Bernhard Peter und Dominik Smasal
Wappen der Wittelsbacher: Pfalz

Pfalz und Pfalzgraf
Die Pfalzgrafen bei Rhein waren eines der mächtigsten und wichtigsten Herrschergeschlechter in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Dabei hatte ihre Funktion im Reich, vor allem als Kurfürsten, völlig überdeckt, daß Pfalzgrafen eigentlich Amtsträger sind, die bei weitem nicht so eine Machtfülle hatten wie "die" Pfalzgrafen bei Rhein (comes palatinus Rheni), und daß es noch viel mehr gab als nur "die" Pfalzgrafen bei Rhein. Der Begriff Pfalzgraf leitet sich vom Wort palatinus, der im Palast bzw. bei Hofe Tätige, ab und kennzeichnet seit der Merowinger- und Karolingerzeit einen Amtsträger, der zuerst die Pfalzen betreute, dann aber mit mehr Aufgaben ausgestattet wurde und zunehmend die königlichen Interessen in leitenden und vermittelnden Positionen vertrat, auch in jurisdikativen Ämtern. Durch die fehlende Trennung der Begrifflichkeiten von Amt und Territorialherrschaft kam es zur Vermischung, und so wurde eines der mächtigsten Territorialherrengeschlechter nach dem Amt benannt. Neben den Pfalzgrafen bei Rhein gab es Pfalzgrafen von Bayern (die sich seit dem 13. Jh. Herzöge nannten), von Burgund, von Lothringen (ging im 11. Jh. in die Pfalzgrafschaft bei Rhein über), von Sachsen (Amt ging an die Landgrafen von Thüringen über, dann an die Wettiner) und in Schwaben (Pfalzgrafschaft ging 1146 an die Pfalzgrafen von Tübingen über) etc. Der Begriff ist also nicht singulär, wohl aber der Aufstieg der Pfalzgrafen bei Rhein.

Die Pfalz bei Rhein entsteht
Hervorgegangen ist die Pfalzgrafschaft aus der fränkischen Pfalzgrafschaft in Lothringen (am Niederrhein, Aachen, Köln, Vogteirechte über Trier und Jülich, Güter in Bacharach), das Amt wurde damals von der Familie der Ezzonen bekleidet. Der Schwerpunkt der spätestens im 10. Jh. entstandenen pfalzgräflichen Herrschaft verlagerte sich immer weiter nach Süden, und als die Ezzonen mit Hermann II. von Lothringen Ende des 11. Jh. ausstarben, rangen erst verschiedene Familien um das Amt. Heinrich II. von Laach, vorm. Heinrich II. von Gleiberg-Luxemburg, Siegfried von Ballenstedt und Weimar-Orlamünde, Gottfried von Calw als Vormund für Wilhelm von Ballenstedt, Wilhelm von Ballenstedt, Otto I. Graf von Rheineck, Heinrich Jasomirgott und Hermann von Stahleck folgten aufeinander in dem Amt. Danach wurde die Pfalzgrafschaft 1156 erst an Konrad von Hohenstaufen, Stiefbruder von Kaiser Friedrich Barbarossa, als erbliches Lehen verliehen (zuzüglich Hausgut, Lehnsrechte und Vogteirechte über Speyer, Worms und Lorch), wobei er zum Reichsfürsten erhoben wurde, über seine Tochter kam die Pfalzgrafschaft wegen der welfischen Mutter 1195 bis 1214 vorübergehend an die Welfen, nach dem Tod des letzten Inhabers ohne direkte Nachkommen 1213 wurde die Pfalzgrafschaft an die Wittelsbacher neu verliehen, die im Prinzip bis 1918 Titel und Amt innehatten, sehen wir mal von der wechselvollen Territorialgeschichte im Detail ab, wie der Besetzung und Verwüstung durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-1697 oder der Eingliederung der linksrheinischen Gebiete in Frankreich 1794-1815 oder der Auflösung der Kurpfalz auf dem Reichsdeputationshauptschluß 1803, wobei die Pfalz Baden zugeschlagen wurde. Seit 1214, endgültig seit 1356 waren die Pfalzgrafen bei Rhein Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches. Warum erst 1356 endgültig? Zunächst sollte die Kurfürstenwürde zwischen der Pfalz und Bayern wechseln, was erst 1356 in der Goldenen Bulle zugunsten der Pfalz aufgehoben wurde. Pfalz wurde mehr und mehr zum Begriff der erblichen Territorialherrschaft und dann zum Territorialbegriff, entsprechend diesem Bedeutungswandel benennen wir heute mit Pfalz den Landesteil.

