Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (9)

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für "Eugen Ertzhertzog zu Oesterreich". Eugen Erzherzog von Österreich (21.05.1863, Groß Seelowitz, Mähren - 30.12.1954 in Meran, Südtirol) war der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens (1894-1923) vor dessen Umwandlung von einem Ritterorden in einen klerikalen Orden, die er begleitete. Seine Amtszeit endete 1923 durch Verzicht. Sein Exlibris ist auf den Formen Quadrat, Kreis und Kreuz aufgebaut, innerhalb eines Laubkranzes liegt ein kreisförmig umlaufendes Schriftband, überlappt von einem Hochmeisterkreuz, ein schwarzes, silbern gesäumtes Kreuz, belegt mit einem goldenen Glevenkreuz (Lilienkreuz). Im Gegensatz zu früheren Konstruktionen von Hochmeisterwappen, wo das Ganze in der Mitte mit einem Herzschild belegt ist, der in Gold den schwarzen Reichsadler zeigt, liegt hier dem Hochmeisterkreuz das einfache Wappen des Erzherzogtums Österreich auf, in Rot ein silberner Balken, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Pfauenstoß.

Eugen Erzherzog von Österreich war zugleich der bislang letzte Hochmeister des Deutschen Ordens aus dem Haus Habsburg. Vor ihm bekleideten etliche Habsburger dieses Amt:

Als Hochmeister des Deutschen Ordens war Eugen Erzherzog von Österreich seit seiner Amtsübernahme 1894 zugleich Kommandant des traditionsreichen Infanterieregiments „Hoch- und Deutschmeister“ Nr. 4. Dies paßt zu seiner sonstigen militärischen Laufbahn, die ihn 1916 in den Rang eines Feldmarschalls der k.u.k. Armee und später in den eines Kommandanten der Süd-Westfront im Ersten Weltkrieg brachte.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Elisabeth von Lonyay (Gutenberg 29.693, Klischee). Das Wappen ist beschrieben im Siebmacher, Band Un, Seite: 376, Tafel: 282, und Band UnE, Seite: 86. Der vollständige Name der uradeligen ungarischen Familie lautet Lónyay v. Nagy-Lónya und Vásàros-Namény. Das Wappen zeigt in Blau auf grünem Boden zwei einander zugewandte goldene Löwen, der rechte erhebt mit der Pranke ein goldengegrifftes silbernes Schwert, der linke hält in der erhobenen rechten Pranke einen Eichenzweig mit drei Eicheln und grünem Stengel und ebensolchen Blättern. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen, links rot-silbernen Decken ein geharnischter, gewinkelter, mit dem Ellenbogen aufgestützter Schwertarm, das Schwert silbern mit goldenem Griff. So ist das Wappen auch hier abgebildet. Es gibt ferner eine Variante, bei der der geharnischte Arm wachsend dargestellt ist.

Den Freiherrenstand erhielt am 16.1.1627 Sigismund Lónyay v. Nagy-Lónya und Vásàros-Namény. Diese freiherrliche Linie erlosch mit ihm selbst noch im Mannesstamm und gänzlich mit seinen drei Töchtern.

Den Grafenstand erhielt am 8.8.1871 Monyhért Lónyay v. Nagy-Lónya und Vásàros-Namény (1822-1884), k. u. k. Geheimrat, vormaliger ungarischer Ministerpräsident. Das gräfliche Wappen von 1871 zeigt doppelschwänzige Löwen bei ansonsten gleichem Schildbild, aber nun zwei Helme: Helm 1 mit blau-goldenen Decken trägt einen Eichenzweig mit drei Eicheln und grünem Stengel und ebensolchen Blättern. Helm 2 mit rot-silbernen Decken hat als Zier einen geharnischten, gewinkelten, mit dem Ellenbogen aufgestützten Schwertarm, das Schwert silbern mit goldenem Griff. Schildhalter ein doppelschwänziger, gekrönter goldener Löwe und ein gekrönter, goldener Greif.

Im vorliegenden Exlibris sind die Löwen zwar doppelschwänzig dargestellt, doch es ist nur eine einzige Helmzier wie im Stammwappen abgebildet.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris in Rasterdruck, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Richard C. Kromar Edler von Hohenwolf (Gutenberg 29.689). Rechts unten ist das Exlibris kaum sichtbar signiert. Kromar von Hohenwolf ist übrigens selbst als Künstler bekannt. Die Familie wurde in der Habsburgermonarchie nobilitiert. Das Wappen zeigt vier (2:2) Granatäpfel (?) mit jeweils zwei Blättern und im Schildfuß eine Lilie. Auf dem gekrönten Helm wachsend ein Wolf, der in seinen Vorderpranken ein Bündel aus fünf Getreideähren hält. Ohne Beleg, Hinweise willkommen.

