Bernhard Peter
Die Wappen der Grafen von Schönborn

Entwicklung des Familienwappens des Hauses Schönborn:

1. Stammwappen:
In Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit blauer Krone. Helmzier der Löwe mit blauer Krone und aufgeschwungenem Schweife sitzend zwischen zwei rot-silber geteilten oder var. ganz roten Büffelhörnern. Helmdecken rot-golden (auch rot-silbern). Beleg z. B. Stroß von Schönborn, Wigand von Schönborn 1407 (Staatsarchiv Koblenz).

Bildbeispiel: Mainz, Schönborner Hof

2. Wappen:
Die reichsständische Herrschaft Reichelsberg wurde 1671 von den Grafen von Schönborn vom Bistum Würzburg erworben. Damit waren Sitz und Stimme im Fränkischen Grafenkollegium verbunden. Das Wappen ist nun geviert:

 

Bildbeispiele: Abb. links: Aschaffenburg, Schönborner Hof, Abb. rechts: Würzburg, St. Burkard, Chorgestühl, Kleinode z. T. farblich abweichend.

Zwei Kleinode:

3. Freiherrliches Wappen:
Die Familie von Heppenheim genannt von Saal erlischt in direkter Linie im Jahre 1684 und fällt an die verwandten Grafen von Schönborn. Das Wappen ist nun geviert:

Drei Helmzieren:

4. Gräfliches Wappen:
Wie oben, aber alle Elemente in anderer Weise zusammengestellt. Das Wappen ist nun geviert mit Herzschild

Bildbeispiel: Schloß Gaibach in Unterfranken

Drei Helmzieren:

5. Gräfliches Wappen:
Das Wappen erhält nun viele neue Elemente: Insbesondere kommen Elemente aus dem Buchheim'schen Wappen ins Spiel. Die Güter derer von Buchheim kamen im Jahre 1711 zur Familie der Grafen von Schönborn, sie befinden sich in Österreich. Damit verbunden sind zum einen die Korngarben, zum andern der Reichsapfel auf dem Kissen. Ferner wird das Wappen um die Grafschaft Wolfsthal bereichert. Deren Familie erlosch, und im Jahre 1717 erbten die Schönborns Besitzungen und Titel und vermehrten ihr Wappen um den Wolf. Die nächste Zutat ist das Wappen der Truchsess von Pommersfelden (nicht zu verwechseln mit dem Erb-Truchsessen-Amt in Österreich). Im Jahre 1710 fielen die Besitztümer und Titel der Truchsess von Pommersfelden an die Grafen von Schönborn. Der Schild wird nun schräg geviert mit "gräflich" gekröntem Herzschild. Die Anordnung der einzelnen Felder ist hier nach Siebmacher angegeben, kann aber in der Realität variieren.

Photobeispiel: Schloß Weißenstein in Pommersfelden, mit etwas veränderter Anordnung

Zur Problematik des Buchheimer (auch "Puchheim" im Siebmacher geschrieben) Wappens: Das Stammwappen derer von Buchheim ist in Silber ein roter Balken, was die Buchheims auch als Herzschild in ihrem vermehrten Wappen führten. Da die Buchheims aber nicht mit den Schönborns verwandt sind, ist es korrekt, daß nicht das Stammwappen Buchheim Eingang in das Schönborn-Wappen fand, sondern die goldenen Garben in Schwarz, die im vermehrten Buchheim-Wappen im gevierten Schild die Felder 1 und 4 einnahmen. Denn dieses Element steht für das Erbtruchsessenamt, das die Buchheims innehatten. Der Garbenschild ist nicht das Stammwappen derer von Buchheim, sie wurden nur auf dem Ehrenplatz 1 im vermehrten Wappen geführt. Das Buchheimer Wappen hatte noch in den Feldern 2 und 3 des Hauptschildes in Rot einen gekrönten silbernen Löwen, die drei Helmzieren waren 1.) die goldene Garbe, Decken schwarz-golden (zum Erbtruchsessenamt), 2.) ein geharnischter Schwertarm, Decken rot-silbern (zum Löwen), 3.) ein silberner Flug, beiderseits mit rotem Balken belegt, Helmdecken rot-silbern (Stammwappen).

