Bernhard
Peter
Britische,
historische, heraldische Exlibris (3)
Exlibris
von Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für die Bibliothek des Oxford and Cambridge University
Club. Das Blatt ist am unteren linken Rand unscheinbar
innerhalb der Hintergrundschraffur mit C. W. Sherborn R. E. 1901
im Druck monogrammiert und datiert (89
x 73 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 3, 80; Thieme-Becker 30;
nicht bei Gutenberg). Die am
oberen Rand dominant erscheinende Jahreszahl 1830 ist nicht das
Fertigungsdatum, sondern das Gründungsdatum des Oxford and Cambridge University Club. Dessen
Vorbild, der United University
Club, wurde am 30.6.1821 in London als Absolventenclub gegründet
und hatte seinen Sitz bis 1971 in der
Londoner Suffolk Street (University Club House). Die Mitgliederzahl war lange Zeit
limitiert und zu gleichen Teilen auf die beiden Universitäten
aufgeteilt, 500 Absolventen von jeder sollten es sein. Wie
üblich führte die Exklusivität zu einem enormen Andrang und
langen Wartelisten, so daß bereits acht Jahre nach der Gründung
des ersten Clubs am 17.5.1830 mit dem Oxford
and Cambridge Club, seit 1835 in der Londoner Pall Mall, ein
Auffangbecken für die Unberücksichtigten als Alternative
entstand, und mit diesem Club haben wir es hier zu tun bei diesem
Exlibris. Ein dritter Club für die gleiche Zielgruppe war der
1864 gegründet wurde und 1938 mit dem United University Club
verschmolz. Auch die "erste Kopie", der Oxford and
Cambridge Club, verschmolz 1972 mit dem United University Club,
erst unter dem Namen United Oxford and Cambridge University Club,
später als Oxford and Cambridge Club. Das 20. Jh. sah die Clubs
weit entfernt vom Andrang des Vorjahrhunderts, in der Tat hatte
man solche Nachwuchssorgen, daß man ab 1971 sogar Absolventen
aller Universitäten weltweit aufnahm. Erst mit der Fusion kehrte
man zur ursprünglichen Bestimmung und Beschränkung zurück. So
setzte sich letztendlich die Zweitgründung gegen den älteren
Club durch. Der Oxford and
Cambridge University Club hat jedenfalls eine der umfangreichsten
und bestsortierten englischen Club-Bibliotheken mit einem Umfang
von ca. 20000 Bänden.

Die beiden nebeneinandergestellten Wappenschilde zeigen die Wappen der Universitäten von Oxford (Universitas Oxoniensis, in Blau zwischen drei (2:1) goldenen Laubkronen ein silbernes Buch mit rotem Einband und goldenen Beschlägen, auf dessen aufgeschlagenen Seiten die Buchstaben Dominus illuminatio mea, der Herr ist meine Erleuchtung, zu lesen sind, englisch: Azure, upon a book open proper, leathered gules, garnished or, having on the dexter side seven seals of the last, the words "dominus illuminatio mea", all between three open crowns, two and one, or) und Cambridge (Academia Cantabrigiensis, in Rot ein durchgehendes Balkenkreuz von Hermelin, bewinkelt von vier goldenen, schreitenden, hersehenden Löwen (Leoparden) und im Zentrum belegt mit einem quergelegten, roten, golden beschlagenen Buch, englisch: Gules, a cross ermine between four lions passant gardant or, and on the cross a closed book fessways gules clasped and garnished or, the clasps downward). Die Universität Cambridge, der dieses Wappen 1573 von Robert Cooke, Clarenceux King of Arms und Absolvent des St. John's College verliehen wurde, hat als Devise, welches hier aber nicht erscheint: Hinc lucem et pocula sacra.

Exlibris von
Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) in Kreisform, den Stil alter
Siegel imitierend, für Montagu
George Knight of Chawton (Hampshire), wie die umlaufende
Inschrift verrät. Der 78 x 80 mm messende Kupferstich zeigt ein Vollwappen mit drei weiteren
Schilden und ist rechts unten am Außenrand neben dem Schildfuß
mit "C.W.S. R.E.