Die Wittelsbacher Rauten vereinigen sich mit dem Pfälzer Löwen
Im Jahre 1214 wurde Ludwig I. von Bayern (Ludwig der Kelheimer, 1173-1231) mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt. Dessen Sohn Otto II der Erlauchte (1206-1253, Pfalzgraf 1214 bis 1253) war dazu bereits im Alter von sechs Jahren mit Agnes von der Pfalz (gest. 1267) verlobt, der Erbin der Pfalzgrafschaft bei Rhein. In Folge nahmen die Wappen der Pfalz und der Herzöge von Bayern eine parallele Entwicklung, denn sie wurden aus den Wittelsbacher Rauten und dem Pfälzer Löwen zusammengesetzt. Die Wittelsbacher Rauten (silbern-blau schräggerautet, Helmzier ein wie der Schild bez. Adlerflug. Helmdecken blau-silbern) sind ebenfalls noch recht "frisch": Mit den Besitztümern der Grafen von Bogen kam nach deren Aussterben 1242 auch deren weiß-blaues Rautenwappen zu Bayern und damit auch zur Pfalz. Schlüsselfigur ist dabei Ludmilla von Böhmen (ca. 1170 - 1240), Tochter von Herzog Friedrich von Böhmen und Elisabeth von Ungarn. In erster Ehe heiratete sie 1184 Graf Adalbert III. von Bogen (11.7.1165 - 1197, Sohn von Bertold II. Graf v. Bogen (-21.3.1167) und Liutgard v. Burghausen). Aus dieser Ehe entsprossen zwar drei Söhne, Berthold IV. von Bogen, Adalbert IV. von Bogen und Liutpold von Bogen. Der erste ist am 12.8.1218 bei Damiette gefallen und war kinderlos, der dritte starb am 10.5.1221 in geistlichem Amt (Propst der Alten Kapelle zu Regensburg), und der mittlere, vermählt mit Richza von Dillingen, aber kinderlos, starb am 15.1.1242, und mit ihm starben die Grafen von Bogen aus. Und eben jene Ludmilla von Böhmen heiratete in zweiter Ehe Herzog Ludwig I. von Bayern (Ludwig der Kelheimer, 1173-1231).

Genealogie der Wittelsbacher Seite:

Genealogie der Pfälzer Seite:

Genealogie: Die Pfalzgrafen bis zu König Ruprechts Kindern
Die Pfalzgrafen bekamen 1356 in der Goldenen Bulle die Kurwürde:

Ruprecht: Er wählte sich selbst zum König
Ruprecht III (5.5.1352 - 18.5.1410), Pfalzgraf bei Rhein, war der einzige König Deutschlands, der sich selbst wählen durfte: Am 20.8.1400 setzten die deutschen Reichsfürsten König Wenzel von Luxemburg (26.2.1361 - 16.8.1419, reg. 1363-1419 König von Böhmen, 1376 - 1400 Römischer König) ab, weil er die Reichsgeschäfte zu sehr vernachlässigt hatte. Er wurde gleich zweimal abgewählt, denn erst wurde am 22.05.1400 auf dem Frankfurter Fürstentag Herzog Friedrich von Braunschweig-Lüneburg zum Gegenkönig gewählt, allerdings nicht einstimmig, sondern mit Mißbilligung der geistlichen Kurfürsten. Der Kandidat wurde bei der Heimreise aus der Welt geschafft. Am 20.8.1400 wurde Wenzel auf Burg Lahneck für abgesetzt erklärt und schließlich der von den geistlichen Kurfürsten favorisierte Kandidat, Ruprecht III von der Pfalz, am 21.8.1400 in Rhens zum König gewählt, mit seiner eigenen Stimme. 1401 wurde er in Köln zum Römisch-Deutschen König gekrönt, ein ungewöhnlicher Ort, aber weder Aachen noch Frankfurt wollten sich dafür zur Verfügung stellen. Während seiner Regierungszeit blieben die wesentlichen Probleme ungelöst, es war die Zeit des Schismas, der Gegenpäpste, und der Thronansprüche Böhmens, der katastrophalen Reichsfinanzen, einer versagten Kaiserkrönung in Rom, eines gescheiterten Italienfeldzuges, was die Zeit dieses engagierten Königs letztendlich eine erfolglose werden ließ.

