Übergangslösungen: Wulste, Kronen und Kissen
Rangkronen,
Helmkronen, Wappenkronen, Wulste
Das Problem ist, daß der Begriff
"Adelskrone" für zwei ganz verschiedene Kronen
verwendet wird. Zur klaren Unterscheidung von Form und Funktion
sollte man besser nur von "Rangkronen" und von
"Laubkronen" sprechen.
Rangkronen = Adelskrone: Eine Rangkrone zeigt schlanke Zacken mit Kugeln an den Spitzen. Das Schema für die Rangkronen entwickelte sich im 16. Jh. Die Verwendung von Rangkronen in früheren Stilen ist anachronistisch. Also nicht Rangkronen mit mandelförmigen Schilden oder gar mit Topfhelmen oder Kübelhelmen kombinieren! Rang- und Adelskronen werden immer nur mit dem Wappenschild allein und auf den Schildrand gesetzt dargestellt. Eine Rangkrone ist keine Helmkrone! Eine Rangkrone wird niemals als Helmkrone verwendet. Eine Rangkrone wird statt Helm und Helmzier verwendet. Eine Helmkrone wird zu Helm und Helmzier getragen. Für Deutschland gilt folgendes System:

Helmkrone = Laubkrone = Blütenkrone: Die Helmkrone kommt im 13. Jh. in Gebrauch. Sie ist eine Laubkrone mit drei "Blatt-Zinken" und zwei "Perlen-Zinken" dazwischen. Ursprünglich war sie eine Königskrone, die dann der Adel für sich beanspruchte. Im 14./15 Jahrhundert tauchte die Helmkrone dann auch bei diversen Patrizierfamilien auf und wurde von diesen unangefochten geführt. Obwohl sie ursprünglich ein Merkmal des Adels war, ist die strenge Gleichsetzung Helmkrone = Adel nicht in dieser Ausschließlichkeit korrekt. Wie viele Regeln ist das wohl mehr eine allgemeine Richtlinie mit einer gewissen Unschärfe, die stark von der Entstehungszeit eines Wappens abhängt. Dazu gibt es viele Adelige, die diese Helmkrone nicht führen, z. B. solche, die ihr Wappen auf das 12. Jh. zurückführen. Umgekehrt waren insbesondere in Zeiten der kulturellen Emanzipaton des städtischen Bürgertums stets Bestrebungen vorhanden, die Symbolik des Adels für sich in Anspruch zu nehmen.
Es wurde viel darüber gestritten, ob die Helmkrone nun für Bürgerliche "geht" oder nicht, und verschiedene Heraldiker bzw. Wappenrollen oder heraldische Vereine pflegen eine unterschiedlich enge Auslegung der Regeln. Meine persönliche Meinung ist, daß für Bürgerliche sehr wohl eine Helmkrone geht, wenn belegt wird, daß sie früher unangefochten geführt werden konnte, aber auch, daß die Wahl bei einer kompletten Neuschöpfung heute besser auf einen Helmwulst fällt, um dem heutigen Stile Genüge zu leisten. Viel relevanter als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht ist die Zuordnung der Wappenentstehung zu einer bestimmten Epoche. Ein Wappen aus dem 12. Jh. hat in der Regel keine Helmkrone, ob adelig oder nicht. Bei Wappen aus dem 13. Jh. ist sie eher als Privileg der adeligen Schicht anzusehen. Bei bürgerlichen Wappen aus dem 14./15./16. Jh. ist nichts gegen die Helmkrone einzuwenden, wenn sie historisch überliefert und urkundlich belegt ist. Eine Laubkrone bei heute neuentworfenen Bürgerwappen ist nach dem Geschmack konservativer Wappenrollen fehl am Platze, auch wenn weniger konservative Wappenrollen kein Problem damit haben. Ich persönlich rate zu einer frewilligen Beschränkung, denn auch hier ist weniger mehr.
Laubkronen werden nur im Vollwappen mit Schild, Helm, Helmdecke und Helmzier dargestellt. Helmkronen sitzen fest auf dem Helmdach und umschließen die Helmzier. Sie dürfen daher nicht zu eng dargestellt werden.
Eine Laubkrone geht prinzipiell zwar zu allen heraldischen Helmtypen, und für jeden Helmtyp lassen sich historische Beispiele mit und ohne Krone anführen, außerdem kamen Kronen früher in Gebrauch als Gitterhelme. Typischerweise paßt sie im Stil jedoch zu einem Bügel- oder Gitterhelm. In Wappenbüchern der Renaissance z. B. wird die Kombination Bügelhelm und Helmkrone oft standardmäßig verwendet, was jedoch als Ausdruck des zu üppiger Ornamentik neigenden Zeitgeistes und nicht als Vorbild für heutige Gestaltungen gesehen werden sollte.
Also ergibt sich folgendes Bild:

