Farbbezeichnungen
Die Farbbezeichnungen der französischen Heraldik sind nicht die gängigen heutigen umgangssprachlichen Farbbezeichnungen, sondern traditionelle. Die englische Heraldik verwendet übrigens ähnliche, aber nicht immer die selben Bezeichnungen. Die heraldischen Tinkturen (les émaux m., sg. émail) werden wie in Deutschland in die Farben (les couleurs f.) und in die Metalle (les métaux m., sg. métal) geschieden:

Daneben sind manche Farben in der französischen Heraldik anzutreffen, die bei uns in Deutschland nicht zum akzeptablen Farbenkanon gehören:

Auch für das Pelzwerk (fourrures f.), die dritte Möglichkeit, ein Feld auszufüllen, existieren Spezialbegriffe:

Sonstige Farbangaben:

Wichtige französische Schildteilungen
Die grundsätzlichen Schildteilungen (partitionnement, les partitions) zu zwei Farben werden wie folgt benannt:

Schildteilungen zu drei Farben
Wird die Schildfläche mit zwei parallelen Linien geteilt, ist er tiercé:

Wichtige "Pièces"

Fallübung: Teilung von Schild und/oder gemeiner Figur
Wie sehr die französische Kunst der Blasonierung logisch aufgebaut ist und in wenigen, unterschiedlichen Konstruktionen gänzlich unterschiedliche Zusammenhänge beschreibt, soll an diesem Beispiel erläutert werden: Der Schild (l'écu) und/oder der Löwe (le lion) ist/sind geteilt (coupé). Der Löwe ist rotbewehrt (armé de gueules) und rotgezungt (lampassé de gueules) und ansonsten aufrecht (rampant). Da "rampant" der als natürlich und selbstverständlich angesehenen Stellung eines Löwen entspricht, wird dieses präzisierende Wort nur verwendet, wenn es besonders wichtig erscheint, genau diese Stellung zu betonen, ansonsten nicht. Ohne Teilung wäre es "De X au lion de Y armé et lampassé de gueules". Nun kommt es darauf an, was wie geteilt ist:

Deutsch:

Französisch:

Fallübung: Schräglinksteilung von Schild und/oder gemeiner Figur
Ganz analog soll der Fall eines schäglinksgeteilten Feldes und/oder Inhaltes durchgespielt werden: Der Schild (l'écu) und/oder der Löwe (le lion) ist/sind schräglinksgeteilt (taillé).

Deutsch:

Französisch:

Fallübung: Pièce und gemeine Figur - was liegt oben bzw. unten?
In Wappen haben wir es häufig mit mehreren Ebenen zu tun. Es ist oft hilfreich, sich einen Schild als ein aus mehreren Schichtlagen sukzessive aufgebautes Gebilde vorzustellen. Ist ein Objekt A, das eine Ebene höher liegt als ein Objekt B, dann ist B belegt mit A, sofern A kleiner ist als B. Was aber, wenn A größer ist als B und über dessen Ränder hinausragt? Im Französischen ist das Zauberwort "brochant, brochante" - über etwas spannen, an etwas angeheftet sein, über etwas hinweggehen, das kann alles durch dieses Wort ausgedrückt werden. Das, was "broschiert", liegt immer oben. Im Deutschen ergibt sich häufig die logische Abfolge durch die Reihenfolge, oder man drückt die Staffelung in der Tiefe durch "darüber" o.ä. aus. Im Französischen entscheidet die korrekte Platzierung des Wortes "brochant, brochante" über die Lage einer Schicht.

Deutsch:

Französisch:

Anmerkung: Ist es eine Brisur (Einbruch), dann arbeitet man nicht mit dem Begriff "brochant, brochante". Ein simples "au bâton péri en barre" würde einen Einbruch beschreiben.

Fallübung: Rechtsgestellt und linksgestellt
Mehrere Objekte können gemeinsam in einer gewissen Anordnung im Schild stehen, dann spricht man von "rangé, rangée". Und sie können zusätzlich eine individuelle Ausrichtung in Bezug auf die Schildkanten haben, dann spricht man von "posé, posée". Wird keine Lage angegeben, ist es immer die aufrechte oder naheliegende. Anordnung insgesamt und individuelle Ausrichtung können verschieden sein, z. B. das eine "en barre" (schräglinksbalkenweise), das andere "en bande" (schrägrechtsbalkenweise). Jeder dieser Ausdrücke kann mit "rangé" oder "posé" kombiniert werden. Sind sie gleich, wiederholt man ungern das Wort, sondern verwendet eine der diversen Möglichkeiten für "genauso", z. B. "de même". Gibt es äußere Begrenzungen, so können auch hier abweichende Lagen blasoniert werden. Ist die Lage die naheliegende, z. B. der Figur folgende, braucht sie nicht unbedingt angegeben zu werden. Ein paar Beispiele mit Rauten (la fusée, les fusées):