Aufteilung der Pfalz
Nach König Ruprecht war es erst einmal aus mit der territorialen Einheit der Pfalz: Unter seinen Söhnen wurde das Gebiet in vier verschiedene Linien aufgespalten: Kurlinie, Pfalz-Neumarkt, Pfalz-Simmern und Pfalz-Mosbach.

Die alte Linie Kurpfalz
Die Kurlinie war die Linie, die in Heidelberg residierte und die Kurwürde trug. Sie ist die eigentliche Fortsetzung der Hauptlinie und überlebte die Spaltung 1410 als Kurlinie, weitergeführt vom ältesten Sohn von Ruprecht.

Wappen der Linie Kurpfalz
Die alte Kurlinie verwendet nur die Elemente Pfalz, Wittelsbach und Reichsapfel (alternativ Regalienschild). Diese drei Elemente können entweder, wie im ersten Beispiel, in drei separaten, zusammengestellten Schilden untergebracht sein, oder aber zu einem Schild zusammengeschoben werden, wie im zweiten Beispiel. Beide Beispiele stammen vom selben Gebäude, dem Gläsernen Saalbau am Heidelberger Schloß.

Unter einem einzigen Helm mit der Pfälzer Stammhelmzier (ein sitzender goldener, rot gekrönter Löwe) drei Schilde:

Variante als zusammengeschobenes Wappen, geviert mit Herzschild: Das Wappen von Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz (9.12.1482 - 26.2.1556) am Erker der früheren kurfürstlichen Regierungskanzlei in Amberg ist geviert mit Herzschild:

Um den Schild die Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies.

Variante als zusammengeschobenes Wappen, geviert mit Herzschild, aber anderer Felderbelegung:

Die Nachfolge in der Kurpfalz
Die Kurpfalz gab es zwar bis zur französischen Besetzung 1792, doch die Kurlinie, die alte Kurlinie vielmehr, erlosch 1559. Es folgt eine Serie von Diskontinuitäten: Immer wieder übernahmen erbberechtigte Sprosse aus den anderen Linien die Macht in der Kurpfalz, um die immer wieder erloschene Kurlinie immer wieder neu zu ersetzen: 1556 folgte die ältere Linie Pfalz-Neuburg (eine Abspaltung der alten Kurlinie, das Haus erlosch erst 1559 und damit auch die gesamte alte Kurlinie, die Gebiete gingen aber schon 1557 an Pfalz-Zweibrücken), 1559 folgte Pfalz-Simmern, 1685 die jüngere Linie Pfalz-Neuburg, 1742 Pfalz-Sulzbach, 1799 schließlich Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, zu dem Zeitpunkt war aber die Pfalz längst verloren, man hatte das vereinigte Kurpfalz-Bayern und man residierte in München, woraus später 1806 das Königreich Bayern entstand. Details dazu folgen in späteren Abschnitten.

Die Linie Pfalz-Mosbach
Pfalz-Mosbach war eine kurzlebige Linie, die nur 1410-1499 bestand, aus der Erbteilung nach König Ruprechts Tod entstand und zwei Generationen umfaßte. Die Gebiete lagen am Neckar um Mosbach, an der Bergstraße und um Sinsheim im Kraichgau; 1443 kamen Teile der Güter von Pfalz-Neumarkt hinzu. Nach Aussterben im Mannesstamme fiel das Gebiet gemäß Erbvertrag von 1479 im Jahre 1499 an die Kurpfalz-Linie.

