Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (52)

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses Exlibris ist auf 1915 datiert und wurde von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) für die Bismarck-Bücherei Specht in Sachsenwald-Hofriede geschaffen, das eingedruckte Künstlermonogramm trennt am unteren Rand die Jahreszahl in zwei Ziffernpaare. Das Blatt enthält insgesamt vier Wappenschilde. Auf der Basis des Aumühler Bismarck-Turmes (von diesen Türmen gab es einst 240, wovon heute noch 173 erhalten sind) ist das Bismarck-Wappen selbst, in Blau drei (2:1) im Dreipaß angeordnete silberne Eichenblätter, in der Mitte ein goldenes Kleeblatt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken eine goldene Krone zwischen zwei blau-silbern übereck geteilten Büffelhörnern (Westfälisches Wappenbuch, Deutscher Wappenkalender 1930, Siebmacher Band: FstB Seite: 5 Tafel: 9, Band: FstB Seite: 5 Tafel: 11, siehe auch Band: PrE Seite: 152 Tafel: 131). Der zweite, erheblich kleinere Wappenschild weiter oben auf dem Schaft des Turmes gehört zur Familie Specht und ist geteilt, oben in Gold an einem schräggestellten braunen Eichenast mit nach rechts abstehenden grünen Blättern links ein rotbewehrter Schwarzspecht, unten in Blau zehn (4:3:2:1) silberne, sechsstrahlige Sterne. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre auf dem schwarz-golden-blau-silbern bewulsteten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links blau-silbernen Decken ein wachsender, nackter, wilder Mann, an Stirn und Hüfte laubumkränzt, in der erhobenen Rechten ein Eichenbruch mit drei grünen Blättern, die Linke eingestemmt.

 

Zwei weitere Wappenschilde befinden sich in den beiden oberen Ecken des Blattes auf dem den restlichen Raum rechts und links des Bismarck-Turmes füllenden, ornamental gestalteten Astwerks mit Eichenblättern, heraldisch rechts oben das Wappenbild des Herzogtums Lauenburg, innerhalb eines silbern-schwarz gestückten Bordes in Rot ein silberner Pferdekopf, gegenüber das Stadtwappen Hamburgs, in Rot eine silberne Burg mit drei Türmen, der mittlere Turm mit einem Kreuz auf der Spitze, über den beiden Seitentürmen je ein silberner Stern. Der ehemals im Herzogtum Lauenburg gelegene Ort Sachsenwald-Hofriede gehört heute zu Aumühle in Schleswig-Holstein. Diese Kombination der Wappen führt zu Emil Specht, dem der Villenort Sachsenwald-Hofriede gehörte (er hatte das Gelände von Otto von Bismarck gekauft) und der 1897 noch zu Lebzeiten des Verehrten den Bau des dortigen Bismarck-Turmes anregte, der innen eine Bismarck-Bibliothek im zweiten Stock und ein Bismarck-Museum im dritten Stock besitzen sollte. Eingeweiht wurde der Turm im Jahr 1901 in Anwesenheit von Fürst Herbert von Bismarck. Ganz oben war ein Wasserbassin von 90 Kubikmetern, darüber die Aussichtsplattform. Der 27 m hohe Turm, der an der Basis einen Umfang von 28 m hat und drei übereinanderliegende Rundbogenfenster besitzt, wurde 1898-1899 aus verputztem Ziegelmauerwerk unter Hermann Schomburgk erbaut, einem Architekt aus Hamburg. Seit 1962/63 hat im Turminneren die Gemeindebibliothek Aumühle ihr Quartier gefunden. Der Ort ist voller Bismarck-Erinnerungen wie z. B. auch einer Bismarck-Gedächtnis-Kirche, weil der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck von 1871 bis zu seinem Tod im Jahr 1898 im nahen Ortsteil Friedrichsruh gelebt hatte, wo heute Mausoleum und Museum an ihn erinnern und wo die Otto-von-Bismarck-Stiftung ihren Sitz im alten Bahnhofsgebäude hat. Emil Specht selbst war ein glühender Verehrer des ehemaligen Reichskanzlers. Im Innern des Turmes befindet sich ein ringsum gemalter Wappenfries mit den Wappenschilden aller Städte, in denen Otto von Bismarck Ehrenbürger war.

 

Zwei Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Diese beiden heraldische Exlibris, die sich sehr ähneln, aber nicht genau gleich sind, wurden von Adolf Matthias Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für den Grafen Georg Maria Stillfried von Raténic (geb. 28.12.1835 in Leipe) angefertigt, der am 6.6.1872 in Comorno Sophie Auguste Caroline Ida Tillgner von Sebottendorf (geb. 16.5.1843) geheiratet hatte. Beide Blätter stammen aus dem Jahr 1883, beide messen 107 x 79 mm, beide sind zweifarbige Lithographien, aber sie sind in unterschiedlichen Farben gedruckt, und im ersteren Fall sind die schwarzen Flächen schwarz ausgefüllt, im zweiten Fall mit der stellvertretenden Schraffur versehen. Auf dem ersten Blatt finden sich weder ein Künstlermonogramm noch eine Jahresangabe, beim zweiten Blatt ist das Künstlermonogramm optisch rechts unten zu erkennen. Im ersten Blatt stehen die vier Schilde in den vier Ecken schräg, im zweiten Blatt gerade. Die Grundkomposition und die Inhalte sind jedoch gleich. Das Eignerwappen ist jeweils einem Malteserkreuz aufgelegt, und um dessen Spitzen ist ein Schriftband geschlungen, was sich auch zwischen den Hörnern der Helmzier hindurchwindet und in den verschiedenen Abschnitten den Eigner nennt: Ex libris Comitis Georgii Stillfried de Ratenic (Witte, Bibliographie 2, 35, Thieme-Becker 17, vgl. Gutenberg 4241 und 4242, Leiningen-Westerburg 16).

