Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (36)

Exlibris von Oskar Roick:
Dieses undatierte Bücherzeichen wurde entworfen von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926) für Wilhelm von Goertzke auf Großbeuthen. Der Wappenschild in Form einer asymmetrischen Tartsche ist in einem oben halbrund geschlossenen Innenrahmen mit seinem Riemen schräg an einem Eichenbaum aufgehängt, rechts und links von landwirtschaftlichem Gerät wie Spaten, Pflug, Sense, Sichel und Harke begleitet. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: AnhA Seite: 23 Tafel: 13, ferner im Band: Pr Seite: 146 Tafel: 192. Die Farben werden widersprüchlich angegeben: Der Schild zeigt nach der ersten angegebenen Quelle in Schwarz Kopf und Hals eines silbernen, oben mit drei Straußenfedern, einer roten zwischen zwei silbernen, besteckten Adlers. Nach der zweitgenannten Quelle ist die Schildfarbe silbern, weitere Farben werden nicht gegeben. Weitere Varianten bei v. Ledebur und bei v. Zedlitz. Im Rietstap wird die Feldfarbe als silbern angegeben, der Adlerkopf als naturfarben. Das Exlibris legt auch Silber als Feldfarbe nahe. Das hier nicht dargestellte Oberwappen wäre zu schwarz-silbernen Decken das Schildbild wachsend. Als Stammsitz der Familie wird Görtzigk bei Gröbzig in Anhalt angegeben. Ab dem 14. Jh. ist die Familie in der Mark Brandenburg anzutreffen. Ein berühmtes Familienmitglied war Hans Joachim von Goertzke, kurbrandenburgischer Oberst, General und Feldherrn unter dem Großen Kurfürsten, und ihm gehörte Friedersdorf. Der Familie gehörte ferner Kantow, Großbeuthen und Kleinbeuthen. Der Exlibriseigner Wilhelm von Goertzke war der letzte Rittergutsbesitzer auf Großbeuthen.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein heraldisches Exlibris ohne Jahresangabe, entworfen von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926) für Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg (126 x 86 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 3, 27; Gutenberg 9210). Über einem abgesetzten schmalen Schriftfeld trennt ein vor einer knorrigen Eiche in einem verzierten Rundbogen stehender Ritter mit Kettenhemd, Schwert und Adlerschild sowie Adlerfähnchen an der aufrecht abgestützten Lanze zwei separate, einander zugeneigte Vollwappen, die die beiden Stammwappen Westerburg (in Rot ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von 20 (4x 5 (2:1:2)) goldenen Kreuzchen, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein schwarzer Flug, belegt mit einer roten Scheibe mit einem durchgehenden goldenen Kreuz, dieses bewinkelt von je 5 (2:1:2) goldenen Kreuzchen) und Leiningen (in Blau drei (2:1) silberne Adler, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein grüner Obstbaum) repräsentieren. An dieser Stelle sei die Abstammung des in dieser Exlibrissammlung häufiger auftretenden Eigners gegeben:

  1. Reinhard III. v. Westerburg (- 22.12.1449), vermählt mit Margareta v. Leiningen (- 1470)
  2. Cuno I. v. Westerburg (23.10.1425 - 30.9.1459), vermählt mit Mechtild (Mathilde) v. Virneburg (- 9.4.1483)
  3. Reinhard I. Graf v. Leiningen-Westerburg (28.8.1453 - 1522), vermählt mit Zimeria v. Sayn (13.5.1469 - 2.6.1499)
  4. Cuno II. Graf zu Leiningen-Westerburg (27.9.1487 - 23.11.1547), vermählt mit Maria zu Stolberg-Wernigerode (8.12.1507 - 6.1.1571)
  5. Georg I. Graf v. Leiningen-Westerburg (23.4.1533 - 1586), vermählt mit Margarethe zu Isenburg-Birstein (- 8.8.1612)
  6. Christoph Graf zu Leiningen-Westerburg (30.9.1575 - 1635), vermählt mit Philippina Katharina Walpurgis zu Wied (- 1647)
