Bernhard
Peter
Historische
heraldische Exlibris (6)
Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris ohne
Jahresangabe, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Hans und
Helene Bretschneider v. Rechttreu. Es handelt
sich um eine Heliogravur, bei der das Wappen vordergründiges
Randwerk in der optisch rechten unteren Ecke ist, die eigentliche
Szene aber zweigeteilt ist, unten einen Innenraum mit
geschwungener Holztreppe zeigt, oben jedoch eine Ansicht eines
Herrenhauses in einem Garten. Das Wappen ist geteilt, oben in
Blau vier (1:3) goldene Sterne, unten in Gold ein schwarzer
Adler. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links
schwarz-goldenen Decken ein naturfarbenes römisches
Liktorenbündel, pfahlweise gestellt und mit rotem Band
zusammengehalten, zwischen einem Adlerflug, rechts geteilt von
Blau über Gold, links von Gold über Schwarz. Bei den Freiherren
von Bretschneider Edle zu Rechttreu handelt es sich um eine
böhmische und österreichische Familie. Das Wappen wird im
Rietstap/Rolland abgebildet, nicht im Siebmacher.

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris um
1910, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Reinhart
Freiherr Bachofen von Echt, eine großformatige
Heliogravur, die vor einem gotisierenden Doppel-Spitzbogenfenster
mit Ausblicken in die Landschaft und zwei Darstellungen von
Schlössern in Holland ein Vollwappen mit Schildhaltern zeigt.
Die Künstlersignatur befindet sich rechts unten am Rand. Das
Wappen der Bachofen von Echt zeigt auf einem Grund schreitend ein
Lamm. Auf dem gekrönten Helm das Lamm wachsend zwischen einem
Flug. Im Siebmacher wird das Wappen unter "Bachoff" und
"Bachof" beschrieben in den Bänden Sa, Seite: 7,
Tafel: 6, Pr, Seite: 34, Tafel: 39, Pr, Seite: 77, Tafel: 99, und
SchwA, Seite: 4, Tafel: 2. Die Farben werden wie folgt angegeben:
In Blau auf grünem Dreiberg (auch ohne) schreitend ein silbernes
Lamm. Auf dem gekrönten Helm das Lamm wachsend. Helmdecken
blau-silbern. Die Farbangaben können anhand der Zeichnung nicht
verifiziert werden. Ein Flug in der Helmzier wird im Siebmacher
nicht erwähnt. In der Literatur werden erwähnt ein Wappenbrief
vom 24.3.1532, Erlangung des Reichsadels 1683, Freiherrenstand
1691, eine Linie wurde am 24.3.1752 in den Grafenstand erhoben.
Bei Tyroff wird das Lamm ohne Grund oder Dreiberg abgebildet.

Zwei Löwen halten das Wappen, beide stehen auf je einem Abschnitt des Schriftbandes "Respice finem" - "denk an das Ende". Die abgebildeten Schlösser Bachoven (Baakhoven, Provinz Limburg) und Echt (Echt-Susteren, Provinz Limburg) sind Güter bei Roermond. Die Familie entstammte den Niederlanden, ist aber nach Österreich eingewandert. Die Schlösser sind also Erinnerungen, die an die beiden Namen geknüpft sind. Die Familie betrieb in Wien die Nußdorfer Brauerei. In der Steiermark besaßen die Freiherren seit 1902 Schloß Murstätten (http://www.hengist.at/pdf/lebring/lebring_03.pdf). Freiherr Reinhart Bachofen von Echt (1877 - 1947), der Auftraggeber des vorliegenden Exlibris, ist als Heimwehrführer und Gründer der Steirischen Heimwehr, deren Anführer und Landesschatzmeister er zeitweise war, bekannt geworden. Weiterhin verfaßte er mehrere Werke zur steirischen Jagdgeschichte. Freiherr Reinhart Bachofen von Echt war seit 1904 mit Alice Pfizer (18771959) vermählt, einer Tochter des bekannten Mitgründers des Pharmakonzerns Pfizer, Charles Pfizer (18241906).

