Bernhard
Peter
Historische
heraldische Exlibris (11)
Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1919 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939)
aus München für Franz von Hörauf. Das
Exlibris ist außerhalb der Rahmenlinie unten links datiert und
unten rechts mit dem charakteristischen Monogramm LR signiert.
Das Wappen zeigt in Blau einen S-förmig gebogenen, goldenen
gestürzten Delphin (typisch der verdickt abgesetzte Kopf und das
schnabelartige Maul, wie wir es auch an historischen
Brunnenfiguren und Schildhaltern für die Delphine finden,
darstellerisch unpassend jedoch die Kiemenspalte). Auf dem
gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein Paar Büffelhörner,
das rechte Horn blau, das linke golden. Das Wappen ist weder im
Siebmacher noch in anderen gängigen Sammlungen veröffentlicht.
Das Wappen wird von einem fast symmetrischen Rahmen aus
Florabilia eingefaßt (Weinreben und Maispflanzen); der
Hintergrund ist mit kleinen Kreisen strukturiert.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1911 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939)
aus München für Walter Schneider. Das Exlibris
ist rechts unterhalb des Wappenschildes mit dem die Jahreszahl in
zwei Hälften teilenden Monogramm LR signiert. Das Wappen ist ein
redendes: Der Schild zeigt in Rot einen aus dem unteren
Schildrand wachsenden, mit grünem Ärmel bekleideten rechten
Unterarm, in der Hand eine goldengegriffte silberne Sichel
haltend, den Vorgang des Schneidens und den Namen auf diese Weise
umsetzend. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen
Decken der Unterarm mit Sichel wie im Schild wachsend zwischen
einem roten Adlerflug.

Vier kleine Schildchen, jeweils in den oberen Ecken und auf halber Höhe zu beiden Seiten, geben regionale Hinweise. Der rote Schild mit dem silbernen, sechsspeichigen Wagenrad weist auf das Hochstift Mainz hin. Der Wappenschild rechts oben zeigt in Blau einen gekrönten, golden bewehrten, von Silber und Rot neunmal geteilten Löwen, der in der rechten Pranke ein silbernes Schwert schwingt, für das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Der Wappenschild optisch links oben zeigt eine hinter einem roten, mit drei verschränkten silbernen Ringen belegten Schildchen hervorkommende schwarzgekleidete Äbtissin mit silbernem Kopftuch, goldenem Pedum in der Rechten mit abflatterndem Sudarium und mit einem goldenen Buch in der Linken. Der vierte Wappenschild schließlich zeigt in Blau eine silberne Harfe mit goldenen Saiten.


Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1917 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939)
aus München für Hans von Rosenberg. Das
Exlibris ist außerhalb der Rahmenlinie unten rechts datiert,
wobei die Signatur LR die Jahreszahl in zwei Hälften teilt. Das
Wappen der Freiherren von Rosenberg ist ein redendes, denn im
goldenen Schild wird ein roter Balken von drei (2:1) roten Rosen
begleitet. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken drei
Straußenfedern, eine rote zwischen zwei goldenen. Das Wappen
dieses kurländischen und ostpreußischen Geschlechtes, von dem
wir viele Mitglieder in preußischen Militärdiensten sehen, wird
beschrieben im Siebmacher Band Pr Seite: 333 Tafel: 386, PrA
Seite: 72 Tafel: 53 sowie im Band Ost Seite: 188 Tafel: 52, so
auch im kurländischen Wappenbuch, ferner im Siebmacher Band OÖ
Seite: 776 Tafel: 160 als Rosenberg zu Trauneck. Ein Otto von
Rosenberg meldete sich 1620 bei der kurländischen Ritterbank,
mußte aber (nach Siebmacher, Band Ost) damals wegen nicht
genügender Adelsbeweise abgewiesen werden und erlangte erst laut
Ritterbanksabschied vom 2.8.1631 die Eintragung in die