Die Linie Pfalz-Neumarkt
Pfalz-Neumarkt (= Pfalz-Oberpfalz) war eine noch kurzlebigere Linie, die nur 1410-1443 bestand, ebenfalls aus der Erbteilung nach König Ruprechts Tod entstand und nur eine Generation umfaßte. Nach Aussterben im Mannesstamme wurde das Fürstentum 1443 zwischen Pfalz-Simmern und Pfalz-Mosbach aufgeteilt. Pfalz-Simmern verkauft seinen Anteil wiederum an Pfalz-Mosbach.

Die Linie Pfalz-Simmern
Pfalz-Simmern (Pfalz-Zweibrücken-Simmern) entstand gleichfalls aus der Erbteilung nach König Ruprechts Tod 1410. Obwohl Pfalz-Simmern selbst 1685 erlosch, gingen aus dieser Linie andere Linien hervor, die wieder und wieder Ersatz für erloschene Linien stellten und letztendlich am allerlängsten überlebten und irgendwann sogar Bayern übernahmen. 1359 kam Simmern an die Pfalz. Territorialgeschichtlich ist das die Linie, die 1444 Veldenz und Sponheim erwirbt. Aber zunächst zur Hauptlinie, entstanden 1410 unter Pfalzgraf Stefan, mit den Gebieten Simmern und der Grafschaft Zweibrücken mit Bergzabern, Bischweiler, Guttenberg, Selz und Hagenbach.

Auffällig ist der Wechsel: Als Richard Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern-Sponheim, Herzog v. Bayern (25.7.1521 - 13.1.1598) starb, fiel Pfalz-Simmern an die Kurpfalz und verblieb dort ein paar Jahre. Friedrich V. gab 1610/1611 Pfalz-Simmern seinem Bruder Ludwig Philipp. 1674 aber schon fiel das Territorium Pfalz-Simmern erneut an die Kurpfalz, als Ludwig Heinrich Moritz Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern-Kaiserslautern, Herzog v. Bayern (11.10.1640 - 3.1.1673/4.1.1674) kinderlos verstirbt. Personell starb die Linie Pfalz-Simmern aber erst 1685 aus. Beerbt wurde sie von der jüngeren Linie Pfalz-Neuburg, territorial wie personell in der Kurpfalz.

Wappen der Linie Pfalz-Simmern
Wappen aus der Linie Pfalz-Simmern sind aus Pfalz und Wittelsbach geviert. Das abgebildete Beispiel stammt vom Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses. Es ist Friedrich IV. Kurfürst v. der Pfalz (5.3.1574 - 9.9.1610) zuzuordnen.

Helmzier: Auf dem Helm ein goldener Löwe sitzend, rot gekrönt und rot bewehrt.

Ein zweites Beispiel, Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg, Teil einer Ahnenprobe für Johann Casimir Herzog von Sachsen-Coburg, aufgebaut wie oben beschrieben (Verwendung der Aufnahmen aus St. Moriz zu Coburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Markus Metz vom 30.6.2008, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei):

Die ältere Linie Pfalz-Neuburg
Neuburg an der Donau ist ein alter Herzogssitz der Agilolfinger, im 8. und im 9. Jh. sogar ein Bischofssitz. Als die Agilolfinger abgesetzt wurden, wurde das Gebiet Königsgut. 1247 kam es an die Herzöge von Bayern. Bei der Teilung 1392, als Bayern-München (Johann II), Bayern-Ingolstadt (Stephan III) und Bayern-Landshut (Friedrich) als Produkte neben dem bestehenden Bayern-Straubing entstanden, kam Neuburg an die Linie Bayern-Ingolstadt, 1445 kam es an Bayern-Landshut, als Bayern-Ingolstadt erlosch. Erst 1505 tritt Neuburg wieder selbständig ins Rampenlicht der Geschichte.

