Bernhard Peter
Einführung in die Heraldik: Schild im Schild?

Verschiedene Arten von "Schild im Schild":

Benennung der "Schilde im Schild":
Bei zwei aufeinandergelegten Schilden, einem kleineren auf einem größeren, spricht man von einem Hauptschild und einem Herzschild.

Auch wenn das der Normalfall ist, gibt es natürlich immer wieder Ausnahme-Beispiele, wenn z. B. ein nachträglich erworbener Inhalt den Wappenträgern so wichtig war (aufgrund seiner Bedeutung z. B. oder wegen des damit verbundenen Ranges), daß sie ihn in der bevorzugten Position präsentierten.

Der Begriff Herzschild bezieht sich auf die Lage an der Herzstelle, im Herzen (im Zentrum) des Schildes; die Form desselben hat selbstverständlich nichts mit dem Ausdruck zu tun, sondern folgt einer klassischen, zeittypischen Schildform.

Ein veralteter Begriff für den Hauptschild ist Rückschild (auch Rückenschild), man findet ihn noch in der älteren Literatur. Der Begriff soll assoziieren, daß er quasi an den Rücken des Herzschildes anstößt und damit eine diesem untergeordnete Rolle hinsichtlich seiner Inhalte einnimmt. In der neueren Literatur hat sich hingegen der Begriff Hauptschild durchgesetzt, vor allem, weil er das größte schildförmige Element ist und damit zu Recht als in proportionaler und gestalterischer Hinsicht optisch maßgeblich angesehen werden kann, auch ist er die Basis, auf der andere kleinere Schilde positioniert werden.

Bei drei aufeinandergelegten Schilden spricht man von Herzschild (der kleinste Schild, die oberste Lage), Mittelschild (ein mittelgroßer Schild, mittlere Lage) und Hauptschild (größter Schild, unterste Lage). In dieser Reihenfolge werden sie auch bei der traditionellen Blasonierung angesprochen. Die Lage der Inhalte entspricht der Bedeutung für den Wappenträger. Die Inhalte werden meist so auf die drei Lagen verteilt:

Diese Reihenfolge bei der Ansprache hat den Vorteil, daß die wichtigsten Felder und damit Besitzungen und Titel zuerst genannt werden. Alternativen in der Blasonierung sind selbstverständlich begründet möglich.

Zum Begriff Mittelschild: Insbesondere in der älteren Literatur wird der Begriff Mittelschild auch für einen Herzschild verwendet, insbesondere, wenn er weitere Teilungen aufweist und durch vielfältige Inhalte größer ist als von einem einfachen Herzschild erwartet wird. So taucht der Begriff Mittelschild auch in der Literatur auf, wenn kein dritter, kleinerer Schild vorhanden ist, was nicht zur Eindeutigkeit der Begrifflichkeit beiträgt. Wie der Name schon sagt, liegt ein Mittelschild in der Mitte - aber von was? In der Schildmitte, also im optischen Schwerpunkt der Schildfläche, liegen sowohl Herzschild als auch Mittelschild (nicht jedoch z. B. ein Nabelschild). Dies kann also nicht die beiden differenzieren, wohl aber die mittlere Position zwischen zwei anderen Schilden, denn nur ein Mittelschild liegt zwischen zwei anderen Schilden. Außerdem, wenn wir den Begriff Mittelschild als synonym für einen Herzschild ansähen, wie oft im Siebmacher, haben wir keine verbale Differenzierungsmöglichkeit für einen echten mittleren Schild von insgesamt drei Lagen. Deshalb ist es richtig und pragmatisch, den obersten Schild von dreien nur Herzschild zu nennen und den mittleren von dreien eben Mittelschild. Die angemessene Größe in der Darstellung ergibt sich durch das Gleichgewicht der Inhalte.

Beispiel: Der deutsche Kaiser Albert II von Habsburg (1397-1439) war Herzog von Österreich, König von Böhmen und König von Ungarn. Der Hauptschild ist gespalten von Ungarn und Böhmen, der Herzschild hat in Rot den silbernen Balken der Habsburger, das Stammwappen.

Also: Nicht von den komplexen und riesigen Gebilden des Hochadels verwirren lassen, sondern nach dem Herzschild suchen! Dort ist meistens ein ganz einfaches Stammwappen zu finden, anhand dessen sich die Familie zuordnen läßt.

Beispiel: Das Wappen des Trierer Kurfürsten am Konsitorialgebäude in Koblenz:

Bei pfahlweise angeordneten Schilden gleicher Größe spricht man von Ehrenschild oder Gnadenschild, Herzschild, Nabelschild und Hauptschild. Dies ist auch die Reihenfolge der Ansprache bei der Blasonierung.

Herzschilde werden z. B. in der modernen kommunalen Heraldik gerne verwendet, um einen Bezug zu einer ehemaligen Herrschaft herzustellen. So haben z. B. viele Kommunalwappen aus den ehemaligen Gebieten der Schaumburger einen kleinen Schild mit dem Nesselblatt der Schaumburger.

Bei alleine vorkommenden Mittelschilden oder Herzschilden, die nicht im Zentrum sitzen, verwendet man die folgenden Begriffe:

Schildchen:
Eine gänzlich andere Rolle spielen die Schildchen: In Gruppen von 3 oder 6 etc. einfarbigen ledigen Schildchen werden sie als gemeine Figuren als Schildinhalt selbst verwendet. Beispiele:

von Bellenhausen, Oswald von Bellenhausen 1426

In Silber sechs (3:2:1) blaue Schildchen. Helmzier ein beiderseits wie der Schild bezeichneter offener Flug. Helmdecke blau-silbern.

von Schönburg auf Wesel

In Rot sechs (3:2:1) silberne Schildchen. Helmzier ein silberner Hund zwischen zwei silbernen Federstößen. Zahlreiche Varianten der Helmzier. Helmdecke rot-silbern.

von Schöneck, de Schonecke, trierischer Burgmann um 1340

in Rot drei (2:1) silberne Schildchen

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