Zu diesem Wappen gehören jetzt sieben Helme, die allerdings selten dargestellt werden, von optisch links außen nach rechts durchgezählt:

Bei den Decken fällt auf, daß lt. Siebmacher, Band Grafen, nicht die eigentlich korrekten Decken angegeben werden, sondern pauschal rechts rot-golden und links blau-silbern. Das Aschaffenburger Wappenbuch gibt für jeden Helm die historisch korrekten Decken an.

Schildhalter: Zwei widersehende, gekrönte goldene Löwen, in den hinteren Vorderpranken an goldenen Stangen jeweils eine golden befranste Standarte haltend, rechts golden mit dem schwarzen Reichsadler, links rot mit silbernem Balken (Österreich).

Später wurde das Wappen geringfügig vereinfacht, indem der Reichsadler aus dem ersten Feld direkt ins Feld gesetzt wurde und der Ovalschild herausgeworfen wurde.

6. Gräfliches Wappen:
Die Elemente blieben im wesentlichen die gleichen, nur die Anordnung änderte sich. Man nahm Abstand von der etwas unglücklichen Schrägteilung, und man ging zum zweimal gespaltenen und zweimal geteilten Schild über, anstelle von Feld 5 der Herzschild. Neue Komponenten kamen nicht hinzu. Die Anordnung der einzelnen Felder ist hier nach Siebmacher angegeben, kann aber in der Realität variieren. Somit präsentiert sich das Wappen in seiner letzten und heute noch gültigen Form:

Photobeispiel: Kirche in Wiesentheid (Unterfranken), Felder 4 und 6 ausgetauscht

Zu diesem Wappen gehören immer noch die oben beschriebenen sieben Helme, die allerdings selten dargestellt werden, und in anderer Reihenfolge dargestellt werden, hier von optisch links außen nach optisch rechts durchgezählt:

Zu den Helmdecken vgl. das oben Gesagte. Schildhalter bleiben wie oben beschrieben: Zwei widersehende, gekrönte goldene Löwen, in den hinteren Vorderpranken an goldenen Stangen jeweils eine golden befranste Standarte haltend, rechts golden mit dem schwarzen Reichsadler, links rot mit silbernem Balken (Österreich).

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 1: Der Aufstieg
Der Aufstieg der Familie Schönborn ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Einst ein reichsritterschaftliches Geschlecht aus dem Taunus und dem Westerwald, Burgleute und Amtmänner, schafften sie es in bedeutende Regierungspositionen und an die Spitzen bedeutender geistlicher Fürstentümer und prägten ihre Zeit nachhaltig. Man ist direkt geneigt, von einer Schönbornzeit zu sprechen, denn rund ein halbes Jahrhundert prägen die Schönborns die Geschichte des Reiches, der katholischen Kirche und der Kunst maßgeblich.

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 2: Das Schönborn-Zeitalter
Beginnen wir neu mit dem letzten der obigen Reihe, dem Stammvater der "mega-erfolgreichen" Schönborns. Faszinierend an diesen verwandtschaftlichen Verflechtungen ist nicht nur, daß hier sechs Kirchenfürsten aus der gleichen Familie engstens zusammenkommen, daß zeitweise Reichskanzler und Reichsvizekanzler aus der selben Familie kamen, sondern daß auch vier Brüder Kirchenfürsten wurden und drei deren Schwestern Mütter von drei weiteren Fürstbischöfen (Seinsheim, Ostein, Limburg-Styrum) wurden, abgesehen von weiteren hohen und höchsten Ämtern in der Familie:

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 3: Drei Linien
Beginnen wir neu mit Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid, dem Stammvater der drei Linien, die sich bildeten:

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Hartmut Platte: Das Haus Schönborn, Grafen, Fürstbischöfe und Mäzene, Börde-Verlag Werl, 2006, Reihe Deutsche Fürstenhäuser Heft 13, ISBN 3-980 9107-3-3
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1989
Das Haus Schönborn:
http://www.schoenborn.de/

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