  7. Georg Wilhelm Graf v. Leiningen-Westerburg (10.2.1619 - 1695), vermählt mit Sophia Elisabeth Gräfin zur Lippe-Detmold (31.3.1626 - 23.8.1688)
  8. Georg II. Carl Ludwig Graf v. Leiningen-Westerburg (1666 - 1726), vermählt mit Margaretha Christiana Augusta Gräfin v. Gyldenlöw-Daneskiöld-Laurvig (18.7.1694 - 8.7.1761)
  9. Georg Ernst Ludwig Graf v. Leiningen-Westerburg (3.5.1718 - 24.12.1765), vermählt mit Maria Luise Gräfin v. Wiser (10.4.1710 - 7.5.1773)
  10. Carl IV. Joseph Philipp Ludwig Ernst Graf v. Leiningen-Westerburg (1739 - 27.7.1797), vermählt mit Marie Friederike Wilhelmine Elisabeth Schmitthenner (22.5.1753 - 29.4.1828)
  11. Georg Carl V. August Graf v. Leiningen-Westerburg (27.8.1789 - 17.3.1865), vermählt mit Elisabeth Theodori (15.9.1791 - 1859)
  12. Thomas Hermann Adolph Graf v. Leiningen-Westerburg (30.1.1825 - 7.7.1887), vermählt mit Margaretha Josephine Spruner v. Mertz (8.4.1835 - 5.11.1917)
  13. Karl Emich Philipp Wilhelm Franz Graf v. Leiningen-Westerburg (15.9.1856 - 1906) - der Exlibris-Eigner

Die Grafen von Leiningen-Westerburg, deren Bücherzeichen hier beschrieben wird, sind eigentlich vom Stamm her Herren von Westerburg. Diese wiederum sind eine aus der Stammburg im 13. Jh. verdrängte Linie der Herren von Runkel, von denen Siegfried III. von Runkel durch Heirat einer Gräfin von Leiningen die Herrschaft Westerburg und die Vogtei Gemünden erhielt. Diese Linie nannte sich nun nach ihrer neuen Burg im Westerwald erst zusätzlich, dann allein Herren von Westerburg, denn Ende des 13. Jh. trennten sich die Linien zu Runkel und zu Westerburg endgültig voneinander.

Bei den Grafen von Leiningen müssen wir die älteren Grafen und die neueren unterscheiden. Die Alt-Leininger waren seit dem Ende des 11. Jh. nachweisbare fränkische Grafen, die im Wormsgau und im Nahegau ihre Güter hatten. Sie starben um 1220 mit dem in der Manessischen Liederhandschrift abgebildeten Minnesänger Friedrich (Emich) Graf v. Leiningen aus. Danach übernahmen Abkömmlinge der Grafen von Saarbrücken deren Rolle als jüngere Grafen von Leiningen, weil die Schwester und Erbin des genannten Minnesängers, Liutgarde (Lukardis) v. Leiningen (-1239), Simon II. Graf v. Saarbrücken geheiratet hatte. Ihre Kinder sind Simon III. Graf v. Saarbrücken und Friedrich I. Graf v. Leiningen (-1237), Begründer der neuen Grafenlinie zu Leiningen. Diese Linie nahm Namen und Wappen der Leininger an und bekam aus den Saarbrücker Gütern die Herrschaft Hardenburg, und zu Beginn des 13. Jh. erbte man noch die Reichsgrafschaft Dagsburg, ein Lehen des Bischofs von Straßburg. Das Haus Leiningen teilte sich nun in eine ältere Linie Leiningen-Dagsburg und eine jüngere Linie Leiningen-Hardenburg.

Durch Erbheirat kamen die Westerburger im 15. Jh. an Namen und Wappen der Leininger. Reinhard III. von Westerburg (-22.12.1449) war seit 1422 mit Margarethe verheiratet, der Schwester des letzten Grafen Hesso von Leiningen-Dagsburg (-8.3.1467), über welche die Familie den größten Teil des Territoriums der ausgestorbenen Leininger Grafen der älteren Dagsburger Linie erhielt, und danach kombinierte Enkel Reinhard IV. Namen und Wappen und wurde Reinhard I. Graf von Leiningen-Westerburg. Diese Grafen gliederten sich wiederum in die Zweige Leiningen-Leiningen (in seinen drei Unterzweigen erloschen 1635, 1665 und 1705), Leiningen-Westerburg (erloschen 1597) und Leiningen-Schaumburg, welche sich 1695/1705 in Leiningen-Westerburg-Altleiningen (im Mannesstamm erloschen 1929 mit Gustav Friedrich Oskar, gänzlich 1974) und Leiningen-Westerburg-Neuleiningen (erloschen 1956) teilte. Zu der letztgenannten Linie gehört der Eigner des hier vorgestellten Exlibris.