Dieses Herzogtum ist als Produkt des Landshuter Erbfolgekrieges 1505 für die beiden minderjährigen Söhne des Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht von der Pfalz, Ottheinrich und Philipp als "Junge Pfalz" aus der Taufe gehoben worden. Es entstand aus Gütern Bayern-Münchens und Bayern-Landshuts, die Gebiete umfaßten Neuburg, Höchstädt, Sulzbach, Gundelfingen, Heideck, Velburg, Hemau, Reichertshofen, Kallmünz, Weiden, Lauingen und Burglengenfeld. Denn Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut hatte seinen Schwiegersohn Ruprecht Pfalzgraf bei Rhein (14.5.1481 - 20.8.1504), Ehemann seiner Tochter Elisabeth, zum Stammhalter seines Herzogtums bestimmt, was die Herzöge von Bayern-München nicht anzuerkennen bereit waren, denn sie beriefen sich auf salisches Erbrecht und beanspruchten als nächste Blutsverwandte das Erbe für sich, woraus 1503 nach dem Tode Herzog Georgs der Bayerische Erbfolgekrieg entstand. Ruprecht und Elisabeth starben noch bevor sich eine Lösung abzeichnete und hinterließen zwei minderjährige Söhne.

Der sog. Kölner Spruch vom 30.7.1505 beendete den Bayerischen (Landshuter) Erbfolgekrieg: Die beiden minderjährigen Söhne erhalten ein neues Gebiet als Herzogtum, gebildet aus den Besitzungen beider Kontrahenten. Beide Kriegsparteien mußten dafür territoriale Opfer bringen. Das 1505 gebildete Herzogtum Pfalz-Neuburg ist ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das nur wenig über 300 Jahre bestand und im Vergleich zu anderen Territorien nur eine kurze Geschichte hatte. Zudem war das zugehörige Territorium stark zersplittert. Allein das Stammland teilte sich in Oberland, Pfalz-Sulzbach, Nordgau und einen Teil in Franken. Verwaltungszentrum und Residenzstadt war Neuburg an der Donau. 1506 kamen weitere Territorien hinzu: Graisbach, Monheim, Dattenhofen, Parkstein, Vohenstrauß, Kohlberg, Hilpoltstein, Kaltenbrunn, Bärnstein, Floß, Regenstauf, Schwandorf, Hengersberg, Schmidmühlen u.v.a.m. Über Franken, Schwaben, Oberpfalz und Oberbayern lagen die Gebiete verstreut. Einige Gebiete wurden am 13.8.1509 wiederum an das Herzogtum Bayern-München verkauft.

1505-1523 regierten die beiden Brüder gemeinsam Pfalz-Neuburg, 1505-1522 unter der Regentschaft durch Prinz Friedrich von der Pfalz, weil sie 1505 bei Entstehung des Herzogtums erst 2 bzw. 3 Jahre alt waren. 1535 teilten sich die beiden Brüder das Gebiet, und 1535-1541 regierten sie getrennt, Ottheinrich nur das südliche Pfalz-Neuburg, Philipp nur das nördliche Pfalz-Neuburg. 1541 wurden beide Teile wiedervereinigt. Philipp verzichtete gegen eine finanzielle Abfindung auf die Mitregierung. 1541-1557 herrschte Ottheinrich, 1544–1546 erfolgte die Verwaltung des Landes durch die Landstände unter Vorsitz von Hans Krafft von Vestenberg, 1546–1552 nach dem Schmalkaldischen Krieg erfolgte Verwaltung durch Kaiser Karl V.

Schon 1556 zeichnete sich das Ende ab: Die Verwandten in Heidelberg starben ohne Nachkommen aus, und als letzte männliche Nachkommen der alten Kurlinie übernahm Pfalz-Neuburg die Regierung in der Kurpfalz. 1556 trat Ottheinrich das Heidelberger Erbe an, 1557 schloß man den Heidelberger Vertrag mit der Linie Pfalz-Zweibrücken. Das Territorium wurde an die Linie Pfalz-Zweibrücken 1557 verkauft. 1559 starb dann die alte Kurlinie der Pfälzer Wittelsbacher ganz aus, und die Kurpfalz wurde von Pfalz-Simmern übernommen. 1569 entstand die neue Linie Pfalz-Neuburg durch Spaltung von Pfalz-Zweibrücken.

