Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (23)

Exlibris von Georg Otto:
Ein heraldisches Exlibris, entworfen von Georg Otto (1868-1939) für Joachim von Oertzen (farbiger Klischeedruck, 5.7 x 5.0 cm). Es handelt sich um eine alte Familie Mecklenburgs, die in Rot zwei silberne, geharnischte Arme führen, deren bloße Hände einen goldenen Fingerring halten (je nach Quelle der Ring mit blauem Stein). Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken die beiden Arme mit Fingerring aus dem Schild. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Me Seite: 16 Tafel: 13, Band: Pr Seite: 284 Tafel: 336 und Band: Sa Seite: 3 Tafel: 3. Das Blatt mit dem in ein ovales, außen rot bordiertes Schriftband einbeschriebenen Aufriß ist weder signiert noch datiert.

Die Familie gibt es in den beiden Linien zu Helpte (Lübbersdorf, Galenbeck) und zu Roggow (Rerik, Landkreis Bad Doberan). Der Stammsitz in Roggow wurde 1945 enteignet, aber nach der Wiedervereinigung zurückerworben. Mecklenburgische Güter der Familie sind oder waren: Alt Vorwerk (seit 1826), Blumenow (1694-1905), Briggow (1791-1945), Brohm (1846-1945), Brunn, Cosa (1846 -1945), Federow (1769 -1820), Gerdshagen, Gnemern, Groß Vielen, Kaeselow (1878-1901), Kittendorf (1751-1945), Klein Nienhagen (1715-1790), Leppin (1705-1927), Liessow (bis 1945), Lübbersdorf, Marihn, Neddemin (1804-1883), Rattey (1690-1945), Roggow (seit 1192, 1945 enteignet, Wiedererwerb), Saßnitz (bis 1935, später gesprengt), Saunstorf (bis 1945), Wustrow (bis 1590, Ruine) und Zahren (1782-1836).

Neben dem beschriebenen Stammwappen gibt es noch ein gräfliches Wappen, wobei das Schildbild des Stammwappens in jedem Obereck von einem silbernen, sechszackigen Stern begleitet wird. Karl Ludwig v. Oertzen, Kammerherr und Oberstleutnant des sächsischen Gardecorps, wurde am 29.6.1792 in den Reichsgrafenstand erhoben. Dieses Wappen der gräflichen Linie hatte drei gekrönte Helme, Helm 1 (Mitte): Stammkleinod wie oben beschrieben, Helm 2 (rechts): ein wachsender goldener Löwe zu rot-silbernen Decken, Helm 3 (links): ein schwarzer Adler zu rot-silbernen Decken. Löwe und Adler greifen je mit der inneren Pranke/Klaue nach den Armen, so will es das Diplom. Schildhalter zwei auf Keulen gestützte wilde Männer.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Oskar Roick (1870-1926) für Hans Schultze (Klischeedruck, 9.8 x 6.3 cm). Das Wappen Schultze, in oval gerahmtem Feld vor dem Hintergrund eines Landsitzes mit mittelalterlichem Bergfried, ist geteilt, oben in Rot ein aus der Teilung wachsender, silberner, barhäuptiger Geharnischter, in der Rechten ein Schwert emporhaltend, in der Linken einen oben umgebogenen Stab, unten rot-silbern geschacht. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein offener Flug, von Rot und rot-silbernem Schach übereck geteilt (ohne Literaturbeleg). Zwei kleinere Schilde ergänzen die Komposition, heraldisch rechts eine zweitürmige Burg, zwischen den Türmen ein pfahlweise gestellter Schlüssel, links eine Stadtmauer mit Tor und drei Türmen. Bei den daneben ungeordnet gruppierten Büchern kann man als Autoren Stegmann und Ludendorff erkennen. Unter dem Eignernamen ist ein Eisernes Kreuz zu sehen.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Dr. August Nagel (Klischeedruck, 9.3 x 6.0 cm). Der goldene Schild ist durch einen roten Balken geteilt, oben drei fächerförmig mit den Spitzen unten zusammengelegte Nägel (redendes Wappen), unten ein an den Balken anstoßendes, unterhalbes, schwarzes Kammrad. Vermutlich steht das Kammrad für die Leistungen des Eigners auf feinmechanischem Gebiet. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit rechts schwarz-goldenen, links rot-goldenen Decken drei fächerförmig mit den Spitzen unten zusammengelegte Nägel zwischen einem goldenen, jeweils mit einer roten Spange umlegten Paar Büffelhörner (ohne Literaturbeleg). Das redende Motiv der Nägel setzt sich übrigens in den vier Ecken des Blattes fort, das ist so gezeichnet, als wäre dort jeweils ein Nagel mit facettiertem Kopf eingeschlagen worden.

