Bernhard
Peter
Zeichnen
von Helmdecken mit PC
Helmdecken sind keine Zauberei. Jeder kann sie erstellen, wenn er will. Die besten Helmdecken sind natürlich die von Hand auf Papier gezeichneten ohne weitere Hilfsmittel. Man kann aber auch sehr gut den PC zur Unterstützung benutzen, um schöne und individuelle Helmdecken sauber zu erstellen. Man braucht weder besondere Programme noch besondere Fingerfertigkeit. Man braucht nur Geduld und Zeit. Im folgenden soll beispielhaft Schritt für Schritt gezeigt werden, daß man mit einfachstem Material Helmdecken herstellen kann, die gut aussehen. Sicherlich ist das nur eine Methode unter vielen, aber dafür sind keine besonderen Programme oder Kenntnisse notwendig.
Hier wird für das Beispiel benutzt: 1 Kuli, 1 Notizbuch, 1 Druckbleistift, weißes Papier, Tintenstift Pelikan Inky, Radiergummi, Flachbettscanner, das allereinfachste Paint(brush) von Windows, das in jedem Standard-Windows enthalten ist und das jeder PC-Benutzer hat; für die fakultativen 3D-Effekte und Transparenz-Erzeugung wird Adobe Photoshop Elements 2.0 verwendet. Sonst noch was nötig? Eigentlich nur ein freier Tag.
Schritt 1: Die Idee. Hingekritzelt in eine Kladde ein Entwurf zu einer Helmdecke, im Beispiel abends in der Unterkunft im Urlaub in Island. Inspiriert zu dieser Skizze hatte mich ein Stück Kuchen, auf dem die Sahne bogenförmig mäandrierend aufgetragen war. Da das Wappen, für das diese Decke bestimmt ist, stufige Elemente hat, werden die Zipfel der Decke wie kleine Stufen gestaltet.

Schritt 2: Ein Standardblatt mit richtiger Proportionseinteilung und beabsichtigten Maßen von Schild und Helm wird zum Skizzieren mit Bleistift verwendet. Mit einem Zirkel wird ein Kreis mit Mittelpunkt im unteren Helmbereich gezeichnet - diesen Kreisbereich soll die Helmdecke später einnehmen. Der erste Versuch optisch links ist noch unproportioniert im Layout, es ist zu tief geraten und zu hoch, zu gestreckt und entspricht nicht dem beabsichtigten Kreis. Zweiter Ansatz auf der optisch rechten Seite der linken Abbildung ist schon besser im Layout, die geschwungenen Linien sind dichter, kondensierter, das Ganze wirkt kompakter, und die beabsichtigte Kreisform wird besser erreicht.

Schritt 3: Es gefällt. Mit Tintenstift wird die beste Variante nachgezogen (rechte Abbildung). Anschließend werden die Bleistiftlinien wegradiert.
Schritt 4: Die Tintenstift-Skizze wird mit 300 dpi eingescannt. Das Ergebnis wird als Schwarz-weiß-Bitmap-Datei gespeichert (gif). Wichtig ist, daß hier kein Format gewählt wird, das Zwischentöne gestattet. Zum Erhalt klarer Farbgrenzen ist es nötig, von Anfang an darauf zu achten, daß man nur Pixel in reinen Farben bekommt. Also weder Grau- noch Farbpaletten, sondern nur reines Schwarz-weiß.

Die Dateien sind relativ groß, aber man kann nachher pixelgenau arbeiten, was z. B. eine zwingende Voraussetzung für Schraffur-Erzeugung mit dem PC ist.

Schritt 5: Die Zeichnung war ja von Hand und ist noch ziemlich krakelig. Nur wenige große Meister haben eine so sichere Hand, daß sie die Linien der Helmdecken auf Anhieb richtig hinbekommen. Der Normalsterbliche wird nachbessern müssen. Dazu wird die gescannte Zeichnung nur als Leitlinie für eine neu am PC erstellte Zeichnung verwendet. Dazu wird die Handzeichnung erstmal in eine beliebige andere Farbe, z. B. rot, umgewandelt. Also: Zeichnung mit Microsoft Paint öffnen, alles markieren, kopieren, Datei, neu, einfügen, speichern. Jetzt haben wir eine schwarz-weiße Graphik, die man mit dem Füllwerkzeug auf rot setzen kann. Wenn man den Kopierschritt nicht macht, geht das nicht, wenn die Graphik als schwarz-weiß definiert war. Dazu kommt noch der übliche "Fliegendreck", der weggeputzt werden muß: Übriggebliebene schwarze Pixel werden gelöscht.

Schritt 6: Neue Zeichnung in die alte rein zeichnen: Mit dem Strich-Werkzeug und Maus wird in Paintbrush eine neue, saubere Zeichnung in Schwarz über die rote Skizze gelegt. Dazu sollte man sich den Bereich rausvergrößern und pixelgenau die neuen Linien setzen. Sitzt mal was schief, kann man wenige Schritte mit "Bearbeiten, rückgängig" korrigieren und viele Schritte mit dem Radiergummi-Werkzeug.

Schritt 7: Die schwarze, gute Zeichnung liegt jetzt über der roten, schlechten, die jetzt ausgedient hat. Die roten Pixel müssen jetzt weg. Dazu wird mit dem Füllwerkzeug jeder freie Bereich ebenfalls rot eingefärbt.