 

Das Stammwappen der von Stillfried und Raténic ist golden-schwarz schräggeteilt, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken fünf (rechts drei, links zwei) fächerförmig gestellte, golden-schwarz schräggeteilte Fähnchen an goldenen Turnierlanzen zwischen zwei golden-schwarz übereck geteilten Büffelhörnern. Dieses Wappen wurde am 9.4.1499 von Kaiser Maximilian I. den Brüdern Georg und Jakob von Raténic und Neurode verliehen. Der genannte Georg ist der Stammvater aller freiherrlichen und gräflichen Linien. Die Familie hat eine österreichische freiherrliche Linie und zwei preußische Linien, jeweils eine freiherrliche und eine gräfliche, die auf drei Söhne von Frhr. Josef I. (gest. 1739) zurückgehen, nämlich auf die drei Brüder Emanuel (1725-1795), Michael (1726-1796) und Ignaz Franz (1734-1805). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bö Seite: 258 Tafel: 118-119 sowie im Band: Mä Seite: 149 Tafel: 108, schließlich noch im Band: Pr Seite: 29 Tafel: 32, Band: Pr Seite: 66 Tafel: 85 und Band: PrGfN Seite: 38 Tafel: 29, Band: ÖSchl Seite: 88-89 Tafel: 46. Der eigentliche Name des Geschlechtes ist Raténic (auch Ratenicz oder Rednicz), und so heißt auch das böhmische Stammgut. Der Name Stillfried leitet sich ab von Herzog Stojmir, von dem man eine Abstammung annahm, und ebenso machte man sich die Theorie zu eigen, daß der Stammsitz Stillfried im Marchfeld sei. Andere, insbesondere die vermehrten Formen des Wappens wurden bereits beim Exlibris für Mariette Freiin von Stillfried und Raténic beschrieben (Sammlung Seite 26).

   

In den Ecken befinden sich bei beiden Blättern jeweils insgesamt vier Schilde einer Ahnenprobe. Heraldisch rechts oben ist der Stammschild wie beschrieben, im ersten Fall einwärtsgeneigt, aber nicht gewendet, im zweiten Fall aufrecht, aber aus Courtoisie gewendet. Der Eigner, Georg Maria von Stillfried und Raténic, Dr. jur. und k. preuß. Regierungsrat, war der Sohn von Rudolph Maria Bernhard Graf Stillfried und Raténic, Grande von Portugal 1. Klasse und Graf von Alcántara (14.8.1804-9.8.1882) und dessen Frau Maria von Köckritz und Friedland (3.5.1799-13.12.1837) aus dem Hause Sürchen. Der Schild heraldisch oben rechts steht damit für den Großvater väterlicherseits, Carl Ignaz Maria Freiherr Stillfried und Raténic (20.10.1759-13.8.1846), Herr auf Kammendorf, Peterwitz, Nimmersatt und Osseg in Schlesien.

Der Schild heraldisch oben rechts (Abb. oben links) ist das Wappen der von Köckritz und Friedland, im von Blau und Silber gespaltenen Schild drei (2:1) goldene Lilien. Die hier nicht dargestellte Helmzier wären auf dem blau-silbern bewulsteten oder gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken zwei Büffelhörner, rechts blau, links silbern (Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 2, 1898, Siebmacher Band: OstN Seite: 95, Tafel 63). Die von Köckritz gehören zum Uradel des Voigtlandes und nennen sich nach dem gleichnamigen Ort bei Weida, südlich von Gera.

Der dritte Schild, heraldisch unten rechts, steht für Georgs Großmutter väterlicherseits, Theresia von Rottenberg und Endersdorf (24.10.1763-9.3.1822), Frau auf Buchwald und Chotiemircz. Er zeigt in Blau unter einem silbernen Sparren auf einem roten Dreiberg einen goldenen, sechszackigen Stern. In dieser Form wurde das adelige Wappen seit 1623 geführt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wären auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-goldenen Decken vier Straußenfedern in den Farben Blau-Gold-Silber-Rot.

Vorher hatte das alte Wappen dieser schlesischen Familie in Silber einen roten Dreiberg, belegt mit einer silbernen Rose, über demselben schwebend zwei rote Rosen. Im freiherrlichen Wappen wurde das Wappen von 1623 als Herzschild verwendet, während der Hauptschild quadriert war, Feld 1 und 2 hatte das alte Wappen von vor 1623, Feld 2 und 3 hatten in Blau einen silbernen Sparren. Dazu wurden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken sechs rote und sechs silberne Straußenfedern (vom alten Wappen), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Dreiberg. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 61 Tafel: 79, Band: Pr Seite: 336 Tafel: 390, Band: ÖSchl Seite: 66 Tafel: 36, Band: SchlA3 Seite: 106 Tafel: 6.

Theresia war die erste Frau von Carl Ignaz Maria Freiherr Stillfried und Raténic; sie hatten am 4.6.1827 in Brieg geheiratet. In zweiter Ehe hatte er am 30.11.1839 in Wien Gabriele Gräfin Wallis, Freiin zu Karighmain (8.11.1802-7.1.1858) und in dritter Ehe am 11.6.1859 in Breslau Caroline Gräfin von Mettich-Mohr, Freiin von Tschetschau (11.6.1815-31.5.1865) geheiratet, verw. Freifrau v. Wimmersberg, Erbfrau auf Selbitz und Strachau.