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris ca.
um 1910, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Rudolf Bosch,
eine Heliogravur. Unter einem gotisierenden Fenster mit Ausblick
auf eine diffuse Landschaft, mit einem Rahmen aus drei Bogen mit
sich überkreuzenden Profilen, die beiden äußeren
viertelkreisförmig, der mittlere eselsrückenbogenförmig, ist
das Vollwappen mit einer Jagdszene kombiniert, optisch rechts
steht ein Jäger mit zum Stoß gefaßter Saufeder, einen optisch
links hinter dem Schild hervorbrechenden Keiler attackierend. Das
Wappen Bosch, hier in einer heraldisch rechts mit Lanzenruhe
ausgeschnittener Tartsche, zeigt einen oberhalben Bären, auf dem
Helm ein Federbusch auf einem niedrigen Hut. Ohne Literaturbeleg,
Hinweise willkommen.

Exlibris
von Ernst Krahl
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1893, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Karl
Emich zu Leiningen-Westerburg. Der lindgrüne
Druck zeigt mehrere Schriftbänder. Über dem Wappen steht:
"Bibliotheks" und "Zeichen", untendrunter
"Karl Emich", "Graf", "zu",
"Leiningen-Westerburg", "des ehem.",
"heil. röm." und "Reichs Semperfrei",
gefolgt von der Datierung "AD 1893". Signiert ist das
Exlibris ganz rechts unten. Das Wappen ist geviert:

Dazu gehören drei Helme:
Schildhalter zwei ungekrönte goldene Löwen, die die beiden äußeren Helme auf ihrem Kopf tragen. Dies ist eine Methode zur Platzersparnis, denn wenn man alle drei Helme auf dem Schildrand platzieren würde, müßte proportional deren Größe abnehmen, um mit der vorhandenen Breite auszukommen. So aber stehen die äußeren Helme quasi neben dem Schild und alle drei Helme mit ihren Kleinoden können in zufriedenstellender Größe dargestellt werden. Und das ergibt sich ganz zwanglos, indem die Schildhalter-Löwen als Helmträger verwendet werden. Beschrieben ist das Wappen im Siebmacher, Band Gf, Seite: 20-24, Tafel: 39-52 etc.

Exlibris
von A. Hildebrandt
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1900, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt
(1844-1918) für Adam Albert Uhlhorn, eine
zweifarbige Lithographie. Oben ist es datiert, die Jahreszahl
entzweigeschnitten durch die Worte "Ex libris", unten
rechts signiert. Das Wappen ist ein redendes Wappen,
Uhl-horn wird dargestellt durch eine Eule (Uhl) und ein Horn. Das
Wappen wird beschrieben im Siebmacher, Band Bg6, Seite: 18,
Tafel: 20, und die Blasonierung wird angegeben mit: In Gold auf
silbern beschlagenem, schwarzem Jagdhorn eine rote Eule. Auf dem
Helm mit schwarz-goldenen Decken ein roter, fünfzackiger Stern
oben angestemmt zwischen einem schwarz-golden übereck geteilten
Flug. Es gab drei Familienzweige, einen zu Oldenburg, einen zu
Osnabrück und einen zu Delmenhorst. Die Linie zu Delmenhorst
teilte sich in die Buxtehuder Linie und die Elsässer Linie zu
Bischweiler. Das Wappen wie angegeben gilt für die Elsässer
Linie, während die Buxtehuder Linie in Blau auf goldenem
Jagdhorn eine goldene Eule führt und auf dem Helm mit
blau-goldenen Decken einen goldenen Stern zwischen einem blauen
Flug. Hier beim Exlibris haben wir es also mit einem Vertreter
der Elsässer Linie zu tun.

