Bernhard Peter
Die Walpoden und die Waldbott von Bassenheim

Die mittelrheinischen Walpoden
Die Waldbott von Bassenheim sind eine rheinländische Familie, nach Bassenheim bei Koblenz benannt. Der Name Waldbott kommt daher, daß sie ab 1267 das Walpodenamt der Grafen von Diez innehatten. Ihr Stammhaus ist die Burg Waltmannshausen bei Hadamar. Bassenheim bekamen die Walpoden vor 1300. Später nannten sich die einzelnen Zweige nach ihren neuen Häusern, und die Bedeutung des Stammzweiges zu Waltmannshausen wurde durch den Aufstieg anderer Zweige überflügelt. Angefangen hat die Familie als Walpoden von Waltmannshausen, bedeutend wurden die Walpoden von Bassenheim.

So hießen sie zuerst "Walpod", was sich später in "Waldbott" änderte. Der Name kommt also nicht von "Wald", sondern von "Gewalt", "walten" - denn ein Walpode bezeichnet im Rheinland einen Bevollmächtigten, einen Gewaltboten, jemanden mit Herrschafts- und Vollzugsbefugnis. Aus der Amtsbezeichnung hat sich dann der Familienname entwickelt, ergänzt durch den Sitz. Ähnliche Familiennamen, die sich aus einem Amt entwickelt haben, sind Schenk, Truchseß etc.

Die weitverzweigte Familie der Walpoden nannte sich nach ihren jeweiligen Sitzen: So gibt es neben den Waldbott von Bassenheim auch die die Walpoden Herren zu Waltmannshausen (älteste Linie auf der Stammburg), die Walpoden von Andernach (1337, offensichtlich identisch mit den Walpoden von Bassenheim), die Walpoden von Ulmen (1321-1472, frühe Abzweigung der Walpoden von Waltmannshausen und eigentlich die begütertere Hauptlinie) und die Waltpot von Pfaffendorf (1370-1621). Urkundlich sind ferner die Walpoden von Koblenz 1294, die Walpoden von Braubach 1300, die Walpoden von Münstermaifeld 1305, die Walpoden von Lahnstein 1305, die Walpoden von Polch 1337, die Walpoden von Vallendar 1344 und die Walpoden von Girsenach 1381.

Andere mittelrheinische Walpoden-Familien sind übrigens die Walpoden von Mainz (um 1550 erloschen) und die Walpoden von der Neunburg, Erbwalpoden der Grafschaft Wied. Ferner gibt es noch die Walpoden von der Neuerburg (Gruber S. 101), auch eine ganz andere Familie mit ganz anderem Wappen.

Walpoden von Waltmannshausen
Die Walpoden von Waltmannshausen sind nach dem Stammsitz bei Hadamar benannt. Von ihnen zweigten sich die anderen Walpoden-Linien ab.

Walpoden von Ulmen
Die Walpoden von Ulmen scheinen die ältete Abzweigung der Walpoden von Waltmannshausen zu sein und zeitweise der Hauptstamm. Als sie im 15. Jh. im Mannesstamm ausstarben, ging die Erbwalpodei zu Waltmannshausen an die von Lewenstein und an die Weyher von Nickenich.

Aufstieg der Walpoden von Bassenheim
Die Linie, die zur wichtigsten und erfolgreichsten werden sollte, stieg erst in späteren Jahrhunderten zu ihrem Zenit auf: Die Waldbott von Bassenheim, die sich ebenso von den Walpoden von Waltmannshausen ableiten und den Namen ihres neuen Stammsitzes bei Koblenz annahmen.