In den vier Ecken sind vier weitere Schilde für regionale Informationen, rechts oben halbgespalten und geteilt, 1: in Rot eine silberne, dreilätzige Kirchenfahne (Werdenberg), 2: schwarz-silbern geteilt (Ulm), 3: in Gold eine balkenweise gelegte, schwarze Hirschstange (Bezug zu Württemberg). Die Zuordnung ist noch offen. Die Felder 1 und 2 finden sich beispielsweise auch in den Kommunalwappen von Altheim und Langenau. Links oben sieht man in goldenem Schild ein aufspringendes schwarzes Pferd (Stadt Stuttgart). Rechts unten erkennt man in Blau eine silberne Burg (Zuordnung noch offen), und links unten in Gold eine rote, dreilätzige Kirchenfahne mit drei Ringen (Pfalzgrafen von Tübingen, Stadt Böblingen, auch Stadt Tübingen mit zusätzlichem "Oberwappen").

Exlibris von Georg Otto:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1902, entworfen von Georg Otto (1868-1939) für die Bücherei Pietschker (Lithographie, 9.6 x 5.3 cm, Witte, Bibliographie 2, 263; Thieme-Becker 26; Gutenberg 7962). Vor einem Bücherregal, auf dem oben eine Eule sitzt, sind zwei Vollwappen zum Allianzwappen vereinigt. Beide Wappen sind von den Richtungen und Drehungen der Helmdecken fast spiegelbildlich, in der Gestaltung im Detail aber total unterschiedlich: Das rechte Wappen hat stark gezaddelte, in feine Zipfel aufgespaltene Decken, das Gegenüber geschlossene Stoffbahnen. Typisch für den Künstler sind die Versuche, die Kleinode im Halbprofil perspektivisch darzustellen. Das heraldisch rechte Wappen zeigt in schwarz-golden geviertem Schild ein blaues Kleeblattkreuz, auf dem bewulsteten Helm ein wachsendes Kleeblattkreuz zwischen zwei geteilten Büffelhörnern (ohne Literaturbeleg).

Das gegenüberliegende Wappen zeigt in blauem Feld eine von zwei goldenen, sechsstrahligen, facettierten Sternen beseitete, ausgerissene silberne Rübe mit Blättern, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen / blau-goldenen Decken die beblätterte silberne Rübe zwischen zwei blauen Büffelhörnern, die in den Mündungslöchern je mit einem goldenen, sechsstrahligen, facettierten Stern besteckt sind (Wappen v. Siemens, beschrieben im Siebmacher Band: PrE Seite: 165 Tafel: 142). Damit läßt sich das Wappen dem Paar Carl Pietschker, Pfarrer in Bornstedt (heute Potsdam), und Käthe Pietschker geb. von Siemens (1861–1949, Tochter von Werner von Siemens) zuordnen. Ihrer beider Sohn war der Luftfahrtpionier und Konstrukteur Werner-Alfred Pietschker, der am 15.11.1911 tödlich verunglückte.