Der vierte und letzte Schild schließlich, heraldisch links unten, steht für die Großmutter des Bucheigners mütterlicherseits. Er ist geteilt, oben in Rot ein von drei (2:1) Sternen begleiteter Sparren, alle Figuren silbern, unten in Schwarz ein Löwe (noch nicht zugeordnet, Hinweise willkommen).

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Dieses heraldische Exlibris stammt von Adolf Matthias Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) und wurde für die Bibliothek der Grafen von Spee in Heltorf angefertigt (108 x 76 mm, Witte, Bibliographie 2, 35, Thieme-Becker 17, nicht bei Gutenberg, Leiningen-Westerburg 78). Das 1893 entstandene Blatt ist weder datiert noch monogrammiert. Unter einem von Ranken eingefaßten Rundbogen steht vor schwarzem Hintergrund das Eignerwappen auf einem Bücherstapel. Das Stammwappen der aus Westfalen stammenden und später im Rheinland ansässigen Spee, die sich zunächst Spede schrieben, seit dem 14. Jh. Besitzer von Langenfeld waren und sich seitdem danach nannten, in der jülichschen, kölnischen und bergischen Ritterschaft aufgeschworen waren, und deren berühmtester Sproß (zumindest für einen Trierer) Friedrich Spee zu Langenfeld ist, und deren Mitglied Ambrosius Franz von Spee, Herr zu Aldenhof und Heltorf, kurkölnischer Geheimer Rat, Oberstküchenmeister und Oberststallmeister, am 9.5.1739 von Kaiser Karl VI. die Reichsgrafenwürde erhielt, ist in Silber ein schreitender, roter, gekrönter Hahn. Dieses Wappen können wir z. B. am Grab des Friedrich Spee von Langenfeld in der Trierer Jesuitenkirche sehen. Hier handelt es sich um das vermehrte gräfliche Wappen, welches geviert ist, Feld 1 und 4: in Silber ein schreitender, golden gekrönter roter Hahn (Spee), Feld 2 und 3: in Gold drei (2:1) rote Rauten (Troisdorf).

 

Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken in roter, golden gekrönter Hahnenrumpf wachsend zwischen einem offenen roten Flug, jeder Flügel mit einem silbernen Schildchen mit rotem Hahn belegt (Stammkleinod Spee), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken zwischen einem roten Adlerflug das goldene Schildchen mit den drei (2:1) roten Rauten darin (Troisdorf). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 28 Tafel: 32, Band: OstN Seite: 206 Tafel: 141 sowie im Deutschen Wappenkalender 1920 von Closs. Das genannte Schloß Heltorf befindet sich im Norden von Düsseldorf im Stadtteil Angermund. Ursprünglich hatten hier die Herren von Heldorp (Heltorf) eine Wasserburg, die dann an die Herren von Lohausen genannt Troisdorf verkauft wurde, die sich bald nur noch von Troisdorf nannten. Von diesen kam Heltorf auf dem Heiratswege erst an die von Scheid genannt Weschpfennig und wiederum durch Erbheirat 1662 an die von Spee, denn Maria von Scheid genannt Weschpfennig hatte 1649 Friedrich Christian von Spee geheiratet. Das Schloß ist auch heute noch in Familienbesitz und bis auf den Landschaftspark nicht zu besichtigen.

Exlibris von unbekanntem Künstler:
Dieses heraldische Exlibris wurde von unbekannter Hand für Philipp Gotthard Graf von Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau (3.7.1716-5.1.1795, amtierte 1748-1795), angefertigt. Es ist weder datiert noch gibt es einen Hinweis auf den Künstler. Der Eigner war der Sohn von Hans Anton Gotthard Schaffgotsch Graf und Semperfrei von und auf Kynast und Greiffenstein (19.4.1675-19.3.1742) und dessen zweiter Frau Anna Therese Gräfin Kolowrat-Novohradsky (9.9.1690-29.8.1759). Der Erstgeborene aus erster Ehe mit Kisserényi Gräfin Serényi Maria Franziska (28.8.1619-10.8.1707) war Carl Gotthard Schaffgotsch gen. Graf und Semperfrei von und auf Kynast und Greiffenstein (27.7.1706-18.12.1780), deshalb blieb dem nachgeborenen Sohn die kirchliche Karriere. 1738 bekam er die Priesterweihe in Wien, und er hatte Kanonikate in Olmütz, Breslau und in Halberstadt. Er war ein Günstling Friedrichs d. Großen und galt als Parteigänger Preußens. 1743 wurde er Abt des Breslauer Sandstiftes. 1744 wurde er Koadjutor im Fürstbistum Breslau, sein Amtsvorgänger war zugleich sein großer Förderer. 1744 wurde er von Preußen gefürstet, eine persönliche Anerkennung des guten Verhältnisses. Nach dessen Tod am 28.9.1747 wurde Philipp Gotthard Graf von Schaffgotsch 1748 sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl, nicht ohne politische Hilfe des Königreichs Preußen. Seine Amtszeit war geprägt vom Konflikt zwischen Preußen und Österreich im Siebenjährigen Krieg, wodurch er erst einmal seines Amtes verlustig ging. Er hatte nämlich einen großen Fehler gemacht: Er hatte sich vor den Kriegshandlungen in den habsburgischen Teil seines Bistums geflüchtet, in den Augen Preußens war das Verrat, und das kostete den Bischof alles. Er mußte sich nach dem Friedensschluß 1763 um Wiedereinsetzung bemühen. Dies gelang nur teilweise, denn der Fürstbischof ging seiner Macht de facto verlustig, weil die Leitung des Bistums dem Weihbischof v. Strachwitz oblag und er selber nichts mehr zu melden hatte. Er wurde gezwungen, in Oppeln zu residieren. Aus dem Roten Adlerorden wurde er ausgeschlossen (deshalb fehlt hier auch die Ordenskette im Wappen). Sein restliches Leben verbrachte er abgeschnitten von wirklicher Einflußnahme auf Schloß Johannesberg.

