Bernhard
Peter
Historische
heraldische Exlibris (5)
Exlibris
von Paul Voigt:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1903, entworfen von Paul Voigt (1859-1924) für Walter von
Zurwesten. Die Graphik ist ganz unscheinbar signiert,
aber an prominenter Stelle datiert. Das Vollwappen ist in einem
Arrangement mit Schwert, an dem eine Balkenwaage mit zwei
Waagschalen hängt, und einem Spruchband nach heraldisch links
gewendet. Das Wappen zeigt in Blau einen schräglinken silbernen
Fluß (Wellenschräglinksbalken), oben eine ebenfalls
schräglinks gelegte goldene Lilie, unten ein goldener Stern.
Helmzier nach dem Siebmacher, Band Bay Seite: 126, Tafel: 156 ein
Flug in Farben und Figuren des Schildes. Hier abweichend ein
Stern zwischen einem Flug. Helmdecken blau-silbern. Hier ist das
Wappen komplett gewendet. Die Familie wurde geadelt von Kaiser
Franz II 1796. Die beiden gemeinen Figuren des Wappenschildes,
Stern und Lilie, tauchen je einmal auf den Enden des
Schriftbandes und rechts und links der Worte "Ex
libris" noch einmal auf.

Exlibris
von Richard Sturtzkopf:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1903, entworfen von Richard Sturtzkopf (8.4.1873-19..)
für Edgar Böcking. Richard Sturtzkopf war
Architekt. Unter dem Wappen, das in einen üppig gestalteten
Rahmen aus Säulen und Neo-Renaissance-Ornamentik eingebettet
ist, befinden sich die Signatur und die Datierung in römischen
Ziffern. Davon abgesetzt ist das Eignernamensfeld unten. Das
Wappen Böcking ist im Siebmacher, Band Bg10, Seite: 2, Tafel: 2,
beschrieben: In Gold ein blauer Schräglinksbalken, begleitet
beiderseits von einem naturfarbenen Fisch. Auf dem Helm ein
offener Flug, rechts golden, links blau, Helmdecken blau-golden.
Die Familie hat zwei Zweige, einer in Trarbach (Mosel) und einer
in Kirn (Nahe). Neben dieser Variante lassen sich noch andere
Wappen, ohne den Schrägbalken, mit zwei Fischen nachweisen.
Edgar Böcking wurde 1861 in Verviers als Sohn von Albert
Böcking (1814-1876) aus der Trarbacher Linie geboren. Es gibt
eine familiäre Verbindung mit den Sturtzkopf.

Exlibris
von Richard Sturtzkopf:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1902, entworfen von Richard Sturtzkopf (8.4.1873-19..)
für Hellmut von Tautphoeus. Das mit üppigen
Helmdecken ausgestattete Vollwappen, das rechts und links der
Helmzier von einem Spruchband mit den Worten "MENS IMMOTA
MANET" begleitet wird, der unten inhaltlich fortgesetzt wird
"NUNQUAM RETRORSUM", schwebt über einer Stadtansicht
des historischen Ansbach. Unter der unteren Inschrift ist das
Exlibris signiert und datiert. Das Wappen Tautphoeus zeigt in
Blau zwei silberne, schräggekreuzte (ins Andreaskreuz gesetzte)
Pilgerstäbe, in jedem Winkel von einer silbernen Jakobsmuschel
begleitet (von vier silbernen Pilgermuscheln bewinkelt). Auf dem
gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, blau
gekleideter Pilger mit Pilgerstab in der Rechten und mit der
Linken an der umhängenden Pilgertasche, mit Pilgermuscheln auf
Hutkrempe und Kragen, zwischen einem silbern-blau übereck
geteilten offenen Flug. Das Wappen ist beschrieben im Siebmacher,
Band Bay, Seite: 60, Tafel: 64, PrGfN, Seite: 24, Tafel: 18.
Früher hieß die bayrische, ursprünglich aus Schweden
stammende, zu Schlachtegg und Trugenhofen (Ortsteil von
Dischingen) begüterte Familie Jacobi von Tautphoeus. Sie wurden
am 30.12.1714 Reichsritter, am 4.7.1792 unter Kurfürst Karl
Theodor Freiherren, was durch König Maximilian I von Bayern am
26.4.1817 bestätigt wurde. Hellmut von Tautphoeus war in Ansbach
Regierungsrat
und Bezirksamtmann.

