Bernhard Peter
Wappenverbesserungen

Unter einer Wappenverbesserung (auch: Wappenbesserung) versteht man das Hinzufügen neuer Inhalte zu einem bestehenden Wappen, wobei darunter weniger zusätzliche gleichrangige Inhalte verstanden werden, für die man durch Belehnung, Erbheirat o. ä. die Führungsberechtigung erwirbt (Wappenvermehrung), sondern Inhalte, die dem Wappenträger als besondere Gunst von einem Landesherrn zugebilligt werden. Meistens gehen Wappenverbesserungen mit Standeserhebungen einher oder stehen in Zusammenhang mit besonderen Leistungen oder Verdiensten des Führungsberechtigten, die auf diese Weise gewürdigt werden. In der Standesgesellschaft waren solche Wappenverbesserungen als besondere Gunstbezeugung neben der Wappenvermehrug durch Vermehrung des Besitzes oder der Ansprüche ein weiterer Weg zur Schaffung vielfeldriger, komplexer Wappen. Vom heraldisch-ästhetischen Gesichtspunkt her sind derartige Wappenverbesserungen, die meistens wenig Rücksicht auf das bestehende Wappen und die ihm inhärenten graphischen Rahmenbedingungen nahmen, oft wenig wünschenswert, weil sich dadurch die angestammten Wappen immer mehr vom Ideal klarer, einfacher Darstellungen entfernten. Konnte man sich in der Standesgesellschaft häufig dem Trend nicht entziehen, und war es auch früher eine gerne genutzte und wahrgenommene Projektionsfläche des eigenen Standes und der landesherrlichen Gunst, so kehrten doch einige Familien im 19. Jh. unter dem Einfluß einer veränderten ästhetischen Wahrnehmung zum schlichten Stammwappen zurück. Aus heutiger Sicht, die sich eher an dem "Weniger ist mehr" - Grundsatz orientiert und das vielfeldrige Repräsentationsbedürfnis vergangener Jahrhunderte als überladen empfindet, sieht man daher viele der damaligen Verbesserungen eher als Verschlimmbesserung an.

Typische Methoden einer Wappenverbesserung sind:

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der Medici
Das ursprüngliche Wappen der italienischen Familie de Medici zeigt nur rote Kugeln. Die Anzahl der Kugeln ist nicht immer sechs gewesen, sie betrug im 14. Jh. z. B. acht. Später setzten sich die 6 Kugeln durch als Anzahl: In Gold sechs 3:2:1 gestellte rote Kugeln. Die Anordnung der Kugeln änderte sich dann später zu 1:2:2:1. Helmzier war auf gekröntem Helm ein wachsender schwarzer Hund mit silbernem Halsband. Helmdecken außen gold mit roten Kugeln bestreut, innen silbern-schwarzer Eisenhutfeh. In dieser Form wird der Wappenschild auch später noch von der dalmatinischen Linie geführt. Im Jahre 1465 kam es zu einer Wappenverbesserung: Den de Medici wurden die Fleur-de-Lys - Lilienblüten vom französischen König Ludwig XI. als Gnadenzeichen gewährt: Die oberste Kugel wurde vergrößert, und sie wurde mit dem Wappen Frankreichs belegt. Das ist ein typischer Mechanismus einer Wappenverbesserung, daß nämlich das Wappen des Bessernden Eingang fand. Die Blasonierung lautete ab 1465: In Gold sechs 1:2:2:1 gestellte Kugeln (palle), von denen die obere etwas größer ist und blau tingiert sowie mit drei (2:1) goldenen Lilien (fleur-de-lys) belegt ist, und die fünf unteren rot sind. Der Schild ist mit der Florentiner Krone geschmückt, eine Zackenkrone, die in der Mitte eine rote Florentiner Lilie trägt. Wenn ein Vollwappen der Großherzöge von Toscana abgebildet wird, sind die Decken rot-golden, und auf dem gekrönten Helm befindet sich eine rote Lilie, darauf ein naturfarbener Sperber, mit dem Schnabel und der erhobenen rechten Klaue einen durch goldenen Ring gezogenes silbernes Band mit der Devise "semper" haltend. 1737 starb der letzte regierende Medici, Gian Gastone de Medici, ohne Erben, und das Palle-Wappen kam auf Umwegen in das des Hauses Lothringen, das jetzt einen gespaltenen Herzschild führte, vorne in Gold ein roter Balken, mit drei silbernen Alerions belegt, hinten das Medici-Wappen.