Exlibris von Alexander von Dachenhausen:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Alexander Freiherr von Dachenhausen (1848-1916) für sich selbst (102 x 78 mm, farbige Lithographie, Witte, Bibliographie 1, 144 f., Thieme-Becker 8, vgl. Gutenberg 19.202). Das Blatt ist asymmetrisch aufgebaut: Innerhalb eines Rahmens aus abwechselnd Granatäpfeln und Blattpaaren, oben für die laufende Buchnummer und unten für die Jahreszahl ausgespart, ist ein Rechteckfeld so plaziert, daß es optisch rechts und unten an diese Umrahmung anstößt, links und oben aber reichlich Platz läßt für eine ornamental-florale Füllung mit verschlungenen Rosenranken mit insgesamt sechs Blüten. Das Rechteckfeld ist wiederum zweigeteilt, unten die Eignerinschrift, oben das Familienwappen vor leuchtend gelbem Hintergrund, mit der Helmzier aber teilweise über diesen hinausragend. Gegenüber dem sonst dezent gefärbten Blatt sticht die Wappenzone mit ihren deutlichen Rot-, Schwarz- und Gelb-Tönen deutlich ab und lenkt so die Aufmerksamkeit auf die klare Geometrie des Schildes, während die Umgebung weich und unauffällig wirkt. In der linken oberen Ecke des gelben Feldes sieht man das Künstler-Monogramm mit den verschmolzenen Initialen "A" und "D". Das Wappen der Freiherren von Dachenhausen ist unter rotem Schildhaupt silbern-schwarz geschacht, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein wie der Schild bezeichneter, hier geschlossener Flug (Beschreibung im Siebmacher Band: Han Seite: 19 Tafel: 21 und PrE Seite: 45 Tafel: 37, ferner im alten Siebmacher von 1605 und im Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von Dr. H. Grote).

Exlibris von Georg Otto:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1918, entworfen von Georg Otto (1868-1939) für Robert Freiherr v. Welck (Klischeedruck, 8.0 x 7.3 cm). Das Wappen dieses sächsischen Adelsgeschlechtes ist gespalten, rechts in Silber eine rote, gefüllte (doppellagige) Rose, links viermal blau-golden-schwarz-golden-blau geteilt, im schwarzen Platz rechts zwei sechszackige silberne Sterne pfahlweise, links eine mit den Spitzen nach rechts gekehrte (zunehmende) silberne Mondsichel. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken vor einem grünen (natürlichen) Pfauenstoß zwei schräggekreuzte silberne Liktorenbündel (Fasces, mit darin steckenden, auswärts gekehrten Beilen), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen (oder blau-goldenen, je nach Quelle) Decken ein Flug, rechts silbern und mit einer roten Rose belegt, links in den Formen und Farben der linken Spalthälfte. Das ist in dieser Form das freiherrliche Wappen; das Stammwappen hatte den gleichen Schild und nur Helm 2, wobei allerdings die Rose in der rechten Spalthälfte des Schildes gestielt und beblättert war, nicht jedoch in der Helmzier. Und das Stammwappen hatte bereits die gleichen Tinkturen der Helmdecken, rechts rot-silbern, links schwarz-golden.

Die Familie taucht am Anfang des 16. Jh. in Dresden zuerst auf. Die Gebrüder Carl Wolfgang Maximilian Welck, Kreisamtmann zu Meißen, und Otto Rudolph Welck, Oberpostamtsdirektor in Leipzig, wurden am 3.3.1785 von Kaiser Joseph II. geadelt, und am 22.6.1792 wurde der kursächsische Hofrat Carl Wolfgang Maximilian v. Welck während des Reichsvikariats in den Freiherrenstand erhoben. Die von Otto Rudolph Welck begründete, nichtfreiherrliche Linie erlosch 1875 im Mannesstamm. Unter Carl Wolfgang Maximilians Söhnen spaltete sich die freiherrliche Linie auf: Sohn Georg Ludwig begründete die Oberrabensteiner Linie, welche 1998 im Mannesstamm erloschen ist, und Sohn Kurt Robert begründete die Risaer Linie, die noch blüht. Im Freiherrenbrief von 1792 werden übrigens die beiden Sterne, die hier im Exlibris sechszackig abgebildet werden, als achtzackig beschrieben.

