Bernhard Peter
Mit Füßen getreten (2)

Heraldik zu unseren Füßen auf Kanalschachtabdeckungen:
Im vorangegangenen Kapitel haben wir uns den Bodenverschönerungen unserer Städte mit Wappenmotiven in Form von Plastersteinsetzungen oder Pflaster-Inlays gewidmet, nun kommen wir zu einem anrüchigeren Themenbereich, die das Stadtwappen tragenden Kanaldeckel der Städte. Aber wichtige kommunale Aufgaben sind eben nicht nur die der Schokoladenseite in den Rathäusern oder auf den Plätzen, sondern auch Entsorgung und Hygiene, und so ist es nur logisch, daß sich auch an den Orten des Abwassers kommunale Heraldik findet, sei es in Form von städtischen Wappen oder in Form von Siegelbildern. Meist kaum wahrgenommen, insbesondere mangels Farbe auch kaum beachtet, säumen doch in etlichen Städten Beispiele kommunaler Heraldik so unseren Weg.

Kanaldeckel der Stadt Bad Ems im Rhein-Lahn-Kreis mit dem von einer dreitürmigen Mauerkrone bedeckten Stadtwappen, in Blau auf silbernem Pferd der hl. Martin in goldener Rüstung, mit dem silbernen Schwert seinen roten Mantel teilend und dem ihm zu Füßen flehenden Bettler gebend, oben eine aus dem oberen Rand hervorkommende, goldene, halbe Strahlensonne und vier (2:2) goldene Sterne, die unteren nach außen gerückt. Der hl. Martin ist der Schutzpatron der Stadt. Bereits Siegel aus dem 15. Jh. tragen den Heiligen mit Sonne und Sternen. Das Wappen wurde offiziell 1908 verliehen. Es gab kurzfristige Änderungen, z. B. das Weglassen von Sonne und Sternen oder die Einführung eines grünen Bodens (z. B. Zeichnung von Otto Hupp im Kaffee Hag-Album 1925), die aber alle wieder rückgängig gemacht wurden.

Kanaldeckel des Koblenzer Stadtteils Ehrenbreitstein. Im Zentrum der Gestaltung befindet sich das ehemalige Wappen von Ehrenbreitstein, geteilt, oben in Silber ein durchgehendes rotes Balkenkreuz, unten in Rot ein balkenweise gelegter, mit dem Bart nach rechts und unten gekehrter, goldener Schlüssel. Die rechtsrheinisch gelegene alte kurfürstliche Residenzstadt war bis 1937 selbständig und wurde dann eingemeindet. Rechts und links sehen wir als Trenner der Umschrift das eigentliche Koblenzer Stadtwappen, in Silber ein durchgehendes rotes Balkenkreuz, belegt mit einer goldenen Krone mit drei langstieligen rautenkleeblättrigen Zinken.

Kanalabdeckung in Freiburg (Breisgau) mit dem Stadtsiegel, runde Variante. Das Stadtsiegel zeigt in Silber eine dreitürmige rote Stadtmauer mit offenen Toren, der mittlere Turm höher als die beiden anderen, mit zwei Turmbläsern auf den äußeren beiden Türmen, begleitet unten von einer Gleve (Lilie) und oben und außen von vier Sternen, die beide als Symbole für Gerichtshoheit, Gerechtigkeit und Landfrieden interpretiert werden.

Kanalabdeckung in Freiburg (Breisgau) mit dem Stadtsiegel, Ausschnittsvergrößerung aus einer viereckigen Variante, Beschreibung siehe oben. Das Stadtwappen von Freiburg zeigt hingegen in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, das alte Hochstiftswappen, das jedoch nicht vor dem 14. Jh. auftaucht. Es ist das selbe Zeichen, mit dem als Banner der Hl. Georg traditionell dargestellt wird, und so findet man es häufig bei Städten, deren Schutzpatron dieser ist, wie z. B. auch bei London.

Kanalabdeckung in Coburg mit dem Stadtwappen, in Gold ein schwarzer Mohrenkopf mit roten Lippen und goldenem Ohrring. Das Wappen stellt das Haupt des Hl. Mauritius dar, des Patrons der Pfarrkirche. Der Hl. Mauritius wurde im Mittelalter als "Mauretanier", also als Mohr dargestellt, obwohl er vermutlich nicht negroider Abstammung war. Bereits Münzen von 1354 und Siegel aus dem 16. Jh. zeigen diesen Mohrenkopf (ältestes Beispiel von 1521). Er war in der Legende bekannt als Führer der thebäischen Legion und erlitt den Märtyrertod wegen Befehlsverweigerung.

Kanalabdeckung in Trier mit dem Stadtwappen, in Rot St. Petrus in goldenem Gewand mit goldenem Schlüssel in der Rechten und goldenem Buch in der Linken, silbern nimbiert. Dies ist die alte Version, die nur noch an wenigen Stellen in Trier zu finden ist, dieses Beispiel ist vor dem AVG. Es ist auf 1901 datiert. Diese Schachtdeckel wurden in den Jahren 1899 bis 1903 hergestellt. Meist ist diese alte Version schon so abgeschliffen, daß das Datum nicht mehr zu erkennen ist; dies ist eines der besser erhaltenen Exemplare. Wie bei der neuen Version liegt über dem Schild eine Mauerkrone. Verschnörkeltes Rankwerk, das an Weinreben erinnert, füllt die Zwischenräume.

Das gleiche Konzept in einer anderen Version, moderne Nachbildung mit dem Datum 1899. Deutlich im Vergleich zum Original zu sehen der Unterschied im Material, in der kantigen Linienführung und in der Schärfe der Konturen.

Kanalabdeckung in Trier in der neueren Version mit dem Stadtwappen, in Rot St. Petrus in goldenem Gewand mit goldenem Schlüssel in der Rechten und goldenem Buch in der Linken, silbern nimbiert. Petrus ist der Patron der Stadt und des Erzstiftes. Er findet sich auch im Wappen des Domkapitels, wo er von dem roten Kreuz in Silber des Hochstiftes unterlegt ist. Die neue Version von 1993 hat den typischen genormten Lochkranz außenherum; der Wappenschild ist begradigt, das Schnörkelwerk ist verschwunden.

