Bernhard Peter
Reformatoren-Wappen

Die sogenannten Reformatoren-Wappen stellen eine besondere, aber in sich inhomogene Kategorie der Heraldik des 16. Jh. dar. Vor dem Hintergrund der Opposition zur etablierten katholischen Kirche ging man auch auf Distanz zur äußerst üppigen und repräsentativen Amtsheraldik der katholischen Kirche, insbesondere auch, weil man deren kostspieligen Prunk ablehnte. Man wählte bei neu angenommenen Symbolen mit Absicht den optisch eher unspektakulären, programmatisch aber umso tiefsinnigeren Auftritt. Auf Oberwappen wird meist verzichtet. Einerseits handelt es sich bei den Reformatorenwappen um angestammte Familienwappen wie z. B. bei den Blaurer (Blarer), in den anderen Fällen sind es eher persönliche Zeichen, die entweder vom Namen oder von Glaubensinhalten inspiriert sind und als persönliches heraldisches Symbol geführt werden, wie z. B. bei Luther oder Melanchthon, welches aber durchaus wie ein Wappen an die Nachkommen weitergegeben werden konnte und zu Familienwappen werden konnte. Im einzelnen sind überliefert:

Martin Luther (10.11.1483-18.2.1546): in Blau innerhalb eines goldenen Ringes eine silberne Rose, belegt mit einem roten Herzen, dieses wiederum belegt mit einem schwarzen Kreuz. Diese Rose ist als sog. Lutherrose in die Heraldik eingegangen. Ab 1530 wird dieses Symbol von Luther verwendet. Von der Symbolik her steht das Kreuz auf dem Herz dafür, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig macht und daß der Glaube das Herz in natürlicher Farbe lebendig erhält. Die weiße (silberne) Rose steht dafür, daß der Glaube Freude, Trost und Frieden gibt. Der goldene Ring soll ausdrücken, daß die Seligkeit im Himmel ewig währt, und wie Gold das höchste Erz ist, so soll die himmlische Seligkeit die köstlichste aller Freuden sein. Das Blau des Feldes steht für den Himmel und für himmlische Freude bzw. die Hoffnung darauf. Eine solche Interpretation gibt Luther selbst in einem Brief vom 8.7.1530 an Lazarus Spengler.

Philipp Melanchthon (16.12.1497-19.4.1560): in Blau auf einem grünen Hügel ein goldenes Antoniuskreuz, von einer natürlichen (grünen) Schlange umwunden. Dieses neu angenommene, seit 1519 belegte Symbol, das 1520/21 in der Erfurter Matrikel unter den Humanistenwappen erscheint und ab 1526 auch auf den Publikationen des Autors erscheint, ist eine Anspielung auf Num 21, 4-9, wo der Anblick einer an einem Pfahl aufgehängten ehernen Schlange vor dem Tod durch Giftschlangen schützt. Weiterhin wird das Motiv in Joh 3, 14f aufgegriffen: "Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben" - eine Erinnerung an Jesus am Kreuze. Es werden je nach Literatur verschiedene Tinkturen überliefert.

Justus Jonas (Jobst Koch, 5.6.1493-9.10.1555): über Wellen ein aus dem Schildrand hervorkommender Walfisch, einen nackten Menschen verschlingend. Diese alttestamentarische Szene (Jona 2), die zum Symbol für Symbol der Auferstehung geworden ist, ist eine eindeutige Anspielung auf den angenommenen Nachnamen Jonas, der übrigens der Vorname seines Vaters ist.

Johann Bugenhagen (24.6.1485-20.4.1558): Das Wappen der Herren von Bugenhagen zeigt in Blau eine goldene Harfe, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei aufgerichtete, golden-blau geteilte Vogelbeine. Der Reformator stammte aus einer pommerschen Familie; sein Vater war Ratsherr in Wollin. Die Harfe hat einen passenden assoziativen Bezug zu Davids Harfe und zu den an der Hochschule Wittenberg gehaltenen Vorlesungen über die Psalmen, die 1524 veröffentlich wurden.