Helmwulst = Bausch = Bund: Das ist ein gedrehtes Tuch in den Hauptfarben des Wappens (Metall und Farbe), im Original mit einem Kern aus Werg oder Wolle. Sinn und Zweck des Helmwulstes ist es, den oft graphisch unbefriedigenden Übergang zwischen Helm und Helmzier zu verdecken. Er ist ohne eigene heraldische Bedeutung, ein Wulst kann im Prinzip nach Belieben dargestellt oder weggelassen werden, und bei historischen Wappen finden wir oft sowohl Darstellungen mit als auch ohne Wulst. Bei historischen Wappen war es auch nie besonders üblich, ihn mitzublasonieren, während man heute geneigt ist, sein Vorhandensein im Blason zu erwähnen, wodurch seine Darstellung heute überwiegend als bindend angesehen wird, sofern er blasoniert wird.
Die Farben des Wulstes stimmen mit denen der Helmdecke überein. Wenn die Decke zweifarbig ist, zeigt er diese zwei Farben, wenn eine Decke gespalten ist und rechts anders als links tingiert ist, kann er drei oder vier Farben zeigen, was aber eine grobe Richtlinie ist, die in Einzelfällen durchaus abweichende Gestaltungen zuläßt.
Ob der Helmwulst vorne (rechts) mit Farbe oder Metall beginnt, ist heraldisch vollkommen unerheblich, es gibt keine diesbezügliche Regel, auch wenn viele Heraldiker in Analogie zum Prinzip, bei Helmdecken außen Farbe und innen Metall zu zeigen, beim Helmwulst gerne erste und letzte Windung in Farbe sehen, die genauso das Metall "innen" zu liegen kommen lassen wie bei der Helmdecke. Ein Usus, der ästhetische Gründe für sich verbuchen kann, sich aber nicht auf eine Regel beruft.
Ein Wulst ist prinzipiell für alle Wappen unabhängig vom Stand möglich, er gilt heute als angemessen für Wappen Bürgerlicher, die Drehrichtung kann beliebig sein.
Es hängt vom Motiv der Helmzier ab, ob ein Bausch notwendig ist. Ein Stern als Helmzier oder ein Federbusch oder ein sitzender Vogel macht die Kaschierung des unschönen Überganges zwischen Helm und Helmzier notwendig. Bei wachsenden Rümpfen (Tier, Mensch, Baum etc.) kann sie entfallen. Wenn die Helmzier als "wachsend" beschrieben ist, entfällt der Wulst in der Tat zumeist. Wenn ein fließender Übergang der Helmzier in die Helmdecken möglich ist, ist der Grund für einen Wulst weggefallen, und dann sollte er auch nicht verwendet werden. Das Wort "wachsend" in der Blasonierung bedeutet meist "kein Bausch"! Anders sieht das bei Farbsprüngen aus, ist beispielsweise a) eine Helmzier einfarbig bei farblich gespaltenen Decken, oder hat b) eine wachsende Helmzier eine gespaltene Tingierung bei einheitlichen Decken, oder hat c) die Helmzier eine andere Tingierung als die Außenseite der Helmdecke, so empfiehlt sich die Verwendung eines Wulstes zur Kaschierung des ein- oder doppelseitigen Farbsprunges.
Es geht aber auch ganz ohne Wulst. Einziges Kriterium ist, ob die Helmzier befriedigend in den Helm übergeht. Das ist z. B. bei Büffelhörnern, Hirschgeweihen, Elchgeweihen, Flügen ohne weiteres möglich, weil alle unten eine mehr oder weniger kreisförmige Auflagefläche haben, die eine stabile Verbindung mit dem Helmdach auch ohne Wulst hinreichend plausibel macht. Ferner finden sich in alten Wappenbüchern so viele graphisch überzeugende Abbildungen ohne Wulst, daß sich die Meinung, es müsse immer und grundsätzlich entweder Wulst oder Krone vorhanden sein, nicht halten läßt. Es gibt auch einige Helmkleinode, die nur ohne Wulst überzeugend aussehen: Turnierhüte, Stulphüte etc.

Wenn man sich für einen Wulst entscheidet, ist es immer ein einziger Wulst, der um die ganze Helmzier herumgeht. Für mehrere kleine Wülste, z. B. um jedes Horn einen, sind mir keine historischen Belege bekannt, so etwas sieht zudem nicht graphisch überzeugend aus.
Ein Wulst geht um die Helmzier herum, und dabei sollte man beim Zeichnen nicht vergessen, daß es sich hierbei um einen dreidimensionalen Stoffring handelt, der seitlich der Helmzier eine Eigenbreite hat. Die Helmzier sollte aus dem Freiraum des Wulstes kommen, ein seitliches Herauswachsen der Helmzier aus dem Wulst ist nicht plausibel. Ein bißchen Zusammendrücken des Stoffes darf natürlich einkalkuliert werden, jenseits der Wulstgrenze kann jedoch keine Helmzier herauswachsen, was leider beim Zeichnen oft nicht beachtet wird.
Der Helmwulst kann auch mit herabhängenden oder flatternden Enden (Zindelbinden) dargestellt werden, ab der Spätgotik sind Helmwülste in allen Varianten belegt.
Beispiel 1: Hier ergibt sich der Rumpf der Helmzier (Greif) fließend aus der Helmdecke, wie bei vielen Tier- und Menschenrümpfen. Beim Wappenentwurf hat man dann die Wahl, die Helmzier entweder "wachsend" (linkes Bild) zu wählen oder mit einem Helmwulst abzusetzen (rechtes Bild). Es handelt sich aber um ein Detail, das bei der Blasonierung angegeben wird und - einmal gewählt - unabhäng vom Stil bindend ist. Bei der Wappendarstellung hat man die Freiheit nicht, man muß sich an die Angaben der Blasonierung halten. Beide Darstellungen sind - je nach Ausgangslage - richtig.