Das freiherrliche Wappen kann auch mit Schildhaltern dargestellt werden, rechts eine rotgekleidete (oder in silbernem, mit roten Rosen besätem Gewand, je nach Quelle) Justitia, links ein Mohr mit Pfeil und Bogen. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Anh Seite: 8 Tafel: 9, Band: PrGfN Seite: 27 Tafel: 21, Band: Sa Seite: 18 Tafel: 17, alternative Farbangaben für die nicht gefreite Linie in Band: Sa Seite: 52 Tafel: 60. Im Rietstap/Rolland sind ebenfalls zwei Farbversionen der Teilungen aufgeführt, eine in blau-golden-schwarz-golden-blau mit der ungestielten Rose für die gefreite Linie, die andere in rot-golden-schwarz-golden-rot mit der gestielten Rose.

Das Wappen wird vor dem dunklen Hintergrund eines ornamental bordierten Achtecks dargestellt. Für Ottos Stil sind die Helmdecken hier besonders charakteristisch, immer sorgfältig darauf bedacht, nie den Charakter eines geschlitzten Tuches aus den Augen zu verlieren und stets sehr nahe an echten, tatsächlich so fallenden Stoffbahnen, typisch die eingerollten Seitenränder, die die Bahnen als parallele Streifen der Gegenfarbe begleiten und überkreuzende Zipfel in Außenfarbe ermöglichen. Weiterhin sind für den Stil Ottos die Bügelhelme mit dem relativ engen, eingefaßten Schlitz und den kräftig gerundeten Bügeln charakteristisch. Weniger überzeugend wirken hingegen seine Bemühungen, die Helmkleinode perspektivisch einzudrehen und nach hinten zu verkürzen.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1923, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für die Familie Schwalbe (Klischeedruck, 8.5 x 6.1 cm). Das redende Wappen zeigt in silbern-rot gespaltenem Schild eine über die Teilung gelegte, schräg auffliegende schwarze Schwalbe, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken eine schräg auffliegende schwarze Schwalbe vor einem silbern-rot übereck geteilten offenen Flug. Das Wappen ist nicht in den einschlägigen Sammlungen enthalten. Unter dem Wappen steht auf einem bogenförmigen Schriftband die Devise "Beharrlichkeit führt zum Ziel". Zwei kleinere Wappenschilde ergänzen die Komposition, beide oben an dem das Wappen rahmenden Geäst, heraldisch rechts oben das Stadtwappen von Hamburg, in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern, links oben in Blau ein aus dem unteren Schildrand wachsender Arm, in der Faust ein Bündel von vier Blitzen haltend (Hinweise willkommen).

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1906, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für August F. Ammann (Gutenberg 29.643, Heliographie, 9.6 x 7.2 cm). August Ammann zählt auch zu den großen Mäzenen der Exlibriskünstler, und viele verschiedene Aufrisse zeugen von des Eigners Begeisterung für diese Form der Graphik. Hier eines mit einem Rankwerkrahmen in Jugendstilformen, der den Blick frei gibt auf eine Szene mit Zürich im Hintergrund und einem Segelboot mit Kuttertakelung und zwei Vorsegeln auf dem Zürichsee im Vordergrund. Die Szene ist an dem Ausfluß der Limmat aus dem Zürichsee anzusiedeln. Rechts erkennt man die charakteristischen Türme des Großmünsters, links die Fraumünsterkirche mit ihrem spitzen Helm. Die beiden Brücken sind vorne Quaibrücke und dahinter, mit mehr Bögen, die Münsterbrücke, rechts im Bild ist der Utoquai und dahinter der Limmatquai. Die rechte untere Ecke wird von einem Vollwappen in Halbprofildarstellung eingenommen, wobei die sich wild überschlagenden Windungen der Helmdecke Krahl-typisch den Voluten der Jugendstil-Linien gegenüber Konkurrenz machen.

Das Wappen wirkt wie vor den Rahmen mit dem Landschaftsausblick gesetzt, was dadurch zustande kommt, daß die heraldisch linke Helmdecke über den Rahmen hinausgeht. Eine der unteren Rahmenlinien bildet sogar im gegenüberliegenden Eck eine den Helmdecken ähnelnde Struktur und zeigt, daß die Grenzen zwischen beiden Gestaltungselementen fließend sein können. Die Typen der beiden Schriftzonen, oben das Wort "Ex Libris", unten der Eignername, zeigen zeittypische Formen. Das Wappen Ammann zeigt in Silber einen mit drei balkenweise gelegten, goldenen, sechsstrahligen Sternen belegten, roten Schildhauptpfahl, auf dem Helm mit silbern-roten Decken ein wachsender Mannesrumpf, dessen Kleid wie der Schild bez. ist (Siebmacher Band Bg3, S. 57, T. 61).

