Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (28)

Exlibris von Clemens Kissel
Ein Wappen-Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für den Mainzer Buchhändler Karl von Zabern (Gutenberg 28.525, Klischee, dreifarbig). Es ist eine hervorragend ausgeführte Familienwappen-Darstellung unter einem angeschnittenen Bogen mit Ort und Jahr innerhalb eines kalligraphischen Rahmens aus acht Ornamenten aus komplex verschlungenen, im jeweiligen Zentrum ein Rautengitter bildenden Federstrich-Ornamenten, die stilistisch leicht an Rokoko-Schnörkel erinnern.

Das Wappen des hessischen Adelsgeschlechtes von Zabern wird beschrieben im Siebmacher, Band: He Seite: 31 Tafel: 36, ebenso im Rietstap/Rolland, und es zeigt in Blau zwei aufrechte, silberne, voneinander abgekehrte Streitbeile (Streitäxte) mit goldenen Stielen. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein blauer, beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug. Von den Farben des korrekt tingierten Wappens hat sich der Künstler gelöst, das sparsam eingesetzte Gold des Rahmens, der Krone und der Helmverzierungen setzt sich fort an den Zwischenfedern des Adlerfluges. Man beachte übrigens die Nähe zum Wappen der von Habern und der von Sturmfeder. (Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemens Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.)

Exlibris von Oskar Roick
Dieses heraldische Exlibris wurde entworfen von Oskar Roick (1870-1926), es ist undatiert, und die Signatur ist nur ganz schwach rechts unterhalb der kreisförmigen Vignette oberhalb des Eichenzweiges zu sehen. Er hat es für die H. Sebaldsche Bücherei in Nürnberg angefertigt. In dem Vierpaß sehen wir oben eine Ansicht der Kaiserburg Nürnberg. Im Zentrum steht das Berufswappen der Buchdrucker, in goldenem Schild ein schwarzer, nimbierter Doppeladler, der in den Fängen Winkelhaken und Tenakel (eine Art Manuskript-Halter) mit Divisorium (Querstück am Tenakel) hält, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein silberner, rot bewehrter Greif, zwei schwarze Druckerballen aufeinander in den Fängen haltend. Der Schild symbolisiert eher die Setzer, die Helmzier die Drucker. Statt Tenakel waren auch früher zwei aufeinandergesetzte Druckerballen gebräuchlich. In seiner heute üblichen Form taucht das Buchdruckerwappen erstmals bei Caspar Büsching (Büssingius) 1713 in seiner "Kurzgefaßten Heroldskunst" auf, und 1730 in Nürnberg im Werk "Spörl - Introductio in notit. sign. Typograph". Das Buchdruckerwappen darf nur von "gegautschten" Gesellen verwendet werden, ein Brauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlußprüfung im Rahmen einer spaßigen Feier in einer Bütte untergetaucht und/oder auf einen nassen Schwamm platziert wird. Die Devise unter dem Buchdruckerwappen lautet "ALLIDOR NON ELIDOR" - frei: angeschlagen zwar, aber nicht zerschlagen.

Das Wappen Sebald (im Siebmacher unter Sebaldt, Band: Bg2 Seite: 33 Tafel: 54, Band: Bg8 Seite: 12 Tafel: 14, eine ursprünglich aus Regensburg stammende Familie) ist von Gold und Schwarz gespalten mit einem Sparren in verwechselten Farben. Ursprünglich führten sie in Schwarz einen goldenen Sparren, die Spaltung geht zurück auf eine Wappenbesserung im Jahre 1594 durch Kaiser Rudolf II. für Stephan Sebaldt, Sekretär der Stadt Regensburg. 1595 wurde die Ausdehnung der Wappenbesserung auf die Brüder des Begünstigten bewilligt. Auf der anderen Seite befindet sich ein zweiter Schild mit einem Berg und einem aus einer Wolke herabfahrendem Blitz in unheraldisch naturalistischer Darstellung.

Exlibris von unbekanntem Künstler:
Ein auf 1642 datiertes heraldisches Exlibris für Carolus Abbas Schefftlariensis. Das mir vorliegende Beispiel ist ein moderner Nachdruck von der historischen Platte. Der ovale Schild ist geviert, in Feld 1 und 4 in Blau ein goldenes Ruderboot mit zwei ebensolchen Rudern, das vordere schrägrechts, das hintere schräglinks gestellt, das Abteiwappen, in Feld 2 und 3 das persönliche Wappen des Abtes, der Anker. Alle vier Felder sind innerhalb eines freien Bordes damasziert, aus rein künstlerischen Gründen ohne heraldische Bedeutung. Auf der Kartusche eine Inful zwischen zwei Engelsköpfen, hinter dem Schild lehnt schrägrechts der Abtsstab. Über der Jahreszahl befindet sich aus Psalm 32 der Satz: Consilium Domini in aeternum manet - Gottes Ratschluß bleibt in alle Ewigkeit.

