Bernhard Peter
Besondere Motive: Mühlebrett

Ein eher seltenes heraldisches Motiv ist das Mühlebrett. Von den bekannten Beispielen sind die meisten neueren Datums und stellen auf verschiedene Weise redende Wappen dar. Typisch ist das Spielbrett mit drei konzentrisch ineinander gestaffelten Quadraten mit Verbindungslinien in den Seitenmitten. In der Heraldik kann das Brett mit oder ohne Spielsteine verwendet werden.

Eines der interessantesten Wappen mit historischen Wurzeln ist das Wappen Rothenfelder (Siebmacher Band: Bg14 Seite: 53 Tafel: 22), es zeigt in Rot ein silbernes, über Eck gestelltes Mühlebrett mit schwarzen Linien. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender roter, silbern bewehrter und golden gekrönter Löwe zwischen einem silbernen Flug. Auch wenn das heute bekannte Wappen Rothenfelder eine Neuannahme aus dem Jahre 1941 ist, sind die Wurzeln des Motivs älter. Das mit einem Aufriß von Otto Hupp 1941 geschaffene Wappen wurde von Otto Rothenfelder, Reichsbahninspektor aus Landshut, seinen Söhnen Otto, Rudolf und Fritz, seinem Bruder Ludwig und mehreren Vettern in der oben beschriebenen Form gemeinsam neu angenommen. Tatsächlich hat der Name Rothenfelder eine Wandlung in vielen Formen von Ratvelder über Ratfelder bis Rotvelder und Rotfelder durchgemacht, wobei die genealogischen Zusammenhänge offen bleiben. Am 12.12.1442 erhielt ein Innsbrucker Bürger namens Hans Ratfelder, mehrfach Bürgermeister der Stadt, von Kaiser Friedrich III. ein Wappen "mit namen einen Newner oben swarz vnd gelb steend in einem schilde oben geel vnd vnden swarz". Übersetzen wir dies: In einem golden-schwarz geteilten Schild ein Mühlebrett in verwechselten Farben - denn ein "Neuner" ist ein Mühlebrett, weil es mit neun Spielsteinen gespielt wird. Heute ist für uns ein Mühlespielbrett mit einem "Neuner" identisch, aber früher gab es auch noch andere Formen des vom 12. bis 18. Jh. äußerst beliebten Brettspieles, neben der Neunermühle gab es noch die Rad- oder Rundmühle und andere Varianten. Das Spiel war so beliebt, daß es an einigen Orten als historische Ritzzeichnung in Gebäuden oder auf Böden erhalten ist. Zurück zu Hans Ratfelder: Von ihm sind auch Siegelabdrücke mit einem stehenden Mühlebrett erhalten. Von Sigmund Ratvelder, Sohn des erwähnten Hans, ebenfalls Bürgermeister von Innsbruck, St. Jakobspfarrpropst, Stadtrichter und Spitaloberpfleger, ist ein Siegel mit einem auf der Spitze stehenden Mühlebrett überliefert. Von diesen Wappen der namensstammähnlichen Familie ließ man sich bei der Neuannahme 1941 inspirieren, wobei der Bezug zum Namen, rote Farbe und (Spiel-)Feld naheliegend wäre.

Wappenschild Rothenfelder

Redende Wappen entsprechen nicht notwendigerweise der ursprünglichen Wortbedeutung. Natürlich kann man bei der bildlichen Umsetzung eines Namens der tatsächlichen, korrekten, etymologischen Bedeutung folgen. Aus Namen wie Müller würden dann Wappen, die Mühlen, Mühlsteine, Mühleisen etc. enthalten. Name, Bedeutung und Bild bilden eine vordergründig nachvollziehbare Einheit. Eine andere Möglichkeit ist die hintergründig assoziative Einheit durch Wahl eines vielleicht nicht der ursprünglichen Bedeutung entsprechenden, aber einen fast gleichen Namen tragenden Motives, und so kommt das Mühlebrett bei Namen wie Müller, Mühlen etc. im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel. In der DWR findet sich beispielsweise die Familie Mühling aus Königsberg a. d. Eger, Krs. Falkenau (Deutsche Wappenrolle, Band: LXII Seite: 22 Nummer: 10062/97): In Rot ein auf der Spitze stehendes, silbernes Mühlespiel-Brett, schrägrechts unten belegt mit fünf (3:2) schwarzen Steinen, überdeckend zwei schräggekreuzte, silberne Lorbeerzweige. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken das auf der Spitze stehende Mühlespielbrett mit 5 schwarzen Spielsteinen, jedoch in der Stellung 2:3. Weiterhin die Familie Müller aus Kleinsteinach, Krs. Neustadt a. d. Aisch (Deutsche Wappenrolle Band: LX Seite: 19 Nummer: 9902/95): Im rot-silbern gevierten Schild in 1 und 4: ein silbernes Brett des Mühlespiels, in 2 und 3: ein schwarzes Mühleisen, verschränkt mit einer pfahlweise gestellten schwarzen Haue. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken zwei schwarz-silbern übereck geteilte Büffelhörner. Hier werden im Schild beide Möglichkeiten genutzt, ein redendes Wappen zu erzeugen, die direkte und die indirekte. Weiterhin werden wir im Aschaffenburger Wappenbuch fündig: Das Wappen Albrecht zeigt in grünem Schild die roten (sic) Linien eines aufrechten Mühlespielbretts. Auf dem Helm mit rot-grünen Decken (sic) das Schildbild zwischen einem rechts grünen, links roten Flug.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Deutsche Wappenrolle DWR Band 1-72
Aschaffenburger Wappenbuch

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