kurländische Adelsmatrikel. Ottos Bruder Heinrich erreichte
gleichzeitig mit ihm die Immatrikulierung. Im 19. Jh. erlangte
die Familie den Freiherrentitel (Anerkennungen 9.8.1817,
18.5.1834, 10.6.1853 und 28.2./3.4.1862). Ein fast gleiches
Wappen wird im Band Preußen Seite: 333 Tafel: 387 beschrieben,
in golden bordiertem, silbernem Schild ein roter Balken von drei
(2:1) roten Rosen begleitet. Auf dem gekrönten Helm mit
rot-silbernen Decken drei Straußenfedern, eine rote zwischen
zwei silbernen. Dieses verbesserte Wappen ging einher mit dem
preußischen Adelsstand vom 28.7.1797/1798 für Christoph Ludwig
von Rosenberg auf Quanditten, Leutnant a. D. Eine weitere
Variante wird im Siebmacher OstN Seite: 173 Tafel: 113
beschrieben, mit goldenem Balken in silbernem Feld und mit zwei
Helmen. Da hier beim vorliegenden Exlibris eine Bordierung fehlt,
ist von einer goldenen Tinktur für die fraglichen Flächen
auszugehen wie bei dem allgemein gebräuchlichen Stammwappen des
kurländischen Geschlechts.

In der optisch linken oberen Ecke befindet sich das kurländische Wappen: Der Kurländer Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein golden gekrönter, einwärts blickender roter Löwe. Feld 2 und 3: in Blau ein nach innen schreitender natürlicher Elch (oder Rentier) mit braunem Körper und goldenem Geweih, auf dem Kopf eine Herzogskrone. In der optisch rechten oberen Ecke befindet sich das Wappen des Königreichs Preußen: In Silber ein königlich gekrönter, schwarzer, golden bewehrter und rotgezungter Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und goldenem preußischen Königszepter und Reichsapfel in den Fängen sowie den Initialen FR (für Fridericus Rex, König Friedrich I.) auf der Brust
Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1906 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939)
aus München für Wilhelm Rueb aus Frankfurt a.
Main. Das Exlibris, bar jeden Rahmens oder schmückenden
Beiwerks, ist unten links datiert und unten rechts mit dem
Monogramm LR signiert. Wiederum ein redendes Wappen, wo der
Familienname Rueb durch eine Rübe symbolisiert wird. Das Wappen
zeigt in rotem Feld mit goldenem Balken über grünem Dreiberg
eine pfahlweise gestellte silberne Rübe mit grünen Blättern.
Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein offener roter
Adlerflug, beiderseits mit einem goldenen Balken belegt. Das
Wappen wird mit Bezug auf ein entsprechendes Exlibris des Wilhelm
Rueb im Siebmacher Band Bg8 Seite: 11 Tafel: 12 beschrieben.
Beim Vergleich mit in den Sammlungen eingetragenen Wappen stellt man fest, daß diese Art der redenden Umsetzung des Namens Rueb o.ä. kein Einzelfall ist: Im Siebmacher Bg6 Seite: 92 Tafel: 97 ist eine schlesische Familie Rüber/Rueber verzeichnet mit folgendem Wappen: In Silber ein schmaler roter Balken, überlegt von einer natürlichen Rübe. Auf dem Helm eine natürliche Rübe zwischen zwei schwarzen Flügeln. Weiterhin findet sich die Familie Rueber von Pixendorf und Grafenwert in Siebmacher Band NÖ1 Seite: 383 Tafel: 215-216, ferner UnE Seite: 105 Tafel: 75 mit folgendem freiherrlichen Wappen, das sogar noch ähnlicher ist: In Rot ein goldener Balken mit einer natürlichen Rübe an ihren grünen Blättern. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken die Rübe zwischen einem roten, mit einem goldenen Balken belegten Flug. Hiervon unterscheidet sich unsere hier durch das Exlibris vertretene Familie Rueb nur durch den zusätzlichen Dreiberg im Schildfuß und die fehlende Rübe im Oberwappen. Für die Vergleichsfamilie findet sich noch eine weitere Variante in Siebmacher Bö Seite: 253 Tafel: 115, wo auf jedem Flügel der Helmzier die Rübe ist und zwischen den Flügeln eine Turnierlanze mit Doppeladlerfahne steht.