Kanalabdeckung in Dresden mit dem Stadtwappen, gespalten, vorne in Gold ein rotbewehrter und -gezungter schwarzer Löwe, hinten in Gold zwei schwarze Pfähle. Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen der Markgrafen von Meißen, das alte Wettiner Wappen. Die zwei Pfähle leiten sich ab vom Wappen der Markgrafen von Landsberg. Diese sog. Landsberger Pfähle sind jedoch richtig blau in goldenem Felde, doch diese Kombination führt bereits die Stadt Leipzig. Folglich wurden die Dresdener Pfähle schwarz zur Unterscheidung. Vier Städte vereinigen heute zwei alte wettinische Wappen und sind leicht zu verwechseln:

Kanalabdeckung in Meißen mit dem Stadtwappen, in Gold ein rotbewehrter schwarzer Löwe, der einen roten Zinnenturm mit rotem Spitzdach hält. Das Spitzdach wird u. a. bei Hupp und Decku früher mit blauer Farbe abgebildet, heute wird es von der Stadt mit roter Farbe geführt. Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen der Markgrafen von Meißen, der dem Wappen der ehemaligen Herrscher entlehnt und mit einem Turm als Symbol für die Stadt kombiniert wurde. Das heute in Gebrauch befindliche Stadtwappen erscheint ab 1522 in den Stadtsiegeln. Heute führt der Landkreis Meißen den rotbewehrten und rotgezungten schwarzen Löwen in Gold mit einem roten Innenbord, nachdem er erst den unveränderten Meißener Löwen hatte, wie ihn auch die Markgrafen führten, dann ab dem 23.12.2008 nach einer verwaltungstechnischen Erweiterung den Meißener Löwen innerhalb eines roten Bordes, was jedoch ältere Rechte verletzte, denn der Meißener Löwe innerhalb eines roten Bordes ist das Wappen der 1985 gegründeten heraldischen Gesellschaft "Schwarzer Löwe" in Leipzig. Die modifizierte Version mit dem Innenbord wurde am 19.03.2009 durch den Landkreis angenommen, so daß wieder Wappeneindeutigkeit herrscht und die Panne behoben ist.

Kanalabdeckung in Pirna mit dem Stadtwappen, in Gold auf einem grünen Dreiberg ein grüner Birnbaum mit sieben goldenen Birnen, an dessen Stamm zwei rote, einwärtsgekehrte Löwen emporklettern. Eigentlich ist es sogar ein Vollwappen mit einem grünen Birnbaum mit goldenen Früchten als Helmzier auf gekröntem Helm und rot-goldenen Decken. Pirna besaß vor 1549 ein anderes Wappen, das nur einen einzelnen, rechtsgekehrten Löwen am Baum zeigt. In dem ältesten Siegel vom 8.9.1299 ist sogar nur der Baum zu sehen, desgleichen auf einem Stadtsiegel von 1335. Der Birnbaum ist ein falsch redendes Wappen, vgl. sächsisches Homonym "Pirn"-"Birn", obwohl sich der Stadtname wohl eher nicht von den Birnen ableitet. Frühere Namen von Pirna waren Pern, Perne, Perna, Pernis, Pernaw bzw. Pyrn. Vielmehr läßt sich der Stadtname Pirna aus dem sorbischen "na pernem" ableiten, was soviel wie "auf dem harten Stein" bedeutet. Am 23.8.1549 bekam Pirna sein neues Wappen mit den zwei Löwen durch König Ferdinand I. von Böhmen, dem späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Über die Herkunft der Löwen kann spekuliert werden: Pirna befand sich zeitweise unter böhmischer, markgräflich-meißnischer und thüringischer Oberherrschaft; am wahrscheinlichsten erinnert das Löwenmotiv an die lange Zugehörigkeit zu den Markgrafen von Meißen, denn die thüringische Herrschaft war zu kurz, um wappenrelevant zu sein.

Kanalabdeckung in Sulzbach (Oberpfalz) mit dem Wappen der Stadt Sulzbach-Rosenberg, in Rot sechs (3:2:1) gestellte silberne Lilien. Dieses Motiv ist als Siegelbild seit 1341 für Sulzbach belegt. Nach einem Intermezzo während der Zugehörigkeit zu Neuböhmen (1353-1373) mit einer Stadtsilhouette als Siegel, zwischen zwei Zinnentürmen ein Stadttor mit Fallgitter, über dem gezinntem, spitzgiebeligem Torhaus ein Banner mit dem böhmischen Löwen, kommt gegen Ende des 14. Jh. wieder der Lilienschild in Gebrauch, und der blieb auch 1934 nach Eingemeindung von Rosenberg das gemeinsame Stadtwappen. Diese Lilien tauchen auch im Wappen des Landkreises Amberg-Sulzbach auf, allerdings in reduzierter Anzahl, ferner in dem der nahen Gemeinde Neukirchen.

Kanalabdeckung in Graz (Steiermark). Der Deckel zeigt den silbernen, golden gekrönten und bewehrten steirischen Panther (Pantier, ein Mischwesen mit Pferdekopf, Löwenmähne, Löwenschwanz, gezottelten Hinterbeinen, Löwenklauen etc., also eine Mischung als vielen Tieren) mit aus dem Mund und den Körperöffnungen (Ohren, After, Intimbereich) hervorkommenden roten Flammen in grünem Feld. Im Gegensatz zum Landeswappen der Steiermark wird der Panther (das Pantier) beim Stadtwappen ohne rote Hörner, dafür aber mit einer goldenen Laubkrone dargestellt. Ferner hat das Stadtwappen eine goldene Bewehrung des Panthers, das Landeswappen weist eine rote Bewehrung auf. Und beim Landeswappen schlagen schließlich die Flammen nur aus dem Mund, beim Stadtwappen aus allen Körperöffnungen. Diese Unterschiede mögen nur Nebenteile betreffen und aus historischer Sicht Varianten darstellen, sie dienen nach heutiger Definition aber der Unterscheidung und der Gewährleistung der Wappeneindeutigkeit bei zwei so ähnlichen Motiven. Das Landeswapen setzt zudem auf den oberen Schildrand den steirischen Herzogshut. In beiden Fällen entwickelte sich das Motiv aus dem persönlichen Wappen des steirischen Markgrafen Otakars III. der Steiermark. Als Siegelbild ist der Panther als Stadtwappen der heutigen Landeshauptstadt bereits 1262 nachzuweisen. Es gibt noch ein drittes Wappen, das weder mit dem Wappen der Steiermark noch der Stadt Graz verwechselt werden darf, das der Stadt Steyr: Der Panther stimmt in seiner Darstellung völlig mit dem des Landeswappens überein, so daß der Unterschied nur noch durch den Herzogshut garantiert wird.