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Carl und Marie Louise Swoboda (Klischeedruck, 8.0 x 6.9 cm). Zwei Vollwappen sind als Ehewappen mit sich überlappenden Schilden einander zugeneigt. Das heraldisch rechte ist das Wappen Swoboda, in Rot eine silberne Marke mit Vierkopfschaft, Mittelsprosse und Ankerfuß, auf dem gekrönten Helm eine auf einem Bein stehende Frau, nur mit einem Tuch bekleidet, welches sie mit beiden Händen im Bogen über sich schwingt. Das nicht in den einschlägigen Sammlungen verzeichnete Wappen erinnert an eine Haus- oder Steinmetzmarke. Das Wappen der Ehefrau Marie Louise, deren Geburtsname nicht auf dem Blatt verzeichnet ist (Hinweise willkommen), hat in Gold sechs (3:2:1) blaue Lilien, auf dem gekrönten Helm ein wachsender Einhornrumpf. Es ist wohl Zufall, daß dies auch das Stammwappen der 1731 in männlicher Linie erloschenen Farnese ist.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1918, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für den Abt Sigisbert des Klosters Schäftlarn (Klischeedruck, 11.0 x 7.0 cm). Innerhalb eines Rahmens mit Schnörkeln im Stil des Barocks sind unter einem geflügelten Engelskopf mit Inful drei (2:1) ovale Kartuschen zu einem Ensemble vereinigt. Hinter der Gruppe lehnt schräglinks der Abtsstab. Die Kartusche heraldisch links oben zeigt das Abteiwappen von Schäftlarn, in Blau ein goldenes Ruderboot mit zwei ebensolchen Rudern, das vordere schrägrechts, das hintere schräglinks gestellt, das Abteiwappen. Kloster Schäftlarn (Abtei zu den Heiligen Dionysius und Juliana), im Jahre 762 von einem Priester namens Waltrich als Benediktinerabtei gegründet und damit zu den bayerischen Urklöstern gehörend, erlosch dann während der Ungarnwirren, wurde 1140 als Prämonstratenser-Kloster wiedergegründet, im frühen 19. Jh. säkularisiert, jedoch 1866 wieder als Benediktinerkloster neugegründet. Der in der Eignerbezeichnung genannte Abt Sigisbert war der Augsburger Benediktiner Sigisbert I. Liebert (25.1.1851-26.3.1929), der am 28.1.1872 in den Orden eintrat, 1904-1910 Prior in Schäftlarn war und 1910 erster Abt des am 17.4.1910 durch Prinzregent Luitpold zur Abtei erhobenen Klosters wurde. Er setzte sich als Bibliophiler sehr für die Klosterbibliothek ein und erweiterte sie beträchtlich.

Die Abkürzungen "P T PRAES CONGR BEN BAV" bedeuten Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation, ein Leitungs-, Aufsichts- und Repräsentationsamt der Vereinigung grundsätzlich selbständiger bayerischer Benediktinerklöster, welches Sigisbert I. Liebert 1915-1921 innehatte, und in diese Zeit fällt auch das Exlibris. Er war in dieser Funktion der Nachfolger von Gregor Danner von St. Bonifaz und wurde seinerseits 1921 durch Placidus Glogger von St. Stephan abgelöst. Diesem Amt ist die rechte, obere Schildkartusche gewidmet. Sie erhält den Ehrenplatz heraldisch rechts, weil es sich um eine dem Einzelkloster übergeordnete Institution handelt, die am Anfang nach der Wiedergründung in der Mitte des 19. Jh. aus Metten, St. Bonifaz, Andechs und Weltenburg bestand und später um Scheyern, Schäftlarn, St. Stephan, Ottobeuren, Ettal, Plankstetten und im Jahr der Exlibriserstellung noch um Niederaltaich erweitert wurde.