Bei diesem Exlibris muß besonders lobend die Helmdecke hervorgehoben werden. Es ist ein ausgesprochen dynamisches und expressives Modell, das mit nur ganz wenigen Drehungen auskommt, dem Aufriß aber einen fast explosiven Schwung verleiht und so viel Kraft, daß jedes weitere Dekorationselement überflüssig wird und nur einengend wirken würde. Die Decke erhält gerade durch die relative Einfachheit, die konsequente übersichtliche Linienführung und das radiale Auseinanderspritzen der Zipfel ihre großartige Wirkung.
Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1911 datiertes
heraldisches rot gedrucktes Exlibris, entworfen von Lorenz M.
Rheude (1863-1939) aus München für Walter Schneider
aus der Familie Schneider aus Mainz, die im Siebmacher Band Bg9,
S. 78, T. 95 erwähnt ist. Das Exlibris ist zwischen innerem
Rahmen (Astwerk mit Lindenblättern) und äußerer Rahmenlinie
unten links datiert und unten rechts mit LR signiert. Walter
Schneider war ein großer Auftraggeber von Exlibris, die von
verschiedensten Künstlern für ihn angefertigt wurden, ein
Aufriß- und Exlibrissammler. In dem hier vorliegenden Fall sehen
wir nur den Wappenschild, in Rot eine aufrechte, offene, silberne
Schneiderschere. Ein Oberwappen fehlt. Nicht ganz, denn die
Helmzier ist ganz geschickt in das den Schild umgebende Rankwerk
aus Lindenästen eingebaut, denn sie zeigt einen roten,
kreisförmig nach vorn gekrümmten Lindenast mit sieben grünen
Blättern, einen auf dem untersten rechten, gestümmelten
Seitenast sitzenden, goldenen, flugbereiten, singenden Vogel
(Nachtigall) einschließend. Helmdecken rot-silbern. Hier ist die
Nachtigall (ein kleiner persönlicher Hinweis auf die Tätigkeit
des Eigners als Opernsänger) in ihrem Lindenzweigbogen geschickt
in das rahmende Geäst integriert, freilich ohne Helm und
Helmdecken.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein undatiertes heraldisches
Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München
für die Familie des Wilhelm Rueb. Das Exlibris
ist unsigniert. Auch der Eigner wird nicht namentlich genannt.
Statt dessen finden wir nur auf dem zweiteiligen Schriftband im
unteren Rahmen den Spruch "Lerne leiden - ohne zu
klagen". Inhaltlich ist es das gleiche Wappen wie bereits
weiter oben vorgestellt und diskutiert, in rotem Feld mit
goldenem Balken über grünem Dreiberg eine pfahlweise gestellte
silberne Rübe mit grünen Blättern. Auf dem gekrönten Helm mit
rot-goldenen Decken ein geschlossener roter Adlerflug,
beiderseits mit einem goldenen Balken belegt. Im Gegensatz zur
weiter oben diskutierten Darstellung ist dieser Aufriß einer in
Profildarstellung mit geneigtem Schild und geschlossenem Flug in
der Helmzier. Die Symbolisierung des Namens durch die Rübe ist
zwar verlockend gewesen bei der Stiftung, vielleicht mag die
Parallelität zu ähnlichen, bereits bestehenden Rübenwappen
einen Einfluß ausgeübt haben, dennoch kann nicht übersehen
werden, daß in jeder einzelnen Zone des dreigeteilten Schildes
ein Farbregelverstoß zwischen Untergrund und aufgelegter Figur
stattfindet, rot mit dem Grün der Blätter, golden mit dem
Silber der Rübe, rot mit dem Grün des Dreiberges. Die hier
gewählte Helmdecke ist eine gänzlich andere, kleinteiliger,
mehr in sich verflochten, mit stärker gezaddelten und längeren
Zipfeln, von denen keiner so ungestüm und direkt nach draußen
strebt wie in dem oben vorgestellten Aufriß, der an Dynamik
seinesgleichen sucht.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein auf 1902 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939)
aus München für Harald von Denffer. Das
Exlibris ist unten rechts vor den Büchern mit L.RHEVDE signiert.