Exlibris
von Oskar Roick:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1910, entworfen von Oskar Roick (1870-1926), Berlin,
für Freifrau v. Tautphoeus geb. Clanner
v. Engelshofen. Das Exlibris ist dreigeteilt; die Zone
mit den einander zugewendeten Einzelwappen beider Eheleute wird
unten begleitet von der Schriftzone, die die Eignerin nennt, und
oben von einem dachartigen Aufsatz in gotisierenden Formen,
optisch rechts oben drüber eine Ansicht von Prag, links eine
Ansicht von "Hostacov" = Tachov, Tachau im westlichen
Böhmen. Das Wappen Tautphoeus zeigt in Blau zwei silberne,
schräggekreuzte Pilgerstäbe, von vier silbernen Pilgermuscheln
bewinkelt. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein
wachsender, blau gekleideter Pilger mit Pilgerstab in der Rechten
und in der Linken eine Pilgerflasche haltend, mit Pilgermuscheln
auf Hutkrempe und Kragen, zwischen einem silbern-blau übereck
geteilten offenen Flug.

Das Wappen der Ritter Clanner von Engelshofen ist von Silber und Blau schräggeteilt (hier nur eine dünne Linie im ansonsten damaszierten Schild) mit einem pfahlweise gestellten, goldenen Pfeil, der eine blaue Spitze und silbernen Flitsch hat. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender Mohr mit von Silber und Blau schräggeteiltem Gewand, in der Rechten einen goldenen Pfeil mit blauer Spitze und silbernem Flitsch haltend. Die Familie kommt aus Bayern und Österreich, vor allem aus dem Raum Salzburg. Das Wappen ist beschrieben im Siebmacher, Band Bay, Seite: 72, Tafel: 80, wo sich aber Text und Abbildung hinsichtlich der Farbabfolge widersprechen. Hier wird die Farbabfolge der Zeichnung gegeben, desgleichen den Angaben der Familie entsprechend (http://www.vonclanner.de/index.shtml). Ferner wird die Teilung im Siebmacher Bayern als schräglinks angegeben und als schrägrechts abgebildet. Hier ist sie eindeutig schrägrechts. Im Siebmacher Bayern wird alternativ der Mohr mit gespaltenem Gewand abgebildet, im vorliegenden Fall unzutreffend. Das Wappen wird ferner unter dem Namen "Klaner" beschrieben im Siebmacher, Band Salz, Seite: 31, Tafel: 12, wo die Farbabfolge von Bild und Text übereinstimmt, die Teilung aber als schräglinks angegeben wird und der Pfeil in verwechselten Farben angegeben wird.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1917, entworfen von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1939)
aus München, für Freifrau Marietta v. Tautphoeus.
Die Künstlersignatur befindet sich ganz rechts unten und teilt
die Jahreszahl. Das Vollwappen (in Blau zwei silberne,
schräggekreuzte Pilgerstäbe, von vier silbernen Pilgermuscheln
bewinkelt. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein
wachsender, blau gekleideter Pilger mit Pilgerstab in der Rechten
und der Linken an der Pilgerflasche, mit Pilgermuscheln auf
Hutkrempe und Kragen, zwischen einem silbern-blau übereck
geteilten offenen Flug) ist in einen Vierpaß eingefügt, was die
seitlich angeordneten Helmdecken breit und kurz werden läßt, um
die Form optimal auszufüllen. Das Wappen ist in den vier
verbleibenden Ecken bewinkelt von je einem
Edelweiß-Blütenstand. Diese typischen Alpenblumen passen zu den
Wurzeln der Familie im Salzburgischen.

Exlibris
von Georg Otto:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1898, entworfen von Georg Otto (1868-1939) aus Berlin,
für Otto Haak. Die Künstlersignatur befindet
sich ganz rechts unten, desgleichen die Jahreszahl. Es handelt
sich um eine sehr dynamische Darstellung mit im Halbprofil
herausgedrehten, nach vorne geneigten Helm mit ungezaddelter,
tuchartiger, groß dimensionierter Helmdecke, die beiderseits
über die Randbegrenzungslinien hinausweht. Stechhelm und
geschlossenes Tuch als Helmdecke entsprechen nicht der gewohnten
stilistischen Einheit, sondern sind hier Ausdruck
historisierender künstlerischer Freiheit.

