Bernhard
Peter
Besondere
Motive: Tischfuß, Tischwange
Ein seltenes Wappenbild, das manchmal auf den ersten Blick aussieht wie eine durchgesägte Eisenbahnschiene, ist der Tischfuß (Synonyme: Tischwange, Tischgestell). Aber wer hat schon einen so alten Refektoriumstisch zu Hause, um die Konstruktion nachvollziehen zu können? Früher waren die Tische keine fest im Raum installierten Möbel, sondern man baute Tische auf, wenn man sie brauchte. Die älteste Konstruktion waren einfache Böcke, auf die man die Tischplatten legte. Und wenn man mit Essen fertig war, hob man buchstäblich die Tafel auf und lehnte sie an die Wand. Man kann die tragende Konstruktion auch wie folgt machen: Zwei einander gegenüberstehende Tischfüße, etwa schragenförmig geschreinert, wurden in deren Mitte mit einem Verstrebungsbalken verbunden, der in viereckige Aussparungen beider Füße bzw. Wangen gesteckt wurde.

Und damit die Bretter obendrauf, die den eigentlichen Tisch bilden, nicht verrutschen können und unpraktische Spalten in der Tischfläche bilden, wurden oben in den Tischfüßen Nuten ausgespart, in die entsprechende Leisten zu liegen kamen. Das Schildbild "Tischfuß" kann man in seiner altmodischen Form etwa wie in der linken Abbildung realisieren. Eine neuere Form ist mehr X-förmig (Tischkreuz), das war möglich, als die Tischplatte nicht mehr aus einzelnen losen Brettern bestand, sondern in sich eine zusammenhängende und sich selbst tragende Platte war (rechte Abbildung)

Ein Beispiel für die altmodische Form ist das Wappen der Marschall (Marschalk) von Ostheim, das in vielfältiger Ausführung auf den Epitaphien in der Kirchenburg von Ostheim vor der Rhön bewundert werden kann. Bekannte Vertreter dieses fränkischen Adelsgeschlechtes mit Stammsitz in Ostheim vor der Rhön sind z. B. die Herren (je nachdem zu Wallbach, Waltershausen, Harles, Brunn, Trabelsdorf bzw. Dankenfeld) Christoph Marschall von Ostheim (gest. 1488), Moritz I Marschall von Ostheim (gest. 1521), Georg Marschall von Ostheim (gest. 1561), Moritz II Marschall von Ostheim (gest. 1607), Georg Philipp Marschall von Ostheim (gest. 1626), Kaspar Adam Marschall von Ostheim (gest. 1688), Philipp Erdmann Marschall von Ostheim (gest. 1719), Ernst Friedrich Marschall von Ostheim (gest. 1730), Johann Friedrich Philipp Marschall von Ostheim (gest. 1768),
Blasonierung: In Silber ein schwarzes Tischgestell (Tischfuß) in altmodischer Form, oben zweimal eingeschnitten zur Aufnahme der Tischbretter, in der Mitte viereckig durchbrochen zur Aufnahme des Verstrebungsbalkens, unten schräg auseinandergehend.

Beispiele aus der Kirchenburg in Ostheim vor der Rhön, St. Michaeliskirche
Ein zweites Beispiel ist das fränkische Geschlecht der von Ratzenberg (Ratzenburg, nicht zu verwechseln mit der Stadt Ratzeburg bei Lübeck). Diese führen ebenfalls eine schwarze Tischwange altmodischer Form, oben zweimal eingeschnitten zur Aufnahme der Tischbretter, in der Mitte durchbrochen zur Aufnahme des Verstrebungsbalkens, unten schräg auseinandergehend. Helmzier Rumpf einer silbernen Bracke, bedeckt mit einem Spitzhut, dessen Spitze mit drei Federn besteckt ist. Helmdecken schwarz-silbern. Eine Abbildung des Wappens findet sich im Bayhart'schen Wappenbuch, im alten Siebmacher mit goldenem Feld, während es im neuen Siebmacher mit silbernem Feld beschrieben wird. Das uradelige fränkische Geschlecht gehörte zu den Bamberger Ministerialen. Schon 1216 findet ein Leopold von Ratzenberg Erwähnung, 1289 ein Friedrich von Ratzenberg.

Bildbeispiel: Evangelische Pfarrkirche in Neckarsteinach, Epitaph
frz.: soutien de table, ceinture de table, engl.: table support
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004-2007
Impressum
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Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum der Kirche mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Christian Schümann, Ostheim 2007
Veröffentlichung der Innenaufnahme aus der evangelischen Pfarrkirche Neckarsteinach mit freundlicher Genehmigung von Frau Pfarrerin Marion Rink, Neckarsteinach, vom 18.7.2007