de Medici, 14. Jh.

de Medici de Medici, ab 1465

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der Holzschuher
Das Stammwappen der nürnbergischen Holzschuher ist ein redendes Wappen, denn es zeigt in Gold einen schwarzen, oft auch rot gefütterten Holzschuh mit silberner Einfassung. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken wird ein wachsender, rot gekleideter Mohrenrumpf mit roter, golden gestulpter Mütze geführt. Dieses schöne und schlichte Stammwappen wurde 1503 durch König Emanuel von Portugal (Manuel I. o Feliz) vermehrt: Es ist nun geviert, Feld 1 und 2: das Stammwappen, in Gold ein links gekehrter, schwarzer Holzschuh mit silberner Einfassung, Feld 2 und 3: in Blau das Brustbild eines silbernen, golden gewandeten Sarazenen (sog. weißen Mohren), auf der Herzstelle das silberne, rot gerandete Kreuz des Christus-Ordens. Interessant ist hier, daß wir nebeneinander im selben Wappen "schwarze" und "weiße" Mohren haben, also Neger und Sarazenen, ein wohl einmaliger Fall. Auf dem Helm wird ein schwarzer Mohr geführt, der ist der ältere und gehört schon zum Stammwappen, und in den Felder 2 und 3 werden "weiße Mohren" in blauem Feld geführt, der Darstellung nach sind es Araber mit Vollbart und silberner Kufiya. Heraldisch kein wünschenswerter Stil ist auch aus heutiger Sicht die Platzierung des Kreuzes in der Mitte ohne eigenes definiertes Feld, welches zusätzlich Unruhe in die Komposition bringt. Hintergrund der Wappenbesserung von 1503 für Wolf Holzschuher war die Würdigung seiner Verdienste, da er um 1500 in portugiesische Dienste trat und erfolgreich „wider die Saracenen“ in Marokko kämpfte. Nach dem Ende seiner aktiven militärischen Karriere war er im Hofstaat von Kaiser Maximilian I. tätig, bis er 1514 nach Nürnberg zurückkam und heiratete; die Ehe blieb aber leider kinderlos. Die Wappenverbesserung blieb.

 

Nürnberg, St. Jakob, Glasfenster

 

Nürnberg, St. Sebald, Glasfenster

Beispiel einer Wappenverbesserung: Die Wappen des Christoph Agricola
Der Begünstigte dieser Wappenverbesserung war der fürstlich-brandenburgische Rat und Gesandte Christoph Agricola (11.4.1589-1.12.1654), der vom Kaiser am 14.8.1623 zu Wien die Würde eines Comes palatinus und eines Eques auratus erhielt und mit Diplom vom 7.9.1638 zu Prag in den Reichadelsstand erhoben wurde. Sein altes Wappen (Abb. unten links) war nach dem entsprechenden Dokument der Reichskanzlei: In Blau ein aufgrichtetes, silbernes Pflugeisen, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken aus einer goldenen Heidenkrone wachsend ein Mann in blau-golden gespaltenem Gewand mit Aufschlägen und Kragen in verwechselten Farben, auf dem Kopf eine goldene Heidenkrone, in der Rechten ein silbernes Pflugeisen emporhaltend, die Linke eingestemmt (vgl. anders im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 3 Tafel: 1 mit Silber statt Gold in der Helmzier, Mann in silbern-blau gespaltener Kleidung, keine Heidenkronen, Mann trägt federgeschmücktes Barett, siehe auch Siebmacher Band: Bg9 Seite: 17 Tafel: 21).

Sein neues Wappen sollte nach dem Dokument der Reichskanzlei (Reichsadelsakt vom 7.9.1638) nun wie folgt aufgebaut (Abb. unten rechts) sein: Gespalten, rechts in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt, links in Blau ein aufgrichtetes, silbernes Pflugeisen. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Adler, Helm 2 (links): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken aus einer goldenen Heidenkrone wachsend ein Mann in blau-golden gespaltenem Gewand mit Aufschlägen und Kragen in verwechselten Farben, auf dem Kopf eine goldene Heidenkrone, in der Rechten ein silbernes Pflugeisen emporhaltend, die Linke eingestemmt.