Eine wichtige Heirat, die diesen Aufstieg einleitete, war die von Otto Waldbott von Bassenheim (gest. 1507) um 1477 mit Apollonia von Drachenfels, der Schwester von Clais von Drachenfels, denn aufgrund eines Erbfalles bekamen die Waldbott Burg Gudenau bei Wachtberg, das sie später zum Schloß ausbauten, und die Hälfte der Einkünfte aus dem sog. Drachenfelser Ländchen. Auch Burg Olbrück kam dabei an die Waldbott. Als die Familie der Burggrafen von Drachenfels am 3.5.1530 im Mannesstamm ausstarb, kam es zu langen Erbauseinandersetzungen zwischen den von Mylendonk und den Waldbott als Erben bis zu einer gleichberechtigten Teilung 1616. Erst 1642 bekam Ferdinand Waldbott auch den Rest des Drachenfelser Gebietes von Köln zu Lehen, nicht ohne noch 1695 eine Abfindung an die Herzöge von Croy zu zahlen. Die Waldbott zu Bassenheim waren damit nicht nur Herren zu Gudenau, sondern auch Erbburggrafen des Erzstifts Köln. Der Ausbau der Residenz Gudenau zum Wasserschloß und die Prozeßkosten wegen Drachenfels waren zeitweise für die Familie ruinös.

Teilungen der Walpoden von Bassenheim in verschiedene Linien
Im 16. Jh. teilte sich die Familie in drei Linien: Waldbott zu Bassenheim, Waldbott zu Olbrück (später Bornheim) und Waldbott zu Gudenau. Anton Waldbott v. Bassenheim (- 17.2.1537), Sohn von Otto Waldbott v. Bassenheim (- 1498) und Apollonia v. Drachenfels, verfaßte am 3.6.1535 ein Testament, in dem er das Gebiet unter seine drei Söhne aufteilte:

Johanns Linie spaltete sich wiederum in drei weitere Unterlinien auf. Johann, 1573 kurkölnischer Rat, 1583 Amtmann zu Bonn, war vermählt in erster Ehe mit Barbara Gräfin v. Nesselrode und in zweiter Ehe mit Katharina Cämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (- 5.8.1615), und die relevanten Söhne waren:

Linie zu Gudenau
1663 kam es zu einem weiteren Gebietszuwachs: Die Burg Odenhausen, ein Lehen der Abtei Siegburg, wurde erworben. Die Waldbott zu Gudenau wurden 1659 Reichsfreiherren: Otto Werner von Waldbott bekam die Reichsfreiheit für einen Teil seines Territoriums als Konsequenz eines Gebietstausches mit dem Herzog von Jülich, ein Waldbott-Anteil an Landskron (Ahr) gegen das frisch reichsunmittelbare Lehen Villip (Landschloß). Die Waldbott-Gudenau starben am 31.8.1735 mit Joseph Klemens Waldbott v. Bassenheim im Mannesstamm aus, Gudenau und Odenhausen gingen über die Erbtochter Maria Alexandrina Odilia Theres Freiin Waldbott v. Bassenheim (- 4.3.1744) an die von der Vorst-Lombeck, das Lehen Drachenfels ging an die Linie Waldbott von Bassenheim zu Bornheim, später 1778 durch Kauf auch an Clemens August von der Vorst-Lombeck).

Abb.: Schloß Gudenau, Wappenstein außen über der Durchfahrt durch den Torturm der Vorburg, datiert auf 1562, gehört zu Otto Waldbott v. Bassenheim, Herr zu und Begründer der Linie zu Gudenau, und seiner am 15.7.1553 geehelichten Frau, Johannetta (oder Johanna) Scheiffart v. Merode zu Bornheim (- 14.11.1613).