Deutsch:

Französisch:

"Angenäht" - der Trick mit der Farbregel
Natürlich gilt in der französischen Heraldik genauso die Farbregel wie im Deutschen. Aber während wir es beim Blasonieren dabei belassen, dem Leser anheimzustellen, "es" zu merken, wenn ein Blason lautet "rot mit blauem Schildhaupt", so weist ein französischer Blason darauf hin mit dem eigentlich redundanten Wörtchen "cousu" - "Ja, du hast richtig gelesen, es ist Absicht und kein Irrtum, hier verstoßen wir gegen die Farbregel, und wir haben sogar eine tolle Erklärung!" Das Wort "cousu, cousue" wird immer bei Objekten oder Flächen angewandt, wenn sie gleichermaßen Farbe oder Metall wie die angrenzende Fläche sind. Während sich in deutschen Blasonierungstexten das optische Aufeinanderprallen von Farbe und Farbe oder von Metall und Metall, sofern keine Abbildung vorliegt, im Detail des Gelesenen anschleicht, abwartend, ob der Leser mitdenkt oder nicht, ob ihn das Grauen packt oder ob er es überliest, gibt es in französischen Blasons dieses Zauberwörtchen "cousu" - wörtlich "aufgenäht" oder "angenäht", ein gedanklicher Klimmzug, um mit einem eigentlich vorliegenden Farbregelverstoß umzugehen. Es ist eine in der deutschen Heraldik nicht bekannte oder übliche Idee, einen Farbregelverstoß damit zu "legitimieren", daß man das Stück des Verstoßes einfach als ein anderes Teil betrachtet, welches an- oder aufgenäht wurde. Natürlich bleibt der Verstoß ein Verstoß und wird dadurch kein bißchen besser, aber das Wörtchen zeigt doch wenigstens, daß man sich des Verstoßes bewußt ist. Obwohl die Verwendung des Wortes prinzipiell sowohl für Metall/Metall als auch für Farbe/Farbe gilt, sind erstere Cousus relativ selten, letztere erheblich häufiger. In der französischen Heraldik betrifft dieses Phänomen vor allem die oft vorkommenden Schildhäupter. Die Verwendung betrifft in der Regel Flächen, Heroldsbilder, und weniger meubles, gemeine Figuren, was offensichtlich früher strikter gehandhabt wurde als heute. Für "cousu" gibt es im Deutschen kein gebräuchliches Äquivalent, wohl aber in der italienischen ("cucido") und spanischen ("cosido") Heraldik. In der neueren französischen Heraldik-Literatur wird das eigentlich überflüssige Wörtchen als fakultativ bezeichnet, und auch der Rietstap bevorzugt Kürze. Auch wenn im Detail in der Literatur mal mehr, mal weniger streng ausgelegt wird, wann das Wörtchen "cousu" verwendet werden kann, soll und darf, wobei die ganz strengen Autoren die Verwendung nur für das Schildhaupt zulassen, die wenig strengen auch für meubles, einig ist man sich, daß es nie angewandt wird für etwas, das sich über mehrere Tingierungszonen erstreckt, denn dieses liegt über allem und ist "brochant". Ein "Brochieren" ist kein Verstoß gegen die Farbregel, also braucht man auch nichts "anzunähen".

Vassinhac d'Imécourt Garnier de Montfuron Bonet de la Chapoulie

Beispiel 1: Vassinhac d'Imécourt, eine der ältesten Familien Frankreichs, ein Geschlecht aus dem Limousin und später auch der Champagne. Deutscher Blason: Blau mit silbernem, schwarz bordiertem Schrägbalken. Französischer Blason: D'azur à la bande d'argent, bordé cousu de sable.

Beispiel 2: Garnier de Montfuron, ein provencalisches Geschlecht. Deutscher Blason: Unter goldenem Schildhaupt in Silber drei rote Sparren. Französischer Blason: D'argent à trois chevrons de gueules, au chef cousu d'or.