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris um
ca. 1910, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Reichsgraf
Wilhelm von Wurmbrand-Stuppach, eine bräunliche
Heliogravur. Das Vollwappen befindet sich exzentrisch optisch
rechts unten vor einem gotisierenden Fenster mit üppiger
Rahmung, rechts und links begleitet von repetitiven
Schriftband-Elementen mit der Botschaft "ich main's",
der Blick fällt durch das Fenster auf eine Landschaft mit Burg.
Die Familie gehört zum niederösterreichischen Uradel und zählt
zu den wichtigsten österreichischen Adelsgeschlechtern.
Erstmalig taucht die Familie (http://www.wurmbrand.at/Homepage.htm) 1194 mit Leupold der Wurmbrant urkundlich auf. Die
Stammburg der Grafen von Wurmbrand-Stuppach, Freiherren von
Steyersbergh, Stikkelsbergh, Reydenau, Nauhauß und Saxenbrunn,
die Burg Wurmbrand, ist heute eine Ruine bei Krumbach, Bezirk
Kirchschlag, an der steirisch-ungarischen Grenze. Ein wichtiges
Schloß der Familie ist in Gloggnitz, Niederösterreich, ein
ehemaliges, 1803 profanisiertes Benediktinerkloster. Die Familie
blüht fort. Das Wappen zeigt in Silber einen schwarzen Lindwurm
(Drachen, Basilisken) mit angelegten Vogelflügeln, zwei
Hahnenfüßen und Stachelschwanz, der einen an mehreren Stellen
brennenden Ast im Rachen hält, und aus dessen Ohren Feuerflammen
hervorkommen. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken der
Lindwurm (Drache, Basilisk) aus dem Schild. Damit ist das ein
wunderschönes redendes Wappen, der Wurm (Lindwurm) und der Brand
(Feuerast) stehen gemeinsam für den Familiennamen
"Wurmbrand". Darstellerisch ist es am ehesten ein Hahn
mit Drachenschwanz, was man gemeinhin Basilisk nennt.

Im Siebmacher wird das Wappen beschrieben in Band Gf, Seite: 77, Tafel: 128, NÖ2, Seite: 605, Tafel: 298, Kä, Seite: 64, Tafel: 5, Krai, Seite: 21, Tafel: 21, und Un, Seite: 726, Tafel: 497. Die Darstellung auf einem Hügel oder Grund findet sich ebenfalls in der Literatur. Der brennende Ast steckt hier mit dem anderen Ende zur Gänze im Rachen des Fabeltieres, üblich sind auch Darstellungen, wo beide Enden brennend aus dem Rachen ragen. Später (1683) wurde das Stammwappen einem von Pernstein und Zöbing/Zebinger gevierten Wappen als Herzschild aufgelegt und mit drei Helmen geführt. Der Blason wäre dann: Geviert mit silbernem Mittelschild, worin in Silber ein schwarzer Basilisk (Lindwurm mit Hahnenbeinen und Drachenschwanz, einen Brand mit Flammen im Schnabel haltend, aus den Ohren Feuerzungen hervorbrechend. Feld 1 und 4: Von Rot und Silber 3 mal gespalten, die beiden silbernen Plätze schwarz geschuppt, die beiden roten Plätze pfahlweise mit je drei rautenförmigen, in Gold gefaßten Diamanten belegt (Pernstein), Feld 2 und 3: in Rot eine springende, hersehende, silberne Wildkatze mit aufgeschlagenem Schwanz (Zöbing, Zebinger).
Exlibris
von Ernst Krahl
Ein heraldisches Exlibris ohne
Jahresangabe, entworfen von
Ernst Krahl (1858-1926) für den Deutschen Orden,
ein Rasterdruck. Als Eigner wird die Bücherei der Veste
Eulenberg angegeben. Die Burg Eulenberg oder die Eulenburg liegt
in Tschechien auf dem Gebiet von Olmütz in Nordmähren. Der
Deutsche Orden hatte einst reichen Besitz in Mähren, bis zur
Auflösung am 22.10.1938 und Beschlagnahmung des Vermögens war
der Deutsche Orden einer der größten Grundbesitzer in
Nordmähren, unter anderem besaß er auch die Burgen Busau und
Eulenburg sowie Schloß Freudenthal - einst Sitz des
Hochmeistertums, bevor es nach Wien verlegt wurde - und
Karlsbrünn, ein Besitz, um den der Orden mit Sitz in Wien auch
noch im frühen 20. Jh. gestritten hat, was aber zu heftigen
Protesten und Ablehnung der Bevölkerung und Regierung der
tschechischen Republik geführt hat. Der Deutsche Orden erwarb in
Mähren übrigens bereits Anfang der neunziger Jahre das Kloster
in Troppau. Beide strittigen Burgen sind nationale
Kulturdenkmäler der tschechischen Republik von hohem Wert. Die
Eulenburg heißt heute Burg Sovinec (http://akce.sovinec.cz/). Sie ist es auch, die in der abgebildeten
Landschaft dargestellt ist. Erst war sie Besitz der Herren von
Sovinec, bis sie 1623 von Erzherzog Karl von Österreich zu
Gunsten des Deutschen Ordens gekauft wurde und in den Jahren von
1627 bis 1643 zur bedeutenden Ordensfestung und zum
Verwaltungssitz ausgebaut wurde. Doch sie war nicht stark genug,
um den Schwedensturm im 30jährigen Krieg auszuhalten, 1643
mußte sie nach der Belagerung durch schwedische Truppen
kapitulieren, wurde aber 1650 vom Orden zurückübernommen. Im
19. Jh. verlor der Orden zeitweise das Interesse an der Burg,
Stückweise wurde sie ab 1810 ff. verkauft, aber unter
Hochmeister Maximilian III. Josef d'Este ab 1836 zurückgekauft.
Nach der Auflösung des Ordens 1938 wurde die Burg 1939 vom
Deutschen Reich konfisziert und 1945 Eigentum der
Tschechoslowakischen Republik, heute Tschechischen Republik
(Photogalerie: http://www.turistik.eu/cz/kraje/mhrisch-schlesischer-kreis/okres-bruntal/jirikov-okres-bruntal/hrad-sovinec/galerie/).