Die Jahreszahl ist aufgeteilt, jeweils zwei Ziffern befinden sich
an jedem Ende des Inschriftenbogens, der den Eigner nennt. Die
Komposition wird bestimmt durch einen großen Rundbogen, der auf
zwei kapitellgeschmückten Pfeilern steht. Zwischen den beiden
Pfeilern ist eine Stange angebracht, an der ein Vorhang hinter
dem Wappen herabfällt. Nur die Helmzier ragt in die obere Zone,
wo über einer Küstenlandschaft mit Schiff links und
Stadtansicht mit Hafen rechts ein griechisches Kreuz im
Strahlenkranz schwebt, darunter ein frei flatterndes Schriftband
mit den Worten "IN HOC SIGNO". Unter dem Wappenschild
liegt ein Totenschädel, ein Schriftband mit den Worten
"MEMENTO MORI" teilend. Alles steht auf einer
Sockelzone mit Bücherregal, dessen Titel Aufschluß über die
Interessen des Eigners geben. Interessant ist, daß neben Titeln
aus dem Grundstock unserer Kultur wie "Schiller",
"Goethe", "Lessing", Klopstock",
"Heine", "Die Heilige Schrift" ganz links im
Regal auch heraldische Werke stehen wie "Deutscher
Herold", "Der Neue Sibmacher", "Sacken
Heraldik". Rechts im Regal sind Hinweise auf das
erwerbstätige Engagement der Familie: "Geographie",
"Waarenkunde", "Seerecht",
"Wechselrecht" u.ä.

Die Familie von Denffer stammt aus dem Baltikum / Kurland. Das Wappen selbst ist ein typisches Wappen des Militäradels: Zwei schräggekreuzte Rapiere werden von vier brennenden (angezündeten) Granaten bewinkelt. Auf dem bewulsteten Helm mit gemäß der Schraffur rot-goldenen Decken steht ein pfahlweise gestelltes Rapier zwischen zwei rot-golden übereck geteilten Flügeln, die oben jeweils mit einer brennenden Granate belegt sind. Insgesamt 6 Granaten und drei Rapiere, das spricht eine deutliche Sprache. Dieses Wappen findet sich nicht im Siebmacher, dafür ist es in den Beiträgen zur Baltischen Wappenkunde enthalten.

In der optisch linken oberen Ecke befindet sich das kurländische Wappen: Der Kurländer Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein golden gekrönter, einwärts blickender roter Löwe. Feld 2 und 3: in Blau ein nach innen schreitender natürlicher Elch (oder Rentier) mit braunem Körper und goldenem Geweih, auf dem Kopf eine Herzogskrone.

Der zweite Wappenschild optisch oben rechts zeigt in Rot einen silbernen aufgerichteten Greifen, der in der rechten Vorderpranke ein Schwert schwingt (Livland). Dieses Symbol ist auch heute Teil des Staatswappens von Lettland und steht dort für die Regionen Livland und Lettgallen, während der rote Löwe in Silber für Kurland und Semgallen steht.