Ein bekanntes Mitglied der Familie ist übrigens Eugen Kromar Edler von Hohenwolf, Ritter des österreichischen Franz Joseph-Ordens, Besitzer der silbernen Jubiläums-Hof-Medaille, der bronzenen Jubiläums-Erinnerungs-Medaille für die bewaffnete Macht und des Marianerkreuzes des deutschen Ritter-Ordens, Ritter des königl. preußischen Kronen-Ordens vierter Klasse und des königlichen Ordens von Rumänien, Jurist und Doktor der Rechte.

Exlibris von Ernst Krahl
Ein heraldisches Exlibris für Georg Baumgartner (Georg III, Propst 1913-1927, gest. 1927), Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg, eine Graphik von Ernst Krahl (1858-1926). Über dem Abtswappen ein Galero mit 2x 6 (1:2:3) Fiocchi, die Schnüre in exquisite Schlingen gelegt. Ganz unten signiert "E. Krahl". Es handelt sich um das österreichische Stift Herzogenburg. Das Wappen ist halbgeteilt und gespalten. Feld 1: in Silber ein schwebendes, breitendiges, rotes Kreuz (Tatzenkreuz, für den Hl. Georg). Feld 2: in Blau der Hl. Georg. Feld 3: Gespalten, vorne ein Korb, oben von zwei schwebenden silbernen griechischen Kreuzen begleitet (nach Siebmacher in Rot ein Blumenkorb für die Propstei Tirnstein, vgl. Siebmacher Band Klö, S. 51, T. 73), hinten in Rot zwei schräggekreuzte silberne Äste (lt. Siebmacher Band Klö, S.51, T. 73 Menschenknochen für die Propstei St. Andrä). Helmzier auf gekröntem Helm ein beiderseits mit einem Tatzenkreuz belegter Flug.

Rechts auf dem Schildrand befindet sich eine mit einem Kreuz belegte Inful, links steht schräg hinter dem Schild ein Krummstab. Ein ganz ähnliches Wappen desselben Eigners findet sich in der Exlibrissammlung (1), im Detail der Umrahmungen jedoch anders gestaltet. Vor allem befindet sich in dieser Version die Schriftkartusche oben, während unten eine Abbildung des Stifts zu sehen ist, in den Winkeln zwischen Klosterdarstellung und Fiocchi jeweils eine fünfzählige Blüte, ein vielzähliges Pendant weiter oben außerhalb des dort einschwingenden Jugenstilrahmens. Der Wahlspruch unter dem Wappenschild lautet "Veritate et Justitia".

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für die Familie der Fürsten von Auersperg. Die Signatur befindet sich ganz klein rechts oben neben dem Namens-Schriftzug "Slatinan". "Slatinan" ist hier der Name des tschechischen Ortes, heute Slatinany, an der Chrudimka im Bezirk Chrudim gelegen, der 1911 das Stadtrecht bekam und heute ca. 4000 Einwohner zählt. Dieser Ort war 1747-1942 Sitz der Familie Auersperg, die dort das alte Renaissance-Schloß Slatinany in der Mitte des 18. Jh. unter Johann Adam von Auersperg restaurierte, es Anfang des 19. Jh. im Stile des Klassizismus und noch einmal 1898-1901 im Stile der Neugotik umbaute. Ihm angeschlossen ist ein bekanntes Gestüt.

Bei diesem komplexen Wappen lohnt es sich, die ganze Entwicklungsgeschichte desselben in den wichtigsten Varianten gemäß der Darstellung im Siebmacher aufzulisten, wobei ausdrücklich auf die ständigen unbegründeten Abweichungen im Detail der Tingierungen hingewiesen werden soll.

Wappen 1: Stammwappen: In Rot ein schreitender goldener Auerochse (Ur). Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender goldener Auerochse (Ur), als Variante, die sich später durchsetzte, auch auf gekröntem Helm.