1900" im Druck monogrammiert und datiert. Der Hauptschild ist ein zusammengeschobenes
Ehewappen. Die heraldisch rechte Spalthälfte ist geviert aus Knight
(in Grün ein Rautenschrägbalken, unten rechts begleitet von
einem silbernen Fünfblatt, mit einem roten rechten Obereck,
engl. Vert a bend indented or with a cinquefoil argent in the
foot and a canton gules), Austen (in Gold ein
roter Sparren, begleitet von 3 (2:1) schwarzen, ausgerissenen
Löwenpranken, engl. Or a chevron gules between three lions' paws
razed sable) und Leigh of Stoneleigh (in Rot ein
gedorntes silbernes Kreuz, rechts oben begleitet von einer
silbernen Raute, engl.: Gules a cross engrailed argent, in the
first quarter a lozenge of the second). Die heraldisch linke
Spalthälfte zeigt das Wappen Hardy (unter einem
roten Schildhaupt mit drei balkenweise gestellten
Leopardenköpfen in Silber ein roter, beiderseits gekerbter
Schrägbalken, belegt mit drei goldenen Mühlrädern oder
Katharinenrädern und begleitet von zwei roten Schrägleisten,
engl.: Argent on a bend invected plain cottised gules three
catherine wheels or, on a chief of the second three
leopards faces of the third). Montagu George Knight (1844-1914)
hatte im Jahre 1870
Florence Hardy (gest.1935), die Tochter von Charles Hardy,
geheiratet. Er war es, der Chawton zum
bevorzugten Familiensitz machte (1911 schrieb er eine Geschichte
von "Chawton Manor and its Owners"). Der Eigner des Blattes war damit der Sohn
von Edward Knight (gest. 1879) und dessen 1840 geehelichten Frau
Adela Portal. Montagu George Knight wird 1881 als
"Magistrate, BA Oxford" erwähnt. Zwei der drei
Extra-Schilde zeigen das Stammwappen Knight in verschiedenen
Differenzierungsgraden (in Grün ein
Rautenschrägbalken, in der optisch rechten Variante unten rechts
begleitet von einem silbernen Fünfblatt, engl. Vert a bend
indented or with a cinquefoil argent in the foot). Der dritte Schild silbern-schwarz mit
einer Spitze geteilt mit drei (2:1) Fünfblättern in
verwechselten Farben. Der ursprüngliche Familienname war
übrigens Brodnax, und Thomas Knight
(1701-1781) hatte den Namen "Knight" 1738 angenommen,
als er Chawton erbte. Sein Sohn, ebenfalls ein Thomas Knight,
hatte Edward Austen (1794-1879), Bruder von Jane Austen, zum
Erben bestimmt, der nun den Namen Knight übernahm. So kam es zu der Verknüpfung der
Wappen Austen und Knight. Die Helmzier ist die Knight-Helmzier,
ein wachsender Mönch, auf der Brust mit einer Rose belegt, in
der Rechten ein gestieltes Fünfblatt haltend, in der Linken
einen Rosenkranz. Devise: Suivant Saint Pierre.

Exlibris von
Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für Richard Hugh Royds Brocklebank
(1881-1965). Das 106 x 79 mm messende Blatt ist unten links
am unteren Rand mit "C.W.S. R.E. 1907" im Druck
monogrammiert und datiert. Der Eigner war der Sohn von Thomas
Brocklebank, dessen Bücherzeichen als nächstes folgen wird (s.