Wappen der älteren Linie Pfalz-Neuburg als letzte Vertreter der alten Kurlinie
Das Kurpfälzer Wappen zeigt die Elemente der alten Kurlinie, im Beispiel (Ottheinrichsbau am Heidelberger Schloß) auf drei separate Schilde verteilt:

Drei Helmkleinode zeigen dreimal den Pfälzer Löwen in jeweils unterschiedlicher Komposition:

Der mittlere ist der Stammhelm Pfalz, die beiden anderen Löwen sind dem kombinierten herzoglich-bayrischen Wappen entnommen, welches auf zwei verschiedene Arten und Weisen die Wittelsbacher Rauten mit dem Pfälzer Löwen kombiniert hatten, einmal dienen die Hörner als Hilfskleinod, einmal der Adlerflug.

Veldenz im Wappen von Pfalz-Neuburg
Der Veldenzer Schild kommt über die Linie Zweibrücken in das Wappen der Pfalzgrafen und wird auch als gemeinsamer Anspruch von anderen Linien geführt. Das betreffende Beispiel befindet sich in dem mit Sgraffito-Szenen ausgemalten Arkadengang im Innenhof des Schlosses zu Neuburg an der Donau am Westflügel, über der Tür zum vorspringenden eckigen Treppenturm. Aufbau: Geviert mit Herzschild

Zwei Helme:

  • Helm 1: Pfalz-Bayern (1), zwischen einem blau-silbern geweckten Paar Büffelhörnern ein golden gekrönter und rot bewehrter goldener Pfälzer Löwe auf gekröntem Helm. Das alte Kleinod der bayerischen Herzöge waren zwei silberne Hörner, mit Lindenzweigen besteckt. So wurde der Helmschmuck 1271 von den Söhnen Ottos II geführt. Erst später wurden auch die Hörner geweckt, und dann kam der Pfälzer Löwe hinzu, und die Lindenzweiglein gingen verloren.
  • Helm 2 (optisch ganz links): Pfalz-Bayern (2): Zwischen einem mit blau-silbernen schrägen Wecken tingierten Adlerflug ein rotbewehrter, rot gekrönter goldener Pfälzer Löwe auf gekröntem Helm. Helmdecken blau-silbern.
  • Die jüngere Linie Pfalz-Neuburg
    Pfalz-Neuburg wird als eigene Linie wiederbelebt, als sich Pfalz-Zweibrücken 1569 aufspaltet: Neben Pfalz-Zweibrücken und der jüngeren Linie Pfalz-Neuburg entsteht als drittes Produkt noch Pfalz-Birkenfeld. Später kamen zum Stammgebiet weitere zersplitterte Gebiete hinzu, 1609/14 die niederrheinischen Länder Jülich und Berg nach Beendigung des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites, 1670 Ravenstein. Nach dieser Erbschaft wurde die Residenz zu Düsseldorf (Bestand bis 1716) errichtet.

    Diese Jülich-Klevische Erbschaft war eines der wichtigstes politischen und territorialgeschichtlichen Ereignisse der Linie Pfalz-Neuburg. Die Schlüsselheirat ist die zwischen Philipp Ludwig Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Neuburg, Herzog v. Bayern (2.10.1547 - 22.8.1614), und Anna v. Jülich-Kleve-Berg (1.3.1552 - 16.10.1632), geschlossen am 27.9.1574 in Neuburg. Anna war die Schwester des regierenden Herzogs der Vereinigten Herzogtümer (Herzogtümer Jülich, Berg, Kleve, Grafschaften Mark, Ravensberg, Fürstentum Moers), der über ein schrittweise in Personalunion zusammengewachsenes Territorium herrschte und bis zu seinem Tod ohne Nachkommen am 25.3.1609 die territoriale Einheit der betreffenden Gebiete sicherstellte.