 

Das Wappen von Philipp Gotthard Graf von Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau, ist wie folgt aufgebaut:

Als Kleinod wird das Stammkleinod der Familie Schaffgotsch geführt, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Lamm schreitend vor einem grünen Baum.

Das Wappen der zum schlesischen Uradel gehörenden Grafen von Schaffgotsch wird beschrieben im Siebmacher Band: ÖSchl Seite: 70 Tafel: 38, Band: Pr Seite: 25 Tafel: 28, Band: FstA Seite: 243 Tafel: 315 und im Münchener Kalender 1909, außerdem bei Gatz, in einigen Nachweisen allerdings mit blauer Feldfarbe für Breslau, was durch dieses Exlibris widerlegt wird. Das Stammwappen der Schaffgotsch zeigte lediglich in Silber vier rote Pfähle, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Lamm vor einem grünen Baum (Lindenbaum). Die Anzahl der Spaltungen variiert in der Literatur. Das Lamm wird oft mit einer goldenen Schelle um den Hals dargestellt (im vorliegenden Beispiel fehlend). Das Wappen ist der Familie am 5.7.1592 von Kaiser Rudolf II. zu Prag mit dem Prädikat "zu Kynast und Greiffenstein, Freiherrn zu Trachenberg" für die sieben Enkel und Urenkel des Caspar Schaffgotsch bestätigt worden, nachdem die Freie Standesherrschaft Trachenberg ertauscht worden war und die Begründung für die Erhebung lieferte. Die Burg Kynast heißt heute Burg Chojnik und liegt auf polnischer Seite in der Nähe von Jelenia Góra (Hirschberg) im Riesengebirge. Auch Burg Greiffenstein liegt in Polen südlich der Ortschaft Proszówka (Gräflich Neundorf) und heißt heute Zamek Gryf. Burg Trachenberg ist heute Zmigród in Niederschlesien. Auch Alt-Kemnitz ist in Niederschlesien, heißt heute Stara Kamienica und liegt bei Jelenia Góra. Alle vier Burgen sind nur noch Ruinen. Erhalten sind hingegen die Familienschlösser in Warmbrunn (Cieplice Slaskie-Zdrój, zu Jelenia Góra gehörend) und in Hermsdorf unterm Kynast. Im Jahre 1627 wurde die Familie am 4.12. des Jahres mit Hans Ulrich (1595-1635) semperfrei. Am 7.9.1662 bekam die Familie mit Christoph Leopold (1623-1703) die ungarische Magnatenwürde.

Die Familie teilte sich in zwei Hauptlinien, eine böhmische (begründet von Anton, gest. 1508) und eine schlesische (begründet von Kaspar, 1476-1534). Es gab noch einen dritten Zweig, begründet von Ulrich (1453-1543), doch der ist zeitig 1661 wieder erloschen. Die schlesische Linie teilte sich in die Zweige Kynast-Warmbrunn und Wildschütz. In der schlesischen Hauptlinie heißen alle Männer Gotthard, alle Frauen Hedwig. Dieser Vorname ist eine Ehrung des Stammvaters Gottsche (Gotthard) Schaff I. zu Alt-Kemnitz, ebenso wie Vor- und Zunahme dieses Stammvaters zu "Schaffgotsch" verschmolzen wurden. 1651 wurden die v. Schaffgotsch Erbhofmeister und Erbhofrichter der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer, und am 1.12.1786 wurden sie mit Johann Nepomuk Gotthard (1732-1808) Erblandhofmeister im Herzogtum Schlesien preußischen Anteiles.

Das freiherrliche Wappen der schlesischen Linie nach dem Diplom von 1592 ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber vier rote Pfähle, Feld 2 und 3: in Blau auf einem grünen Dreiberg (fehlt bei dem hier vorgestellten Blatt) ein gekrönter goldener Greif, welcher in den vorderen Klauen einen silbernen Stein hält, letzteres ist das redende Wappen Greiffenstein, 1418 hatte die Familie die Feste Greiffenstein gekauft. Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts): auf dem ungekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Lamm mit goldenem Glöckchen um den Hals schreitend vor einem grünen Baum (Schaffgotsch), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein gekrönter goldener Greif, welcher in den vorderen Klauen einen silbernen Stein hält (Greiffenstein).

Die böhmische Linie hatte mehrere Erhebungen in den Freiherrenstand: Am 31.10.1658 wurde Johann Ernst erhoben, am 23.9.1696 sein jüngerer Bruder Johann Wilhelm. Aus der böhmischen Linie wurden die Brüder Christoph Wilhelm und Johann Ernst sowie ihr Neffe Franz Wilhelm v. Schaffgotsch am 15.12.1703 in den böhmischen Grafenstand erhoben. Im Diplom von 1703 ist übrigens kein Wappen verliehen worden, und erst nach 1708 wurde von der böhmischen Linie ein vermehrtes Wappen verwendet.