Genealogie der Linie zu Gudenau

Linie zu Bassenheim
Die Bassenheimer Linie wurde reichsfreiherrlich am 16.4.1638 mit Damian Freiherr Waldbott v. Bassenheim (2.4.1577 - 21.11.1640). Johann Lothar Waldbott von Bassenheim (gest. 1677) erwarb weitere Gebiete in der Eifel, die halbe Herrschaft Pyrmont (das Pyrmont in der Eifel, nicht das in Niedersachsen bei Hameln!). Den Reichgrafenstand erreichte am 23.5.1720 Franz Emmerich Wilhelm Reichsfreiherr Waldbott v. Bassenheim (1648-9.10.1720) aus der Bassenheimer Linie, Herr zu Bassenheim, Pyrmont, Sevenich, Kransberg, Erbschenk des Erzstifts Mainz, Geheimrat in Kurmainz und in Kurtrier, 16.5.1711 Hofratsvizepräsident. Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim, k. u. k. Kammerherr, Burggraf des reichsunmittelbaren Burggrafentums Friedberg, Senatspräsident des Reichskammergerichts, Reichskammergerichtspräsident zu Wetzlar, wurde 1788 zum westfälischen Grafenkollegium zugelassen und bekam damit die Reichsstandschaft.

Genealogie der Waldbott von Bassenheim in der Bassenheimer Linie, Teil (1):

Abb.: Wappensteine der Bassenheimer Linie an der Marienkapelle auf dem Karmelenberg bei Bassenheim. Abb. links: Wappen am rechten Fenster der Nordseite, Abb. rechts: Wappen am linken Fenster der Ostseite. Die Wappensteine gehören zu Johann Lothar Freiherr Waldbott von Bassenheim (-21.2.1667), vermählt in erster Ehe mit Johanna Walpurga v. Reiffenberg (-3.2.1651) und in zweiter Ehe mit Anna Magdalene Gräfin v. Metternich-Winneburg und Beilstein.

Genealogie der Waldbott von Bassenheim in der Bassenheimer Linie, Teil (2):

Das Wappen der Waldbott
Das gängige Wappen der Waldbott von Bassenheim ist: Der Schild ist zwölffach rot-silbern geständert. Die Helmzier ist ein wachsender silberner Schwan, dessen erhobene Flügel mit je einem 12fach rot-silbern geständerten Schildchen belegt sind. Helmdecke rot-silbern.

Die älteste Farbangabe datiert von 1312 "d'argent et de Goules".

Variationen gab es hinsichtlich der einzelnen Linien der Walpoden (später Waldbott). Diese Variationen betrafen die exakte Anzahl der Plätze bei der Ständerung, die Helmzier und ggf. differenzierende Beizeichen. Ein Überblick über die Fundstellen:

Es läßt sich also feststellen: Das Motiv der Ständerung ist uralt und schon auf den allerältesten Darstellungen belegt, ebenso wie die Farben bereits Anfang des 14. Jh. belegt sind. Die Anzahl der Ständer war der Variationsbreite von 8 bis 16 unterworfen, je nach Linie und Zeit. Durchgesetzt hat sich die 12fache Ständerung. Waren im 14. und 15. Jh. je nach Linie noch unterschiedliche Helmzieren je nach Linie in Gebrauch, hat sich hier der Schwan der Bassenheimer endgültig durchgesetzt. Dies hängt sowohl mit dem Erlöschen der Nebenlinien als auch mit der Vereinheitlichung unter Verlust persönlicher Helmzier-Varianten zusammen.

Abb.: Boppard, Karmeliterkirche unserer lieben Frau, Epitaph von 1548, Wappen aus der Ahnenprobe, steht für Katharina Waldbott v. Bassenheim (-1466). Publikation des Photos aus dem Innenraum der Karmeliterkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Hermann-Josef Ludwig vom 1.8.2007, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.

Abb.: Eichstätt, Dom, Denkmal von Zehmen, Ahnenprobe, Schild für Johann Philipp Freiherr Waldbott von Bassenheim, Herr zu Olbrück (geb. 1627). Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Dom mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom 07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

 

Abb.: Würzburg, Chorgestühl St. Burkard, 1698/99, Johann Philipp Karl Joseh Freiherr von Bassenheim (Waldbott von Bassenheim). Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Ernst Bach, Kath. Pfarramt St. Burkard, Burkarderstraße 40, 97082 Würzburg, vom 15.02.2007