Das Wappen zeigt das Hochmeisterwappen des Deutschen Ordens in seiner allgemeinen, nicht an die Person eines bestimmten Hochmeisters gebundenen Form. Das Schildbild ist in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Glevenkreuz (Lilienkreuz), das Ganze in der Mitte belegt mit einem Herzschild, der in Gold den schwarzen Reichsadler zeigt (Hochmeisterkreuz). Ein weiteres heraldisches Merkmal des Hochmeistertums ist eine spezielle Helmzier, ein silbernes Schirmbrett, belegt mit einem Hochmeisterkreuz wie oben beschrieben, außen mit goldenen Kugeln und daran schwarzen Hahnenfedern (oder auch Pfauenfedern) besteckt, Helmdecken schwarz-silbern. Diese Helmzier gilt nur für das Hochmeistertum. Hochmeister führen in ihren personifizierten Wappen meist zusätzlich die ganz normale Helmzier des Deutschen Ordens, ein silberner (meistens geschlossen dargestellt) Flug, beiderseits belegt mit einem durchgehenden schwarzen Kreuz, Helmdecken schwarz-silbern. Ein beliebiger Hochmeister kommt damit also auf mindestens drei Helme, denn sein eigenes Familien-Helmkleinod wird auf Platz 3 auch noch berücksichtigt.
Exlibris
von A. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris um
ca. 1900, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918)
für Charles Wilbraham Perryman. Die Signatur
"AH" befindet sich optisch rechts unten. Perryman - Der
"Birnenmost-Mann" oder der "Birnenwein-Mann",
wenn man es wörtlich nimmt, und so ist das Wappen ein redendes:
Der Schild ist von Hermelin und Blau gespalten und viermal im
Zackenschnitt geteilt, die zweite und vierte Reihe mit jeweils
drei Birnen in verwechselten Tinkturen belegt. Alternative
Blasonierung: In von Hermelin und Blau gespaltenem Feld zwei
Zackenbalken, jeder mit drei Birnen belegt, alles in
verwechselten Farben. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit
blau-silbernen Decken zwischen zwei unten schräggekreuzten,
grünbeblätterten Birnenzweigen mit jeweils einer endständigen
Frucht ein abgerissener Wolfsrumpf von Hermelin, unten rot und
auf dem Hals mit einem blauen Zackenbalken belegt (englisch: A
wolf's head Ermine, erased Gules, charged with a fess indented
Azure, surmounted by two pear-branches leaved Vert, fructed and
slipped in saltire). Und damit nicht genug, die ganze
Randeinfassung des Exlibris ist mit Birnen mit je einem kleinen
Aststück mit zwei Blättern belegt. Ein Schriftband mit der
Devise "Per ardua stabilis" (in Schwierigkeiten
beständig) schlingt sich unterhalb des schräggestellten
Schildes.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1919, entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) für
Dr. phil. Ernst Deuerlein (22.7.1893 -
15.11.1978), Chemielehrer und Heimatforscher in Erlangen
(Lebenslauf vgl. http://www.fen-net.de/er/hedayati/persoenlichkeiten/persoenlichkeiten.html#Deuerlein), nicht für den zum Verwechseln naheliegenden
Prof. Dr. Ernst G. Deuerlein (1918 - 1971),
Klischee-Technik/Buchdruck. Die auf mehrere Streifen verteilte
Inschrift lautet: "Aus der Bücherei von / Dr. phil. Ernst-
Deuerlein / Christian / -Erlang". Das Exlibris ist unten
links datiert und unten rechts signiert.
"Christian-Erlang" ist die Neustadt von Erlangen:
Markgraf Christian Ernst von Bayreuth (1644-1712) war in dritter
Ehe mit Elisabeth Sophie verheiratet, die eine große Vorliebe
für Erlangen hatte und wo der Markgraf eine ganz neue Stadt
erbauen ließ, das sog. Christian-Erlang. Das Wappen zeigt in Rot
zwei silberne Balken. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei
rote, mit je zwei silbernen Binden umlegte Büffelhörner. Das
nämliche Wappen ist beschrieben in Siebmacher, Band BayA1 Seite:
132 Tafel: 137, mit dem Hinweis, daß der fränkische Uradel
dieses Namens, Lehnsleute des Hochstifts Würzburg, im 16. Jh.
erloschen sei. Es gibt Verbindungen zwischen den Herren v.
Erlangen und dieser adeligen Familie Teuerlein (Deuerlein).