Im Jahre 1708 erhielt die schlesische Linie am 15.4. des Jahres den Reichsgrafenstand, was mit einer weiteren Wappenvermehrung einherging. Der Begünstigte war Hans (Johann) Anton Gotthard Frhr. v. Schaffgotsch (1675-1742), k.k. Rat und Oberamtsdirektor in Schlesien. Damit wurde ein dem Christoph Leopold Frhr. v. Schaffgotsch im Jahre 1651 erteilter Grafenstand bestätigt. Dabei wurde der Familie Schaffgotsch von Kaiser Joseph 1708 das Wappen des Fürstentums bzw. Herzogtums Liegnitz-Brieg verliehen aufgrund einer Verwandtschaft über die mütterliche Seite: Hans Ulrich (1595-1635) hatte Barbara Agnes Prinzessin von Liegnitz-Brieg (-1631) geheiratet. Das gräfliche Wappen ist geviert mit einem Herzschild: Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer golden bewehrter Adler mit in Kleeblättern endender silberner Brustspange, besteckt mit einem Kreuz, Feld 2 und 3: geschacht von Rot und Silber, herzoglich gekrönter Herzschild: das freiherrliche Wappen wie beschrieben. Dazu werden drei Helme geführt, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Lamm mit goldenem Glöckchen um den Hals schreitend vor einem grünen Baum (Schaffgotsch), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein Pfauenschweif, belegt mit einem runden goldenen Schirmbrett, welches den schlesischen Adler zeigt, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein gekrönter goldener Greif, welcher in den vorderen Klauen einen silbernen Stein hält (Greiffenstein). Als Prunkstücke kommen noch zwei goldene Greifen als Schildhalter hinzu.

 

An Prunkstücken besitzt dieser Wappenaufriß einen roten, hermelingefütterten Wappenmantel, schrägrechts dahinter ein Krummstab, schräglinks ein gestürztes Schwert wie bei allen Fürstbischöfen, dazu sitzt etwas unschön eine Bischofs-Mitra schrägrechts auf der Schulter des aus einem großen Fürstenhut herabfallenden Wappenmantels, und ebenso sitzt auf der linken Schulter des Wappenmantels ein weiterer Fürstenhut, schräglinks geneigt neben dem Schwert. Das Bedürfnis, alle Prunkstücke unterzubringen, führt hier nicht zu einer ästhetisch befriedigenden Lösung. Graf Philipp Gotthard Schaffgotsch wurde 1744 in den preußischen Fürstenstand erhoben, deshalb steht der eine Fürstenhut für diesen persönlichen Fürstenstand, der andere für das Fürstbistum und den Fürstenstand von Amts wegen.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Dieses ist ein auf 1904 datiertes heraldisches Exlibris aus der Feder von Lorenz M. Rheude (17.12.1863-1.5.1939) für Ivan Baron von Weissenbach (Inschrift: "Ex libris lib: bar: Ivani de Weissenbach"). Innerhalb eines durch ein Profil betonten rechteckigen Rahmens schafft ein eingestemmter, gotisierender, auf jeder Seite einmal abgesetzter Bogen einen oberen Abschluß über dem darunter befindlichen Vollwappen, in Silber ein hersehender, schwarzer, rotgezungter Büffelkopf (Stierkopf, Ochsenkopf), aus dessen Ohren rote Feuerflammen hervorbrechen, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Paar schwarz-silbern übereck geteilter Büffelhörner. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Sa Seite: 18 Tafel: 17 und Band: SchlA3 Seite: 158 Tafel: 103. Der Helm ist künstlerisch mit großer Virtuosität und schwungvoll gestaltet, die Decken jedoch stehen weit hinter Rheudes sonstigen Arbeiten zurück. Jeweils zwei Bahnen in sich nicht weiter unterteilter Tücher umschlingen einander asymmetrisch. Einerseits wirkt das Ganze dadurch sehr schwer und steif, andererseits ist zu viel Tuch außen und zu wenig Tuch auf und hinter dem Helm, um beim Betrachter einen harmonischen Eindruck zu hinterlassen.

 

Drei kleinere Wappenschilde ergänzen die Komposition. Unter dem Schriftband mit der Eignernennung befindet sich unten mittig der sächsische Schild, neunmal schwarz-golden geteilt mit einem schrägrechts darübergelegten grünen Rautenkranz. In dem rechten oberen Zwickel ist das ungarische Wappen zu sehen, gespalten, rechts siebenmal von Rot und Silber geteilt, Alt-Ungarn, links in Rot auf grünem Dreiberg aus goldener Krone wachsend ein silbernes Patriarchenkreuz, Neu-Ungarn.

 

Gegenüber im anderen Zwickel ist das Wappen des Komitates Somogy (deutsch: Schomodei) in der aus drei Komitaten gebildeten sog. "Schwäbischen Türkei" zu sehen, in Blau aus einer goldenen Krone hervorwachsend ein silbern geharnischter Arm, der eine grüne Weinrebe mit zwei Blättern und zwei Weintrauben hält. Das Komitat im Südwesten Ungarns, das eine an Kroatien angrenzende Weinbauregion ist, bekam dieses Wappen vom König Wladislav II. im Jahre 1498 verliehen.