Abb.: Diese aufwendige heraldische Komposition über dem Eingang der Marienkapelle auf dem Karmelenberg bei Bassenheim enthält die Genealogie zweier Generationen. Auf der Brust des Schwanes befindet sich das Wappen von Johann Lothar Freiherr Waldbott von Bassenheim (-21.2.1667) aus der Bassenheimer Linie, vermehrt um die Wappen seiner beiden Ehefrauen Johanna Walpurga von Reiffenberg (-3.2.1651) und Anna Magdalene Gräfin v. Metternich-Winneburg und Beilstein, und auf den Flügeln des Schwanes befinden sich die Wappenschilde für die Eltern des Bauherrn, Damian Freiherr Waldbott v. Bassenheim (2.4.1577-21.11.1640) und Maria Elisabeth Hund v. Saulheim (1595-1681). Der Schwan ist das Wappentier der Waldbott von Bassenheim, der im Wappen der Familie sowohl als wachsender, auffliegender silberner Schwan in der Helmzier auftaucht als auch als Schildhalter. In der Helmzier sind seine ausgebreiteten Flügel jeweils mit einem wie der Schild bez. Schildchen belegt. Hier dient der Schwan, schwarz angestrichen, als Schildhalter, aber die Flügel sind ebenfalls mit Schildchen belegt, nur daß sie im Unterschied zur Waldbott-Helmzier beide gekrönt sind und die elterlichen, nicht identischen Wappeninhalte zeigen.

Abb.: Schloß Gudenau, Wappenstein über dem Eingang in das Inselschloß an einer barocken Balustrade, datiert auf 1708, gehört zu Maximilian Hartard Freiherr Waldbott v. Bassenheim (- 16.2.1734) aus der Linie zu Gudenau, vermählt mit Maria Magdalena Rosina Adolphina Waldbott v. Bassenheim (- 29.10.1759), aus der Linie zu Bornheim.

Es ist wohltuend: Das Wappen der Waldbott ist durch die ganzen Jahrhunderte fast unverändert geblieben, jede Generation hat die Schönheit und Prägnanz des rot-silbern geständerten Schildes geschätzt. Eine Familie, die einst zu den mächtigsten und wichtigsten des Rheinlandes gehörte, reichlich Besitzungen angehäuft hatte, um ihr Wappen zu vermehren, blieb bei dem schlichten und schönen Stammwappen. Das ist vorbildlich, denn jede Veränderung hätte diese klare Graphik optisch gemindert.

Die Behauptung (vgl. Siebmachers Wappenwerk, Grafen), daß selbst gevierte Schilde mit den Wappen der übernommenen Besitzungen überhaupt nicht vorkommen, läßt sich jedoch nicht halten: In Schloß Gudenau gibt es Schlußsteine an den Wirtschaftsgebäuden der Vorburg mit einem achtfeldrigen Schild, wo die vordere Spalthälfte des Ehewappens von der Bassenheimer Ständerung und dem Drachenfelser Drachen geviert ist. Es ist aber das einzige mir bekannte Beispiel.

Das Vollwappen sähe dann so aus: Geviert, Feld 1 und 4: zwölffach rot-silbern geständert. Feld 2 und 3: In Rot ein silberner Drachen (Stammwappen Drachenfels). 2 Helme: Helm 1: ein wachsender silberner Schwan, dessen erhobene Flügel mit je einem 12fach rot-silbern geständerten Schildchen belegt sind. Helmdecke rot-silbern. Helm 2: Der silberne Drachen wachsend (Stammkleinod Drachenfels), Helmdecken rot-silbern.

Abb.: Wasserschloß Gudenau, Vorburg, Toreinfahrten der Wirtschaftsgebäude, links gesamt, rechts Ausschnittsvergrößerung der vorderen Spalthäfte, geviert aus Waldbott und Drachenfels.