Kanalabdeckung aus Naumburg (Saale). Er zeigt das Naumburger Stadtwappen, in Silber schräggekreuzt ein rotes, schräglinks gelegtes, gestürztes Schwert und ein schrägrechts gelegter, roter Schlüssel mit dem Griff nach unten. Das Wappen leitet aus den bischöflichen Siegelsymbolen ab, und als sich die Bürgerstadt Stadt Naumburg etablierte, behielt man das Symbol des Stifts bei, wobei die exakte Anordnung variiert wurde. Im Siebmacher wird das Wappen im Band: St Seite: 44 Tafel: 79 beschrieben, dort mit einem Ritter, der den Schild mit Schlüssel und Schwert hält. Früher gab es eine Anordnung mit beiden Griffen nach oben, wie man noch an einem Wappenstein von 1492 am Naumburger Rathaus sehen kann. 1612 lagen beide Griffe unten, zu sehen am Prunkportal des Rathauses. Dann wanderten beide Griffe auf die heraldisch linke Seite, bis 1993 lag der Schlüssel oben (so kann es am Markbrunnen betrachtet werden), und die nächste Änderung 1994 brachte wieder das Schwert nach oben.

Kanalabdeckung von Leisnig (Sachsen, Landkreis Mittelsachsen). Das Stadtwappen zeigt in schwarzem Feld eine goldene Zinnenmauer mit einem Torturm, dieser mit Zinnenkranz, breitem Dach und zwei Seitenerkern und mit geöffneten Tor, am Turm befindet sich über dem Tor ein goldenes Schildchen mit einem schwarzen Schrägbalken, beiderseits begleitet von je drei schwarzen Rauten. Erstmalig ist dieses Stadtwappen 1371 auf einem Siegel zu sehen. Die historische Darstellung zeigt das Wappen aber aber mit zwei Türmen, je einer rechts und links des Tores und des Schildchens, alles oberhalb einer Zinnenmauer. In seiner heutigen Form geht das Wappen auf eine Neugestaltung zum ersten Heimatfest der Stadt im Jahre 1898 zurück. Der Schild mit Schrägbalken und Schindeln bezieht sich auf die Leisniger Burggrafen, jene führten jedoch einen schwarzen Schräglinksbalken in geschindeltem Feld. Im Siebmacher wird das Wappen im Band: St Seite: 44 Tafel: 79 beschrieben.

Kanalabdeckung der Stadt Torgau (Sachsen, Landkreis Nordsachsen). Diese Schachtabdeckung ist von ganz anderem Typ als die bislang vorgestellten, wobei die Wappendarstellung in der Mitte sehr klein und wenig prominent ist. Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber vier rote Sparren übereinander, Feld 2 und 3: in Blau ein abgewandter (linksgekehrter) silberner, rotgezungter und ebenso bewehrter Löwe. Das Wappen stammt von 1514, und es wurde der Stadt von Kurfürst Friedrich III. dem Weisen verliehen. Er hatte eine besondere Beziehung zu Torgau, denn es war seine Geburtsstadt. Über die Gründe für die Motivwahl kann nur spekuliert werden, die Inhalte sind anscheinend vorbildlos. Das große Torgauer Stadtwappen ist eines der wenigen städtischen Wappen mit Kleinod, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender silberner Löwe zwischen einem blauen Flug.

Abwasserkanalabdeckung der Stadt Hildesheim (Niedersachsen). Das Wappen der Stadt Hildesheim ist geteilt, oben in Silber ein aus der Teilung wachsender schwarzer, golden gekrönter Adler mit schwarzer Zunge und goldenem Schnabel, unten golden-rot geviert. Zu diesem Stadtwappen gehört auch ein Oberwappen, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken eine wachsende Jungfrau in gold-rot geviertem Gewand, in beiden Händen vor sich einen rot-silbern gevierten Rosen-Kranz haltend, auf dem goldenen Haar ein rot-silbern gespaltener Kranz mit einer roten und einer goldenen Straußenfeder (die sog. Hildesia). Das Oberwappen wird hier auf dem Kanaldeckel jedoch nicht dargestellt. Vorbild für das Stadtwappen, das lange Zeit einfach golden-rot geviert war, dürfte das Hochstiftswappen gewesen sein, dieses ist golden-rot gespalten. Eine Teilung mehr, und fertig war das alte Stadtwappen, das seit ca. kurz nach 1300 in Gebrauch war. Zu der entscheidenden Vermehrung um die obere Schildhälfte kam es durch kaiserliches Wappenprivileg, ausgestellt am 3.2.1528 von Kaiser Karl V. in Burgos. Damit drückt sich auch eine politische Aufwertung der aufstrebenden Stadt aus, die ihre Existenz jetzt nicht nur als Projektion des Hochstiftes sieht, sondern den Bezug zum Reich sucht. Hildesheim war jedoch keine Reichsstadt, sondern unterstand landesrechtlich weiterhin der Hoheit des Fürstbischofs, deshalb ist das Reichssymbol gemindert, nur halb und nicht mit goldenem, sondern mit silbernem Untergrund.