Beispiel 3: Das Wappen der Stadt Le Havre hat gleich drei Flächen in Farbe, die aneinanderstoßen, und hier können wir das Wörtchen "cousu" gleich zweimal einsetzen. Deutscher Blason: Unter einem blauen und mit drei goldenen und balkenweise gestellten goldenen Lilien belegten Schildhaupt und mit schwarzem, mit einem goldenen, rot gezungten und bewehrten Löwen belegten Obereck in Rot ein silberner, golden gekrönter Salamander in einem goldenen Feuer. Französischer Blason: De gueules à la salamandre d'argent couronnée d'or sur un brasier du même, au chef cousu d'azur chargé de trois fleurs de lys d'or, au franc-canton cousu de sable chargé d'un lion d'or armé et lampassé de gueules. Cave: Das Obereck überdeckt eine Lilie, daher sehen wir zwei und blasonieren drei.

Beispiel 4: Mondot de la Marthonie, Mondot de la Gorce et de Beaujour, eine Familie aus dem Limousin. Deutscher Blason: Unter einem schwarzen, mit drei silbernen Sternen balkenweise belegten Schildhaupt in Rot ein goldener Löwe. Französischer Blason: De gueules au lion d'or, au chef cousu de sable, chargé de trois étoiles d'argent.

Beispiel 5: Bonet de la Chapoulie, eine Familie aus dem Perigord. Deutscher Blason: Unter einem blauen, mit drei silbernen Sternen balkenweise belegten Schildhaupt in Rot ein goldener Löwe. Französischer Blason: De gueules au lion d'or, au chef cousu d'azur, chargé de trois étoiles d'argent.

Beispiel 6: Das Wappen der französischen Gemeinde La Tranche-sur-Mer im Département Vendée hat wieder gleich zwei Cousus: Deutscher Blason: Unter einem gespaltenen Schildhaupt, rechts in Blau eine goldene ungesichtete Sonne, links in Grün ein silbernes Herz der Vendée, in Rot ein goldener Löwe. Französischer Blason: De gueules au lion d'or, au chef parti, au premier cousu d'azur au soleil non figuré d'or et au second cousu de sinople au cœur vendéen d'argent.

Beispiel 7: Die Familie de Chansiergues aus dem Languedoc. Deutscher Blason: Unter einem roten, mit drei goldenen Sternen balkenweise belegten Schildhaupt in Blau drei (2:1) silberne und rot brennende Fackeln. Französischer Blason: D'azur à 3 flambeaux d'argent, allumés de gueules, au chef cousu de gueules, chargé de 3 étoiles d'or.

Beispiel 8: Stammwappen der Familie Le Tellier aus der Île de France. Deutscher Blason: Unter einem roten, mit drei goldenen Sternen balkenweise belegten Schildhaupt in Blau drei pfahlweise gestellte silberne Eidechsen nebeneinander. Französischer Blason: D'azur à trois lézards d'argent, posés en pal, au chef cousu de gueules, chargé de trois étoiles d'or.

Beispiel 9: Familie Palluat de Besset aus Lyon. Deutscher Blason: Unter einem blauen, mit einer silbernen Rose zwischen zwei goldenen Sternen belegten Schildhaupt in Rot über einer liegenden silbernen Mondsichel ein ebensolches pfahlweise gestürztes Lanzeneisen, von einem gewendeten goldenen Löwen rechts und einem silbernen Adler links gehalten. Französischer Blason: De gueules, à un fer de lance d’argent, la pointe en bas, aboutissant à un croissant montant de même, et soutenu d’un lion d’or et d’une aigle d’argent affrontés, le lion à dextre et l’aigle à senestre, au chef cousu d’azur, chargé d’une rose d’argent accostée de deux étoiles d’or.

Quellen, Literatur und Links
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974, Publications Nationales Du Ministère des Arts et des Sciences, Imprimerie Saint-Paul, Société Anonyme, Luxembourg
Wappenbilderordnung, Symbolorum armoralium ordo, hrsg. vom HEROLD, bearbeitet von Jürgen Arndt und Werner Seeger, Skizzen von Lothar Müller-Westphal, Verlag Degener, 2. Auflage 1996, Band 1 und 2
Nicolas Viton de Saint-Allais, Dictionnaire encyclopédique de la noblesse de France, Paris, 1816
Alphonse O'Kelly de Galway, Dictionnaire archéologique et explicatif de la science du blason, Bergerac 1901.
Emmanuel de Boos, Dictionnaire du Blason, Editions du léopard d'or, Paris, 2001, ISBN 2-83377-170-1
L.-A. Duhoux d'Argicourt, Alphabet et figures de tous les termes du blason, Paris, 1899.
Rietstap/Rolland
Herrn Laurent Granier ein herzliches Dankeschön für die Erörterung des Themas
Ein Blog zur französischen Heraldik:
http://lalanguedublason.blogspot.fr/

Frankreich: Blasonierungs-Vokabular - einfache Blasonierungs-Bsp. - komplexe Blasonierungs-Bsp.
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