u.), und er hatte 1910 Charlotte Carissma Blood geheiratet, die
Tochter von Sir Bindon Blood, einem General, und von Charlotte
Elizabeth Colvin. Richard Hugh Royds Brocklebank hatte sich
ebenfalls für eine militärische Laufbahn entschieden; er wurde
Lieutenant-Colonel bei den 9. Queen's Royal Lancers. Sein
Wohnsitz war Alveston House in Stratford-on-Avon. Seine
militärische Laufbahn ließ ihn auch in Transvaal als Captain
dienen, offensichtlich wurde das Exlibris kurz vor seinem
Aufbruch angefertigt, und zwar ziemlich eilig, was sich in einer
fehlenden Stahl-Härtung der Druckplatte aus Kupfer und dem
daraus folgenden verwaschenen Druckbild zeigt. Das Wappen zeigt unter einem goldenen, nach unten
gedornten Schildhaupt, mit einem natürlichen Hahn zwischen zwei
blauen Jakobsmuscheln balkenweise belegt, in Blau eine goldene
Jakobsmuschel zwischen drei (2:1) silbernen (natürlichen)
Dachsen (engl.: Azure an escallop or between three brocks argent,
on a chief engrailed or a cock proper between two escallops
azure). Hier wird für den Dachs anstelle des zoologischen
Ausdrucks "badger" das Wort "brock"
verwendet, eine in der Heraldik oft ersatzweise verwendete
Bezeichnung. Hier steht er als redendes Symbol für einen Teil
des Familiennamens. Eine weitere Möglichkeit der Ansprache eines
Dachses wäre "grey". Auf dem blau-golden bewulsteten
Helm mit blau-goldenen Decken auf einem grünen, mit drei
goldenen Pilgermuscheln belegten Hügel stehend ein natürlicher
Hahn (engl.: in front of a mound vert thereon a cock proper three
escallops or). Die Devise lautet: God Send Grace.

Exlibris von
Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für Thomas Brocklebank, Vater des oben
genannten Richard Hugh Royds Brocklebank. Das 110 x 78 mm
messende Blatt ist am unteren, eingerollten Rand des
Namens-Schriftbandes mit "C.W.S. Sc., 1896" im Druck
monogrammiert und datiert. Im Gegensatz zu vielen exzellenten
Sherborn-Stichen, die leider auf qualitativ wenig beständigem
Papier gedruckt wurden und heute typischerweise
gelblich-bräunlich oder fleckig sind, ist hier mal gutes Papier
verwendet worden, das auch nach einem Jahrhundert noch gut
aussieht. Der Wappenschild ist gespalten, rechts ist das Wappen Brocklebank,
links das Wappen Royds (engl. Brocklebank
impaling Royds), rechts unter einem
goldenen, nach unten gedornten Schildhaupt, mit einem
natürlichen Hahn zwischen zwei blauen Jakobsmuscheln balkenweise
belegt, in Blau eine goldene Jakobsmuschel zwischen drei (2:1)
silbernen (natürlichen) Dachsen (engl.: azure an escallop or
between three brocks argent, on a chief engrailed or a cock
proper between two escallops azure), links in Hermelin ein rotes,
gedorntes Kreuz, begleitet von vier roten Löwen und belegt mit
einer pfahlweise gelegten goldenen Reiterlanze zwischen vier
(1:2:1) goldenen Besanten auf den Kreuzarmen (engl.: Ermine on a
cross engrailed between four lions rampant Gules a tilting spear
erect or between four bezants. Das Oberwappen ist das gleiche wie
zuvor beschrieben, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit
blau-goldenen Decken auf einem grünen, mit drei goldenen
Pilgermuscheln belegten Hügel stehend ein natürlicher Hahn
(engl.: in front of a mound vert thereon a cock proper three
escallops or). Die Devise lautet: God Send Grace. Es findet sich
eine passende Heirat von Thomas Brocklebank (26.7.1841-18.2.1919)
mit Mary Petrena Royds (26.4.1849-15.5.1937) am 25.4.1867 in
Chidwell in Lancashire. Thomas Brocklebank war der Sohn von Ralph
Brocklebank. Seine Frau war die Tochter von Henry Royds und
Margaret Bourne. Beide hatten zusammen folgende Kinder: Mary
Adeline Brocklebank (1868-1882), John Wilfrid Royds Brocklebank
(1869-1926), Margaret Elsie Brocklebank (1873-1893), Henry Cyril
Royds Brocklebank (1874-30.6.1957), Richard Hugh Royds
Brocklebank (1881-1965) - das
ist der Besitzer des weiter oben diskutierten Bucheignerzeichens
-, Clement Edmund Royds Brocklebank
(1862-1949) und Ralph Eric Royds Brocklebank
(13.11.1870-13.2.1921), wobei letzterer übrigens wieder eine
Royds heiratete. Im weiteren Verlauf wurde das Brocklebank-Wappen
nicht nur um ein Feld Royds, sondern auch um ein Feld Lindsay in
Feld 3 eines gevierten Schildes vermehrt (quarterly 1 and 4 gules
a fess chequy argent and azure, 2 and 3 or a lion rampant gules
debruised of a riband in bend sable all within a bordure per pale
dexter azure charged alternatively with four stars or and four
lozenges also or, sinister argent charged with in the sinister
chief with a martlet azure).