Anm.: Ganz früher wuchs der Stier aus dem Schildrand oder aus einem Dreiberg, zu Anfang des 16. Jh. gibt es eine Variante mit aufspringendem Auerochsen, spätestens in der Mitte des 16. Jh., jedenfalls vor dem ersten Freiherrendiplom 1550, setzte sich jedoch der vollständige Stier durch, und zwar in der schreitenden Form. Zuerst erscheint der Auerochse schwebend, später setzt sich der grüne Boden durch, entweder als angedeuteter Dreiberg oder als unregelmäßig begrenzter Boden. Den Nasenring hat der Auerochse anfangs auf den ältesten Siegeln noch nicht, später wurde er bindend, in goldener Farbe, auch wenn ein Diplom ihm abweichend eine schwarze Farbe gab.

Wappen 2: Siegel von 1521, geviert:

Zwei Helme:

Ab 1523 ff wird dieses Wappen nebst anderen nachfolgend beschriebenen Varianten und später auch als freiherrliches Wappen geführt. Ab 1590 setzt sich der goldene Nasenring des Auerochsen durch. Als Helm 2 werden im Siebmacher auch zwei goldene Hörner zu schwarz-goldenen Decken angegeben.

Die Familie existiert in verschiedenen Linien. Die Söhne Engelhards von Auersperg (gest. 1466), Pankraz und Volkard (Vollrad) wurden zu Begründern der beiden Hauptlinien, die nach ihnen benannt wurden. Beide Linien spalteten sich wiederum in mehrere Unterlinien auf.

Die ältere Linie des Pankraz wurde am 14.3.1550 mit Herwart v. Auersperg in den Reichsfreiherrenstand und am 11.9.1630 mit den Vettern Dietrich und Hans Andreas Frhr. v. Auersperg in den Reichsgrafenstand erhoben, und dessen jüngster Zweig erlangte am 17.9.1653 den Fürstenstand. Grafen von Gottschee wurden sie am 9.7.1641. Alle Linien der jüngeren Volkardschen Hauptlinie wurden am 25.7.1573 gefreit und am 15.7.1673 gegraft.

Wappen 3: Freiherrliches Wappen, Variante (v. Hefner, Krainer Adel). Geviert:

Zwei Helme:

Wappen 4: Freiherrliches Wappen, Variante (v. Hefner, Krainer Adel). Geviert:

Zwei Helme:

Wappen 5: Freiherrliches Wappen, Variante. Geviert:

Zwei Helme:

Wappen 6: Gräfliches Wappen Pankraz'scher Linie 1630. Die nachfolgend gelisteten Varianten diverser gräflicher Linien benutzen alle den gleichen Hauptschild und unterscheiden sich lediglich hinsichtlich des Inhaltes des Herzschildes und in der linken, dritten Helmzier.

Drei Helme:

Andere Quellen zeigen abweichende Details, z. B. die Decken von Helm 1 und Helm 3 ausgetauscht, was nicht plausibel ist.

Wappen 7: Gräfliches Wappen der ausgestorbenen Linie St. Leonhard am Forst der Volkardschen (Vollradschen) Hauptlinie. Alle Unterlinien der Volkardschen (Vollradschen) Hauptlinie erlangten 1673 den Grafenstand. Die älteste Unterlinie, die zu St. Leonhard, ist schnell wieder erloschen.

Drei Helme:

Wappen 8: Gräfliches Wappen der gegenwärtig blühenden vier Linien der Vollradschen (Volkardschen, Volkhardschen) Hauptlinie, die zu Altschloß Purgstall (Burgstall), zu Neuschloß Purgstall (Burgstall), zu Winern und zu Waasen (Wasen). Alle Unterlinien der Volkardschen (Vollradschen) Hauptlinie erlangten 1673 den Grafenstand, wovon die vier erwähnten im wesentlichen das gleiche Wappen führten (Einschränkungen siehe unten).

Drei Helme:

Es finden sich auch abweichende, logisch nicht nachvollziehbare Farbangaben im Siebmacher und in diversen Diplomen, so in Silber eine goldene Rose für den Herzschild und als zugehörige Helmzier zwei von Blau und Rot übereck geteilte Hörner zu rot-goldenen Decken, während die Decken des mittleren Helmes mit dem Adler auf der Bank rechts schwarz-golden und links rot-golden sein sollen, was insgesamt nicht der Farbregel entspräche und nicht plausibel erscheint. Vgl. auch Siebmacher Suppl. VI 2.9. mit einer goldenen Rose in silbernem Herzschild, blau-rot übereck geteilten Büffelhörnern und rot-silbernen Helmdecken für den mittleren und den linken Helm sowie schwarz-silbernen für den rechten Helm.

