Bernhard
Peter
Regalienfeld
Was
ist ein Regalienfeld?
Ein Regalienfeld ist ein leeres rotes Feld in einem
zusammengesetzten Wappen. Es ist also inhaltsfrei, aber im
Gegensatz zu einem Warteschild beispielsweise nicht
bedeutungsfrei. Die Farbe ist immer Rot. Synonym wird es auch als
Bannschild, Bannfeld oder Blutbannfeld bezeichnet. Manchmal wird
es damasziert dargestellt. Es tritt ab dem 16. Jh. bei einigen
Reichsfürsten auf und symbolisiert deren Herrscherwürde und das
Recht über Leben und Tod und die entsprechende
Blutgerichtsbarkeit, den Blutbann. Es zeigt zwar nur das
wichtigste, mächtigste und für die Untertanen gefährlichste
Recht an, steht aber als Sinnbild stellvertretend für weitere
Souveränitätsrechte. In Wappen wird ein solches Regalienfeld
gerne im Fußort oder als Schildfuß untergebracht.

Was
sind Regalien?
Regalien sind Hoheitsrechte,
die einem Staatsoberhaupt zustehen. Das Wort leitet sich ab von
IURA REGALIA und bedeutet königliche Rechte, also Rechte, die
einst im Mittelalter nur der König oder Kaiser besaß.
Rechtsgeschichtlich liegen die Wurzeln der Regalien in der 1158
auf dem Reichstag von Roncaglia erlassenen Constitutio QUAE SUNT
REGALIA von Friedrich I Barbarossa. Im einzelnen sind Regalien:
Gebietshoheit, Gerichtsbarkeit, das Recht auf Steuern (r.
vectigalia), das Zollregal, das Recht auf erbloses Gut, das
Forstrecht, das Jagdrecht, das Fischereirecht, das Recht auf
Bodenschätze (Bergregal, r. argentaria), das Schatzregal (das
Recht auf gefundene Schätze, r. thesauri), das Münzregal (r.
monetae) etc. Auch die Blutgerichtsbarkeit stand ursprünglich
nur dem König zu. Deren Zeichen war das Blutbanner, die
Blutfahne, ein quadratisches rotes Banner.
Wie
kommen Fürsten an Regalien?
Einst königliche Rechte,
wurden im Laufe der Zeit immer mehr dieser Rechte vom König bzw.
Kaiser auf die Reichsfürsten übertragen. Auch Reichsstädte
konnten Nutznießer solchermaßen übertragener Rechte werden.
Ein Markstein dieser Entwicklung war das sog. Statut zugunsten
der Fürsten, die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert),
ausgestellt auf dem Hoftag in Worms im Jahre 1231. Die
Übertragung von Hoheitsrechten förderte den Zerfall des
Heiligen Römischen Reiches in Territorialstaaten und seine immer
weiter gehende Zersplitterung und legte den Grundstein für den
späteren Föderalismus. Im 13. Jh. wurden so auch die
Landesherren mit der Blutgerichtsbarkeit belehnt, wovon einige
die Blutfahne als rotes Regalienfeld in ihr Wappen aufnahmen.
Was
ist die Blutgerichtsbarkeit?
Synonyme: Halsgerichtsbarkeit,
Hochgerichtsbarkeit, Blutbann, IUS GLADII (Recht des Schwertes).
Das ist die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod, für Straftaten
wie Mord, Kindesmord, Raub, Diebstahl, Hexerei, Zauberei,
Vergewaltigung zuständig, die mit Todesstrafe (Enthaupten,
Ertränken, Feuertod, Rädern, Hängen) oder Verstümmelungen
(Abschneiden von Körperteilen, Zunge, Ohren, Brandmarken,
Blenden, Auspeitschen) geahndet werden konnten. Nicht darunter
fallen all die Vergehen, die nur mit Geldstrafen, Haftstrafen,
Ehrenstrafen oder Verbannung geahndet wurden - also alle
unblutigen Strafen, das war etwas für die sog. niedere
Gerichtsbarkeit. Vom Landesherrn wurde die Blutgerichtsbarkeit
wieder weiter vergeben an ausgewählte Gerichtsorte und
Gerichtsherren.
Beispiel 1: Feuchtwangen, Marktbrunnen

Das Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach hat eine Form, wie sie in der Zeit von 1704-1742 gebräuchlich war. Es befindet sich am Marktbrunnen von Feuchtwangen, der 1727 errichtet wurde. Das Regalienfeld ist die schmale schildfußartige Zone unterhalb von Feld 18 und 19.
Beispiel 2: Ostheim vor der Rhön, Kirchenburg, Wappen an der Orgelempore

Dieses große Wappen an der Orgel in der Ostheimer Kirchenburg von 1738 ist das des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Kursachsen führt den Blutschild ab Kurfürst Johann (1525-1532). Das Regalienfeld ist hier ganz unten in der Mitte untergebracht und zart damasziert.
Beispiel 3: Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach an der Plassenburg

Brandenburg führt das Regalienfeld seit 1535, hier in Feld 10 untergebracht (optisch links untere Ecke). Vergleiche auch den Blutschild des Markgrafen Georg Friedrich in der Schloßkirche der Plassenburg in Kulmbach.
Beispiel 4: Anhalter Wappen am Schloß in Bad Homburg vor der Höhe, Königsflügel, Fassade zum unteren Schloßhof, Nordwestecke

Feld 11 (optisch unten in der Mitte) des Hauptschildes des Wappens von Louise Friederike von Anhalt-Dessau zeigt das Regalienfeld. Anhalt führt das Regalienfeld ab 1556.
Beispiel 5: Pfarrkirche St. Gumbertus in Ansbach

Das Wappen von Markgraf Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach hat als Regalienfeld einen roten Schildfuß. Vergleiche auch den Blutschild am Epitaph für Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg in der Moritzkirche in Ansbach.
Veröffentlichung des Photos aus dem Innenraum der Ostheimer Pfarrkirche mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Christian Schümann, Ostheim 2007
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
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