Exlibris von
Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für Alfred Armitage
Bethune-Baker, Barrister-at-Law, bei Gericht zugelassener Anwalt am Lincolns Inn (dazu
weiter unten) in London. Das undatierte Blatt (100 x 68 mm) ist
unten links mit "CWS RE" im Druck monogrammiert. Alfred
Armitage Bethune-Baker, der 1925 im Alter von 71 Jahren
verstarb, war selbst ein Sammler von Bücherzeichen,
hauptsächlich seiner Heimat Berkshire, und Mitglied der Exlibris
Society. Bei dem renommierten Künstler Sherborn gab er mehrere
Gestaltungen in Auftrag, eine andere Variante als die hier
vorgestellte mit der Adreßangabe Hove, Sussex. Der dargestellte
Schild zeigt gemäß den Schraffuren zwischen zwei silbernen,
jeweils mit einer mit dem Rad nach oben gestellten, blauen
Radspore belegten Bogenflanken in Blau einen aufspringenden
Löwen, das Halsband von Goldhermelin. Hier ist ein besonders
eigenwilliger Stil zu sehen. Das Fehlen einer Helmzier fällt
unschön auf, schließlich ein essentieller Bestandteil eines
Vollwappens, und nur Helm ohne Helmzier ist keine gute
Darstellungsweise, auch wenn der Helm noch so exquisit durch
Schattierungen modelliert wird. Aus der Helmdecke ist ein wild
wucherndes und den gesamten außerhalb von Schild und Helm
verbleibenden Platz einnehmendes Ungetüm geworden, das so
plastisch modelliert ist und solche Formen aufweist, daß man
sich sofort an hoch- und spätgotische Blattkapitelle oder andere
Steinmetzarbeiten z. B. mit Akanthusblättern an Konsolen
erinnert fühlt. Wie von einem horror vacui beseelt bildet es
einen dichten, nicht mehr logisch nachvollziehbaren Hintergrund
für Schild und Helm. Heraldisch ist diese Darstellung nach
unserem heutigen Geschmack sicherlich unvollständig und
kritikwürdig, denn eine Helmdecke sollte immer noch als Tuch in
realisierbarer Form dargestellt werden, dafür steht hier die
Lust am zeichnerischen dreidimensionalen Modellieren im
Vordergrund. Einen ähnlichen Stil findet man bei Arbeiten
Sherborns für die Familien Franks, Greg, Kempe und
Rumbold.

Exlibris
von Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für "Liber Coll. Omn.
Anim. Fidel. Defunct. in Oxon." - also für einen Band aus
der Bibliothek des All Souls College in Oxford
(Kupferstich, Witte, Bibliographie 3, 80; Thieme-Becker 30;
Gutenberg 10.396). Der 93 x 72 mm große Druck ist links unten
unscheinbar innerhalb der schattierten Zone mit "Sherborn
fecit Lond. 1891" monogrammiert und datiert. Vollständig
lautet der Name dieses College, das zwischen der High Street und
dem Hertford College einerseits, zwischen dem Radcliffe Square
und dem Queen's College andererseits liegt, "The College of
All Souls of the Faithful Departed", und genau das
entspricht der abgekürzten lateinischen Bezeichnung. Der
seltsame Name sollte die Erinnerung an die vielen Opfer des
Hundertjährigen Krieges wachhalten. Die Mitglieder dieses
College bestehen, eine Besonderheit, nicht aus Studenten, sondern
ausschließlich aus Graduierten, fertigen Akademikern (fellows),
die nach einem strengen Auswahlverfahren nach ihrem Examen
ausgesucht werden. Nur die besten der Besten finden hier als
Fellow Eingang, und die Mitgliedschaft ist eine der exklusivsten
akademischen Anerkennungen. Das College ist eine Gründung des
15. Jh.; König Heinrich VI. und der Erzbischof von Canterbury,
Henry Chichele, gründeten das College in den Jahren 1437 (das
Jahr wird auf dem Exlibris angegeben) bis 1438 (königliches
Gründungspatent vom 20.5.1438), und der gesamte Vorderbau des
heutigen Gebäudekomplexes stammt noch aus der Zeit um 1438-1443.