Dagsburg selbst fiel 1467 an die Linie Leiningen-Hardenburg, die 1466 die lothringische Herrschaft Aspremont erworben hatte, und die sich jetzt Leiningen-Dagsburg-Hardenburg (oder -Hardenberg) nannte. Diese teilte sich 1560 in die 1779 gefürstete Linie Leiningen-Hardenburg-Dagsburg mit heutigem Sitz in Amorbach und die im Grafenstand gebliebene Linie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg, deren unterschiedliche Zweige 1706, 1766, 1774, 1910 und schließlich 1925 mit Emich Karl Friedrich Wilhelm August Graf zu Leiningen Herr zu Billigheim (24.4.1839 -31.3.1925) als Letztem der ganzen Linie erloschen.

Es gab also parallel zwei Familien mit dem Namen Leiningen, wobei die einen von der Abstammung im Mannesstamm her Herren von Westerburg und ursprünglich von Runkel waren, die anderen ursprünglich Grafen von Saarbrücken.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein weiteres Exlibris für Otto Haak aus dem Jahr 1905, ein schwarzblauer Buchdruck auf getöntem Papier, entworfen von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926). Das Wappen zeigt in Rot ein goldenes Andreaskreuz, nach der Figur mit zwei schwarzen, schräggekreuzten Feuerhaken belegt. Auf dem Helm ein goldener Löwe wachsend zwischen einem roten Flug, einen schwarzen Feuerhaken schräg vor sich haltend. Die Helmdecken waren 1905 bereits auf beiden Seiten rot-golden (Siebmacher, Band Bg5, S. 23, T. 27 sowie Bg7, S. 22). Das Wappen ist frontal dargestellt und wird von einem halb knienden weiblichen Akt mit der Linken gehalten, während die Rechte eingestemmt ist. Diese Schildhalterin durchbricht die strenge Symmetrie der Komposition, ist aber in sich selbst ohne Vorzugsrichtung, weil der Körper zwar nach links gewendet ist, der gewendete Kopf aber leicht rechts aus dem Bild heraussieht. Zusätzlich steht der Schild noch einer Wandkonsole auf Stützen im Hintergrund auf. Die Schildhalterin kniet halb auf einer perspektivisch leicht in Aufsicht gezeichneten Bodenplatte, die das Feld mit der Nennung von Eigner und Datum unten abtrennt. Das Wappen wird von einem Oval gerahmt, welches nicht den ganzen Schild umfaßt, sondern sich mittig hinter diesem durchzieht. Der Raum zwischen diesem und dem rechteckigen Gesamtrahmen wird von üppigen Kirschblütenmotiven gefüllt, die über den Rand hinausragen.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein rechts und links eines Eisernen Kreuzes am unteren Blattrand die Jahreszahl 1914 tragendes heraldisches Exlibris, von der Hand des Künstlers Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926), entworfen für die Familie Mylius aus Hamburg - Othmarschen. Das Wappen Mylius zeigt in Silber die untere Hälfte eines blauen Mühlrades, aus dessen Nabenöffnung oben drei rote, gestielte und beblätterte Rosen hervorwachsen, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender roter Greif, ein Spindelrad (Teil eines Mühlengetriebes) pfahlweise zwischen den Fängen haltend (Farben nach einem analogen Blatt ergänzt). Zur Diskussion der Literaturstellen zu "Mylius" vgl. das korrespondierende Blatt in der Sammlung 39. In der unteren optisch rechten Ecke ist die Devise zu finden: "Mit Gott muthig vorwärts". In der gegenüberliegenden Ecke ist das Wappen der Stadt Hamburg als Hinweis auf den beruflichen Hintergrund des Eigners zu finden (in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern). Das Wappen ist eingepaßt in eine gotisierende Ornamentik mit geschweiftem Blendspitzbogen auf zwei Säulen, wobei die Zwickelfelder mit Eichenlaub gefüllt sind. Eine gezinnte Brustwehr bildet den oberen Abschluß des Blattes.