Eine kleine Änderung gab es, als 1764 das Privileg erhalten wurde, den Deutschordensschild unter das eigene Wappen zu legen. Optisch ist das nicht weiter störend, da genauso eine radiale Geometrie zurundeliegt. In seiner prunkvollsten Ausführung ist das reichsgräfliche Wappen wie folgt aufgebaut:

Der Schild ist zwölffach rot-silbern geständert, unterlegt mit einem silbernen Schild mit schwarzem Tatzenkreuz. Die Helmzier ist ein silberner Schwan, dessen erhobene Flügel mit je einem 12fach rot-silbern geständerten Schildchen belegt sind. Helmdecke rot-silbern. Schildhalter zwei mit dem Stammschild auf den Flügeln belegte flugbereite silberne Schwäne, mit dem hinteren Fuß den Rückschild ergreifend, mit den Schnäbeln gemeinsam eine über dem Rückschild schwebende goldene Krone mit fünf Blättern, dazwischen Perlenzinken, haltend. Um das Ganze ein aus einer Erlauchtkrone herabwallender, hermelingefütterter, goldengefranster roter Wappenmantel (nach dem Siebmacher). Variante: mit Helm und Helmzier, Schwäne widersehend und ohne Krone, so z. B. an der Burgkirche in Friedberg. Das Deutschordenskreuz kann silbern bordiert sein.

Abb.: Burgkirche Friedberg, Wappen von Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim.

Im Dienste der mittelrheinischen und moselländischen Mächte
Die Linie zu Bassenheim war wegen Drachenfels Erbburggraf des Erzstifts Köln. Mitglieder der Familie bekleideten wichtige Ämter in Kurköln und in Kurmainz, hatten Amtmännerposten der Landesherren und Hofämter inne, waren in den Domkapiteln der rheinischen Hochstifte und in geistlichen Ritterorden vertreten.

Beispiele:

Im Dienste des Deutschen Ordens
Der erste gut greifbare und belegbare Vertreter der Familie ist zugleich ein sehr bedeutsamer: Heinrich I. Waldbott (Walpod), erster Hochmeister (1198–1200) des Deutschen Ordens nach seiner Umwandlung von einer Hospitalbruderschaft in einen Ritterorden mit Sitz in Akkon.

Übrigens bekam zu Ehren Siegfried Walpots von Bassenheim, wichtiger Vertreter des Deutschen Ordens in Ostpreußen, 1386 die erste Stadt Masurens den Namen "Bassenheim" (gewandelt in Passenheim, heute polnisch Pasym).

Eine Besonderheit, die sich auch heraldisch ausdrückt, ist die Erbritterwürde des Deutschen Ordens. Am 28.9.1764 wurde Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim sowie dem jeweiligen ältesten Stammhalter die Erbritterwürde verliehen. Daran war das Recht geknüpft, das Komturkreuz tragen zu dürfen und den Waldbott-Schild mit dem Deutschordensschild zu unterlegen. So kommt es, daß von der Familie Komturwappen existieren, ohne daß sie tatsächlich einer Kommende vorstanden. Ein solches Wappen findet sich beispielsweise in Friedberg an der Burgkirche und am Marstall.

Dies war auch keine grundsätzliche Wappenvermehrung, denn es stand jeweils nur dem ältesten Stammhalter zu. Es war ein Privileg.

Anspruch und Besitz der Herrschaft Reifenberg:
Eine weitere Besitzung, die in den Schild aufgenommen wurde, und um die genauso mühsam prozessiert wurde wie um Drachenfels, war die Herrschaft Reifenberg. Das Wappen (Abb. unten: Wappenstein am Pfarrhaus Bassenheim, Spolie von einem älteren Gebäude) ist geviert, Feld 1 und 4: zwölffach rot-silbern geständert (Waldbott von Bassenheim), Feld 2 und 3: fünfmal rot-silbern schräggeteilt, darüber ein dreilätziger, eigentlich blauer Turnierkragen (von Reiffenberg). Die genealogische Basis für diese Wappenkombination ist die Ehe zwischen Johann Lothar Freiherr Waldbott von Bassenheim (-21.2.1667), Herr zu Bassenheim und Pyrmont, kurmainzischer und kurkölnischer Geheimrat, Amtmann zu Lahnstein und Andernach, und seiner ersten Frau Johanna Walpurga von Reiffenberg (-3.2.1651), Tochter von Johann Heinrich Freiherr v. Reiffenberg (-4.3.1628) und dessen Frau Anna v. Cronberg (-24.1.1651). Genau über diese Ehe kam Reiffenberg nach Erlöschen des gleichnamigen Geschlechts an die Waldbott von Bassenheim, wenn auch erst nach zähem juristischem Ringen.