Abwasserkanalabdeckung der Stadt Celle (Niedersachsen). Das Wappen der Stadt Celle zeigt in Blau eine silberne Zinnenmauer, oben mit drei rotbedachten Türmen versehen, in der schwarzen Toröffnung ein schräggelehntes goldenes Schildchen, darin ein von sieben roten Herzen umgebener blauer Löwe. Das Schildchen ist das lüneburgische Wappen und erinnert innerhalb der typischen Stadtsymbolik an den Landesherrn, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Noch deutlicher wird dieser landesherrliche Bezug im großen Stadtwappen, das ein Kleinod hat: Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken zwei auswärts gestellte, mit den Schneiden nach innen gelegte, silberne, rotgegriffte Sicheln, die außen mit Pfauenspiegeln besteckt sind. Eine solche bauplastische Darstellung befindet sich am Alten Rathaus von Celle. Dabei ist das eine spätere Entwicklung, früher hatte das alte Stadtwappen das herzogliche Wappen ganz, also mit Schild und Helm und Helmzier, unter einer Torbogenöffnung (Altencelle, 1288). In einer Darstellung von 1579 am Alten Rathaus ist die Helmzier aus dem Schild nach oben gewandert, und so wird sie von der Stadt nicht nur im Schild zitiert, sondern geführt. Eine weitere Darstellung am Rathaus datiert von 1603, auch diese als Vollwappen ausgestaltet.

Dieser Kanaldeckel zeigt das Wappen der Stadt Eisleben in Sachsen-Anhalt, in Blau ein offener silberner Flug. Hier ist der ganze Kanaldeckel in den Stadtfarben blau-weiß angestrichen. Das älteste Siegel aus dem 15. Jh. zeigte noch allgemeine Stadtsymbole, und im Jahr 1521 erscheint ein Schild mit Helm und Flug, dem Wappen der Grafen von Mansfeld althoyerschen Stammes entliehen, denn die Stadt Eisleben gehörte einst zur Grafschaft Mansfeld, und später wurde nur der Flug beibehalten, während ab der Mitte des 17. Jh. wurde der Helm mit den Flügeln als Oberwappen auf den Schild gesetzt wurde. Dieses Photo entstand jedoch nicht in Eisleben, wo die dortigen Exemplare ganz normales Eisen mit Rostansatz sind, sondern in Weinheim an der Bergstraße. Weinheim besitzt zwar keine eigenen Wappen-Kanalschachtabdeckungen, doch der Bürgermeister hat diesen Deckel nicht etwa in Eisleben mitgehen lassen, um diesem Notstand abzuhelfen, sondern die beiden Städte sind Partnerstädte, und dieser Kanaldeckel wurde in Höhe des Schlosses als Zeichen der Verbundenheit in Weinheim installiert. Zum ersten „Tag der deutschen Einheit“, dem 3.10.1990, hatten die beiden Städte die Partnerschaft beschlossen.

Der Schmuck-Kanaldeckel von Groß-Umstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) zeigt ein Siegelbild mit dem Stadtwappen in der Mitte einer Umschrift "SIGILLVM CIVIVM ET CIVITATIS IN OMESTAT" - Siegel der Bürger und der Stadt Umstadt. Das Stadtwappen zeigt in Blau eine silberne Zinnenmauer mit rotem, verschlossenem Tor, mit einem Mittelturm und zwei Seitentürmen, letztere mit achteckigem Aufbau, alle drei rot bedacht und mit goldenen Knäufen, der mittlere Turm mit goldenem Kreuz an der Spitze, zwischen den Türmen zwei Wappenschilde, rechts in Gold drei rote Sparren, links in Silber ein schwarzes Kreuz. Diese kleinen Schildchen stehen für die Grafschaft Hanau (seit 1255 als Münzenbergische Erben, denn die Herren von Münzenberg waren u. a. Vögte des fuldischen Besitzes, und Ulrich IV. von Hanau bekam dazu Teile der Stadt Umstadt 1374 als Pfand von seinem hochverschuldeten Onkel Konrad IV. von Hanau, Fürstabt von Fulda) und die Fürstabtei Fulda (das Kloster Fulda bekam 766 den Besitz der Umstädter Mark, mußte aber wegen Verschuldung Anteile an der Stadt Umstadt 1374 an die Grafen von Hanau verpfänden, was eigentlich eine ziemlich große Veruntreuung war, denn seine eigenen Schulden wurden so aus dem Besitz des Reichsstifts finanziert, und 1390 scheidet Fulda gänzlich als Besitzer aus). Dieser Dualismus Hanau-Fulda wurde später durch den Dualismus Hessen-Pfalz abgelöst. Die anderen Elemente sind typische Zutaten eines Stadtwappens, Umstadt besaß seit mindestens 1263 Stadtrechte. Ein bauplastisches Pendant finden wir außen am Max-Planck-Gymnasium, der dortige Wappenstein datiert von 1929, und weitere Stadtwappen befinden sich am Marktbrunnen und am historischen Rathaus.