Exlibris von Oskar Roick:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926) für Henry Presch aus Hamburg (Witte, Bibliographie 3, 27; Gutenberg 38.693). Mit vollständigem Namen hieß der Eigner John Ludwig Henry Presch, und er entstammte einer Niederlausitzer Familie, die im Landkreis Guben beheimatet war und sich von da in der Lausitz ausbreitete. Ein Zweig der Groß-Drenziger Linie breitete sich zu Beginn des 19. Jh. nach Hamburg aus, und dieser entstammte der Eigner, ein Nachfahr des Johann Martin Presch, gest. 8.8.1830, welcher die Hamburger Linie begründete. Die Künstlersignatur ist sehr versteckt; sie ist an der Pfeilerbasis unter dem Adler am optisch rechten Bildrand zu finden. Auf der Brüstung vor einer rund ausgeschnittenen Vedoute des Hamburger Stadtbildes (der Eigner wohnte in der Katharinenstraße 36) sitzt eine Hermesfigur, nur mit einem Hüfttuch bekleidet, auf dem Kopf den geflügelten Helm, in der Linken den von zwei sich anblickenden Schlangen umwundenen Flügelstab, den rechten Unterarm auf den Schild gelegt, ein sehr lässiger Schildhalter. Der linke der beiden in geflügelten Sandalen steckenden Füße ist auf einem mit dem Monogramm HP für den Eigner gezeichneten Warenballen abgestützt, der rechte auf einem Quaderstein. Neben dem Wappen ist ein Anker mit um den Schaft gewundener Kette zu sehen. All das illustriert das berufliche Umfeld des Kaufmanns Henry Presch. Das Wappen Presch, im Siebmacher Band: Bg13 Seite: 33 Tafel: 23 unter Bezugnahme auf genau dieses Exlibrisblatt mit den hier wiedergegebenen genealogischen Angaben beschrieben, zeigt in Rot eine goldene Birke mit schwarz-silbernem Stamm, auf goldenem Boden wachsend, überdeckt von einem silbernen Schräglinksbalken. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken vor einem goldenen Ährenbündel schräggekreuzt ein schräglinks gelegter silberner Anker und ein schrägrechts gelegtes, silbernes, goldengegrifftes Schwert, verschränkt mit einer aufgerichteten, mit der Schneide nach rechts gerichteten, rot gegrifften, silbernen Sichel. Der Eigner beschäftigte sich intensiv mit der Familiengeschichte und verfaßte einige Publikationen dazu, worauf die Rückenbeschriftung der neben dem Hermes aufgestellten Bücher Bezug nimmt. Zwei weitere Wappenschilde in den oberen beiden Ecken mit Regionalbezug ergänzen die Komposition, heraldisch oben rechts ist der gewendete Schild der Markgrafschaft Niederlausitz, in Silber ein schreitender, roter Stier, gegenüber das Wappen der Stadt Hamburg, in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern. Die Devise unterhalb des Familienwappens lautet: "Treu in Pflicht, wahr in Rat, fest in Tat".