Das Wappen zeigt in Rot ein goldenes Andreaskreuz, nach der Figur mit zwei schwarzen Feuerhaken belegt. Auf dem Helm ein goldener Löwe wachsend zwischen einem roten Flug, einen schwarzen Feuerhaken pfahlweise vor sich haltend. Die Helmdecken werden zuerst rechts rot-golden und links schwarz-golden angegeben, seit 1904 führt der Eigentümer die Decken auf beiden Seiten rot-golden. Die Wappenbeschreibung findet sich in Siebmacher, Band Bg5, S. 23, T. 27 sowie Bg7, S. 22.

Exlibris
von Alexander von Dachenhausen:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1902, signiert mit den Initialen "A" und
"D" = Alexander von Dachenhausen (1848-1916), für
Adolf Bachofen von Echt sen. Die
Künstlersignatur befindet sich rechts unten ganz klein im
Schnörkelwerk, die Jahreszahl aufgeteilt rechts und links des
Schildfußes. Oben ist noch die Devise "Respice finem"
- "denk an das Ende" zu lesen. Zum Bügelhelm ist hier
eine stilistisch befremdliche Helmdecke gezeichnet, ein zu beiden
Seiten mantelartig gerafftes Tuch, ein Mischmasch aus Helmdecke
und Wappenmantel, stilistisch überhaupt nicht überzeugend.
Solche Decken waren im klassizistischen Stil Mode, passen hier
aber nicht zum Rest und sollten keineswegs als Vorbild dienen.
Das Wappen der Bachofen von Echt zeigt auf einem Grund schreitend
ein Lamm. Auf dem gekrönten Helm das Lamm wachsend zwischen
einem Flug. Im Siebmacher wird das Wappen unter
"Bachoff" und "Bachof" beschrieben in den
Bänden Sa, Seite: 7, Tafel: 6, Pr, Seite: 34, Tafel: 39, Pr,
Seite: 77, Tafel: 99, und SchwA, Seite: 4, Tafel: 2. Die Farben
werden wie folgt angegeben: In Blau auf grünem Dreiberg (auch
ohne) schreitend ein silbernes Lamm. Auf dem gekrönten Helm das
Lamm wachsend. Helmdecken blau-silbern. Diesen Farben wird der
Druck durch die assoziierten Farben in keiner Weise gerecht. Ein
Flug in der Helmzier wird im Siebmacher nicht erwähnt. In der
Literatur werden erwähnt ein Wappenbrief vom 24.3.1532,
Erlangung des Reichsadels 1683, Freiherrenstand 1691, eine Linie
wurde am 24.3.1752 in den Grafenstand erhoben. Bachofen und Echt
sind Güter bei Roermond. Bei Tyroff wird das Lamm ohne Grund
oder Dreiberg abgebildet.

Exlibris
von F. Junginger:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1901, signiert F. Junginger, Wien, für die Familie Hoefken
von Hattingsheim. Der Zusatz "von
Hattingsheim" wurde 1890 Rudolf Hoefken (9.7.1861 -
13.10.1921) verliehen, Regierungsrat und bekannter Numismatiker
in Wien, 1902-1913 Präsident des Clubs der Münz- und
Medaillenfreunde bzw. der österreichischen Gesellschaft für
Münz- und Medaillenkunde, Gründer und Herausgeber der Archivs
für Brakteatenkunde (http://www.biographien.ac.at/oebl_2/353.pdf). Sein Vater Gustav Hoefken (14.7.1811 - 14.7.1889)
stammt aus Hattingen und zog nach Wien. Künstlersignatur und
Datum befinden sich ganz unten etwas abgesetzt. Das Exlibris ist
nicht durch Angabe eines Vornamens personalisiert und bietet
unter der Wappenzone ein Feld für eigene Einträge. Unter dem
zentralen Wappen befindet sich die Devise "Veritas".
Das Wappen (in Blau ein goldener aufrechter Eichenzweig, zwei
gekrönte Helme mit blau-goldenen Decken, beide mit einem
geschlossenen Flug, rechts von Silber und Blau übereckgeteilt,
links von Blau und Silber) wird begleitet von vier Wappenschilden
mit einem Familienwappen und drei in der Familiengeschichte
wichtigen Städten: Rappold (auch Rappolt,
gespalten, vorne rot, hinten in Silber zwei blaue Schrägbalken,
Helmzier zwei Büffelhörner wie der Schild, Decken
rot-silbern/blau-silbern), Stadt Hattingen (in
Gold - früher, heute Blau - der Hl. Georg in silberner Rüstung
mit goldenem Nimbus, auf silbernem, rot gezäumtem Pferd, mit
silberner Lanze einen grünen Lindwurm erstechend, im Siebmacher
von 1885 noch mit goldenem Feld, 1909/1911 erst offiziell und mit
blauem Feld, vgl. http://www.hattingen-pur.de/unser_hattingen/wappen_farben.htm), Stadt Augsburg
(in von Rot und Silber gespaltenen Schild eine grüne Zirbelnuß
auf einem goldenen, seit 1985 ebenfalls grünem Kapitell) und Stadt Wien (in Rot ein silbernes Kreuz).