Die Bibliothek der elitären Gemeinschaft ist die sog. Codrington Library, so benannt nach Christopher Codrington (1668-7.4.1710), Absolvent von Christ Church College und Mitglied des All Souls College, der dem College 6000 Pfund für den Bibliotheksbau und 4000 Pfund für die Bücherausstattung sowie seine eigene umfangreiche Bibliothek testamentarisch vermachte. Diese Geschichte spiegelt sich in der Heraldik des Blattes wider: Heraldisch rechts ist der Schild der Familie Chichele zu sehen, in Gold ein roter Sparren, begleitet von drei (2:1) roten Fünfblättern (engl.: Or, a chevron gules between three cinquefoils of the second). Darüber sind bischöfliche Insignien zu sehen, eine juwelengeschmückte Mitra, ein Vortragekreuz mit zwei Querbalken sowie ein Krummstab, die beiden letzteren hinter dem Schild schräggekreuzt, an die Gründung durch den Bischof Henry Chichele erinnernd. Das College-Wappen von All Souls ist identisch mit dem Wappenschild der Chichele, und so wird das Wappen heute noch geführt. Gegenüber ist das Vollwappen der Familie Codrington, in Silber ein schwarzer, mit rotem verflochtenem Schräggitter belegter Wechselzinnenbalken, begleitet von drei (2:1) roten, schreitenden Löwen (engl.: Argent a fess embattled counter-embattled sable fretty gules between three lions passants of the last). Auf dem gekrönten Helm ein wachsender roter Drachenkopf zwischen zwei golden-blau geschachten Drachenflügeln (engl.: a dragon's head gules between two dragons' wings chequy or and azure). Auch die Devise "Vultus in hostem" (face to the enemy, countenance against the enemy) gehört zur Familie Codrington und erinnert so an den Mäzen, dem die Bibliothek viel verdankt.

Exlibris von
Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für "The Honourable Society of Lincoln's
Inn". Das oval gestaltete Blatt ist in der
innersten Zone des umlaufenden Schriftbandes mit "C W
Sherborn RE fecit 1896" im Druck datiert und monogrammiert.
Der Wappenschild zeigt ein blaues, mit goldenen Mühleisen
besätes Feld mit einem goldenen, mit einem purpurnen Löwen
belegten rechten Obereck (engl.: Azure
seme de fer moline or, on a dexter canton or a lion rampant
purpure). Lincolns Inn ist der Name einer renommierten
und seit dem 14. Jh. bestehenden britischen Anwaltskammer, wovon
es insgesamt vier gibt: Neben Lincoln's Inn (mind. seit 1422
nachweisbar, vermutlich noch älter) noch Grays Inn (seit
1569), Middle Temple (seit 1501) und Inner Temple (seit 1505).
Warum "Inn"? Der Ausdruck bezeichnete im weitesten
Sinne auch eine Unterkunft für Studenten weltlicher
Jurisprudenz, aus deren Assoziation die Gesellschaft hervorging.
Es war eine Kombination von Unterkünften, Gemeinschaftsräumen,
Versammlungsräumen und Bibliothek. Die Ausbildung zur
Jurisprudenz wurde inzwischen an andere Orte verlagert, die
Studenten ebenfalls, der Name für Gesellschaft und Gebäude
blieb. Die historischen Gebäude des Lincoln's Inn liegen direkt neben den königlichen Gerichtshöfen
in London. Die 1471 erstmalig erwähnte Bibliothek umfaßt heute
ca. 150000 rechtswissenschaftliche Bände, nicht nur bzgl.