Das kam so: Schlüsselfigur ist Philipp Ludwig Freiherr von Reiffenberg (ca. 1615-23.3.1686), der Bruder der oben genannten Ehefrau Johanna Walpurga von Reiffenberg (-3.2.1651). Dieser schlug eine geistliche Laufbahn ein und sammelte Pfründen: Er wurde 1635 Domherr zu Trier, 1637 Kanoniker zu Mainz, 1642 Domherr zu Mainz, auch Domherr zu Halberstadt. 1642-1644 war er Kanoniker zu St. Viktor bei Mainz, 1645-1668 Propst zu St. Mariengreden in Mainz, 1647-1649 Dompropst zu Trier und schließlich 1649 unter Philipp Christoph von Sötern Coadjutor (was aber später zurückgenommen wurde). Nachdem sich diese Hoffnung zerschlagen hatte, verlegte er sich mehr auf Mainz. Er wurde 1663 Mainzer Stadtkämmerer und 1665-1667 erster kurmainzischer Statthalter in Erfurt und 1666 Rektor der Erfurter Universität. In Philipp Ludwigs Leben gab es nun eine jähe Kehrtwendung, denn er wurde 1667 wegen Mißwirtschaft und wegen Verrats abgesetzt und 1667-1673 und 1676-1686 unter dem Vorwand geistlicher Verbrechen eingekerkert und starb schließlich nach langer Haft im Gefängnis auf Burg Königstein im Taunus. Er hatte es aus Sicht des Kurfürsten wohlverdient, denn er hinterging nicht nur seinen Dienstherrn, den Erzbischof Johann Philipp von Schönborn, viele Male, sondern brachte ihn sogar hinter Gitter und plante seine Ermordung, was jedoch rechtzeitig entdeckt wurde (hier wird er von der heimatkundlichen Literatur wohl zu sehr als Opfer gesehen). Da Philipp Ludwig seine Brüder und die Wirren des 30jährigen Krieges überlebt hatte, war er der letzte Reiffenberger. Weil er selbst ohne Nachkommen war, wurde seine Schwester die Erbin des Reiffenbergschen Besitzes. Also hatten die Waldbott von Bassenheim Anspruch darauf. Doch so einfach war es nicht, denn es gab einen Öffnungsvertrag aus dem Jahr 1443, auf den sich Kurmainz nun stützte und selber die Herrschaft Reifenberg beanspruchte. Und hier ist der Punkt, wo Kurmainz doch nicht so ganz unschuldig war: Weil abzusehen war, daß die Nachfolgefrage in der Herrschaft Reiffenberg Probleme bereiten würde, ließ der Mainzer Kurfürst Reifenberg einfach besetzen und schuf Tatsachen. Und das war letztlich auch ein Grund für das tiefe Zerwürfnis zwischen Philipp Ludwig einerseits und Johann Philipp von Schönborn und später Damian Harthard von der Leyen andererseits. Die Vorwürfe gegen den Kleriker waren jedenfalls geeignet, einen Widersacher zum eigenen territorialen und materiellen Nutzen auszuschalten. Und daß Philipp Ludwig den Papst entgegen seiner Zusage doch für seine Sache einspann, vernichtete ihn. Nach dem Tod Philipp Ludwigs folgten langwierige Gerichtsprozesse zwischen den Waldbott von Bassenheim als Erben und Kurmainz als Anspruchsgegner, und erst mehr als 30 Jahre später siegten die Waldbott juristisch über Kurmainz und bekamen ihr Erbe. In Oberreifenberg wurde ein Bassenheimer Palais errichtet.