Beispiel 2: Voraussetzung für die Wahlmöglichkeit beim Wappenentwurf ist eine gleiche Farbe (Tingierung) von Helmzier und Außenseite der Helmdecke. Sobald die Helmzier eine andere Farbe hat als die Helmdecke, ist eine wachsende Darstellung unästhetisch, und man verwendet den Helmwulst (in der Regel bei Bürgerlichen, linkes Bild) oder die Laubkrone des Adels bei Adelswappen (rechtes Bild). Beide Darstellungen sind - je nach Ausgangslage - richtig.

Beispiel 3: Zur Helmzier wird, wenn eine Krone verwendet wird, immer die Laubkrone verwendet (linkes Bild), nie die Rangkrone. Darstellung einer Rangkrone zu Helm und Helmzier (rechtes Bild) ist falsch.

Beispiel 4: Niemals, aber auch wirklich niemals werden Helmwulst und Helmkrone oder gar Rangkrone miteinander kombiniert. Beide Abbildungen unten stellen heraldische Katastrophen dar.

Beispiel 5: Helmkronen dürfen nicht zu eng dargestellt werden. Sie umschließen die Helmzier an deren Ansatz gänzlich.
Fehler:
Vergessen Sie die obigen
Darstellungen von Fehlern am besten sofort wieder! Ich
präsentiere nur aus einem Grund hier auch schwere Fehler: Damit
der Leser sensibilisiert wird für die Gefahren nachlässigen
Gestaltens. Merken Sie sich die als "richtig"
markierten Graphiken!
Hüte und Mützen: Mützen wie die abgebildete phrygische Mütze (rechts), Hüte wie ein Turnierhut oder der abgebildete Heidenhut (Mitte) sind durch ihren Stulp oder durch ihren fließenden Übergang in die Decke gut geeignet, um den Übergang zum Helm zu kaschieren. Ein Helmwulst ist hier nicht nötig.
Sobald natürlich die Helmzier eine andere Farbe hat als die Außenseite der Helmdecke wie der Brackenrumpf mit den drei Spitzen, ist ein Übergang nötig.

Kissen als Übergang:
Wesentlich seltener als
Helmwulst oder Helmkronen, können Übergänge zwischen Helm und
Helmzier auch durch ein Kissen gestaltet werden. In der Regel
wird das Kissen als zur Helmzier gehörig angesehen und
entsprechend bei der Blasonierung angesprochen. Ein Wulst
entfällt natürlich, beides zusammen ist keine Lösung. Kissen
werden durch die Möglichkeit des leichten "Einsinkens"
in die Oberfläche gerne für unten schmale Objekte oder wegen
der gewonnenen Höhe für kleine Objekte genommen. Typische Farbe
für ein Kissen ist rot mit goldenen Troddeln, Abweichungen
möglich.
Ein paar weltliche Beispiele:
Ein paar geistliche Beispiele:
Mauerkronen:
Mauerkronen sind eine typische Bekrönung von Städtewappen.
Mauerkronen erlangten durch die napoleonische Heraldik eine
größere Bedeutung, waren aber schon vorher bei Städten
üblich. Genauere Vorschriften, wie die Krone zu gestalten ist,
existierten im Heiligen Römischen Reich und auch im Deutschen
Reich nicht, im Gegensatz zur französisch-napoleonischen
Heraldik, wo die Städte nach Rängen (1., 2. 3. Ordnung)
gruppiert wurden und die Zinnenzahl entsprechend bemessen wurde
(7, 5, 3). Auf Bürgerwappen haben Mauerkronen eigentlich nichts
verloren.

Abb.: An einem Stadttor von Landshut. Stadtwappen von Landshut (in Silber 3 (2:1) blaue Eisenhüte mit darunter verschlungenen roten Riemen) mit doppelstöckiger Mauerkrone.

Abb.: Das Kirner Stadtwappen zeigt in Rot zwei einander zugewandte, blaugezungte und -bewehrte, goldene Löwen, die zwischen sich zwei schräggekreuzte silberne Doppelhaken (Wolfsangeln) halten. Über dem Schild eine dreitürmige, goldene Mauerkrone.
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004-2009
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de