Unten befindet sich eine Version des Erlanger Stadtwappens: Vor einem silbern-schwarz gevierten Brackenkopf sind zwei Ovalschilde einander zugeneigt, der heraldisch rechte Schild zeigt in Silber einen linksgewendeten, golden gekrönten und ebenso bewehrten roten Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Schwingen und mit einem von Silber und Schwarz gevierten Herzschild (Hohenzollern-Brustschild), der heraldisch linke Schild zeigt in Silber einen golden gekrönten und ebenso bewehrten, rotgezungten, schwarzen Adler mit goldener Halskrone, ebensolchen Kleestengeln und den goldenen Großbuchstaben C und E auf der Brust ("CE" steht für Markgraf Christian Ernst von Bayreuth (1644-1712)). Heute wird dieser Adler übrigens mit den goldenen Großbuchstaben E und S auf der Brust geführt, für Elisabeth Sophie, die Ehefrau des Markgrafen Christian Ernst. Beide Schilde zusammen, brandenburgischer und preußischer Adler in Modifizierung, stehen für die Erlanger Neustadt, das dritte Element, das für die Altstadt, das heute fester Bestandteil des Erlanger Stadtwappens ist, fehlt bei diesem Exlibris. Die Blasonierung des heutigen Erlanger Stadtwappens lautet: Halbgespalten und geteilt, 1: in Silber ein links gewendeter, goldengekrönter und -bewehrter, rotgezungter, roter Adler mit goldenen Kleestengeln und mit von Silber und Schwarz geviertem Brustschild, 2: in Silber ein goldengekrönter und -bewehrter, rotgezungter, schwarzer Adler mit goldener Halskrone, Kleestengeln und den goldenen Großbuchstaben E und S auf der Brust, 3: in Blau über silberner Zinnenmauer wachsend ein doppeltgeschweifter, goldengekrönter, rotgezungter goldener Löwe (vgl. http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9562000). Mit Absicht wählt Ernst Deuerlein hier die alte Form des Namens der Stadt und des Wappens, weil er sich als Heimatforscher intensiv mit der Geschichte der Neustadt und ihrer Bauwerke befaßt hat.