Exlibris von Carl Wolbrandt:
Dieses ist ein auf 1898 datiertes heraldisches Exlibris aus der Feder von Carl W. Wolbrandt (6.6.1860-22.01.1924) für Wilhelm von Heinz. Auffällig ist bei diesem Blatt, daß die zwischen die beiden Teile der Beschriftung eingepaßte Wappenzeichnung so gestaltet ist, daß sie eine Rechteckform ohne nennenswerte Lücken oder Leerräume ergibt; maximale Ausfüllung der zur Verfügung stehenden rechteckigen Fläche war die Bemühung des Zeichners. Das Wappen selbst ist ein schwarzer, mit zwei goldenen Lilien übereinander belegter Pfahl, die beiden seitlichen Plätze von Rot und Silber schräg zum Pfahl hin geteilt, rechts schräglinks, links schrägrechts, auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen, links rot-silbernen Decken ein roter Adlerflug, beiderseits mit einem silbernen, mit einer roten Rose belegten Schrägbalken, rechts schräglinks, links schrägrechts.

 

Eine Beschreibung des Wappens gibt es im Siebmacher Band: Pr Seite: 163 Tafel: 211, wobei insgesamt drei Varianten angeboten werden: Im Siebmacher ist die Rede davon, daß die Familie früher in Schwarz einen goldenen, oben von zwei goldenen Lilien begleiteten Sparren geführt hätten. Aus dieser Familie kamen zwei Brüder, Josef und Daniel, um 1550 nach Augsburg und von da an den Hof des Kaisers Rudolf II., in dessen Dienste sie traten. In einem Adelsbrief vom 1.1.1602 wurde ihr Wappen in die neue Form geändert. Als "älteres Wappen" wird unter Bezugnahme auf Siebmacher IV, 86 angegeben: "In Rot eine aufsteigende silberne Spitze, belegt mit dem schwarzen Pfahle nebst den beiden goldenen Lilien". Dieser Blason ist unrichtig in Bezug auf die im Exlibris zu findende Form: Es ist falsch, daß es sich um eine Spitze handelt, denn eine Spitze endet am oberen Schildrand in einem Punkt und nicht mit einer Breite von ca. zwei Fünftel der Schildbreite. Entweder man blasoniert das als eine abgeschnittene, bis zum oberen Rand hochgezogene Spitze, oder man spricht noch besser von den Pfahl begleitenden Schrägteilungen, weil so das Zusammentreffen der schrägen und senkrechten Linien in je einem Punkt garantiert wird. Daß es sich um ein "älteres Wappen" handele, ist nicht nachzuvollziehen, wenn es 1898 in dieser Form geführt wird. Als eigentliches Wappen gibt Siebmacher hingegen folgenden Blason: "In Silber eine rote gestürzte Spitze, welche ein schwarzer Pfahl mit zwei goldenen untereinander stehenden Lilien überzieht". Dies beinhaltete eine Umkehr der Richtung der Schrägteilungen und der Verteilung der Farben Rot und Silber. Abgebildet ist im Siebmacher jedoch ein korrektes Bild, welches dem Exlibris hier entspricht, insofern ist der Text unplausibel. Es gibt mindestens ein weiteres Exlibris von einem anderen Künstler für den gleichen Eigner, welches den eingangs gegebenen Blason belegt.

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Dieses Blatt ist ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1891 von Adolf Matthias Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für Freiherr Emmo Grote aus dem Jühnder Ast der jüngeren Linie (112 x 79 mm, schwarz-weißer Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 4194; Leiningen-Westerburg 59). Das Blatt ist optisch unten rechts im Druck mit der typischen AH-Ligatur monogrammiert. Laut Leiningen-Westerburg gibt es von diesem Blatt drei verschiedene Papiervarietäten. Der Eigner, mit vollem Namen Freiherr Emmo Alexander August Gustav Grote, geb. 7.7.1857 zu Drübber bei Hoya im damaligen Königreich Hannover, war königlich preußischer Rittmeister und Verfasser der 1891 erschienenen Geschichte des Gräflich und Freiherrlich Grote'schen Geschlechts, zu der er am 1.5.1887 vom Familientag beauftragt worden war. Er war der Sohn von Carl Georg Otto Freiherr Grote (12.8.1820-) und dessen Frau Charlotte von Frankenberg-Ludwigsdorf (29.12.1816-3.6.1879). Seine militärische Karriere begann er 1868-1875 im Kadettenhaus Wahlstatt und in der Hauptkadettenanstalt Berlin. 1875 kam er als Portepéefähnrich an das 2. Hannoversche Ulanenregiment Nr. 14 in Verden und wurde dort im selben Jahr Secondelieutenant. 1879-1882 war er an der Kriegsakademie Berlin, 1883-1886 Regimentsadjutant. Am 14.7.1885 wurde er Premierlieutenant. 1886 wurde sein Regiment nach St. Avold in Lothringen verlegt, 1887 wurde er als Adjutant zu einer in Trier stationierten Kavallerieeinheit kommandiert. 1890 wurde er zum Rittmeister befördert. Freiherr Emmo Grote hatte am 9.6.1884 in Verden Olga von der Decken (31.3.1860-) geheiratet. Sie hatten zusammen folgende Kinder: 1.) Werner Carl Theresius Hieronymus Wulbrand (13.4.1885-), 2.) Thomas August Johann Ernst Eberhard Emmo (18.11.1886-), 3.) Gebhard Carl Wilhelm Thomas (13.12.1887-25.1.1888), 4.) Ilse Marie Charlotte Olga Thoma (9.3.1889-) und 5.) Thomas Christian Joachim Ernst Eberhard (2.12.1890).