Dieser Abwasserschachtdeckel wurde auf dem Platz vor der Ludwigskirche in Saarbrücken photographiert. Zu sehen ist das Wappen der Landeshauptstadt Saarbrücken, innerhalb eines schwarz-silbern gestückten Bordes unter gespaltenem Schildhaupt mit rechts in Silber einer roten, golden bebutzten und grün bespitzten Rose und links in Silber einem schräggekreuzten Bergmannsgezähe, unter den Stielenden eine gestürzte schwarze Zange, in Blau ein rotgezungter, golden bewehrter und ebenso gekrönter silberner Löwe, begleitet von vier (2:2) silbernen Tatzenkreuzchen. So wird das Stadtwappen seit 1976 geführt, und es repräsentiert in seinen Elementen wesentliche Komponenten aus der Saarbrücker Geschichte bzw. Stadtteilgeschichte. Der silberne Löwe in mit silbernen Steckkreuzchen bestreutem Feld war das Wappen der Grafen von Saarbrücken, und aus ihm ist durch diverse Änderungen das Hauptfeld hervorgegangen. Die Rose war das Wappen von St. Johann. Ein Siegel, das Graf Johann III. von Nassau-Saarbrücken 1462 den Schöffen von Saarbrücken und St. Johann genehmigte, bestand aus einem geteilten Schild, oben wachsend der so geminderte Saarbrücker Löwe, unten die Rose des anderen Stadtteiles St. Johann. Unabhängig von der exakten Form ist die Vereinigung der Symbole beider Stadtteile seit 1462. So war das Wappen bis zur französischen Besetzung 1792 in Gebrauch, und nachdem man Napoléon zum Teufel gejagt hatte, verwendete Saarbrücken wieder sein altes Siegelwappen. 1859 wurden beide Stadtteile wieder verwaltungstechnisch getrennt und führten eigene Wappen, Saarbrücken das alte Wappen der Grafen von Saarbrücken, und St. Johann die Rose. 1874/76 kam der Bord hinzu, und das kam so: 1870 fand auf den Spicherer Höhen eine wichtige Schlacht statt, und der König von Preußen beschloß 1874 bei der Einweihung eines Denkmals an diese Schlacht, daß die beiden Städte doch ein preußisches Element, nämlich die Farben, in ihr Wappen bekommen sollten. Das preußische Heroldsamt war der Ansicht, das Wappen würde dadurch gewinnen, daß entweder ein Stückbord in den preußischen Tinkturen oder ein Adler die bisherigen Wappen aufwerten würde. Die Saarbrücker waren so willig, das historische Wappen der alten Grafen zu verderben, daß sie gleich beide Möglichkeiten wählten, als Kleines Wappen den Bord, als Großes Wappen den Preußenadler als Hauptschild und das Saarbrücker Wappen als Herzschild auf diesem. Diesem Wunsch kam der Kaiser als preußischer König 1876 nach, für St. Johann mit dem aus wachsendem Löwen oben und Rose unten geteilten Schild analog, und beide Varianten waren bis 1909 in Gebrauch. Gleichzeitig wandelten sich die Steckkreuzchen, also fußgespitzte Kreuzchen, in Tatzenkreuzchen um, und die Anzahl wurde reduziert. Ein Element fehlt noch, das von Malstatt-Burbach. In der Zeit von 1897 bis 1909 führte die Stadt einen geteilten Schild, oben wachsend der Löwe der Grafen von Saarbrücken, aber die Kreuzchen jetzt als Kleeblattkreuzchen variiert, und unten in Silber ein schräggekreuztes Bergmannsgezähe, unter den Stielenden eine gestürzte schwarze Zange, Zeichen für die ortsansässige Montanindustrie. 1909 wurden alle drei Städte zur Großstadt vereinigt, und alle drei Wappen wuren verschmolzen, wobei die doppelten Felder natürlich zusammengelegt wurden. So entstand 1911 die Kombination aus vier Motiven, aber noch in zwei Varianten: Das sog. Siegelwappen entspricht dem heutigen Stadtwappen, aber daneben gab es noch ein Großes Stadtwappen, bei dem das Siegelwappen dem Preußenschild aufgelegt wurde. Der Kaiser Wilhelm II. war übrigens in der Beurteilung der Wappen so "kompetent", daß er eigenhändig an den Entwürfen vermerkte: "Warum nicht quadratisch? Sonst genehmigt." Das sog. Kaiserwappen war bis 1973 in Gebrauch. 1973 bis 1976 wurde das Ganze mit reichlich überflüssigen Diskussionen über neue oder zusätzliche Inhalte, Mauerkronen und Adler in Frage gestellt, aber letztlich blieb man bei dem bisherigen Kleinen Wappen als Stadtwappen. Es ist dennoch 1973/1976 eine Zäsur in der Wappenführung, weil es sich durch die formale Auflösung der bisherigen Stadt und die Neudefinition der Landeshauptstadt nach Neugliederungsgesetz um einen andereren Wappenträger handelt.

Dieser Kanaldeckel zeigt das Stadtwappen Heilbronn, in Gold ein rot bewehrter und rot gezungter, schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem von Rot, Silber und Blau geteilten Schildchen. Heilbronn war Reichsstadt, und als solche führte die Stadt seit 1265 den Adler in ihren Siegeln. Die älteste erhaltene farbige Darstellung ist ein spätgotisches Glasfenster in der Heilbronner Kilianskirche, datiert auf 1487. Aufgrund der Vielzahl der Reichsstädte, die sich aufgrund ihrer Sonderstellung zur Führung des schwarzen Adlers auf goldenem Grund berechtigt sahen, ergab sich die Notwendigkeit zur Abgrenzung und Differenzierung, und deswegen taucht ab 1556 der Brustschild im Wappen auf, der dann auch später Eingang ins Siegelbild fand. Woher diese Farben stammen, ist ungeklärt, auch hat sich die Reihenfolge im Laufe der Geschichte geändert. Die Stadtfahne zeigt übrigens genau diese heute übliche Farbabfolge Rot, Silber und Blau.

Dieser besonders edle Kanaldeckel aus Messing ist in der Fußgängerzone von Bad Mergentheim zu finden, er zeigt das Stadtwappen der Partnerstadt Digne-les-Bains (Département Alpes-de-Haute-Provence, region Provence-Alpes-Côte d’Azur). Das Wappen von Digne zeigt in blauem Feld eine goldene Lilie, beseitet oben von einem roten, griechischen Kreuz, rechts und links von einem silbernen Majuskelbuchstaben "L", der linke gespiegelt, und unten von einem goldenen Majuskelbuchstaben "D". Der französische Blason ist: D'azur à une fleur de lys d'or accompagnée en chef d'une croisette de gueules, aux flancs de deux lettres "L" capitales affrontées d'argent et en pointe d'une lettre "D" capitale aussi d'or. Im Jahre 1961 sind die beiden Städte eine Partnerschaft eingegangen, die 2001 und 2002 anläßlich der Jubiläumsfeierlichkeiten "40 Jahre Städtepartnerschaft" erneuert und vertieft wurde.

Dieser Kanaldeckel der Stadt Bad Sobernheim (Landkreis Bad Kreuznach) wirkt gestalterisch unglücklich, weil in einen wohlproportionierten Schildumriß das komplette Stadtwappen mit der Mauerkrone obendrüber hineingesetzt wurde, was zur unbefriedigenden Ineinanderschachtelung von zwei Schildformen und unmotivierten Zwischenräumen führt. Aber so geht das, wenn eine Stadt nicht auf ihre dreitürmige Mauerkrone verzichten will, die auf die 1330 erhaltenen Stadtrechte, zu denen auch der Bau einer Stadtmauer gehörte, verweist. Die alte Mauer ist heute bis auf wenige Reste an Kirchstraße, Großstraße und Ringstraße verschwunden, also muß sie wenigstens auf den Kanaldeckel. Das Stadtwappen zeigt über einem silbernen, mit einem blauen Wellenbalken belegten Schildfuß in Schwarz einen goldenen, rot gekrönten, gezungten und ebenso bewehrten Löwen, der in seinen Vorderpranken ein silbernes, sechsspeichiges Wagenrad hält. Der Löwe steht für die Kurpfalz, der Wellenbalken illustriert etwas stereotyp die Lage der Stadt an einem Fluß, der mittleren Nahe, und das Wagenrad ist ein farbverändertes Mainzer Rad, weil die Stadt seit dem frühen Mittelalter zum Erzstift Mainz gehört hatte (zu der Zeit siegelte die Stadt mit dem Mainzer Rad), ehe sie 1471 an die Kurpfalz kam, wo sie bis zur französischen Besetzung 1789 verblieb (in dieser Zeit siegelte die Stadt mit dem Pfälzer Löwen). Das Wappen wurde in der hier wiedergegebenen heutigen Form am 31.5.1924 verliehen.