Das Reichsgrafen-Diplom vom 15.7.1673 für die Stifter der Linie Altschloss und Neuschloss, Purgstall und Wasen hat beim Stier einen schwarzen Nasenring und schwarze Hörner, der Adler auf der Bank ist zwar weiterhin schwarz, steht aber abweichend in silbernem Feld und ist gekrönt, und die Rose des Herzschildes ist blau und goldenbesamt in goldenem Feld. Die Helme: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein gekrönter schwarzer Adler ohne Bank, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender goldener Auerochse mit schwarzem Nasenring und schwarzen Hörnern (Auersperg, modifiziert), Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine blaue, goldenbesamte Rose zwischen einem rechts silbern-schwarz und links golden-rot geteilten Paar Büffelhörner. Dabei bezieht sich die abweichend tingierte Rose auf die Mutter der beiden Erhobenen, Carl und Maximilian, eine geborene von Sesina-Austi. Der Adler in abweichend silbernem Feld wird als das Wappen "Kollschrag" im Diplom bezeichnet, nicht nachvollziehbar. Also:

Drei Helme:

Wappen 9: Fürstliches Wappen nach dem österreichischen Diplom vom 17.9.1653. Johann Weikhard Reichsgraf von Auersperg, erster Herzog von Münsterberg, Ritter vom Goldenen Vlies, Seiner k. u. k. Majestät Geheimer Rat, Sohn des Erbkämmerers und Erbmarschalls in Krain Dietrich Herr von Auersperg, welcher am 24.1.1631 von Kaiser Ferdinand II in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, wurde am 17.9.1653 von Kaiser Ferdinand III nach dem Recht der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand erhoben. Der Begünstigte starb am 11.11.1677, worauf ihm erst der kaiserliche Kämmerer Johann Ferdinand Franz Fürst von Auersperg, Herzog von Münsterberg und Frankenstein, Graf zu Gottschee und Wels (29.9.1655-1707) als Fürst nachfolgte, dann dessen Bruder, der spätere Generalfeldzeugmeister Franz Carl Fürst von Auersperg, Herzog von Münsterberg und Frankenstein, Graf zu Gottschee und Wels (22.11.1660-6.11.1713), welcher die Familie im Mannesstamm fortsetzte.

Dazu Fürstenhut und roter, hermelingefütterter Wappenmantel.

Es gibt eine Variante nach einem Reichsfürsten-Diplom vom 15.7.1746 mit silbernem, dreilätzigen Turnierkragen in den Feldern 3 und 6 (wegen der jüngeren Linie). Ein Reichsfürsten-Diplom vom 15.7.1746 teilt den Schild etwas anders ein, die oberste Reihe wird in drei Felder gleicher Breite aufgeteilt, wodurch die Spaltung des Gesamtschildes nicht mehr durchgeht.

Die Herrschaft Thengen wurde am 24.10.1663 pfandweise erworben. Mit dem Herzogtum Münsterberg und Frankenstein in Schlesien wurde die Familie am 30.7.1654 belehnt. Erlöschen des Titels "Herzog von Münsterberg u. Frankenstein" mit dem Verkauf des Herzogtums an Preußen 1791. Graf von Gottschee am 9.7.1641, Herzog von Gottschee am 11.11.1791.

Das hier abgebildete Wappen entspricht in seinem Aufbau dem fürstlichen Wappen wie oben beschrieben, mit darstellerischen Abweichungen, so ist der Auerochse nicht mit Punkten für die Tinktur Gold versehen, auch ist die Bank nicht schwarz dargestellt. Ein Halbmond auf dem Adler in Feld 2 unten fehlt. Das ist jedoch alles durchaus innerhalb der Variationsbreite der vorhandenen Unterlagen, die ein sehr uneinheitliches Bild vermitteln.