Exlibris von Oskar Roick:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Oskar Roick (28.3.1870-11.12.1926) für Heinrich Theodor von Kohlhagen (30.4.1885-18.4.1918). Das unten rechts im Druck signierte Blatt enthält größtenteils eine Szene voller Ritterromantik, gerahmt von einem oben halbrund geschlossenen Rahmen mit Rosenzweigen in den Zwickeln. Im Hintergrund liegt eine Burg mit Turm, einem Turmhaus mit romanischen Zwillingsfenstern im ersten Geschoß und einem darüberliegenden Wehrgeschoß mit nach außen klappbaren Holzläden, auf Maschikulis vorkragend, links führt eine Steinbrücke über einen Graben zum verschlossenen Burgtor, darüber eine offene Galerie. Die Ecke wird von zwei Strebepfeilern verstärkt. Aus dem rechts im Hintergrund befindlichen Wald reitet ein Gerüsteter, eine nicht zum Familienwappen passende Helmzier auf einer Schaller befestigt, eine Lanze in der Rechten senkrecht emporhaltend. Eine Tartsche mit Lanzenruhe ist am linken Oberarm befestigt. Auch das Pferd ist an Brust, Kopf, Nacken und Hinterteil schwer gepanzert; das Zaumzeug ist besonders prächtig gestaltet, man beachte insbesondere die breiten, bandartig verzierten Zügel. Das Familienwappen im optisch linken unteren Eck, einwärts gewendet, wird angesichts dieses prächtigen Aufzuges fast zur Nebensache. Der Schild ist golden-blau gespalten, rechts ein rechtsaufspringender roter Löwe, links ein mit drei roten Rosen belegter silberner Schräglinksbalken, hier komplett gespiegelt (vgl. Siebmacher Band: Bay Seite: 90 Tafel: 106). Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender roter Löwe zwischen einem blauen Flug, jeder Flügel mit dem mit drei roten Rosen belegten silbernen Schrägbalken belegt, rechts schräglinks, links schrägrechts. Des Eigners Vorfahr Theodor Kohlhagen, königlich-bayerischer Landrichter zu Nürnberg, war am 27.4.1825 von König Max I. von Bayern in den Adelsstand erhoben worden. Der Eigner selbst, bekannt als aus Nürnberg stammender Heraldiker, Genealoge und Historiker und Autor zahlreicher Fachpublikationen (vor allem in den heraldisch-genealogischen Blättern des Vereins St. Michael, z. B. über Nürnberger Geschlechterwappen, über die Geschichte der heraldischen Helme, über den Uradel Altbayerns, über die Familie Oelhafen, aber auch über Burgen wie Burg Freyenfels und Schlösser wie Dennenlohe), war der Sohn von Theodor Wilhelm Arnold Philipp von Kohlhagen, königlich-bayerischer Bahn-Ober-Expeditor, und dessen Frau Christine Friederike Therese Oelhafen von und zu Schoellenbach. Sein Forschungsschwerpunkt war Franken, insbesondere Nürnberg (wo im GNM sein Nachlaß aufbewahrt wird) und Bamberg sowie die Oberpfalz. Er zählt zu den Gründern des Vereines St. Michael (Verein deutscher Edelleute) im Jahre 1905.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahre 1890, entworfen von Adolf M. Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für die Bibliothek des Neufville'schen Familien-Archivs zu Frankfurt am Main (107 x 76 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4222; Leiningen-Westerburg 47). Das zentrale Vollwappen der de Neufville zeigt einen roten, mit einem goldenen, von vier silbernen Zinnentürmen bewinkelten Schragen (Andreaskreuz) belegten Schild, in der Mitte belegt mit einem blauen Stockanker. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender goldener Greifenrumpf mit rechtem goldenem und linkem rotem Flügel und roter Zunge. Die Devise lautet: NE VILE VELIS. In den beiden unteren Ecken werden Varianten des Wappenschildes abgebildet, alle nach heraldisch rechts geneigt, rechts unten das Wappen wie beschrieben, aber ergänzt mit einem silbernen rechten Obereck mit einer roten aufrechten Hand, die sog. "Red Hand of Ulster", ein Zeichen eines Baronets in der englischen Heraldik. Das erstaunt bei einer in Frankfurt verwurzelten Familie, doch Sir Robert de Neufville (1670-1735) wurde am 18.3.1709 oder 1711 je nach Quelle englischer Baronet, erster, einziger und letzter dieses Namens. Der Schild gegenüber zeigt eine andere Variante des Familienwappens, wie oben beschrieben, darauf ein blauer Herzschild mit einem aufrechten, silbernen Stockanker. Ein weiterer Schild oben rechts ist golden mit einem roten, verflochtenen Schräggitter (Rietstap gibt "d'or fretté de gueules" als älteres Wappen der de Neufville zu Amsterdam an und das mit den Türmen als neueres Wappen), gegenüber ein roter mit einem goldenen Schragen (so ein Wappen führte laut Rietstap die Familie Neufville gen. Mensart, die ebenfalls wie die anderen de Neufville ursprünglich aus dem Artois stammt, "de gueules au sautoir d'or"). Die aus dem Artois kommend über Belgien und die Niederlande schließlich nach Deutschland eingewanderte Frankfurter Bankiersfamilie wird ausführlich in der Exlibris-Sammlung 20 diskutiert.