Dieser schmucke Kanaldeckel stammt aus der Stadt Meisenheim am Glan (Landkreis Bad Kreuznach). Es ist geteilt, oben in Silber ein aus der Teilung wachsender, rotbewehrter und golden gekrönter Löwe, unten in Rot eine naturfarbene Meise. Dabei ist der untere Teil eine redende Umsetzung des Stadtnamens, und zwar eine falsch redende, denn der Name der Stadt leitet sich von dem fiktiven Gründer Meiso ab. Der obere Teil erinnert daran, daß die Stadt Meisenheim, die im Jahre 1315 Stadtrechte bekam, einer der Hauptsitze der Grafen von Veldenz war, ehe diese 1444 erloschen und von den Herzögen von Pfalz-Zweibrücken beerbt wurden, weil Anna Gräfin v. Veldenz (1390-1439), die Tochter von Friedrich III. Graf v. Veldenz (1387-1444) und dessen Frau Margarethe v. Nassau-Weilburg (-22.1.1427), im Jahre 1410 Stefan Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern und Zweibrücken (23.6.1385-1459) geheiratet hatte, den Sohn von König Ruprecht (5.5.1352-18.5.1410) und Elisabeth v. Zollern-Nürnberg (1358-26.6.1411).

Anna Gräfin v. Veldenz war das einzige Kind und damit Erbin des letzten Veldenzer Grafen. Das Stadtwappen mit dem durch Halbierung geminderten Veldenzer Löwen und der Meise taucht schon auf Stadtsiegeln des 14. Jh. auf. Entsprechend der neuen Landesherrschaft wurde im 18. Jh. das Stadtwappen in den Siegeln angepaßt, und die Meise kam auf einen Herzschild. 1935 wurde wieder das historische Wappenbild angenommen.

Dieser mit einem Zentrum aus Messing ausgeführte Kanaldeckel aus der Stadt Ochsenfurt im Landkreis Würzburg zeigt das Stadtwappen, in Silber eine rote Burg mit breitem Mittelturm und zwei spitzbedachten seitlichen Zinnentürmen, alle mit blauen Dächern; aus dem offenen Tor hervorbrechend ein goldenbewehrter schwarzer Ochse. Ochsenfurt war erst ein Besitz des Würzburger Bischofs, dann von 1295 bis 1802 des Würzburger Domkapitels. Das redende Schildbild ist seit 1316 durch einen Siegelabdruck belegt, geändert hat sich in späteren Zeiten lediglich die Architektur der dargestellten befestigten Stadt nebst anderen kleineren Variationen. Die Farben sind seit dem 15. Jh. bekannt. 1819 kehrte man wieder zum ursprünglichen Siegelbild zurück und entfernte spätere Zutaten wie einen Dreiberg und einen schildhaltenden Engel. Stadtrechte besitzt Ochsenfurt seit der zweiten Hälfte des 12. Jh. Interessant ist hier die Erwähnung des Dr. Heinz Pritzl (30.12.1924-) auf dem Kanaldeckel: Das war der ehemalige Chef der Kauzen-Brauerei. Er hatte während des Betriebswirtschaftsstudiums in Nürnberg 1948 die Ochsenfurterin Cläre Gehring kennengelernt und 1950 geheiratet. Durch den Tod seiner Schwiegereltern mußte das junge Paar 1950 die damalige Gehringbrauerei übernehmen, noch vor seinem Examen 1951 und seiner Promotion 1956. Dr. Heinz Pritzl war außerdem gesellschaftlich sehr engagiert, er war beim Roten Kreuz aktiv, er war Mitglied des Präsidiums der IHK, er war als Handelsrichter tätig und Vorsitzender des Fremdenverkehrsausschusses, dazu noch Präsident des Rotary-Clubs Würzburg, seit 1992 Ehrenmitglied des Bayerischen Brauerbundes und auch noch Ehrenmitglied des Ochsenfurter Trachtenvereins. Er war seit 1977 Träger des Verdienstkreuzes am Bande, seit 1982 des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse und seit 1988 des Bayerischen Verdienstordens, seit 1990 auch der Ehrenmedaille und des Ehrenringes der IHK Würzburg-Schweinfurt. Dazu war er ein großer Mäzen seiner Heimat, ihm ist u. a. die Sanierung des Kastenhofes und der Wohnanlage Sterngasse in der Ochsenfurter Altstadt zu verdanken.

 

Dieser Kanaldeckel zeigt das Gemeindewappen von Veitshöchheim im unterfränkischen Landkreis Würzburg, aufgenommen auf dem Erwin-Vornberger-Platz: Das Kommunalwappen in einer Renaissance-Kartusche mit beidseitiger Einbuchtung zeigt in Rot aus einem dreibeinigen, goldenen Ölkessel wachsend den golden nimbierten, nackten, heiligen Vitus, oben beseitet von je einem sechsstrahligen, goldenen Stern. Der Hl. Vitus ist Patron des Wallfahrtsortes, ihm ist die örtliche Kirche geweiht, und der Name des Heiligen, der unter Kaiser Diokletian in heißem Öl zusammen mit Modestus und Crescentia den Märtyrertod erlitt, steckt auch im Ortsnamen, der sich aus "Höchheim ad sanctum Vitum", wie er 1301 genannt wird, entwickelte. Dieses Wappen wurde der Stadt am 26.7.1563 vom Würzburger Fürstbischof Friedrich von Wirsberg (regierte 1558-1573) verliehen, wobei die Jahreszahl in zwei Ziffernpaaren rechts und links des Schildes zu sehen ist, und am 16.12.1966 von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns bestätigt.