Ein schönes bauplastisches fürstliches Wappen befindet sich übrigens an Burg Wels in Österreich, ein weiteres gemaltes über der Toreinfahrt des Schlosses Goldegg bei Sankt Pölten mit noch einer weiteren Farbvariante.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris im Stile des Jugendstils (insbesondere der Rahmen ist typisch), entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Gustav Freiherr von Wersebe (Witte, Bibliographie 2, 127; Thieme-Becker 21; Gutenberg 29.715, Klischee, 100 x 75 mm). Das Wappen ist von Silber und Schwarz gespalten. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein rechtes silbernes und ein linkes schwarzes Büffelhorn. Eigentlich gilt die Konvention, daß man entweder eine Rangkrone oder einen Helm mit Helmkrone und Helmzier verwendet, doch um die Jahrhundertwende nahm man das im Habsburgerreich nicht so streng, wie viele Belege auch aus der Hand von Ernst Krahl belegen, und so finden wir auch hier zusätzlich eine freiherrliche, siebenzinkige Rangkrone direkt auf dem Schild, in dubio pro Pomp, auch wenn es nicht gut aussieht. Im Siebmacher findet sich das Wappen übrigens auch unter dem Namen "Wersabe" in Band PrE, Seite: 181, Tafel: 158 mit seitenverkehrten Farbangaben, korrekt in der Farbverteilung hingegen in Band Ha, Seite: 23, Tafel: 21 und Han, Seite: 18, Tafel: 19 sowie MeA, Seite: 116, Tafel: 66 und Pr, Seite: 444, Tafel: 485. Eine weitere Darstellung findet sich bei Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig, Hannover 1852, unter "Wersabe", dort jedoch mit Wulst statt mit Helmkrone. In den beiden oberen Ecken des Exlibris-Druckes finden sich einzelne Wappenschilde, optisch links oben noch einmal das Wappen Wersebe, optisch rechts oben in Blau ein rechtsgewandter, gesichteter Halbmond (Mondsichel) zwischen drei (2:1) silbernen, sechszackigen Sternen, evtl. v. Beulwitz.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein auf 1905 datiertes und im inneren Spitzbogen-Rahmen signiertes heraldisches Exlibris, insbesondere der Rahmen, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für den Ritter von Karabacek ("Ex libris Equitis a Karabacek"). Das Wappen zeigt in blauem Feld auf grünem Grund (Rasen) die Vollfigur eines langhaarigen Mannes mit langem silbernem Gewand und in Sandalen (der arabische Kalif Abdel-Malik (685-705)), von der Rechten eine dreischwänzige Geißel (Kirbatsche, vgl. Eigennamen!) herabhängend, die Rechte am Schwertgriff, die Linke die Scheide erfassend. Diese Figur wird begleitet von zwei goldenen Sternen über zwei silbernen Lilien mit trapezförmigem Fuß und rautenförmigem Mittelblatt ("sarazenisch stilisierte" Lilien), je eine/r auf jeder Seite. Auf gekröntem Helm mit rechts blau-silbernen, links blau-goldenen Decken ein wachsender goldener Löwe, der in seiner Rechten eine dreischwänzige Geißel (Kirbatsche) schwingt (Witte, Bibliographie 2, 127; Thieme-Becker 21; Gutenberg 29.680, Klischee, 100 x 62 mm).

Die Erhebung der Familie in den Ritterstand fand erst am 10. April 1904 mit Diplom vom 2. Februar 1905 statt, der Begünstigte war Dr. phil. Josef Maria Karabacek (20.9.1845-9.10.1918, Sohn von Johann Baptist Karabacek, Familie stammt aus Mähren), österreichischer Orientalist, Archäologe, Historiker, Universitätsprofessor in Wien, k.u.k. Hofrat sowie Direktor der Wiener Hofbibliothek 1899-1917. Aufgrund der Datierung läßt sich damit das Exlibris genau zuordnen. Die Motivwahl ist sehr stark an den persönlichen Forschungsinteressen des Orientalisten Josef Maria Karabacek ausgerichtet.

Exlibris von Ernst Krahl:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris in Rasterdruck, entworfen von Ernst Krahl (1858-1926) für Emil Ritter von Komorzynski-Oszcynski gen. Langendorf (Gutenberg 29.684). Das Exlibris ist zweiteilig aufgebaut, oben sehen wir ein herrschaftliches Anwesen in ländlicher Umgebung, unten ein Vollwappen zwischen zwei Ornament-Postamenten.

Das Wappen (ohne Beleg, Hinweise willkommen) zeigt in Blau einen schräglinks gelegten, gefiederten, silbernen Pfeil, oben rechts und unten links von je einem silbernen, sechsstrahligen Stern begleitet. Auf dem gekrönten Helm ein von einem silbernen Pfeil nach links balkenweise durchschossener Pfauenfederbusch aus insgesamt sieben Pfauenfedern.

