Bernhard Peter
Besondere Motive: Armbrustschaft

Ein Armbrustschaft ist der eigentliche Körper einer Armbrust (von arcobalista = Bogenschleuder), an dem vorne der Armbrustbogen angebracht wird, auf den der Bolzen gelegt wird und der einen separaten oder integrierten Spannmechanismus zum Spannen des Bogens und einen Abzugsbügel besitzt. Es ist ein Körper aus Holz oder später auch aus Eisen, der in der Heraldik von der Seite dargestellt wird und daher asymmetrisch abgebildet wird, eine Seite als Bolzenauflagefläche, die andere mit Auslösemechanismus. Die Bogensehne wird zum Spannen in einen kleinen Haken eingehängt. Genau diese Fixierung brachte den wesentlichen Vorteil der Armbrust, daß man nämlich die potentielle Energie speichern konnte, dann in Ruhe ohne Anstrengung und Ermüdung genau zielen konnte, und dann im besten Moment durch den Abzugmechanismus die gespeicherte Energie in kinetische Energie umwandeln konnte. Die frühesten Armbrüste spannte man, indem man mit den Füßen den Bogen mit einem Bügel niederhielt und mit den Händen die Sehne in den Haken einklinkte. Später nahm man einen am Gürtel befestigten Spannhaken zu Hilfe, so daß man auch die Muskeln des Körpers zur Unterstützung heranziehen konnte. Beides ging natürlich nur beim Einsatz zu Fuß, weil der Fußbügel auf den Boden gedrückt werden mußte. Da die Armbrust zum Spannen mit dem Bogen nach unten fixiert wird, um besser hantieren und Kraft ausüben zu können, befindet sich bei den Darstellungen von solchen Armbrustschäften in der Heraldik die nutförmige Aussparung zur Aufnahme des Bogens oft am unteren Ende. Auch die Flaschenzugarmbrust war für den Einsatz durch das Fußvolk bestimmt. Mit verbesserter Technik wurden die Bögen, insbesondere Kompositbögen und Stahlbögen, immer kräftiger und schwerer zu spannen, was zusätzliche mechanische Hebelvorrichtungen erforderlich machte, Geißfuß oder Wippe genannt (die Geißfußarmbrust kam zu Beginn des 15. Jh. in Gebrauch und ermöglichte das Spannen auch zu Pferde). Die Bogensehne wurde durch Herunterklappen des aufgesetzten Spannhebels nach hinten gezogen, bis sie in den Fixierhaken eingehängt werden konnte. Auch Windenkonstruktionen mit Kurbel (Windenarmbrust, ging auch für Reiter) gab es. Der Armbrustschaft wird auch Armbrustsäule genannt. In stilisierter heraldischer Darstellung ist meist ein gewinkelter, seitlicher Bügel zu sehen, das ist unabhängig vom diskutierten Spannmechanismus ein Auslöserbügel.

Armbrustschäfte in der DWR:

Armbrustschäfte im Westfälischen Wappenbuch:

Abb.: Wappen der von Bennigsen in Groß-Karben, über der hinteren Tür des Leonhardi-Schlosses

Armbrustschäfte im Schöler:

Abb.: Konsolwappen an der nördlichen Außenseite von St. Lorenz, Nürnberg, mit dem Wappen Ochsenfurter. Die Nut unten dient der Aufnahme des Bogens, das gewinkelte Element ist der Auslöserbügel, und der Bolzen wurde entlang der geraden Seite (Oberseite) aufgelegt.

Armbrustschäfte im Siebmacher:

Kommunalwappen mit Armbrustschäften:

Literatur, Quellen und Links:
Deutsche Wappenrolle
Muhr a. See:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9577114
Siebmachers Wappenbücher
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Paul Martin: Waffen und Rüstungen von Karl dem Großen bis zu Ludwig XIV, Umschau Verlag Frankfurt am Main, 1967
Banteln:
http://www.gronau-leine.de/internet/page.php?site=910000002&typ=2
Herrn A. Praefcke ein herzliches Dankeschön für wertvolle HInweise

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