Großbritanniens, sondern auch zur Rechtswissenschaft der
Commonwealth-Mitglieder, dazu ein Archiv parlamentarischer
Vorgänge seit 1801. Das Wappen wurde dem Lincoln's Inn 1516
verliehen. Den Namen hat die Gesellschaft vermutlich nach Henry
de Lacy, 3. Earl of Lincoln (gest. 1311); und zeitweise
wurde auch in Unkenntnis des eigenen Wappens nur der de
Lacy-Löwe geführt. So findet das Wappen der de Lacy nun im
rechten Obereck, während die Mühleisen im Feld einen anderen
Hintergrund haben: Ein Master namens Richard Kingsmill spielte
eine wichtige Rolle bei der Überlassung von Grund und Boden an
die Gesellschaft im Jahre 1580, und dessen Wappen sind die
Mühleisen entnommen.

Exlibris
von Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von
Charles William Sherborn (1831-1912) für Colonel Sir
Herbert Jekyll (22.11.1846-1932). Das 95 x 66 mm
messende Blatt ist links unten im Druck "CWS 1891"
monogrammiert und datiert, dazwischen noch eine Ligatur, die
vermutlich "fecit" heißt. Das Wappen der Familie ist
geviert (quaterly) mit Herzschild, Feld 1: in Gold ein schwarzer
Balken, begleitet zwischen drei (2:1) schreitenden schwarzen
Hirschkühen (Stammwappen Jekyll, engl.: Or, a
fess sable between three hinds trippants (passants) sable), Feld
2: unter einem im Spitzenschnitt golden-blau geteilten
Schildhaupt silbern-schwarz gerautet (engl.: lozengy argent and sable, a chief per fess dancetty
or and azure),
Feld 3: in Rot zwei silberne, mit den Ansätzen verschmolzene
Flügel, überhöht von einer liegenden Mondsichel (engl.: Gules, two wings inverted and conjoined argent, and
in chief a crescent for difference), Feld 4: in silbernem, mit schwarzen
widergekreuzten und fußgespitzten Kreuzchen bestreutem Feld drei
(2:1) rote Eberköpfe (engl.: Argent,
crusily fitchy sable, three boars' heads erased gules), Herzschild (Wappen Graham
für seine 1881 geehelichte Frau Agnes,
Tochter von William Graham): golden unter einem mit einer nach oben gedornten
Linie abgeteilten Schildhaupt von Hermelin mit drei goldenen,
balkenweise gelegten Pilgermuscheln darin (or, on a chief invected ermine, three escallops of
the field).
Die Helmzier ist das Stammkleinod der Jekyll,
auf dem Helm ein wachsender, gezäumter Pferdekopf (upon a wreath of the colours of field 1, a horse's
head argent, bridled and studded). Die Devise lautet "IN DEO
CONFIDO" - ich vertraue in Gott. Unter dem Schild ist ein
Mitgliedszeichen eines Ritterordens zu sehen, es handelt sich um
den am 28.4.1818 anläßlich der
britischen Schutzherrschaft über die Ionischen Inseln
gegründeten Order of Saint Michael and Saint George (Orden vom
Hl. Michael und Georg), in dem der Eigner 1885 Mitglied wurde.
Das Abzeichen ist charakteristisch, ein siebenarmiges, weißes
Malteser-Kreuz, auf der Vorderseite mit dem Hl. Heiligen Michael,
auf der Rückseite mit dem Hl. Georg, ersterer den Teufel,
letzterer den Drachen besiegend.

Exlibris
von unbekanntem Künstler:
Ein heraldisches Exlibris von
unbekannter Hand vom Anfang des 18. Jh. (möglicher Rahmen ca.
1700-1709) für Sir Godfrey Copley zweiter
Bar(one)t of Sprotbrough, Sohn von Sir Godfrey Copley
(16231677, 1661 erster Baronet von Spotbrough) und Eleanor
Walmesley, High Sheriff von Yorkshire, geb. ca. 1653, gest. 9.4.1709.