Optisch oben links sehen wir das Wappen Frankens, den sog. Fränkischen Rechen (in Rot drei silberne aufsteigende Spitzen), oben rechts ist das Große Nürnberger Stadtwappen (in Blau ein goldener, gekrönter Jungfrauenadler). Manchmal wird das Wappen auch als Königsadler beschrieben, hier ist der Rumpf jedoch eindeutig weiblich. In seiner heutigen Form ist der Rumpf nicht weiblich, sondern eher geschlechtsneutral und auch gefiedert dargestellt, was darstellerisch mehr einem Königsadler entspricht, die Farben sind beim 1936 verliehenen und 1963 vom Stadtrat bestätigten heutigen Wappen aber gleich geblieben. Neben diesem großen Wappen führt die Stadt Nürnberg als kleines Wappen gänzlich andere Inhalte, nämlich: Gespalten, vorne in Gold ein halber, rotgezungter und goldenbewehrter schwarzer Adler am Spalt, hinten von Rot und Silber fünfmal schräggeteilt (http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9564000). Normalerweise ist ein "Kleines Wappen" - insbesondere bei Wappen regierender Häuser - eine hinsichtlich der Inhalte beschränkte Auswahl aus dem "Großen Wappen", hier haben die beiden inhaltlich nichts miteinander zu tun.

Exlibris
für v. Hefner:
Ein heraldisches Exlibris für
v. Hefner-Alteneck, unsigniert, Radierung eines
mir unbekannten Künstlers von ca. 1890 (Hinweise zu Künstler
und Lebensdaten willkommen). Das Wappen zeigt in Blau einen
goldenen Schräglinksbalken, darin hintereinander drei grüne
Blumen mit Stengeln und Blättern. Auf dem gekrönten Helm ein
abnehmender, gesichteter, silberner Mond zwischen einem offenen,
blauen Flug. Helmdecken blau-golden. Im Siebmacher Band Bay, S.
83, T. 96 ist das Wappen abgebildet, allerdings mit ein paar
kleineren Abweichungen. So ist dort der Mond ungesichtet, ferner
ist der Flug beiderseits mit je zwei schräggekreuzten goldenen
Pfeilen belegt.

1814 wurde Franz Ignaz Heinrich Hefner (1756-1846) von König Max I von Bayern geadelt. Am 18.3.1854 erlaubte König Max II dessen Sohn Jakob Heinrich von Hefner (1811-1903) dem Familiennamen "Alteneck" anzuhängen. Er war Konservator der Königlichen Vereinigten Kunstsammlungen und des königlichen Kupferstich- und Handzeichnungskabinetts sowie Konservator des Historischen Vereins von Oberbayern. Er wurde Generalkonservator der Kunstdenkmäler Bayerns und Direktor des Bayerischen Nationalmuseums. Daneben war er selbst als Zeichner und Radierer tätig.

Die Qualität ist herausragend, insbesondere die Plastizität der Darstellung ist unglaublich gut. Die Helmdecken sind mit großer Tiefe und Klarheit modelliert, und auch die konkave Krümmung der Tartsche ist durch die Schatteneffekte hervorragend herausgearbeitet. Die Lust am Modellieren hat auch die drei Blümchen plastisch mit Schattenwurf dargestellt, was von Heraldikern, die darstellerische Nähe zu tatsächlich brauchbaren Objekten anstreben, durchaus kontrovers gesehen wird, wie auch der ohne Befestigung zwischen den Flügeln schwebende Mond ein typisches Produkt der Papierheraldik ist.

Literatur,
Quellen und Links:
Deutsche
Exlibris-Gesellschaft: http://www.exlibris-deg.de/
Siebmachers Wappenbücher
Deutsche Wappenrolle
Rietstap/Rolland
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Copyright / Urheberrecht am Text: Bernhard Peter 2009
Die Abb. sind selbst angefertige Scans historischer Originale.
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de