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Ein relativ kleines und in seiner Detailfülle im Druck schlecht aufgelöstes heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Adolf M. Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für den Bankier Alfred von Neufville (1856–1900) aus Frankfurt am Main, aus der gleichen Familie wie zuvor (52 x 37 mm, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 25.668; Leiningen-Westerburg 39). Das zentrale Vollwappen der de Neufville zeigt einen roten, mit einem goldenen, von vier silbernen Zinnentürmen bewinkelten Schragen (Andreaskreuz) belegten Schild, darauf ein blauer Herzschild mit einem aufrechten, silbernen Stockanker. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender goldener Greifenrumpf mit roten Flügeln und roter Zunge. Man beachte die unterschiedliche Tingierung der Flügel im Vergleich zu dem vorherigen Blatt. Die Devise lautet: NE VILE VELIS. Hier ist die Ausführung besonders prunkvoll mit zwei goldenen, rot geflügelten Greifen als Schildhaltern und zwei an Lanzen befestigten Fähnchen hinter dem Wappen, beide zeigen in Gold ein rotes, verflochtenes Schräggitter, welches Rietstap als das ältere Wappen der de Neufville angibt, welches hier als Zusatzmotiv eingebaut wird. Das Wappen der Neufville wird beschrieben im Siebmacher Band: Frkft Seite: 8 Tafel: 8, Band: Pr Seite: 56 Tafel: 72, Band: Pr Seite: 279 Tafel: 330, Band: PrE Seite: 140 Tafel: 119, Band: PrE Seite: 212 Tafel: 184, Band: Na Seite: 7 Tafel: 8, ferner im Rietstap (siehe dort auch: van Gelder de Neufville). Auch hier sei auf die ausführliche Diskussion in der Exlibris-Sammlung 20 verwiesen.

Exlibris von Alexander von Dachenhausen:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1900, entworfen von Alexander von Dachenhausen (5.9.1848-3.11.1916) zu Wien für "Alfr(ed) Frhrn. v. Dachenhausen Beamter D(er) Privil(egierten) Oest(erreichisch-).Ung(arischen). Staats-Eisenb(ahn). Ges(ellschaft).", also für sich selbst (115 x 105 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 1, 144; Thieme-Becker 8; nicht bei Gutenberg). Das Künstlermonogramm befindet sich optisch rechts neben den Zipfeln der linken Helmdecke. Dieses Blatt ist eines von mehreren des Künstlers, die in radikaler Klarheit geometrische Formen der Gotik als Rahmen für ein im frühen Stil dargestelltes Wappen verwenden, wobei hier im Rahmen aus sich überlagerndem Rundbogen-Dreipaß und Dreieck ganz im Stile früher gotischer Helmsiegel nur der Helm mit Helmzier wiedergegeben wird, was dadurch möglich ist, daß die Helmzier ein Hilfskleinod ist, welches das Schildbild aufgreift, so daß jenes unterschlagen werden kann. Der nicht dargestellte Schild der Freiherren von Dachenhausen wäre unter rotem Schildhaupt silbern-schwarz geschacht. Hier sehen wir nur den Helm mit - äußerst reduzierten - schwarz-silbernen Decken und auf demselben ein wie der Schild bezeichneter, hier offener Adlerflug (Beschreibung im Siebmacher Band: Han Seite: 19 Tafel: 21 und PrE Seite: 45 Tafel: 37, ferner im alten Siebmacher von 1605 und im Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von Dr. H. Grote). Der Eigner wohnte während seiner Wiener Zeit 1881 in der Neudeggergasse 10. Sein Lebenslauf ist von diversen Positionen beim Militär und in der Zivilverwaltung geprägt, erst sieht man ihn seit 1864 im einem hannoverschen Kadettencorps; als Leutnant nahm er 1866 an der Schlacht von Langensalza teil. Danach studierte er Geschichte und Nationalökonomie in Göttingen. Der Krieg 1870/71 rief ihn wieder unter die Fahnen Preußens als Offizier, aus diesem Krieg kehrte er als Invalide zurück. 1876 war er preußischer Leutnant a. D. Neben diversen Posten in der Zivilverwaltung widmete er sich nun besonders den heraldisch-genealogischen Forschungen und war u. a. 1880-1894 als Redakteur des Genealogischen Taschenbuchs der Adeligen Häuser tätig. 