Ambrosius Blarer (Blaurer) (4.4.1492-6.12.1564): in Silber ein roter Hahn. Dieses ist das Wappen der Schweizerischen Familie Blarer, von denen auch die Blarer von Wartensee abstammen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wäre ein wachsender roter Hahnenkopf. Die Blarer waren ursprünglich Bürger von St. Gallen, aber von 1330 an ging die Familie verstärkt nach Konstanz, handelte mit Leinwand und stieg unter die Ratsgeschlechter auf. Die Reformation spaltete die Konstanzer Familie in zwei Zweige. Die katholische Linie erlosch bald wieder, die protestantische überlebte länger und starb erst mit dem Major Philipp am 20.1.1865 aus. Von der protestantischen Familie ist der Reformator Ambrosius der bekannteste Vertreter war. Blaurer ist die schwäbische Variante des Familiennamens.

Abb.: Johannes Calvin, Oppenheim, Glasfenster in der Katharinenkirche

Johannes Calvin (10.7.1509-27.5.1564): in Blau eine aus dem Schildrand wachsende silberne Hand, ein rotes Herz emporhaltend. Dieses ist eine symbolische Umsetzung seines Wahlspruches: Mein Herz biete ich Dir dar, o Herr, bereitwillig und aufrichtig.

Nicolaus von Amsdorf (3.12.1483-14.5.1565): ein aufspringender Bock, derselbe auf dem Helm wachsend, Tinkturen unbekannt. Der Eigner, enger Mitarbeiter und treuer Freund Luthers, 1524 Pfarrer und Superintendant von Magdeburg, wurde als Bischof von Naumburg (1542-1546) der erste protestantische Bischof in Deutschland. Er hat nichts mit der gleichnamigen, im 15. Jh. erloschenen Adelsfamilie zu tun. Sein Wappen ist als Siegel und auf seinem Grabstein überliefert.

Ulrich Zwingli (1.1.1484-11.10.1531): golden-schwarz gespalten mit einem Ring in verwechselten Farben, auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wie der Schild bez. Flügel. Dieses Familienwappen wird beschrieben im Neuen historischen Wappenbuch der Stadt Zürich, Jean Egli, 1860 und im Wappenbuch des Landes Glarus, 1937. Es handelt sich um ein redendes Wappen, weil der Ring als "Zwinge" gesehen werden kann.

Abb.: Ulrich Zwingli, Oppenheim, Glasfenster in der Katharinenkirche

Quellen, Literatur und Links
Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag 2000, Callwey Verlag 1978, S. 331
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Otto Böcher, Die Wappen der Reformatoren: ein Nachtrag, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde Bd. 72 (2005) S. 369-372
Otto Böcher, Die Luther-Rose, Martin Luthers Siegel und die Wappen der Reformatoren, Degener, 2004, 21 Seiten
Zwingli-Wappen: Neues historisches Wappenbuch der Stadt Zürich, Jean Egli, 1860.
Zwingli-Wappen:
http://www.chgh.net/heraldik/z/zw/zwingli.htm
Zwingli-Wappen: Wappenbuch des Landes Glarus, 1937.
Hans-Günter Leder: „Mein Lob ist Davids Harfe …“, Anmerkungen zum Wappen Johannes Bugenhagens, in: Baltische Studien, Jahrgang 80, 1994, S. 25-35.
Wappen Blarer: Wappenbuch der Stadt Basel. Unter den Auspizien der historischen u. antiquarischen Gesellschaft in Basel herausgegeben von W. R. Staehelin, Zeichnungen Carl Roschet, F. Gschwind, Lothar Albert et al., 3 Teile in mehreren Folgen, Band 2, Basel
Wappen Blarer: Siebmacher Band: Bad Seite: 45 Tafel: 27
Catherine Bosshart-Pfluger, Blarer von Wartensee, im Historischen Lexikon der Schweiz,
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D22771.php
Verena Baumer-Müller, Ambrosius Blarer, im Historischen Lexikon der Schweiz,
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15167.php
Melanchthon-Hauis Bretten:
http://melanchthon.com/Melanchthonhaus-Bretten/de/Melanchthonhaus/Gedaechtnishalle.php
Melanchthon:
http://www.ekiwoe.de/dateien/mittendrin_web09.pdf
Lutherrose:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lutherrose

Zurück zu Heraldik-Regeln

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2012
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de