 

Der seit 1264 bekannte Wappenschild der Freiherren Grote zeigt in Silber ein rot gezäumtes, schreitendes, schwarzes Pferd mit roten Zügeln, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Federbusch (je nach Quelle als Hahnenfedern, als Reiherfedern, als Pfauenfedern oder als Straußenfedern angesprochen, in Grotes Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig und bei Hupp sogar als Birkhahnfedern, eine nicht als solche eindeutig belegbare und eher zeitbedingte neuere Interpretation einer historisch variantenreich dargestellten Zier). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BraA Seite: 35 Tafel: 20, Band: PrGfN Seite: 32 Tafel: 24, Band: Han Seite: 8 Tafel: 8 etc.

Von diesem Wappen werden noch zwei andere, vermehrte Formen in der Literatur beschrieben: Die Grote, Freiherren von Schauen (Diplom zu Wien, 1.6.1689) hatten unter silbernem Schildhaupt, darin ein rotes Tatzenkreuz, in Silber ein schwarzes, rotgezäumtes Pferd, zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Birkhahnfederbusch, Helm 2 (links), desgleichen, der Federbusch jedoch mit dem roten Tatzenkreuz belegt (Siebmacher Band: PrGfN Seite: 9 Tafel: 6 Band: Han Seite: 8 Tafel: 8). Als Schildhalter dienen zwei silbern gewandete Prämonstratensermönche. Devise: Ut fert divina voluntas. Diese Linie, die 1764 wieder erlosch, wurde formell in den Reichsfreiherrenstand erhoben, die anderen Linien führten den Freiherrentitel gewohnheitsrechtlich, was in Preußen am 18.9.1911 für das Gesamtgeschlecht bestätigt wurde. Die Grafen Grote (Königsberg, 2.8.1809, preußischer Grafenstand zu Berlin 4.9.1809) aus dem Ast Breese hatten ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: Stammwappen, Feld 2 und 3: in Gold ein gekrönter roter Adler (Gnadenwappen), auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit rechts schwarz-silbernen, links rot-goldenen Decken ein Federbusch, je nach Quelle 11 natürliche Pfauenfedern oder 11 schwarze Birkhahnfedern, Schildhalter zwei silberne Einhörner (Siebmacher Band: PrGfN Seite: 32 Tafel: 24 Band: Han Seite: 8 Tafel: 8). Devise: Virtuti fortuna cedit. Eine Illustration von Emil Doepler d. J. aus dem Jahre 1889 zeigt alle drei Wappenvarianten nebeneinander auf einem Blatt.

Exlibris von Rudolf Münger:
Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1901, entworfen von Rudolf Münger (1862-1929) für Gustav Grunau. Das Exlibris ist im Druck unten rechts und links der untersten Helmdeckenzipfel signiert und datiert. Das Wappen Grunau (Grunau von Bern, ehemals von Eblingen-Brienz) zeigt einen geteilten Schild, oben in Rot ein wachsender wilder Mann mit einem grünen Laubkranz um Kopf und Hüften, mit der Rechten eine goldene Keule schulternd, unten in Blau ein goldenes Schräggitter, auf dem Helm der wilde Mann aus dem oberen Feld wachsend. Es ist beschrieben im Siebmacher Band Bg7 Seite: 65 Tafel: 66. Der Verleger Dr. Gustav Grunau lebte in Bern, und dieser Ort ist auch in der Unterschrift erwähnt, denn auch der Künstler lebte dort. Eine Beschreibung der Farben findet sich im Berner Wappenbuch von 1932.

Dieses Blatt besitzt gestalterisch eine große Ähnlichkeit zu einem anderen Blatt für den gleichen Eigner vom selben Künstler, wobei jenes das Wappen vor dunklem Hintergrund in einem kreisförmigen Rand darstellt. Das Konzept und die Linienführung der Helmdecken sind bei beiden Blättern genau gleich, aber spiegelverkehrt. Ein weiteres Exlibris für den gleichen Eigner gibt es von Adolf Methfessel (1836-1909).

Exlibris von Adolf M. Hildebrandt:
Dieses Blatt ist ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1892 von Adolf Matthias Hildebrandt (16.6.1844-30.3.1918) für den Exlibris-Verein zu Berlin, unter einem roten, mit drei silbernen Schildchen balkenweise belegten Schildhaupt schwarz-silbern gespalten mit zwei golden beschlagenen Büchern in verwechselten Tinkturen, auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken ein wachsender, auffliegender, golden gekrönter Schwan (110 x 74 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker 17; Gutenberg 25.597; Leiningen-Westerburg 65). Dieses Exlibris gab es in einer großen und in einer kleinen Variante (28 x 19 mm), nur die große Variante ist im Druck datiert und signiert. Neben dieser blauen Variante gibt es auch die schwarze Variante. Wie bei vielen Hildebrandt-Kompositionen wird aus dem großen Rechteck durch Abtrennen schmaler Felder ein asymmetrisch gelegenes Innenfeld für das Wappen erzeugt. Im optisch linken Untereck des Blattes befindet sich das einwärts gewendete Stadtwappen Berlins, in Silber ein schwarzer Bär. Einen prächtigen Farbaufriß des Wappens des Exlibris-Vereines gibt es übrigens von Heinrich Schimke.

 

Der Exlibris-Verein zu Berlin wurde 1891 gegründet und bestand bis 1943. Als die Vereinigung der Exlibrisinteressierten nach Kriegsende und Überwindung der Kriegsfolgen 1949 wiederbelebt wurde, erhielt sie einen neuen Namen: Deutsche Exlibris-Gesellschaft e.V. (DEG).