Kloster Schäftlarn (Abtei zu den Heiligen Dionysius und Juliana), im Jahre 762 von einem Priester namens Waltrich als Benediktinerabtei gegründet und damit zu den bayerischen Urklöstern gehörend, erlosch dann während der Ungarnwirren, wurde 1140 als Prämonstratenser-Kloster wiedergegründet, im frühen 19. Jh. säkularisiert, jedoch 1866 wieder als Benediktinerkloster neugegründet. Einst gehörten der Abtei wichtige Güter im Isartal, auf denen heute die Stadt München erbaut ist.

Exlibris von Clemens Kissel
Ein Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für Curt von Münchow, großherzoglich hessischer Hof- und Universitäts-Buchdrucker und Verlagsbuchhändler aus Gießen (Gutenberg 28.516, Klischee). Das Wappen zeigt in Silber drei (2:1) schwarze Mohrenköpfe mit rot-golden gewundenen Stirnbinden. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Busch schwarzer Hahnenfedern oder grüner Schilfblätter oder Palmzweige (je nach Quelle). Hier trägt der schildhaltende Geharnischte mit Fähnchen in der Linken auf dem Kopf den gekrönten Münchow'schen Helm mit den Hahnenfedern. Das Ganze befindet sich in einem Rahmen aus Architektur, auf den Basen der beiden das Gebälk tragenden Pilaster ist typisches Handwerkszeug abgebildet. Zwei Löwen schauen aus den oberen Zwickeln hervor und halten die Enden von Lorbeergirlanden in ihrem Maul. Zu Füßen des Geharnischten ist das Werk mit "C. Kissel Mainz" signiert.

Über dem Münchow'schen Schild sieht man das alte Gießener Stadtsiegel innerhalb einer es bezeichnenden Umschrift, ein Reitersiegel mit einem Ritter mit Gonfanon hoch zu Roß, auf dem Schild und auf der Pferdedecke jeweils ein Löwe, auf dem Helm als Zier ein paar Büffelhörner. Ein erstes Gießener Reitersiegel aus dem 13. Jh. zeigt als Motiv eine Art Lilie oder Lanzenspitze, das zweite bekannte Reitersiegel aus dem 14. Jh. zeigt die genannten Löwen, die keine anderen als die landgräflich hessischen sind, nur den Büffelhörnern fehlen die Kleestengel, wohl wegen der Feinheit weggelassen. Seit 1816 freilich führt die Stadt Gießen ein ganz anderes Wappen, in Silber einen schwarz geflügelten, blau bewehrten und blau gezungten roten Löwen. Insgesamt ist dieses Exlibris eine typisch historistische Mischung, die ein mittelalterliches Reitersiegel, antikisierende Architektur, klassizistische Lorbeergirlanden zu einer Einheit in der Vielfalt kombiniert. (Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemens Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.)

Gesamt- und Detailansicht einer anderen Farbvariante.

Exlibris von Ernst Krahl
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Prinzessin Gabriele von Thurn und Taxis, geb. Gräfin Kinsky. Marie Gabriele Josepha Guntram Gräfin Kinsky v. Wchinitz u. Tettau (28.3.1883 - 28.10.1970) war die Tochter von Rudolf Joseph Ferdinand Damasus Fürst Kinsky v. Wchinitz u. Tettau (11.12.1859 - 13.3.1930) und Maria Josepha Gabriela Gräfin Wilczek (24.12.1858 - 27.3.1938); sie hatte am 21.2.1903 in Wien Prinz Erich Lamoral Hugo Egon Maria v. Thurn u. Taxis (11.1.1876 - 20.10.1952) geheiratet. Beide lebten in Kremsegg in Oberösterreich. Das Allianzwappen ist von einem aus einer Krone herabfallenden und an den Seiten abgebundenen fürstlichen Wappenmantel gerahmt. Das obere Schriftband trägt den Schriftzug "Aus meinen Büchern", unten befindet sich die handschriftliche Signatur der Prinzessin in einer von üppigem Jugendstil-Schnörkelwerk gerahmten Freizone.