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1896 von Prof. Adolf Matthias Hildebrandt (1844-1918)
für Carl G. F. Langenscheidt. Künstlersignatur
rechts unten, ohne Datierung. Der fünffarbige Buchdruck zeigt
das blau-goldene Familienwappen unter einem Spruchband mit der
roten Devise "Ohn' Fleiß kein Preis" innerhalb einer
schwarz-weißen ornamentalen Umrankung. Das Wappen zeigt in Blau
eine von einem goldenen Strahlenkranz umgebene schwarze, silbern
gradierte Weltkugel, teilweise überdeckt von einem silbernen
Wolkenschildfuß. Auf dem silbern-golden bewulsteten Helm mit
blau-silbernen Decken zwei goldene, beblätterte Zweige mit roten
Früchten. Carl G. F. Langenscheidt lebte 12.1.1870 - 7.6.1952
und ist einer der bekanntesten deutschen Verleger in den
Bereichen Sprachen, Sprachkurse, Wörterbücher, Wissen, Reisen
und Kartographie. Er war der Sohn des Verlagsgründers Gustav
Langenscheidt und übernahm die Leitung des Unternehmens 1895.

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1903 von Prof. Adolf Matthias Hildebrandt (1844-1918)
für Max von Johnston. Künstlersignatur rechts
unten im Zentralfeld, Datierung prominent unter dem Eignernamen.
Unter dem Zentralfeld wir der Standort der Bibliothek auf Schloß
Rathen angegeben. Der florale Rahmen ändert seinen Charakter im
oberen Drittel in den zweier Disteln mit je zwei Blüten. Schloß
Rathen - damit ist Niederrathen (polnisch Ratno Dolne) in
Niederschlesien bei Wünschelburg gemeint. Burg bzw. Schloß
Rathen hat eine wechselvolle Besitzgeschichte: von Muschcin
(Moschen), von Pannwitz, von Reichenbach, von Sebottendorf,
Paschasius von Osterberg etc. 1761 kam es an den Kommerzienrat
Leopold Genedel, dessen Erben veräußerten es 1854 an Woldemar
von Johnston, dessen Sohn Maximilian von Johnston der Besitzer
des gezeigten Exlibris ist. Seine Witwe. übertrug Rathen
wiederum an die Familie von Blanckart. Das Wappen, beschrieben im
Siebmacher, Band Bö, Seite: 230, Tafel: 100, OstN, Seite: 85,
Tafel: 55, Pr, Seite: 187, Tafel: 236, zeigt in Silber mit rotem
Schildhaupt mit drei balkenweise gelegten, viereckigen,
bequasteten, goldenen Kissen ein schwarzes Andreaskreuz. Auf dem
gekrönten Helm mit rechts rot-goldenen und links
schwarz-silbernen Decken ein goldener, mit dem Rade aufwärts
gestellter Sporn zwischen einem rechts rot-golden und links
silbern-schwarz geteilten offenen Flug. Die Familie stammt aus
Schottland, daran erinnern die Disteln. Rudolf Sebastian von
Johnston und Kroegeborn (1683-1756), Erbherr auf Peterwitz, wurde
von Kaiser Karl VI am 18.6.1733 in den böhmischen Ritterstand
erhoben.

Literatur,
Quellen und Links:
Deutsche
Exlibris-Gesellschaft: http://www.exlibris-deg.de/
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
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Copyright / Urheberrecht am Text: Bernhard Peter 2009
Die Abb. sind selbst angefertige Scans historischer Originale.
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de