Stilistisch greift das ca. 135
x 110 mm messende Blatt Motive aus der
Zeit König Jakobs I. auf (Jacobean style). Der in Sprotbrough, South
Yorkshire, lebende Sir Godfrey Copley hatte in erster Ehe Catherine, Tochter von John Purcell of Natribia und
Eleanor Vaughan, und in zweiter Ehe ca. 1700 Gertrude Carew, Tochter von Sir John Carew,
3. Baronet of Antony (die in Cornwall gelegene Baronie erlosch
1709), geheiratet. Ebenfalls 1709 erlosch der Titel des Baronet
of Spotbrough; 1778 wurde er wiederbelebt (zweite Vergabe). Nach
dem Eigner ist die seit 1731 jährlich vergebene Copley-Medaille
der Royal Society für herausragende naturwissenschaftliche
Leistungen benannt. Der ovale Wappenschild ist gespalten, rechts Copley
für den Ehemann, links Carew für die zweite
Ehefrau, rechts geviert mit Herzschild, Feld 1: in Silber ein
Mühleisenkreuz (Stammwappen Copley), Feld 2: gerautet, Feld 3:
unter einem Schildhaupt mit drei Vogelköpfen ein Rautenbalken,
Feld 4: unter einem Schildhaupt mit drei balkenweise gelegten
Fünfblättern ein gedornter Schragen, Herzschild: in Silber eine
rote aufrechte Hand (Baronet-Symbol), links drei schreitende
Löwen übereinander, wobei die Carew das Feld golden und die
Löwen schwarz führen (engl.: Or three
lions passant sable). Weitere Hinweise zu den anderen Bestandteilen des
Copley-Wappens willkommen.

Exlibris
von Charles William Sherborn:
Ein heraldisches Exlibris von Charles William Sherborn
(1831-1912) für George Montagu Butterworth
(geb. 12.5.1858 als Sohn von Revd. George Butterworth und Frances
Maria Kaye). Das 117 x 76 mm messende Blatt ist unscheinbar auf
dem nach unten eingerollten mittleren Teil des Eignerinschrift
mit "18 CWS 96" im Druck monogrammiert und datiert.

Der Schild ist gespalten, rechts Butterworth (in Rot ein goldener Sparren, begleitet von zwei goldenen Löwen oben und einem ebensolchen Doppeladler unten und belegt mit drei widergekreuzten blauen Kreuzen, engl.: Gules on a chevron between two lions rampant in chief and in base an eagle displayed with two heads or three cross crosslets azure), links Ward (in Blau ein goldenes Dreilappenkreuz, engl.: Azure a cross flory or) geviert mit Hoskins (in rot-blau gespaltenem Feld ein goldener, gedornter Sparren, begleitet von drei (2:1) silbernen Löwen, engl.: Per pale gules and azure a chevron engrailed or, between three lions rampant argent).

Die drei zu den beschriebenen Komponenten gehörenden Kleinode sind, wovon hier allerdings nur das Kleinod des Ehemannes realisiert ist: Butterworth: Auf dem bewulsteten Helm ein auffliegender Adler in Goldhermelin, die rechte Klaue auf einem blauen Schildchen mit einem goldenen, widergekreuzten Kreuz, engl.: An eagle wings elevated erminois the dexter claw resting on an escutcheon azure charged with cross crosslet or (nach Burke: An eagle or wings elevated erminois....). Ward: Ein natürlicher, rotgezungter Wolfskopf, engl.: A wolf's head erased proper langued gules. Hoskins: ein goldener Hahnenkopf mit rotem Kamm zwischen einem Flug, engl.: On a wreath of the colors, between a vol a cock's head erased or, pellettee, combed and wattled gules. Das Motto "PER ARDUA DEO FAVENTE" - durch Schwierigkeiten hindurch hilft Gott - gehört zur Familie Butterworth.