Der Wappenschild der Thurn und Taxis ist hier gemäß Reichsfürsten-Diplom vom 16.7.1786 wiedergegeben: Der Schild ist gespalten und zweimal geteilt, Feld 1 und 4 in Silber ein dreizinniger roter Turm mit blauem Tor und einem Fenster, hinter welchem zwei blaue Glevenzepter (ursprünglich auch: blaue Stäbe, goldene Gleven) gekreuzt sind (della Torre, Thurn), Feld 2 und 3 in Gold ein golden (Variante: blau) gekrönter roter Löwe (Valsassina), 5. in Silber eine schwarze Schafschurschere, mit der Öffnung nach oben gelegt (Scheer, Scherenberg), 6. in Gold ein ungekrönter roter Löwe (Friedberg). Alle Löwen sind aus Courtoisie gewendet. Erhöhter blauer Herzschild, darin ein schreitender silberner Dachs (Stammwappen de Taxis).

Das Wappen der Kinsky von Wchinitz und Tettau (ein aus Böhmen stammendes Hochadelsgeschlecht, urkundlich seit 1237, Grafen 1628, 1676, 1687, Reichsfürsten 1747) wird beschrieben in Siebmacher, Band FstA, Seite: 127, Tafel: 155, Mä, Seite: 158, Tafel: 113, OstN, Seite: 219, Tafel: 152, PrGfN, Seite: 24, Tafel: 19, Sa, Seite: 50, Tafel: 57, ÖSchl, Seite: 95, Tafel: 49): In Rot drei vom linken Schildrand ausgehende, abwärts gebogene silberne Wolfszähne. Hier ohne Oberwappen, das wäre auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechts silberner und links roter Adlerflug oder ein rot-silbern übereck geteilter Flug je nach Quelle. Helmdecken rot-silbern.

Exlibris von Heinrich Hinzmann
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1899, entworfen von Heinrich Hinzmann (28.12.1860-1.3.1926) aus Hannover für sich selbst (Gutenberg 25.754, Klischee, 92 x 57 mm). Vor einem Bücherregal steht eine Dreiviertelfigur einer Frau mit Blumenkranz im Haar, welche den Schild mit dem Hinzmann-Wappen hält. Im Regal finden sich aufschlußreiche Titel und Autoren mit Bezug zu Geschichte, Heraldik und Bildung, Jost Ammann lesen wir ganz links oben, daneben ein heraldisches Werk von Carl Teske, in der mittleren Zone zeigt uns der Besitzer das "Kleeblatt" neben dem "Deutschen Herold", im Herold war er nämlich vom 19.2.1899 bis zum 31.12.1903 Mitglied, und im Kleeblatt ab 1898, 1906-1908 und 1925-1926 war er Schriftleiter des Vereins, 1904-1914 und 1923-1926 war er sogar Vorsitzender des Kleeblattes, und 1914 wurde er Ehrenmitglied. Rechts ist das Dürer-Monogramm auf einem Buchrücken, und unten steckt Warneckes Heraldisches Handbuch neben dem damals noch zweibändigen Meyer-Lexikon. Der Eigner und Künstler Heinrich Hinzmann war Buchbinder und Kunstgewerbler auf dem Gebiet der Lederschnitt-Technik (Buchrücken!), und an der Kunstgewerbeschule Hannover unterrichtete er seit 1901 als Fachlehrer der Heraldik. Bevor er 1897 nach Hannover kam, war er 1887 großherzoglich-mecklenburgischer und oldenburgischer Hoflieferant. Für seine beiden heraldischen Vereine, in denen er Mitglied war, veröffentlichte er einige Aufsätze, z. B. über Schrift als Wappenbild, über Ehewappen und Phantasiewappen. Vor allem ist er als Schöpfer von heraldischen Exlibris bekannt geworden. Er war es auch, der gewissermaßen die Niedersächsische Wappenrolle begründete, indem er 1906 als Vereinsvorsitzender ein prachtvolles Stammbuch anlegte, in das die Familienwappen der Gründer und damaligen und zukünftigen Mitglieder aufgenommen werden sollten.