Agricola, Stammwappen
der oberpfälzischen Familie

Agricola, gebessertes
Wappen im Siebmacher
Agricola, gebessertes Wappen
gemäß Reichsadelsakt

Dies ist ein Beispiel für eine typische, aber stereotype kaiserliche Wappenverbesserung durch Hinzunahme eines Elementes aus dem Reichswappen: Der Schild bekommt durch Spaltung ein Feld mehr, das mit dem geminderten Reichswappen besetzt wird, und ein zweiter Helm kommt hinzu, der ebenfalls den Adler trägt. Diesem Schema folgten etliche Wappenbesserungen durch den Kaiser, wobei der Adler entweder in gespaltenem, geteiltem oder geviertem Schild hinzukommt oder eine Form mit Herzschild gewählt wird. Der Adler kann ganz Eingang finden oder durch Halbierung, Spaltug oder Teilung oder Änderung des farblichen Hintergrundes gemindert werden.

Im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 3 Tafel: 1 wird eine ganz andere Wappenbesserung für die aus Amberg stammende Familie Agricola vorgestellt (Abb. oben Mitte), nämlich eine unter Hinzunahme pfalzbayerischer Elemente, wohl eine Berücksichtigung des Geburtsortes des Begünstigten, der aus Amberg stammte und der Sohn des Vizekanzlers Matthäus Agricola war: Der Schild ist gespalten und halbgeteilt, Feld 1: in Blau ein von einer goldenen Krone überhöhtes, mit der Spitze nach oben gestelltes silbernes Pflugeisen, Feld 2: in Schwarz ein gekrönter goldener Löwe, Feld 3: silbern-blau gerautet. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken aus einer heidnischen Krone wachsend ein Mann, mit heidnischer Krone gekrönt, der Rock blau-golden gespalten, Gurt und Ärmel in verwechselten Farben, in der Linken ein silbernes Pflugeisen haltend, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein gekrönter goldener Löwe. Die wittelsbachischen Rauten und der pfälzische Löwe wurden nach der Darstellung im Siebmacher leicht variiert dem Stammwappen zur Verbesserung beigegeben. Auch diese Version illustriert das typische, wenn auch ein wenig phantasielose Repertoire von Verbesserungen.

Mit Christoph Agricola ist übrigens der adelige Zweig der Familie wieder erloschen, denn er war zwar zweimal verheiratet, doch sein einziger Sohn unter seinen drei Kindern starb jung. Seine Brüder führten die Familie bürgerlich fort.

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der britischen Lake
Das Familienwappen der britischen Familie Lake besitzt ein zweimal vorkommendes, zusätzliches Feld, welches in Rot einen gepanzerten Arm zeigt, der an einem Schwert ein silbernes Banner hält mit einem roten, durchgehenden Kreuz, welches von 16 (4:4:4:4) Schildchen bewinkelt ist und selbst mit einem goldenen, schreitenden Löwen belegt ist. Das geht zurück auf eine Wappenbesserung aus dem Jahr 1642 und erinnert an eine Heldentat eines Familienmitgliedes: Edward Lake (ca. 1599-1674) war ein königstreuer Kämpfer in der Schlacht von Edgehill bei Kineton in Warwickshire, und in dieser Schlacht wurde er 16 x verwundet. Diese Schlacht war die allererste des englischen Bürgerkrieges, und ihr unentschiedener Ausgang war maßgeblich für den längeren Verlauf des Bürgerkrieges verantwortlich, weil die Royalisten auf ihrem Weg nach London dadurch gestoppt wurden und wertvolle Zeit verloren, wodurch der parlamentarische Widerstand sich organisieren konnte. Der Schwertarm steht für die Teilnahme des späteren Sir Edward Lake of Carnow im County of Wicklow an der Schlacht, das Georgskreuz erinnert an den englischen Nationalheiligen, der goldene, schreitende Löwe auf rotem Hintergrund ist ein gemindertes Wappen des Königreichs England, für dessen Sache der Begünstigte stritt, und die 16 Schilde stehen für die 16 Verwundungen, für 16 x mit dem eigenen Körper Schild sein für den König Karl I., der später hingerichtet werden sollte. Eine Helmzier kam weiterhin als zusätzliche Verbesserung hinzu, die daran erinnert, daß der verwundete Edward Lake die Zügel mit den Zähnen geführt haben soll, und genau so eine Reiterfigur mit dem erhobenen Schwert in der Rechten und den Zügeln im Mund des Gepanzerten befindet sich als Kleinod auf dem zusätzlich verliehenen Helm.