Der dritte Wappenschild oben in der Mitte ist das Stadtwappen von Riga, Hauptstadt vom historischen Livland und jetzt von Lettland, dessen Geschichte komplex ist. Siegel aus der Zeit von 1225-26 und 1330-40 zeigen ein geöffnetes Stadttor (auch im Exlibris gegeben), darüber die schräggekreuzten Schlüssel des Hl. Petrus, des Schutzheiligen der Stadt (desgleichen im Exlibris zu sehen). Ergänzt wurde die Symbolik durch ein Bischofszepter, das durch das Kreuz des Deutschen Ordens ersetzt wurde, der in der Stadt eine wichtige Rolle spielte (fehlt im Exlibris). Im Tor wurde später unter dem geöffneten Fallgatter ein Löwenkopf eingefügt (nicht aufgelöst im Beispiel). Über den gekreuzten Schlüsseln (und dem fehlenden Kreuz) schwebt eine Krone. Seit 1656 nahm Riga die schwedische Krone in das Wappen auf als Auszeichnung für die erfolgreiche Verteidigung gegen russische Belagerer. Doch der Triumph währte nicht lange, denn 1710 kam Riga unter russische Herrschaft, was eine erneute Änderung des Wappens herbeiführte. Die Krone wurde verändert, und, augenfälliger, die das Stadttorwappen bisher als Schildhalter beseitenden Löwen wurden durch die beiden Hälften eines gespaltenen schwarzen russischen Doppeladlers ersetzt, die jetzt wie hier auch in den Schild hineinwanderten. Nachdem Lettland 1918 unabhängig wurde, flogen die halben Adler 1923 wieder aus dem Wappen heraus als Symbol des abgeschüttelten russischen Joches, und die Löwen nahmen wieder den historisch angestammten Platz rechts und links des Wappenschildes ein. Während der Sowjetzeit wurde das Kreuz durch einen Stern ersetzt. In der modernen Version sieht die heutige Blasonierung des Rigaer Stadtwappens wie folgt aus: In Silber ein rotes zweitürmiges Stadttor, unter dem geöffnetem Fallgatter ein goldener Löwenkopf. Über dem Tor zwei schräggekreuzte, schwarze Schlüssel, darüber ein goldenes Tatzenkreuz und eine goldene Krone übereinander. Schildhalter (beim Großen Stadtwappen) zwei goldene Löwen auf grauer Konsole. Es ist das 1988 wiedereingeführte Wappen von 1923, das zum ersten Mal 1925 offiziell bestätigt worden war, und bereits vor der eigentlichen Unabhängigkeit 1991 wieder angenommen wurde.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein präzise auf den 11.1.1901
datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M.
Rheude (1863-1939) aus München für sich selbst.
Das Exlibris ist außerhalb der Rahmenlinie unten rechts datiert
und unten links mit L.RHEUDE signiert. Das Wappen Rheude
ist im Stützbogen-Kleeblattschnitt rot-silbern geteilt. Helmzier
auf rot-silbern bewulstetem Stechhelm ein Flug wie der Schild
(hier frontal und offen dargestellt), Helmdecken rot-silbern.
Lorenz M. Rheude, Kunstmaler und Heraldiker in München, hat das
Wappen im Jahre 1892 für sich und seine Brüder Josef und Max
angenommen. Lorenz Rheude war korrespondierendes Mitglied der
Vereine Herold zu Berlin und Kleeblatt in Hannover, des deutschen
Adelsvereins S. Michael sowie der Schweizerischen Heraldischen
Gesellschaft Zürich. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher
Band Bg11, S. 66, T. 8. Der Kleeblattschnitt ist eine der
schönsten Teilungen, mit einer einzigen Linie wird die
Schildfläche in zwei auf das komplexeste miteinander verzahnte
Hälften geteilt, ein Heroldsbild von großer Schlichtheit und
außergewöhnlichem Schwung zugleich, in dem sich die
Farbflächen wunderbar gegenseitig ergänzen und ausgleichen.