Das Wappen Hinzmann ist nach den Angaben im Biogr. Lex. d. Heraldiker durch eine eingebogene rote Spitze, darin drei (1:2) silberne Schildchen, einen goldengestielten, silbernen Hammer umschließend, gespalten, rechts in Gold auf grünem Dreiberg ein schwarzer Kater ("Hinz"), links in Rot aus der unteren Teilung wachsend ein silbern gekleideter Mann mit silberner Mütze. Hier ist die eingebogene Spitze abweichend gestaltet, denn wir sehen nicht nur einen Hammer, sondern auch einen geöffneten Stechzirkel und ein gestürztes Winkelmaß miteinander verschränkt hinter den Schildchen. Kritik an der Fülle der sich überlagernden Symbole dieses zum Berufswappen umgestalteten Feldes regt sich. Ein Oberwappen ist hier nicht abgebildet, es wäre nach der Lit.: Auf dem schwarz-golden-rot-silbern bewulsteten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ein wachsender rotbewehrter, goldener Greif, die Flügel mit einer schwarzen Muschel belegt, in den Fängen einen Stab haltend.

Exlibris von Oskar Roick
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1897, entworfen von Oskar Roick (1870-1926) für den heraldischen Verein "Zum Kleeblatt" in Hannover (116 x 78 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 3, 27; Gutenberg 9220). Signatur und Jahresangabe finden sich optisch links unten unter dem Sockel. Oben links sehen wir das Niedersachsen-Roß, silbern auf rotem Grund, nach innen gewendet, und oben rechts befindet sich das Wappen der Stadt Hannover, in Rot eine silberne Mauer mit zwei Zinnentürmen, zwischen den Türmen schreitend ein goldener Löwe, in dem offenen Tor unter schwarzem Fallgatter ein goldenes Schildchen mit einem grünen Kleeblatt. Von der Symbolik her folgt das Stadtwappen dem Standardprinzip der Darstellung einer Stadtbefestigung, erweitert um einen welfischen Löwen und ergänzt um das Kleeblatt, das vorher schon ein Münzzeichen war und ab 1534 im Stadtsiegel auftaucht. Im Zentrum jedoch steht das Kleeblatt-Wappen, in Gold ein grünes Kleeblatt, auf dem grün-golden bewulsteten Helm mit grün-goldenen Decken drei Straußenfedern, eine goldene zwischen zwei grünen. Der Name des Vereins steht in der Tradition mittelalterlicher Gesellschaftsbezeichnungen und spielt auf das als Kleeblatt gedeutete Stadtwappen an. Das ursprüngliche Vereinswappen, das wir hier auf dem Exlibris sehen, erfuhr 1914 eine Vermehrung, anläßlich derer ein Schildhaupt mit Heroldsstab und eine weitere Farbe aufgenommen wurden sowie die Helmzier geändert wurde.

Seitdem führt der heraldische Verein "Zum Kleeblatt" unter einem roten Schildhaupt mit einem balkenweise gelegten, goldenen Heroldsstab in Gold ein grünes Kleeblatt, auf dem grün-golden-rot-golden bewulsteten Helm mit rechts grün-goldenen und links rot-goldenen Decken einen wachsenden roten, golden bewehrten und ebenso gezungten Löwen, der in seinen Vorderpranken pfahlweise einen goldenen, oben mit einem grünen Kleeblatt besetzten Heroldsstab hält. Neben dem Kleeblatt-Wappen sehen wir auf der Darstellung einen bärtigen Herold mit adlergeschmücktem Tappert, die Aufgabenstellung und Zielsetzung des Vereins darstellend, der 1888 gegründet wurde, nur wenige Jahre nach dem "Herold" in Berlin (1869) und dem "Adler" in Wien (1870).

Exlibris von Clemens Kissel
Ein Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für H. E. Kissel, Graveur und Xylograph aus Mainz, offensichtlich ein naher Verwandter des Künstlers (Gutenberg 28.510, Klischee). Datierung und Signatur sind schwer zu entdecken, sie befinden sich auf den kleinen Tafeln, die an Bändern von der opulenten Einfassung herabhängen, etwa an der Grenze zwischen unterem und mittlerem Bilddrittel. Diese Einfassung ist sowie ein Unikat, oben Löwenköpfe mit weit ausgeschlagener Zunge, weiter unten ein geflügelter, dünner, langgezogener Leib, der unten in Floralia übergeht, äußerst phantasievoller Neo-Manierismus.

Zu sehen ist das persönliche Familienwappen Kissel im Zentrum der Komposition, in Gold ein aufrechter schwarzer Bär, der in seinen Vorderpranken ein Gefäß trägt. Ganz unten auf dem eckigen Rahmen sehen wir das Wappen der Maler oder Künstler mit den 3 (2:1) silbernen Schildchen in rotem Feld, mit gekröntem Helm, aber ohne Helmzier. (Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemens Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.)