Exlibris von Armin von Fölkersam:
Dieses Blatt ist ein heraldisches Exlibris vom Künstler Armin Frhr. v. Fölkersam (4.4.1861-20.12.1917) für Walter von Zurwesten (Zur Westen). Das Blatt ist nicht datiert, aber in der optisch rechten unteren Ecke neben der Tartsche im Druck monogrammiert. Der Eigner Walther von Zurwesten lebte vom 31.12.1871 bis zum 19.4.1948. Er war der Sohn von Bernhard von Zurwesten und Marianne von Leesen. Gebürtig stammt er aus Berlin. Er studierte Jurisprudenz und Kunstgeschichte in Rostock, Breslau und Berlin. Seine berufliche Laufbahn ließ ihn Richter und Senatspräsident am Reichsversicherungsamt Berlin werden, dazu geheimer Regierungsrat. Das Blatt ist im brachialen Stil des Künstlers gehalten, mit einer tief eingebuchteten Lanzenruhe oben rechts an der ansonsten fast rechteckigen, sich nach unten verbreiternden Tartsche und mit einer in vier Spitzen ausgezogenen Unterkante. Der Helm weist eine sehr hoch gezogene "Nase" auf, was den Augenschlitz an der Vorderkante verdeckt und dem Helm einen "bösen" Gesichtsausdruck verleiht. Das Vorderteil ist mit einer die ganze Höhe einnehmenden Lilie zur Verstärkung beschlagen. Die Helmdecken sind in vier Teile aufgespalten, die an zwei Punkten verschiedener Höhe jeweils seitlich des Helmes hochgerafft sind, mit einem Farbwechsel zwischen beiden Seiten. Unten sind alle vier Deckenteile gleichermaßen in Zickzacklinien wie ein Vorhang gefaltet. Die beabsichtigte Harmonieerzeugung durch Symmetrie und Rhythmus kämpft in diesem Blatt mit der rohen, fast brutalen Strichführung des Künstlers.

Das Wappen zeigt in Blau einen schrägrechten silbernen Wellenbalken (Wellenschrägbalken), oben eine ebenfalls schräggestellte goldene Lilie, unten ein goldener, sechszackiger Stern, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein goldener sechszackiger Stern zwischen einem blauen, beiderseits mit einem silbernen Wellenschrägbalken belegten Adlerflug, rechts schräglinks, links schrägrechts. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher, Band Bay Seite: 126, Tafel: 156 (Helmzier dort abweichend beschrieben). Die Familie wurde 1796 von Kaiser Franz II. geadelt. Das Wappenbild taucht noch einmal als Banner an der optisch linken Seite des Blattes auf, von schmalrechteckigem Zuschnitt, mit sechs Laschen an der Stange befestigt und mit langem oberen Schwenkel, auf dem das Wort "Exlibris" zu lesen ist.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Wappen Bismarck: Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Wappen Bismarck: Closs, Deutscher Wappenkalender 1930
Wappen Bismarck: Siebmacher Band: FstB Seite: 5 Tafel: 9, Band: FstB Seite: 5 Tafel: 11, siehe auch Band: PrE Seite: 152 Tafel: 131
Bismarckturm in Aumühle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aum%C3%BChle#Bismarckturm und http://de.wikipedia.org/wiki/Bismarckturm_%28Aum%C3%BChle%29
Bismarckturm
in Aumühle: http://www.bismarcktuerme.de/ebene4/schlh/aumueh.html
Bismarckturm in Aumühle: Sieglinde Seele, Lexikon der Bismarck-Denkmäler - Türme, Standbilder, Büsten, Gedenktafeln, 480 S., ISBN 3-86568-019-4, Michael Imhof Verlag, Petersberg,
http://www.lexikon-der-bismarckdenkmaeler.de/start.html
Stillfried und Raténic: Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Leipzig 1870,
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10481621-9 und http://books.google.de/books?id=wWPZDGNlQNgC
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
von Spee:
http://de.wikipedia.org/wiki/Spee_%28Adelsgeschlecht%29
Schloß Heltorf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Heltorf - http://www.forst-graf-spee.de/index.htm
Schaffgotsch: Otto Hupp, Münchener Kalender 1909
Fürstbistum Breslau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Breslau
Fürstbistum Breslau, Bischofsliste:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bischöfe_von_Breslau
Philipp Gotthard von Schaffgotsch:
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von Schaffgotsch:
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Ulrich Schmilewski, Schaffgotsch, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S.536-538, online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz110773.html
Colmar Grünhagen,  Philipp Gotthard Graf v. Schaffgotsch, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 545-548, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Philipp_Gotthard_Graf_von_Schaffgotsch
Ulrich Schmilewski, Philipp Gotthard Schaffgotsch, in: Neue Deutsche Biographie, Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 536-538, online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz77925.html
Grote: Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Emmo Grote, Geschichte des Gräflich und Freiherrlich Grote'schen Geschlechts, hrsg. im Auftrage der Gesamtfamilie und unter Benutzung von Vorarbeiten der verstorbenen Freiherren Louis Grote-Neuhof und Julius Grote-Schauen, Hannover, 1891,
http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0006/bsb00067981/images/index.html
Grote: Otto Hupp, Münchener Kalender 1925, Buch- und Kunstdruckerei AG, München und Regensburg 1925.
Erwin Massute, Freiherren und Grafen von Grote, in: Neue Deutsche Biographie, Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 162 f., online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz24069.html

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