Einführung in die Heraldik: Der Turnierkragen

Definition des Turnierkragens:
Ein Turnierkragen oder auch Turnierhalskragen ist ein abwärts breit gezinnter abgeledigter Balken bzw. ein abgeledigter Balken mit mehreren herabhängenden Lätzen.

Darstellung des Turnierkragens:

Wie viele Lätze hat ein Turnierkragen?

Bedeutung des Turnierkragens:
Der Turnierkragen ist eines der wichtigsten Beizeichen überhaupt. Große Verbreitung genießt er in Frankreich, Großbritannien und in den Niederlanden. Bei mittelalterlichen Wappen macht er ca. ein Drittel, bei neuzeitlichen die Hälfte aller Beizeichen aus! Generell ist der Turnierkragen das Mittel der Wahl, wenn der älteste Sohn sein Wappen von dem seines Vaters differenzieren will (Wappenbrecher). Insbesondere in Großbritannien ist er das Beizeichen des ältesten Sohnes zu Lebzeiten des Vaters, so findet er sich generell im persönlichen Wappen des Thronfolgers, des Prince of Wales, als dreilätziger silberner Turnierkragen, der die beiden oberen Felder (England rechts, Schottland links) überzieht. In Frankreich ist das bekannteste Beispiel das Haus Orléans, die jüngere Linie der Bourbonen.

In manchen Wappenbüchern wird der Turnierkragen als "Steg" oder "Brücke" bezeichnet. In der Tat sieht er wie ein Steg aus, nur - ein Steg war nie damit gemeint. Ein Steg wird heraldisch außerdem anders dargestellt, nämlich meist als Hauptbild und über stilisiertes Wasser führend.

Scheibelreiter weist noch auf eine regionale Sonderbedeutung hin: Das Motiv kann auch als Hauptfigur im Schild auftreten, besonders bei niederrheinischen Adelsgeschlechtern. Hier versinnbildlicht die Darstellung einer "Bank" die Ausübung der Gerichtsbarkeit.

Beispiele für einen Turnierkragen:
Neben Schindeln sind Turnierkragen in der rheinischen Heraldik sehr häufig angewandte Unterscheidungszeichen für jüngere Nebenlinien von Adelsgeschlechtern. Hier einige Beispiele aus dem Rhein-Mosel-Gebiet:

Edle Herren von Siersberg, Eberhard Herr zu Siersberg 1381

In Gold ein roter Sparrenbalken, überhöht von einem blauen dreilätzigen Turnierkragen. Helmzier ein beiderseits wie der Schild bezeichneter offener Flug. Helmdecke rot-golden.

von Winterau, Werner von Winterau 1317

In Gold ein rot-weiß geschachtes Kreuz, darüber ein blauer fünflätziger Turnierkragen.

Edle Herren von Heinzenberg, Johann Herr zu Heinzenberg 1344

In Rot ein silberner Rinck (rautenförmige Gürtelschnalle), überlegt von einem dreilätzigen silbernen Turnierkragen. Helmzier ein niedriger roter Gupf, aus dem ein Pfauenstoß wächst.

     
Langwerth von Simmern, Hans Langwerth von Simmern 1491

In Schwarz eine goldene Lilie, darüber ein dreilätziger blauer Turnierkragen. Helmzier die Lilie zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern. Helmdecke schwarz-golden.

Beffort, Erwähnung 1342

Gold mit rotem Schildhaupt, darin ein fünflätziger silberner Turnierkragen. Helmzier ein niedriger roter Hut mit goldenem Stulp, obenauf eine goldene Kugel mit Pfauenstoß. Helmdecke rot-golden.

Beffort a. d. H. Orley, Johann Herr zu Beffort 1451

Geviert weiß-golden, 1+4: Zwei rote Pfähle, 2+3: rotes Schildhaupt, darin ein fünflätziger silberner Turnierkragen. Helmzier ein wachsender goldener Löwe (auch Rüde) zwischen einem offenen schwarzen Flug. Helmdecke rot-silbern

     
Edle Herren von Blankenheim, Gerhard von Blankenheim 1279, 1330, 1335

In Gold ein schwarzer Löwe, darüber ein fünflätziger roter Turnierkragen. Helmzier ein wachsender schwarzer Löwe (kommt sowohl gekrönt als auch ungekrönt vor) zwischen offenem goldenen Flug. Helmdecke schwarz-gold. Varianten vorhanden.

von Honcheringen, Theoderich von Honcheringen zu Trier 1355

In Rot zwei silberne Balken, darüber ein dreilätziger goldener Turnierkragen. Helmzier ein rotes Hifthorn mit silbernen Beschlägen, das mit einem Hahnenbusch besteckt ist. Helmdecke rot-silbern. Variante vorhanden.

von Reifenberg, von Reiffenberg, Emmerich von Reifenberg 1424

In Silber drei rote Schrägrechtsbalken, darüber ein dreilätziger blauer Turnierkragen. Helmzier: ein silbernes und ein schwarzes Eselsohr. Helmdecke: rot-silbern.

     
 
von Jegen gt. von Lissingen, Johann von Jegen gt. von Lissingen

In Silber drei (2:1) rote Rundscheiben, darüber ein dreilätziger roter Turnierkragen. Helmzier: ein geistlicher Hut, in dessen Krempe zwei aufrechte Feuergabeln stecken. Helmdecke: rot-silbern.

von Mayen, Gerhard von Mayen 1293

In Gold drei (2:1) schrägrechtsgelegte schwarze Streithämmer, darüber ein dreilätziger roter Turnierkragen.

 

Übersicht

Home

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004-2006
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de