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der schottischen Donnachaidh bzw. Robertson
Diese äußerst ungewöhnliche Wappenverbesserung, bei der ein Gefangener In Ketten querliegend unter dem Schild hinzukam ("a savage man prostrate and in chains"), wird ausführlich im Kapiel "Kuriositäten" beschrieben.

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der britischen Lane
Das Familienwappen der britischen Familie Lane of Bentley Hall bekam ein rotes Obereck mit den drei goldenen, schreitenden, hersehenden Löwen (Leoparden) als Vermehrung ihres angestammten Wappens verliehen, zu finden in den Feldern 1 und 4 ihres vermehrten Wappens. Dieser Akt geht zurück auf eine Begebenheit im Jahr 1651: König Karl II., Sohn des enthaupteten Karl I., hatte mit seinen überwiegend schottischen Getreuen gegen Oliver Cromwell die Schlacht bei Worcester verloren, die letzte Schlacht im englischen Bürgerkrieg, und die Familie Lane, insbesondere Jane Lane, verhalf unter Lebensgefahr dem König zur Flucht nach Frankreich, teilweise auf Pferden der Lane, während das englische Parlament ein Kopfgeld von 1000 Pfund auf den König ausgesetzt hatte. Deshalb bekamen sie nicht nur als Gunstbeweis das Wappen des englischen Königreichs als Verbesserung des Schildes, sondern auch noch ein wachsendes Pferd als Helmzier, das die englische Krone zwischen den Vorderbeinen hält, und eine Wappendevise "Garde le Roy", auf den Schutz des Königs gegenüber den Verfolgern anspielend, und auf Französisch, um an die Flucht nach Frankreich zu erinnern. Karl II. hatte großes Glück, von Versteck zu Versteck durchzukommen, denn 3000 seiner Soldaten waren gefallen, 10000 gerieten in Gefangenschaft, Anführer wie der Earl von Derby wurden hingerichtet, Tausende schottischer Getreuer wurden in die westindischen Kolonien deportiert und zu Landarbeit gezwungen. Karl aber landete am 16.10.1651 im normannischen Fécamp und ging danach nach Den Haag. Nach der Wiederherstellung der Monarchie bestieg Karl II. am 29.5.1660 den englischen Thron und belohnte seine Fluchthelfer.

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der britischen Wharton
Das in diesem Exlibris aus der Feder der Graphikerin "Miss Caroline Helard" (Mary Ellen Blanche Crookes) dargestellte Wappen der Kemeys-Tynte, Barone Wharton, ist geviert, Feld 1 und 4: erneut geviert, Feld a und d: in Rot ein liegender silberner Löwe zwischen sechs (3:3) wiedergekreuzten silbernen Kreuzchen (Tynte), Feld b und c: in Grün ein silberner, mit drei schwarzen, mit der Spitze nach unten gelegten Pfeilspitzen belegter Sparren (Kemeys), Feld 2 und 3: innerhalb eines goldenen, mit acht (3:2:3) roten, schräggekreuzten, aufgerichteten Löwenpranken belegten Bordes in Schwarz ein silberner Ärmel (Wharton). Englischer Blason: Quarterly, 1st and 4th grand quarters, quarterly, 1st and 4th, Gules a lion couchant between six cross crosslets Argent (Tynte), 2nd and 3rd, Vert on a chevron Argent three pheons Sable (Kemeys), 2nd and 3rd grand quarters, Sable a maunch Argent on a bordure Or eight pairs of lion's gambs erased in saltire Gules (Wharton).