 

Kanaldeckel von Hückeswagen (Oberbergischer Kreis), mit dem Stadtwappen belegt. Es handelt sich um das am 9.8.1892 genehmigte und am 22.8.1892 von Kaiser Wilhelm II. verliehene Wappen der Stadt Hückeswagen, silbern-schwarz geteilt, oben ein aus der Teilung wachsender, roter, blau gekrönter, gezungter und bewehrter Löwe, unten ein silbernes Weberschiffchen mit heraushängendem silbernen Faden. Der Schild wird von einer roten, dreitürmigen Mauerkrone mit Tor überhöht. Die obere Hälfte ist das geminderte Wappen der Grafen bzw. Herzöge von Berg, die seit dem Mittelalter Landesherren waren, und die untere Hälfte erinnert an die einst florierende Tuchindustrie der Stadt, die bis 1969 bestand und für ihre schwarzen Tuche berühmt war. Im Stadtbild gibt es noch etliche ehemalige Tuchmachervillen, vor allem in der Bachstraße. Die Farben Schwarz und Silber sind zugleich die Landesfarben des Königreichs Preußen, unter dem das Wappen verliehen wurde. Stadt wurde Hückeswagen erst 1859, zuvor genoß es als "Freiheit Hückeswagen" im Sinne einer Vorstufe zur Stadtwerdung bereits gewisse Privilegien. Modell für dieses Stadtwappen standen ein im Kirchenfundus aufgefundenes älteres Hückeswagener Gerichtssiegel von 1546 (allerdings ohne den heraushängenden Faden) und ein Oblatensiegel des Gerichts Hückeswagen von 1609 (mit dem heraushängenden Faden). Die Neugestaltung 1892 erfolgte durch den Düsseldorfer Maler Grotjohann.

Kanaldeckel in der Stadt Rudolstadt in Thüringen ( Landkreis Saalfeld-Rudolstadt). Das Stadtwappen zeigt in Grün einen abgewendeten, golden gekrönten und bewehrten, doppelschwänzigen goldenen Löwen. Im Gegensatz zum Wappen der die Stadtgeschichte bestimmenden von Schwarzburg ist der Löwe nicht hersehend und steht in grünem, nicht in blauem Feld. Rudolstadt besitzt seit 1326 Stadtrechte. Das Wappen in seiner ältesten Form ziert ein Siegel an einer Urkunde aus dem Jahre 1378. Die älteste bauplastische Darstellung des Stadtwappens befindet sich am Rathaus von Rudolstadt über einer Tür und stammt aus dem Jahr 1784. Das Wappen wurde in dieser Form offiziell am 15.7.1993 verliehen. Otto Hupp zeichnete den Löwen um 1925 rotgezungt und rotbewehrt. Zu DDR-Zeiten war der Löwe ungekrönt, aber ansonsten noch mit den roten Nebenstücken. Erst in der jüngsten Form, als der Löwe seine Krone wiederbekam, wurde er zur Gänze golden.

Kanaldeckel in der Stadt Schmalkalden in Thüringen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen). Schmalkalden erhielt 1335 das Stadtrecht. Das Stadtwappen zeigt in Rot eine zweitürmige silberne Burg mit blauem Dach und vier goldenen Turmknäufen, im offenen Tor einen gespaltenen Schild, darin rechts in Gold eine schwarze Henne mit rotem Kamm und roten Lappen auf einem grünen Dreiberg, links in Blau ein neunmal von Silber und Rot geteilter, golden gekrönter und bewehrter Löwe. Während der Hauptschild allgemeine Stadtsymbolik enthält, geht der Schild an der Nabelstelle auf die Stadtgeschichte ein: Von 1360 bis 1583 war die Stadt ein Kondominat, gemeinsam beherrscht von den Landgrafen von Hessen-Kassel und den Grafen von Henneberg-Schleusingen. Landgraf Heinrich II. von Hessen hatte mit Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, der Witwe des Grafen Johann I. von Henneberg-Schleusingen einen wechselseitigen Erbvertrag über das gemeinsam erworbene Schmalkalden abgeschlossen. Die Stadt wurde dabei de facto geteilt, mit dem Schmalkaldekunstgraben als Grenze. Die hennebergische Hälfte lag östlich und südlich des Grabens, auf der anderen Seite die landgräfliche Hälfte. Jede Partei hatte ihren eigenen Verwaltungssitz im jeweiligen Teil der Stadt. Erst als im Jahre 1583 Georg Ernst Graf von Henneberg ohne erbberechtigte Nachkommen verstarb, kam Schmalkalden zur Gänze an Landgraf Wilhelm IV von Hessen-Kassel und bildete eine über 600 Jahre bestehende territoriale Exklave für die Landgrafen. Das übrige Erbe der Grafen von Henneberg kam an die Ernestiner gemäß dem 1554 geschlossenen Kahlaer Vertrag mit den Hennebergern. In der wiedergegebenen Form wurde das Stadtwappen 1993 angenommen. Davor, 1583-1993 führte die Stadt auf der stilisierten Stadtdarstellung zwar auch einen Nabelschild, dieser enthielt aber allein den hessischen Löwen.

Kanaldeckel in der Stadt Gotha in Thüringen (Landkreis Gotha). Das Stadtwappen ist geteilt, das obere Feld ist golden, das untere Feld dreimal schwarz-rot geteilt, auf der Herzstelle der heilige Gotthard im Bischofsornat, auf der mit Löwenköpfen und -beinen verzierten goldenen Kathedra sitzend; der Thronsessel ruht auf einem silbernen Podest. Über der purpurnen Kasel trägt der Heilige das silberne Pallium mit dem über die Brust herabhängenden Streifen, auf dem vier schwarze Kreuze eingewebt sind. Auf dem nimbierten Haupt trägt der Bischof eine Mitra; in der Rechten hält er den Krummstab, in der Linken einen verzierten, schwarzen Kodex empor. Über dem Heiligen schwebt eine fünftürmige rote Mauerkrone. Die zentrale Figur wird in der oberen Schildhälfte beiderseits begleitet von dem Namenszug des Heiligen, in drei Zeilen rechts die schwarzen Buchstaben S. GO TE, links die Buchstaben HA RDV S. St. Gotthard (961-1038) war Bischof von Hildesheim und erscheint bereits auf dem ältesten bekannten Stadtsiegel, welches aus dem Jahr 1250 stammt. Es ist anzunehmen, daß dieser Heilige aufgrund des Gleichklangs mit dem Stadtnamen gewählt wurde, denn eine historische Beziehung zwischen beiden ist unbekannt. Otto Hupp zeichnete für seine Ortswappensammlung eine vereinfachte Version ohne Sockel und Kathedra, sondern mit einem aus roten Hölzern gefertigten Faltstuhl.