Exlibris von A. Hildebrandt:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris (Gutenberg 25.630), gedruckt auf blaugrünem Faserpapier, entworfen von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) für Hermann Gelder (1866-1947, Apotheker in Berlin und Mitbegründer der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie am 18.8.1926). Das Wappen ist mit drei Spitzen von Blau und Gold geteilt, darin zwei balkenweise gelegte Malzschaufeln (Backschaufeln) verwechselter Tinktur, die obere mit der Schaufel nach rechts, die untere nach links. Auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender goldener Löwe. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher, Band Bg6, Seite: 46, Tafel: 47, mit Ergänzung in Band Bg6, Seite: 76, Tafel: 82. Darstellerisch ist die Einbindung des Vollwappens in ein Stilleben aus Büchern und einem Blütenstengel, der der Schrift obendrüber die Härte nimmt und sie mit in die Komposition einbezieht, sehr elegant gelöst. Typisch für Hildebrandt-Zeichnungen ist jedoch die nicht stimmige Perspektive im Oberwappen, der Helm steht so schräg, daß man ihn von schräg oben betrachtet, während der Wulst so steht, als ob man ihn von schräg unten betrachten würde, während die Helmzier einfach seitlich gesehen wird, was insgesamt dazu führt, daß in der Zusammenschau der wachsende Löwe so aussieht, als ob er seitlich auf dem rechten Ohr des Helmträgers hinge und sich mühsam in die Vertikale rettete, ein generelles Hildebrandt-Problem, das nicht nur hier zu beobachten ist.

Exlibris von Lorenz Rheude:
Ein auf 1910 datiertes heraldisches Exlibris in Rasterdruck (Witte, Bibliographie 3, 15; Thieme-Becker 28; Variante von Gutenberg 8969), entworfen von Lorenz M. Rheude (1863-1939) aus München für Albert Treier. Das Wappen zeigt in Gold einen blauen Schrägbalken, belegt mit drei miteinander verschränkten goldenen Ringen. Auf dem Helm mit golden-blauen Decken wachsend ein goldener rotgezungter Brackenrumpf mit blauen Behängen und mit beringtem roten Halsband (Tingierung gemäß einem anderen, farbig gefaßten Exlibris). Das Schildbild ist in gewissem Sinne redend über die Assoziation Treier - Dreier - ein Dreier aus drei Ringen, drei Ringe eine Einheit bildend. Und es ist auch och viel subtilere Weise redend: Die Familie schrieb sich einst Treuer, und sowohl die verschlungenen Ringe als auch die Bracke sind Treue-Symbole. Vier weitere Wappenschilde sind um das Vollwappen Treier herum gruppiert, die verschiedene Lebensstationen des Eigners bezeichnen, z. B. optisch rechts oben die Stadt Bamberg (in Rot ein silberner Geharnischter mit einem roten Kreuz auf der Brust und einem silbernen Schwert am Gurt, in der Rechten eine Lanze mit silbernem Fähnlein, darauf ein rotes durchgehendes Kreuz, die Linke gestützt auf einen blauen Schild mit silbernem Adler), links oben das gewendete Wappen des Erzstiftes Salzburg (gespalten, vorne in Gold ein schwarzer Löwe, hinten in Rot ein silberner Balken), und der Wappenschild links am Rand zeigt das gewendete alte Kreiswappen von Oberfranken, heute Regierungsbezirk Oberfranken, gültig bis 1945, es vereint die Symbole für das Hochstift Bamberg (in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste), die Markgrafen von Brandenburg (in Silber ein roter Adler) und den Fränkischen Rechen (von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt), und der vierte Schild schließlich zeigt einen Löwen.

Literatur, Quellen und Links:
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 1: A-K, 720 Seiten, 1685 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-31-8.
Elke Schutt-Kehm, Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, 2. Teil, Band 2: L-Z, 736 Seiten, 1795 Abb., Verlag Claus Wittal, Wiesbaden, 1998, ISBN 978-3-922 835-32-5
Claus Wittal, Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums, Verlag Claus Wittal, 2003, 336 Seiten, 595 Abb., ISBN 978-3-922 835-33-2
Siebmachers Wappenbücher
Wiener genealogisches Taschenbuch 1934
Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs 1912/13
Gabriele Mauthe: Die Direktion Josef Karabacek an der k.k. Hofbibliothek in Wien (1899-1917)
http://www.edelleute.eu/

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