Dieses Wappen der Bayerischen Benediktinerkongregation ist hier gewendet. Es ist gespalten, rechts (also hier spiegelverkehrt) silbern-blau schräggerautet (Bayern), links unter goldenem Schildhaupt mit schwarzem Adler in Silber drei rote Leisten oder Fäden, begleitet in Platz 1 von einem schreitenden roten Löwen und in den übrigen Plätzen von sechs (3:2:1) roten Kelchen, Bechern oder Pokalen (Siebmacher Band: Un Seite: 461 Tafel: 338, Band: Kro Seite: 133 Tafel: 97, vgl. auch Band: FstA Seite: 188 Tafel: 228-230). Das ist nun eine wirklich aufregende Kombination - die Wittelsbacher Rauten treffen hier auf das Wappen der aus Como stammenden und auch in Rom und Mailand ansässigen italienischen Adelsfamilie Odescalchi! Der Grund ist der, daß hier die Gründer der Kongegration gemeinsam verewigt werden, auf der Seite Bayerns war das Kurfürst Maximilian II. Emanuel (11.7.1662 - 26.2.1726, Kurfürst 1679-1706 und 1714-1726), und auf der Seite des Papstes war das Innocent XI, der mit bürgerlichem Namen niemand anderes war als Benedetto Odescalchi (19.5.1611-12.8.1689, Papst 1676-1689), übrigens einer der bedeutendsten Päpste des 17. Jh., der sich durch eine konsequente Sanierung der Finanzen und die Eindämmung der Vetterleswirtschaft wohltuend von seinen Kollegen abhob. Am 26.8.1684 wurde die Kongregation durch das Breve "Circumspecta" gegründet, durch die Säkularisierung wurde sie aufgelöst, und am 5.2.1858 wurde sie wiederhergestellt.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig
Sigisbert I. Liebert:
http://www.orden-online.de/wissen/l/liebert-sigisbert/
Bayerische Benediktinerkongregation:
http://www.kloster-ettal.de/kloster/bbk.html
Papst Innozent XI:
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Italie/Papes_8.htm
Abtei Schäftlarn:
http://www.abtei-schaeftlarn.de/
Frhr. v. Welck: Stiftung Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XVI, Band 137, C. A. Starke Verlag, Limburg 2005, S. 52–54, und: Freiherrliche Häuser. Band XVII, Band 107, C. A. Starke Verlag, Limburg 1994, S. 498–511.
Frhr. v. Welck:
http://www.schlossarchiv.de/herren/w/WE/Welck.htm
Nagel:
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016336/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00016336&seite=724
v. Oertzen:
http://www.rambow.de/geschichte-derer-von-oertzen.html - Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, 1. Teil, vom Ursprunge des Geschlechts bis zum Jahre 1400, von G. C. F. Lisch, in Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung in Schwerin und Rostock, 1847 - http://www.rambow.de/download/Von-Oertzen-1.pdf - Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, 2. Teil, vom Jahre 1400 bis zu den Jahren 1600 und 1700, von G.C.F. Lisch, in Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung in Schwerin und Rostock, 1860 - http://www.rambow.de/download/Von-Oertzen-2.pdf - Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, 3. Teil, vom Jahre 1600 bis zum Jahre 1725, von G.C.F. Lisch, in Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung in Schwerin und Rostock, 1866 - http://www.rambow.de/download/Von-Oertzen-3.pdf - Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, 4. Teil, enthaltend der Mecklenburgischen Häuser und der älteren Zweige des Hauses Alt-Helpte neueste Geschichte von etwa 1700 bis zur Gegenwart, von G. C. F. Lisch, fortgeführt von E. Sass, Schwerin 1886 - http://www.rambow.de/download/Von-Oertzen-4.pdf - Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, 6. Teil, A: des Hauses Jung-Helpte neueste Geschichte, von etwa 1700 bis zur Gegenwart. B: Rückblick. C: Nachträge usw., von G. C. F. Lisch; fortgeführt von E. Sasz, 1891 - http://www.rambow.de/download/Von-Oertzen-6.pdf
Gutshäuser der v. Oertzen:
http://www.gutshaeuser.de/wappen/oertzen.html

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