Kanaldeckel in der Stadt Gotha im Bereich des Schloßinnenhofes des Schlosses Friedenstein. Hier ist nicht das Stadt-, sondern das seit dem 10.1.1991 gültige Landeswappen des Freistaates Thüringen zu sehen, in Blau ein siebenmal rot-silbern geteilter, golden bewehrter und ebenso gekrönter Löwe, umgeben von acht silbernen Sternen. Hier tritt das Landeswappen auf, weil das Schloß zur 1994 gegründeten Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gehört, die eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts ist und vom Land Thüringen finanziert wird. Diese Stiftung verwaltet derzeit 31 Schlösser (z. B. die Schlösser in Gotha, Schleusingen, Molsdorf, Sondershausen, Rudolstadt, Dornburg, Schwarzburg), Burgen (z. B. die Burgen in Ranis und Oldisleben, die Veste Heldburg, die Wasserburg Kapellendorf, die Burgruine Henneberg und die Burgruine Gleichen bei Wandersleben), Klöster (z. B. die Klöster Veßra, Paulinzella und Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt), Parks (z. B. Park und Orangerie in Gotha, Park Greiz) etc. in Thüringen. Auch wenn entwicklungsgeschichtlich der Löwe von Hessen und der von Thüringen auf den alten Ludolfinger Löwen zurückgeht, sind beide Löwen in moderner Form unterschiedlich. Vier wichtige Unterschiede gibt es: 1.) Der hessische Löwe ist neunmal geteilt, der Thüringer Löwe siebenmal, 2.) die Streifung im hessischen Löwen beginnt oben mit Silber, in Thüringen mit Rot, 3.) der hessische Löwe ist ungekrönt, der Thüringer Löwe ist gekrönt und 4.) der hessische Löwe ist alleine im Schild, der Thüringer Löwe ist von Sternen begleitet. Deren Anzahl steht für die ehemals sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten, die sich am 1.5.1920 zum Land Thüringen zusammenschlossen, und (achter Stern) für die ehemals preußischen Territorien und Städte Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.

Literatur:
Landkreis Meißen: Dr. Arnold Rabbow: "Wappenklau" verhindert - Landkreis Meißen wilderte beim "Schwarzen Löwen" (Kleeblatt 2/2009, S. 45ff)
Freiburger Stadtsiegel:
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Wappen von Sulzbach-Rosenberg:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9371151
Stadtwappen Graz:
http://www.graz.at/cms/beitrag/10034476/606082/ und http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/256352/DE/
Stadtwappen Leisnig: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Siebmacher, Band Städte
Stadtwappen von Hildesheim: http://www.hildesheim.de/pics/download/1_1257244446/dok_026_wappenprivileg_text.pdf
Stadtwappen von Celle:
http://www.celle.de/index.phtml?sNavID=342.102&La=1 mit gänzlich unfachmännischer Beschreibung
Eisleben: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Hrsg.: Heinz Gröschel, 3. Auflage, 1985
Eisleben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eisleben#Wappen
Groß-Umstadt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9F-Umstadt#Wappen
Groß-Umstadt:
http://www.gross-umstadt.de/stadt_info/geschichte.htm und http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9F-Umstadt#Fr.C3.BChmittelalter
Hermann Lehne, Horst Kohler, Wappen des Saarlandes, Buchverlag Saarbrücker Zeitung 1981, ISBN 3-922807-06-2, S. 30-35.
Digne-les-Bains:
http://fr.wikipedia.org/wiki/Digne-les-Bains - http://www.dignelesbains.fr/
Heilbronn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronn#Wappen_und_Flagge
Bad Mergentheim und Digne:
http://www.bad-mergentheim.de/de/partnerschaften/dignelesbains/
Meisenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Verbandsgemeinde_Meisenheim
Meisenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Meisenheim
Veldenzer Löwe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Veldenz
Stadtwappen Meisenheim:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Meisenheim
K. Stadler, Deutsche Wappen - Bundesrepublik Deutschland, Angelsachsen Verlag, 1964-1971, 8 Bände
Sobernheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Sobernheim#Wappen
Sobernheim:
http://www.ngw.nl/int/dld/s/sobernhe.htm
Dr. Heinz Pritzl: Artikel in der Mainpost,
http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Dr-Heinz-Pritzl-kurz-vor-seinem-87-Geburtstag-gestorben;art779,6510973
Ochsenfurter Stadtwappen:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9679170
Veitshöchheim:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9679202
Hückeswagen
http://de.wikipedia.org/wiki/Hückeswagen - http://www.hueckeswagen.de/Das-Stadtwappen.337.0.html - http://www.hueckeswagen.de/Geschichtliches.335.0.html
Arno Paffrath: "100 Jahre Hückeswagener Stadtwappen", erschienen in "Romerike Berge", 42. Jahrgang, Heft 1, März 1992
Rudolstadt:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Rudolstadt
Rudolstadt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_der_Stadt_Rudolstadt
Schmalkalden: Hauptsatzung. 2, Abs.1
http://www.stadt.schmalkalden.de/rathaus-und-politik/wahlunterlagen-2009/doc_download/4-hauptsatzung.html
Schmalkalden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schmalkalden#Wappen
Herrschaft Schmalkalden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Schmalkalden
Schmalkalden:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Schmalkalden
Gotha:
http://www.ngw.nl/heraldrywiki/index.php?title=Gotha
Gotha:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gotha#Wappen
Wappen Thüringens:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thüringen und https://de.wikipedia.org/wiki/Thüringer_Landeswappen
Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten:
http://www.thueringerschloesser.de/de/home.html

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