Literatur,
Links und Quellen:
Oxford and Cambridge
Club: http://www.oxfordandcambridgeclub.co.uk/ - Geschichte: http://www.oxfordandcambridgeclub.co.uk/en/about-us/history/
United University Club http://en.wikipedia.org/wiki/United_University_Club
Oxford and Cambridge Club http://en.wikipedia.org/wiki/Oxford_and_Cambridge_Club
Wappen Universität Oxford: http://www.akme.btinternet.co.uk/oclxcal1.html
Universität Oxford: http://www.ox.ac.uk/
Wappen Universität Cambridge: http://www.admin.cam.ac.uk/offices/communications/services/trademark/about/coat.html
Universität Cambridge: http://www.cam.ac.uk/
Montagu George Knight http://www.jasna.org/persuasions/on-line/vol30no2/dow-halsey.html, dort auch weitere Bücherzeichen der
Familie
Chawton House: http://www.chawton.org/
Familie Leigh: http://www.woodchestermansion.org.uk/The-Leigh-Family.aspx
Hardy: http://www.heraldry-online.org.uk/hardy/hardy-arms.htm - dort weitere Varianten und Formen
Leigh: http://leigh.editme.com/files/ArmorialBearings/Armorial%20Bearings.pdf
Beschreibungen und Angaben des jeweiligen Exlibris-Händlers
Beschreibungen und Erläuterungen von Anthony Pincott, The
Bookplate Society London
zeitgenössische Registrierungen für Brocklebank-Wappen http://www.theheraldrysociety.com/membersarms/ralphbrocklebank.htm und http://www.heraldry.ca/arms/b/brocklebank.htm.
anderes Brocklebank-Wappen: http://www.heraldic-arts.com/Downloads/ArmorialZimRhodesia.pdf
Genealogie Brocklebank: http://charlie.binyon.pagesperso-orange.fr/gedfiliations/en/a11.html - http://charlie.binyon.pagesperso-orange.fr/gedfiliations/en/f52.html#2062
Lincoln's Inn: http://www.lincolnsinn.org.uk/ - Geschichte: http://www.lincolnsinn.org.uk/banqueting/history.html - http://en.wikipedia.org/wiki/Lincoln%27s_Inn
Sir Herbert Jekyll: http://www.archerfamily.org.uk/obituary/jekyll_h.html und http://www.ebooksread.com/authors-eng/t....hich-a-hci.shtml
Order of Saint Michael and Saint George
http://en.wikipedia.org/wiki/Order_of_St_Michael_and_St_George
Sir Godfrey Copley http://rsnr.royalsocietypublishing.org/content/11/1/54.full.pdf und http://en.wikipedia.org/wiki/Sir_Godfrey_Copley,_2nd_Baronet
Copley Baronets: http://en.wikipedia.org/wiki/Copley_Baronets
Stammbaum Copley: http://www.rotherhamweb.co.uk/genealogy/copleysp.htm
Copley-Medaille: http://royalsociety.org/awards/copley-medal/
ein herzliches Dankeschön an Herrn Stephen Slater für das
Butterworth-Exlibris
Butterworth: http://www.cliftonrfchistory.co.uk/captains/gmbutterworth/gmbutterworth.htm
Exlibris (01) - Exlibris (02) - Exlibris (03) - Exlibris (04) - Exlibris (05) - Exlibris (06) - Exlibris (07)
Exlibris (08) - Exlibris (09) - Exlibris (10) - Exlibris (11) - Exlibris (12) - Exlibris (13) - Exlibris (14)
Exlibris (15) - Exlibris (16) - Exlibris (17) - Exlibris (18) - Exlibris (19) - Exlibris (20) - Exlibris (21)
Exlibris (22) - Exlibris (23) - Exlibris (24) - Exlibris (25) - Exlibris (26) - Exlibris (27) - Exlibris (28)
Exlibris (29) - Exlibris (30) - Exlibris (31) - Exlibris (32) - Exlibris (33) - Exlibris (34) - Exlibris (35)
Exlibris (36) - Exlibris (37) - Exlibris (38) - Exlibris (39) - Exlibris (40)
Britische Exlibris (1) - Britische Exlibris (2) - Britische Exlibris (3)
Französische Exlibris (1) - Französische
Exlibris (2)
Signaturen von Künstlern und Heraldikern
©
Copyright / Urheberrecht am Text und Datenbank: Bernhard Peter
2011
Die Abb. sind selbst angefertige Scans historischer Originale.
Sofern bekannt, ist der Urheber bei der jeweiligen historischen
Graphik angegeben.
Impressum
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de