1903-1908 war er Archivar in Brüssel in Diensten des Herzogs von Arenberg.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris ohne Datierung, entworfen von Ernst Krahl (26.10.1858-22.11.1926) für die Familie von Hubka (100 x 51 mm, vierfarbiger Rasterdruck, Witte, Bibliographie 2, 127; Thieme-Becker 21; nicht bei Gutenberg). Das Geschlecht der von Hubka stammt ursprünglich aus Böhmen. Der Schild zeigt in Blau eine silberne Schräglinksleiste, begleitet von fünf (2:3) entlang der Figur pfahlweise gestellten, silbernen, golden gegrifften Schwertern. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken fächerförmig fünf nach links wehende, dreieckig geschnittene Fähnchen in den Farben blau-silbern-blau-silbern-blau an golden geschäfteten Turnierlanzen mit silbernen Spitzen, die Schwenkel jeweils um die Stange geschlungen. Das Wappen findet sich weder im Siebmacher noch im Rietstap. In dieser Form ist das auch nicht das ursprüngliche Wappen der Familie. Seit 1506 führten sie in Blau einen mit drei goldenen Sternen belegten Schrägbalken, beiderseits besteckt mit zwei gegeneinander gekehrten roten Lilien und auf dem Helm mit blau-roten Decken einen wie der Schild bez. Adlerflügel (Wappenbrief vom 4.7.1506, ausgestellt zu Ofen). Das Wappen blieb auch noch so, als Gustav Hubka 1895 den altböhmischen Ritterstand mit dem Zusatz "von Czernczitz" anerkannt bekam, was 1905 widerrufen wurde. 1917 wurde das Wappen radikal zu der hier gezeigten Form geändert, wobei allenfalls noch die Farbe Blau vom alten Wappen übrig blieb. Das entsprechende Diplom datiert vom 8.12.1917, die Begünstigten waren die Söhne des obengenannten Gustav Hubka (Gustav, Heinrich, Karl und Alfred, allesamt als Offiziere beim Militär dienend) und dessen Witwe Josephine. Unter dem Schild zieht sich das Schriftband mit der Devise entlang: "Preis Gott allzeit". Damit liegt die Entstehungszeit des Blattes zwischen 1917 und 1926. Das Wappenmotiv selbst bedingt eine unbefriedigende Platzaufteilung, die Kombination der schmalen senkrechten Elemente mit dem Schräglinksbalken verschenkt viel Platz und überzeugt gestalterisch nicht. Dieser konzeptionelle Fehler ist der Hofkanzlei anzulasten, nicht dem aufreißenden Künstler, dessen Virtuosität sich bei der Gestaltung der Decken und der Helmzier zeigt.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Rietstap/Rolland
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Leiningen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leiningen-Westerburg
Genealogien Leiningen-Westerburg:
http://genealogy.euweb.cz/runkel/runkel2.html,
Genealogien Leiningen-Westerburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_des_Hauses_Runkel
Genealogien Leiningen Westerburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_des_Hauses_Leiningen-Westerburg
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 365-369, S. 779
Leiningen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leiningen-Westerburg,
Leiningen:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz50010.html
Herrschaft Westerburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Westerburg
Leiningen-Westerburg: Siebmachers Wappenbücher Band Gf, Seite: 20-24, Tafel: 39-52 etc.
Johann Georg Lehmann, Geschichte und Genealogie der Dynasten von Westerburg aus Urkunden und anderen archivalischen Quellen, Verlag Roth, Wiesbaden 1866,
http://books.google.de/books?id=0JVAAAAAcAAJ
Lebenslauf A. v. Dachenhausen und H. v. Kohlhagen: Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6
Besitzungen der von Goertzke:
http://www.kulturverein-grossbeuthen.de/Veranstaltungen.html
Hubka: Monographie über die Familie
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/3343-lex-hubka-1917.html
Hubka: Wiener Genealogisches Taschenbuch Bd. 1, 1926, S. 108; Bd. 6, 1934, S. 82, Bd. 8, 1937, S. 85.
Hubka: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Bd. 5, 1984, S. 398.
H. v. Kohlhagen, Publikationen:
http://opac.regesta-imperii.de/lang_en/autoren.php?name=Kohlhagen%2C+Heinrich+Theodor+von
Neufville:
http://www.leighrayment.com/baronetage/baronetsD1.htm - http://books.google.de/books?id=Q6D1BnVPg48C.......e

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