Schritt 8: Mit dem Füllwerkzeug werden alle roten Flächen auf weiß gesetzt. Durch diesen Trick hat man erreicht, daß sämtliche kleinen roten Randpixel, die einzeln schwer aufzuspüren sind, auf einmal gelöscht werden. Das Resultat ist eine saubere Schwarzweiß-Zeichnung.

Schritt 9: Ergänzungen - man kann jetzt noch Linien einfügen, um der Decke Plastizität und Tiefe zu geben. Diese Linien läßt man am Anfang weg, weil sie nur unnötig Arbeit machen. Jetzt müssen sie aber rein, wenn man sie haben will. Parallele Linien zeichnet man einmal in eine Freifläche und kopiert sie dann etwas versetzt rüber und bessert anschließend die Anschlußstellen nach. Offen in der Decke endende Linien werden durch Drüberlegen weißer Linien zugespitzt, um gefälliger zu verlaufen.

Analog verfährt man mit allen anderen Teilen, die man braucht: Helm, Helmwulst, Schild, Schildinhalt. Diese Teile werden einzeln genauso erstellt und am PC in Paintbrush kombiniert (der Haken bei "Bild, deckend zeichnen" muß weg sein). Diese fertige Vorlage verwendet man zur Schraffur-Erstellung, wenn eine gewünscht wird. Wenn eine Handkolorierung gewünscht wird, kann man sich diese Schablone auf dickeres Papier oder Karton ausdrucken und dann mit Farbe und Pinsel ausmalen.
Schritt 10: Tingierung. Zur Vorbereitung sucht man das Bild durch, ob irgendwo tote Bereiche sind, also verlorene Pixel, die keinen Zusammenhang zu einer größeren Fläche haben. Solche werden je nach Situation mit der Nachbarfläche verbunden oder einfach geschwärzt. Sonst hat man nämlich nachher einzelne weiße Punkte in der Zeichnung. Mit dem Füllwerkzeug werden nun die Flächen mit der gewünschten Farbe gefüllt. Es entsteht eine farbliche Fassung des Wappens, die eigentlich allen Ansprüchen genügen sollte.

Schritt 11: 3D-Effekte. Ein Kann, kein Muß. 3D-Effekte machen sich gut im Oberwappen, verleihen der Helmdecke Raum und Spannung und der Helmzier Plastizität. Im Schild hat Dreidimensionalität dagegen nichts verloren, allenfalls ein bißchen zur Rundung der Schildkanten, wenn man will. Diese Dreidimensionalität kann man sehr gut beispielsweise mit Adobe Photoshop Elements 2.0 (oder jedes beliebige andere geeignete Programm) erzeugen: Mit dem Zauberstabwerkzeug markiert man die entsprechenden Bereiche, geht dann auf Filter, Rendering-Filter, Beleuchtungseffekte.

Nun stellt man sich einen Strahler ein und modifiziert die Eigenschaften desselben so lange, bis man die optimale Wirkung hat. Dabei macht sich gut, die Farbeigenschaften etwas auf metallisch zu verschieben, das ergibt leuchtendere Effekte. Darauf achten: Licht kommt heraldisch von rechts oben, quasi aus 11 Uhr als grobe Richtlinie. Der Effekt wirkt folgendermaßen:

Durch die Bearbeitung variiert eventuell der Farbton so stark, daß sich merkliche Differenzen zu den im Schildbild vorhandenen Farbtönen ergeben. Diese sollten angepaßt werden, daß das Ergebnis wieder harmonisch aussieht.
Jetzt nach Abschluß der Arbeiten kann die Graphik in beliebige Größen und andere, u. U. platzsparendere Datei-Formate umgewandelt werden. Jetzt können auch die weißen Bereiche außenherum transparent gesetzt werden.
Beispiel: Ein Wappen, das komplett so erstellt wurde und anhand dessen diese Zwischenschritte dokumentiert wurden, ist das Wappen der Sippe Lenz, hier als Abschluß gezeigt (20% der Originalgröße). Die oben dokumentierte Ecke ist optisch rechts oben an der Helmdecke zu erkennen. So endet, was mit einem Stück Kuchen und der schnell hingeworfenen Kuli-Skizze in Island begann.

Eine Methode unter vielen: Dies ist nur ein Beispiel, wie man es machen kann. Andere werden andere Methoden haben, die genauso erfolgreich sind oder noch viel besser. Profis werden es sicherlich für äußerst umständlich halten. Aber: Diese Methode ist so einfach und erfordert so wenig Spezialprogramme, daß auch jemand ohne weitere Programmkenntnisse reussieren kann.
Fazit: Helmdecken sind keine Zauberei, nur eine Frage der Geduld und der Zeit. Mit einfachsten Mitteln entstehen saubere Graphiken. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich mit dem Argument "Ich kann nicht zeichnen" auf häßliche käufliche Cliparts aus fremder Hand zu verlassen oder gar Elemente aus anderen Wappen zu klauen. Die beste Helmdecke ist die selbstgemachte, und das geht ganz einfach, wie hier gezeigt.
Helmdecken (1) - Helmdecken (2) - Fallstricke - Helmdecken am PC
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
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