Das Wappen wird mit rot-silbernen Decken und zwei Kleinoden geführt: Helm 1 (rechts): auf dem rot-silbern bewulsteten Helm auf einem grünen Rasenboden ein sitzendes silbernes Einhorn mit goldenem Horn, goldenen Hufen und ebensolcher Mähne (Kemeys), Helm 2 (links): auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm ein ausgerissener silberner Stierkopf mit goldener Bewehrung und mit schwarzem Kopfhaar, um den Hals ein rot-golden gespaltener herzoglicher Kronreif (Wharton). Englischer Blason: Mantling Gule and Argent. Crests: 1: upon a wreath of the colours on a mount Vert a unicorn sejant Argent, armed, crined an unguled Or (for Kemeys), 2: upon a wreath of the colours a bull's head erased Argent, armed Or, crined Sable, gorged with a ducal coronet, per pale Gules and Or (for Wharton).

Dazu gehören als Schildhalter rechts ein silberner Stier mit roten Hufen und ebensolchen Hörnern und mit schwarzem Kopfhaar und links ein roter, mit einem goldenen, verflochtenen Schräggitter überzogener Löwe (engl.: Supporters: dexter: a bull Argent armed and unguled Gules crined Sable, sinister: a lion Gules fretty Or). In der Literatur wird der rechte Schildhalter, der Stier, auch mit einer Halskrone wie bei der Helmzier beschrieben.

Der Titel eines Barons Wharton hat seinen Platz im englischen Peerage-System und wurde nacheinander verschiedenen Familiennamen zugeordnet, zunächst Wharton, dann Kemeys-Tynte, schließlich Arbuthnot und zuletzt Robertson. Das ist hier sekundär und wird ausführlich im Kapitel über Exlibris behandelt. Hier von Interesse ist die Wappenverbesserung des Wappens Wharton.

Das Stammwappen der Wharton war in Schwarz ein silberner Ärmel (engl.: Sable a maunch Argent). Thomas Wharton (ca. 1495-23.8.1568), der Sohn von Thomas Wharton zu Wharton und Mateby in Kirkby Stephen, co. Westmorland, und dessen Frau, Agnes Warcop, Tochter von Reginald Warcop zu Swerdale, co. Westmorland, fügte am 24.11.1542 der schottischen Armee in der Schlacht von Solway Moss eine empfindliche Niederlage zu. Der Hintergrund war die religiöse Spaltung zwischen England und Schottland unter König Heinrich VIII. (regierte 1509-1547). Der schottische König Jakob V. folgte dem Vorschlag seines Onkels Heinrich, es diesem gleichzutun und ebenfalls mit Rom zu brechen, nicht. König Heinrich wollte sich mit seinem Neffen in York treffen, um ihn umzustimmen. Der schottische König ignorierte die Einladung zu dem Gespräch und blieb stur. Und Sturheit gegenüber seinen Wünschen konnte König Heinrich VIII. nun gar nicht vertragen: Er war zutiefst beleidigt, und königliches Beleidigtsein hat zur Folge, daß militärische Vergeltung durch einen Einfall englischer Truppen in schottisches Territorium folgt.

Nach diesem Einfall mobilisierte der schottische König wiederum seine Truppen zur Vergeltung der Vergeltung. 18000 schottische Soldaten unter dem Kommando des umstrittenen Robert, 5. Lord Maxwell, überschritten nun ihrerseits die Grenze zum Einfall nach England und trafen auf nur 3000 Mann unter dem Kommando von Thomas Wharton, der seit dem 8.6.1537 stellvertretender Warden of the West Marches war und später Captain und Governor von Carlisle wurde. Eigentlich war es bei dieser zahlenmäßigen Überlegenheit unmöglich, zu verlieren, doch die Schotten schafften das durch ihre miserable Kommandostruktur und fehlende Koordination unter einem wenig fähigen Anführer. Es wurde keine geordnete Schlacht, sondern ein Hauen und Stechen nach Belieben, in dessen Verlauf die Schotten erst ihre Kanonen verloren und dann im Sumpf ihre Pferde nicht einsetzen konnten. Wer nicht gefangen genommen wurde (mehr als 1200) oder im Moor oder Fluß ersoff (mehrere Hundert), wandte sich ungeordnet zur Flucht. Das war der Anfang vom Ende des schottischen Königs Jakob V., der selber zwar nicht an der Schlacht teilgenommen hatte, aber erkrankte und zwei Wochen später in Falkland Palace verstarb. Für die Engländer, die selber nur unglaublich wenig Leute verloren hatten, war das ein grandioser Sieg.