Schloß Buxheim:
Nach dem großen Bankrott von Hugo Philipp Graf Waldbott v. Bassenheim (30.6.1820-17.5.1895) im Jahre 1861 war Schloß Buxheim alles, was der Familie noch verblieb. Schloß Buxheim ist das ehemalige Kloster Buxheim in der Nähe von Memmingen, einst das größte Karthäuserkloster Deutschlands, welches 1809 von der Familie der Reichsgrafen von Ostein geerbt wurde (Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim war der Sohn von Rudolph Johann Graf Waldbott v. Bassenheim und Maria Antonia Franziska v. Ostein (8.6.1710 - 8.10.1788), die es ihrerseits im Zuge der Säkularisierung 1803 zum Ausgleich verlorener linksrheinischer Besitzungen bekommen hatte, und von der Familie Waldbott von Bassenheim, die es ab 1812 als Schloß und Hauptsitz nutzte, Stück für Stück zu Geld gemacht wurde (1883 Versteigerung des berühmten barocken Chorgestühls, 1916 Verkauf der Klosterkirche an Bayern, 1925 Verkauf weiterer Antiquitäten und des Archivs an Ottobeuren).

Abb.: Exlibris mit Darstellung des Familienwappens von einem unbekannten Künstler, auf 1910 datiert, für Ludwig Graf Waldbott von Bassenheim und seine Bibliothek in Schloß Buxheim an der Iller.

Genealogie der Waldbott von Bassenheim zu Buxheim:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher (insbes. Band Grafen)
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Frank Hüllen, Die Burggrafen von Drachenfels und das „Drachenfelser Ländchen“
http://www.rheinland24.info/index.php?option=com_content&task=view&id=928&Itemid=50
Waldbott von Bassenheim:
http://www.bassenheim.de/geschichte/diegrafen.html
Karthause Buxheim:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/kloster/pdf/KS0068.pdf
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Chronik von Bassenheim: http://www.bassenheim.de/index.php/gemeinde/chronik?showall=1&limitstart=
Stadtrundgang Bassenheim:
http://www.bassenheim.de/images/files/virtueller_rundgang_bas.pdf
Reiffenberg:
http://www.philipp-ludwigs-erben.de/
Philipp Ludwig von Reifenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Ludwig_von_Reiffenberg
Beatrice Träger, der letzte Ritter von Reifenberg, in: Ingrid Berg (Hrsg), Heimat Hochtaunus, Frankfurt 1988, ISBN 3-7829-0375-7, S. 95-98
Chronik von Reiffenberg:
http://www.reifenberg.de/chron_90.html
von Reiffenberg:
http://www.bendorf-geschichte.de/bdf-0098.htm
von Reiffenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reifenberg_%28Adelsgeschlecht%29
Grafen von Bassenheim:
http://www.bassenheim.de/index.php/gemeinde/geschichte/93-die-grafen-von-bassenheim
Waldbott von Bassenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Waldbott_von_Bassenheim
Günter Horn, Vortrag: Im Schatten der Burg Waldmannshausen, Teil 1, Die Walpoden von Waldmannshausen, gehalten in Elbtal-Waldmannshausen/Ww., Kreis Limburg/Lahn, am 01. 07. 2000
Günter Horn, Vortrag: Im Schatten der Burg Waldmannshausen, Teil 2, Heinrich Walpot von Waldmannshausen, Walpode (Walbóte) und 1. Hochmeister des Deutschen Ordens, gehalten in Elbtal-Waldmannshausen/Ww., Kreis Limburg/Lahn, am 1. 7. 2000

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