Das kleine Wappen optisch unten rechts mit den drei silbernen Schildchen in rotem Feld ist das Berufswappen der Maler. Optisch links oben finden wir das Stadtwappen von München (in Silber ein Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, in der Linken ein rotes Buch haltend, die Rechte zum Schwur erhoben), passend zur Münchner Stadtansicht mit der Frauenkirche darunter, vis-à-vis auf der anderen Seite ist die Stadtsilhouette von Regensburg mit den spitzhelmgekrönten Türmen des Regensburger Domes, im oberen Eck entsprechend das Regensburger Stadtwappen (zwei schräggekreuzten silberne Schlüssel in rotem Felde). Den Hintergrund der unteren Partie bilden die blau-silbernen bayerischen Rauten.

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein auf 1894
datiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Ernst Krahl
(1858-1926) aus Wien für Moriz von Weittenhiller.
Das hauchdünne in Buchdruck ausgeführte Exlibris (108 x 76 mm; Witte, Bibliographie 2, 127;
Thieme-Becker 21; Gutenberg 6101) ist ganz rechts unten im Druck signiert und
datiert. Über dem Wappen befindet sich ein in der Mitte zu einer
Art Eselsrückenbogen geformtes Schriftband mit der Devise
"Alles mit der Zeit". Das Wappen der Familie v.
Weittenhiller wird beschrieben im Siebmacher, Band Kä Seite: 219 Tafel: 29. Der Schild ist geteilt,
oben in Gold ein schwarzer Adler, unten in Schwarz ein goldener
Anker zwischen zwei goldenen Sternen. Auf dem gekrönten Helm mit
schwarz-goldenen Decken ein goldener Stern angestemmt zwischen
einem offenen schwarzen Adlerflug. Diese Kärntner Familie stammt
aus Völkermarkt. Von der Gestaltung her ist das eine fast
typisch und beispielhaft zu nennende kaiserliche Verleihung als
Gnadenakt: Die obere Hälfte nimmt der Adler des heiligen
Römischen Reiches ein, und die Wahl der Farben Schwarz und Gold
für das ganze Wappen deutet ebenso auf die Gewährung der Farben
des HRR. Der Anker hingegen ist ein Symbol für den
Kaufmannsberuf. Einer der wichtigeren Stammväter der Familie war
Georg Weittenhiller (1643-1717), Mitglied des Inneren Rats und
Vater von insgesamt 16 Kindern aus drei Ehen. Von seinen Söhnen
sei hier Georg Philipp Weittenhiller (1675-1755) hervorgehoben,
Ratsbürger und Syndicus von Völkermarkt, dessen Sohn aus der
Ehe mit Maria Pader, Johann Jakob Weittenhiller, Sophie Marie
Freiin Rauber von Plankenstein ehelichte. Seine Söhne Joseph
Kaspar Weittenhiller und Friedrich Weittenhiller (-1772, keine
Nachkommen) wurden Kaufleute für Eisen und Stahl, zuerst in
Völkermarkt, schließlich in Triest, wo Joseph Kaspar
Weittenhiller einen schwungvollen Seehandel betrieb - deshalb der
Anker - und in Laibach, wo die Niederlassung und die
nahegelegenen Fabriken von Friedrich Weittenhiller geleitet
wurden. Eine Großhandlung in Wien wurde ebenfalls gegründet.
Joseph Kaspar Weittenhiller wurde am 27.3.1789 von Kaiser Joseph
II in Wien in den Reichs- und erbländischen Adelsstand erhoben
als "Edler von Weittenhiller", und aus diesem Anlaß
wurde ihm das hier gezeigte Wappen verliehen. Die Nachfahren
lebten weitestgehend in Wien. Ein Urenkel Josephs wurde
Präsident des Wiener Landesgerichts. Der Moriz von
Weittenhiller, dessen Exlibris wir hier sehen, ist wiederum
dessen Neffe. Moriz von Weittenhiller ist selbst als Autor
heraldischer und genealogischer Werke bekannt. Gemeinsam mit
Rudolf Höfken Ritter von Hattingsheim, Ernst Krahl und anderen
gründete er 1903 die "Österreichische
Exlibris-Gesellschaft" zur Erforschung und "Hebung der
heimatlichen Ex libris-Schätze".