Exlibris von "K.E.":
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe ca. aus den 1890ern, entworfen von einem mir unbekannten Künstler für den Abt Anselm Villiger (lebte 1825-1901), den 52. Abt der 1120 im Bistum Konstanz gegründeten Benediktiner-Abtei Engelberg (Obwalden, Schweiz, heute Bistum Chur), ab 1866 in diesem Amt als Nachfolger von Abt Placidus Tanner (amtierte 1851-1866). Der ovale Wappenschild mit dem Familienwappen des Abtes, in Blau ein aufspringendes silbernes Einhorn, liegt einer Kartusche in neobarockem Stil auf, welche oben mit einer reichverzierten Inful besetzt ist und hinter der schrägrechts der Abtsstab steht. Die Inschrift lautet: "ANSELMVS I ABBAS LII MON(ASTE)RII ENGELBERGENSIS". Das Exlibris ist in dem Werk von Ludwig Gerster, Die schweizerischen Bibliothekzeichen, aus dem Jahre 1898 bereits gelistet, muß also zwischen 1866 und 1898 entstanden sein, aus stilistischen Gründen eher spät innerhalb dieses Rahmens. Der Abt war bis 1901 im Amt, er ließ die Klosterkirche renovieren, und unter seiner Amtszeit entstanden 1873 und 1882 zwei Filialklöster in den USA, Conception (Missouri) und Mount Angel (Oregon). Die Künstlersignatur ist "K.E.", Hinweise willkommen. Das Wappen wird im Siebmacher, Band: Klö Seite: 44 Tafel: 68, beschrieben.

Exlibris von Lorenz Rheude
Ein heraldisches Exlibris, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939) für Otto Haak. Es ist eines der vielen Exlibris, die Otto Haak für sich entwerfen ließ, eines von mehreren gänzlich unterschiedlichen Stiles aus der Hand von Lorenz Rheude. Es ist relativ schlicht und übersichtlich, wobei die auf jeder Seite in zwei Bänder aufgeteilte Helmdecke nicht zu seinen glücklichsten Schöpfungen gehört. Was vermutlich lässig wirken sollte, wirkt heute einfach unelegant, desgleichen der Helm mit welligen Sehschlitzrändern, der insgesamt etwas zerbeult und mitgenommen aussieht, was wohl eher nicht künstlerische Absicht war. Nun, bei der Fülle an Haak-Exlibris kann man die Sehnsucht nach einer unprätentiösen Darstellung zur Abwechslung nachvollziehen.

 

Das hier in starker Neigung des Schildes abgebildete Wappen Haak zeigt in Rot ein goldenes Andreaskreuz, nach der Figur mit zwei schwarzen Feuerhaken belegt. Auf dem Helm ein goldener Löwe wachsend zwischen einem roten Flug, einen schwarzen Feuerhaken pfahlweise vor sich haltend. Die Helmdecken werden zuerst rechts rot-golden und links schwarz-golden angegeben, das würde zur Entstehungszeit des links abgebildeten Exlibris noch passen, seit 1903 führte der Eigentümer die Decken auf beiden Seiten rot-golden. Die Wappenbeschreibung findet sich in Siebmacher, Band Bg5, S. 23, T. 27 sowie Bg7, S. 22. Dieses Blatt gibt es in mehreren Farbvarianten, abgebildet sind ein rotbrauner Druck auf weißem Papier und ein schwarzer Druck auf grünlichem Papier, zwei Blätter, die sich außerdem durch den Text oben unterscheiden ("ex libris" bzw. "Bücherei"). Die Künstlersignatur befindet sich im linken Fall ganz rechts unten, desgleichen die Jahreszahl 1900. Beim rechten Blatt befinden sich Künstlermonogramm und die Jahreszahl 1913 innerhalb des Innenfeldes, offensichtlich eine spätere Umarbeitung mit dem gleichen Wappenaufriß. Optisch oben links ist noch jeweils das Stadtwappen Berlins zu sehen.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemens Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
Heraldischer Verein "Zum Kleeblatt" von 1888 zu Hannover e.V., Trägerverein der Niedersächsischen Wappenrolle (NWR): http://www.kleeblatt-heraldik.de/index.html, http://www.wappenkunde-niedersachsen.de/
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6
Kloster Engelberg:
http://www.kloster-engelberg.ch/ und http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8557.php
Abtei Schäftlarn:
http://www.abtei-schaeftlarn.de/
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6
Kleeblatt, Vereinsgeschichte:
http://www.kleeblatt-heraldik.de/vereinsgeschichte.html

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