 

Heinrichs Nachfolger, Edward VI. Tudor (regierte 1547-1553), einziger legitimer Sohn Heinrichs VIII. aus seiner dritten Ehe mit Jane Seymour, der mit neun Jahren König wurde, dankte Thomas Wharton für diesen militärischen Erfolg, indem er ihn 1544 zum Baron Wharton erhob und ins Oberhaus holte sowie ihm mit dem Selbstbewußtsein des Siegers zwei Wappenbesserungen verlieh: Der Bord mit den schräggekreuzten abgehauenen Löwenpranken in den schottischen Farben Gold und Rot (Abb. oben links) symbolisiert die dem schottischen Löwen zugefügten Schäden, und der linke Schildhalter ist nichts anderes als das im englischen Netz gefangene schottische Wappentier, ebenfalls in den schottischen und natürlich auch englischen Farben (Abb. oben rechts).

Beispiel einer Wappenverbesserung: Das Wappen der britischen Howard, Duke of Norfolk
Das Wappen ist geviert, Feld 1 (Howard): in Rot ein silberner Schrägbalken zwischen sechs widergekreuzten silbernen Steckkreuzchen, der Schrägbalken belegt mit einem schräggestellten goldenen Schildchen, das innerhalb eines außen und innen mit Lilien besteckten roten Zwillingsinnenbordes einen oberhalben roten Löwen trägt, dessen Maul von einem Pfeil durchbohrt wird. Das Schildchen war eine Wappenbesserung, die Thomas Howard, 2nd Duke of Norfolk, für seinen Einsatz im Battle of Flodden erhalten hatte, eine Schlacht gegen die Schotten, die mit einem überwältigenden Sieg der Engländer endete, daher der geminderte, halbierte und mit einem Pfeil erschossene schottische Löwe als Motiv.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Jakob in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Frau Ursula Prankel, wofür ihr an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/
Schlacht von Worcester:
http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Worcester - http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worcester
Karl II:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_II._(England) - http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_II_of_England - http://en.wikipedia.org/wiki/Escape_of_Charles_II
Jane Lane:
http://en.wikipedia.org/wiki/Jane_Lane,_Lady_Fisher
Stephen Slater: Englische Wappenbesserungen (Augmentations), Artikel im Kleeblatt, Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften, Vereinsmitteilungen 02/2014, S. 66-67
Lake Baronets:
http://en.wikipedia.org/wiki/Lake_Baronets
Schlacht von Edgehill:
http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Edgehill - http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Edgehill
Herrn Stephen Slater ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise und Erläuterungen.
Schlacht von Solway Moss:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Solway_Moss - https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Solway_Moss
Baron Wharton:
https://en.wikipedia.org/wiki/Baron_Wharton
Sir Thomas Wharton:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Wharton,_1._Baron_Wharton - https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Wharton,_1st_Baron_Wharton
Wharton und Kemeys-Tynte, Barons Wharton:
http://www.cracroftspeerage.co.uk/online/content/wharton1544.htm
Ellis, Kemeys-Tynte und Wharton: Arthur Charles Fox-Davies: Armorial families, a directory of gentlemen of coat-armour, T. C. & E. C. Jack, Edinburgh, 1905:
http://www.ebooksread.com/dl2.php?action=output_file&id=110613&ext=pdf_external&f=armorialfamilies00foxdrich, S. 438, 765 und 1452, Ausgabe 1929, Band 2: http://www.ebooksread.com/dl2.php?action=output_file&id=126846&ext=pdf_external&f=armorialfamilies02foxd S. 1084 und 2070
Familiengeschichte Wharton und Kemeys-Tynte:
https://halswellpark.wordpress.com/2015/12/08/the-kemeys-tynte-family-and-the-wharton-barony/
Das Wappen Wharton und Kemeys-Tynte in Farbe:
https://halswellpark.files.wordpress.com/2015/12/03.png?w=660&h=590
Stammbaum Barone Wharton:
https://halswellpark.files.wordpress.com/2015/12/wharton-barony.png
Wappen Agricola: Michael Göbl: Die Entwicklung heraldischer Normen im Heiligen Römischen Reich und in der Habsburgermonarchie, in: Herold-Jahrbuch, Neue Folge, 19. Band, Selbstverlag des Herold, Berlin 2014, ISBN 978-3-9804875-8-0, S. 53 ff.

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