Exlibris
von A. Hildebrandt:
Ein auf 1893 datiertes
heraldisches Exlibris, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt
(1844-1918) für Henning Freiherr von Lützow.
Das als Buchdruck in braunrotem Farbton ausgeführte Exlibris
(104 x 83 mm, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17;
Gutenberg 4213; Leiningen-Westerburg 76) ist markant datiert
unter dem Eignernamen und unscheinbar signiert, das Monogramm AH
befindet sich optisch rechts neben dem Schild zwischen zwei
Helmdeckenzipfeln. Das Wappen der Freiherren von Lützow, die es
als adelige, freiherrliche und gräfliche (1692, 1695, 1732
Reichsgrafen) Zweige gibt und die seit der Mitte des 14. Jh.
Erbmarschälle von Mecklenburg waren, findet sich an vielen
Stellen im Siebmacher beschrieben: Bände BraA Seite: 58 Tafel:
33, He Seite: 19 Tafel: 20, Me Seite: 14 Tafel: 12 , Na Seite: 12
Tafel: 13, Bay Seite: 16 Tafel: 9, PrGfN Seite: 14 Tafel: 10, Bö
Seite: 144 Tafel: 67, Mä Seite: 74 Tafel: 58, Old Seite: 8
Tafel: 7, OstN Seite: 117 Tafel: 79, PoA Seite: 57 Tafel: 35, Pr
Seite: 54 Tafel: 69, Pr Seite: 249 Tafel: 299, Wü Seite: 10
Tafel: 11. Das Stammwappen, welches wir hier auf dem Exlibris
sehen, zeigt in Gold eine schräggestellte schwarze Leiter
(Sturmleiter, Hakenleiter, Feuerleiter) mit vier Sprossen und
oben umgebogenen hakenartigen Enden (können auch fehlen,
insbesondere die ältesten Darstellungen zeigen eine gerade
Leiter).
Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken die Helmzier, von der mehrere Varianten beschrieben werden. 1. Variante: Zwischen zwei auswärts geneigten schwarzen Leitern (Hakenleitern, Sturmleiter, auch Steigbäumen) zu je vier Sprossen ein natürlicher Pfauenwedel. 2. Variante: Über einer schwarzen (oder auch roten) Zinnenmauer ein natürlicher Pfauenschweif zwischen zwei an gekrümmten silbernen Stengeln herabhängenden schwarzen Lilien. Exakt diese Variante finden wir hier im Exlibris, wobei die Lilien heraldisch stilisierte, keine natürlichen Lilien sind, die in der vorliegenden Abbildung interessanterweise trotz hängender Stengel nicht gestürzt, sondern aufrecht dargestellt sind. Andere zeichnerische Darstellungen geben den silbernen Lilien schwarze Stengel, invertieren die Farben also, die Lilien werden als golden an grünen Stengeln angegeben. Eine farblich gefaßte Hildebrandt-Variante zeigt silberne Lilien an grünen Stengeln, dazu eine rote Zinnenmauer. Wiederum andere Zeichnungen zeigen die Lilien nicht herabhängend. Eine eher seltene Variante der Helmzier nimmt noch Büffelhörner hinzu. In manchen Darstellungen findet sich noch Rot als Element der Helmdeckenfarben, dies ist nicht korrekt, ergibt sich nicht aus den Schildfarben und ist in keiner Weise begründet. Wir sehen, die Bandbreite möglicher Lützow-Wappen ist groß und die Darstellung ist bei weitem nicht einheitlich.
Im 20. Jh. gab es Bestrebungen, die Wappenführung der unterschiedlichen Zweige zu vereinheitlichen. 1926 wurde eine einheitliche Variante mit gerader Leiter ohne umgebogene Enden präsentiert (den frühen Siegel-Formen entsprechend), die Helmzier bestand aus nur drei Pfauenfedern auf gekröntem Helm, wie sie erstmalig in der Form dreier nicht näher bestimmter Federn in einem Siegel des Marquard Lützow zu Pritzier aus dem Jahre 1483 belegt sind, insgesamt eine schlichte, fast puristische Variante, die die Schönheit einfacher früher Wappendarstellungen beschwört, frei von späteren Veränderungen, wie z. B. die Mauerzinne, die wohl als Ergänzung zu der Sturmleiter, die jetzt auch mit umgebogenen Enden zum Einhaken in genau so eine zu erstürmende Mauer versehen war, gedacht war. Wie es zu den Lilien kam, ist unklar, vielleicht eine historische Fehlinterpretation eines Aufrisses oder einer Bildhauerarbeit, wobei es sich (Spekulation!) eigentlich um Helmdeckenzipfel gehandelt haben könnte, was sich dann als neues Element durchsetzte und zum Bestandteil des Wappens wurde. Auch diese wurden in der purifizierten Variante von 1926 entfernt.

Daneben existiert ein vermehrtes Wappen (1692, reichsgräfliche Linie zu Drei-Lützow und Seedorf), geviert mit Herzschild: Feld 1: in Gold ein gekrönter schwarzer Doppeladler, Feld 2 und 3: in Blau eine rote, gefugte Zinnenmauer, deren mittlere Zinne von dreien mit einem Pfauenfederbusch besteckt ist, Feld 4: in Gold ein silberner Geharnischter, in der Rechten ein Schwert haltend, in der Linken einen roten, golden eingefaßten Schild, gekrönter Herzschild: in Gold eine schräggestellte schwarze Leiter (Sturmleiter) mit vier Sprossen (Stammwappen). Drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): Zwischen zwei auswärts geneigten schwarzen Leitern (Sturmleitern, auch Steigbäumen) zu je vier Sprossen ein natürlicher Pfauenwedel (Stammhelm), Helm 2 (rechts): ein schwarzer Doppeladler, Helm 3 (links): ein silberner Geharnischter, in der Rechten ein Schwert haltend, in der Linken einen roten, golden eingefaßten Schild, zwischen zwei schwarz-golden übereck geteilten Büffelhörnern. Helmdecken schwarz-golden.
Es wird im Siebmacher noch ein weiteres vermehrtes Wappen für eine freiherrliche Linie (Erhebung 1786) beschrieben, geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Gold eine schräggestellte schwarze Leiter (Sturmleiter) mit vier Sprossen (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Silber ein rotes Mühlrad, Herzschild: in Silber eine pfahlweise gestellte schwarze Leiter (Sturmleiter) mit vier Sprossen. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): Über einer roten Zinnenmauer ein natürlicher Pfauenschweif zwischen zwei an gekrümmten silbernen Stengeln herabhängenden schwarzen Lilien (Stammhelm), Helm 2 (rechts): eine wachsende silberne Bracke zwischen einem goldenen Flug. Helmdecken rechts schwarz-golden, links rot-silbern. Dieses Wappen ist der Erhebung von Oberstleutnant Sigismund von Lützow in den Reichsfreiherrenstand am 10.2.1786 zugeordnet.
Literatur,
Quellen und Links:
Deutsche
Exlibris-Gesellschaft: http://www.exlibris-deg.de/
Siebmachers Wappenbücher
Rigaer Wappen: http://de.wikipedia.org/wiki/Rigaer_Wappen - http://www.riga.lv/EN/Channels/About_Riga/Symbols_of_Riga/default.htm - http://www.riga.lv/EN/Channels/About_Riga/Symbols_of_Riga/SimboluVesture.htm
Adelsgeschlecht von Lützow: http://vonluetzow.de - insbesondere http://vonluetzow.de/familie/53668799ab0f92532.html vgl. Lützowsches Familienblatt 1. Jahrgang, Nr. 1,
Juli 1922
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©
Copyright / Urheberrecht am Text: Bernhard Peter 2009
Die Abb. sind selbst angefertige Scans historischer Originale.
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de