    Beim Tode des Herzogs Johann Wilhelm I, letzter Herzog der Vereinigten Herzogtümer, traten gleich mehrere Parteien auf, die sich alle gleichermaßen erbberechtigt sahen: Die Pfälzer Wittelsbacher in den beiden Linien Pfalz-Neuburg und Pfalz-Zweibrücken, die brandenburgischen Hohenzollern, die sächsischen Wettiner und noch Markgraf Karl von Burgau. Hintergrund des nun folgenden Erbfolgestreites ist, daß a) die Unteilbarkeit der Vereinigten Herzogtümer und b) die ausdrücklich geregelte weibliche Erbfolge durch kaiserliche Privilegien verbürgt war. Der Dortmunder Vergleich vom 10.6.1609 schlossen sich die wichtigsten Anspruchsinhaber gegen alle restlichen zusammen: Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und Markgraf Ernst von Brandenburg. Aufgeheizt wurde der Konflikt durch konfessionelle Interessen. Der Vertrag von Xanten 1614 legte schließlich die Aufteilung der Gebiete fest: Brandenburg bekam das Herzogtum Kleve, die Grafschaften Mark und Ravensberg, dazu die Herrschaft Ravenstein auf dem Gebiet der heutigen Niederlande. Pfalz-Neuburg bekam die Herzogtümer Jülich und Berg. Doch selbst danach war noch nicht endgültig Ruhe, denn 1624 wechselte die Herrschaft den Besitzer und kam an Pfalz-Neuburg. Brandenburg herrscht von Kleve aus, Pfalz-Neuburg baut Düsseldorf zur Residenzstadt aus.

    Pfalz-Neuburg war insgesamt ein geographisch zersplittertes Konstrukt. Wenn etwas die Geschichte dieses etwas artifiziellen Herzogtums Pfalz-Neuburg prägt, so sind das territoriale Zerrissenheit und Erbauseinandersetzungen. Wolfgang Wilhelm rekatholisierte sein Land. Teile seines Landes gab er als Pfalz-Sulzbach an seinen Bruder August und Hilpoltstein an seinen Bruder Johann-Friedrich. Ersterer gründete die eigenständige Linie Pfalz-Sulzbach, letzterer hatte wenig Glück mit seinen Nachkommen, so daß Hilpoltstein 1644 an Pfalz-Neuburg zurückkam. 1685 bekam Pfalz-Neuburg auch die Kurpfalz. Die bis 1685 dort regierende Linie Pfalz-Simmern war ausgestorben, und nun wurde Pfalz-Neuburg Kurlinie. Seit etwa 1700 wird Pfalz-Neuburg als Herzogtum bezeichnet.

    Man beachte bei diesem Stammbaum vor allem auch die herausgehobene Stellung der Kinder von Philipp Wilhelm Kurfürst v. der Pfalz (1615 - 1690) in Kirche und Reich, darunter Bischöfe, Hochmeister des Deutschen Ordens und Gemahlinnen von Königen und Kaiser.

    Wappen der jüngeren Linie Pfalz-Neuburg als neuer Kurlinie
    Das Kurpfälzer Wappen hat hier eine Form, wie sie dem der Linie Pfalz-Neuburg entspricht, nach der Erbschaft von Kleve-Jülich-Berg 1614, vor der Wiedererlangung des Erztruchsessenamtes 1706. Dieses Wappen findet sich am Rathaus von Heidelberg und ist 1701-1705 entstanden.

    Um das Wappen die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies mit Gliedern aus Feuerstählen und Flammen.

    Fünf Helme:

    Das zweite Beispiel zeigt ein Wappen nach Wiedererlangung des Erztruchsessenamtes, dafür mit einer anderen Spezialität, nämlich der Aufteilung auf drei separate Schilde. Es handelt sich um das auf 1713 datierte Wappen von Kurfürsten Johann Wilhelm an der ehemaligen Hofapotheke in Neuburg an der Donau.

    Wappen der jüngeren Linie Pfalz-Neuburg ohne Kurwürde
    Das Problem beim Wappen mit der Kurwürde, also entweder mit einem ledigen Schild oder mit dem Reichsapfel-Schild, ist die ungerade Anzahl der Felder bei einer Konstruktion Hauptschild + Herzschild. Ohne Kurwürde kommt der Pfälzer Löwe in den Herzschild, und der Hauptschild kann harmonisch in acht Felder geteilt werden, wie hier im Beispiel über dem Portal zum Ostflügel im Innenhof des Neuburger Schlosses.

    Die Linie Pfalz-Sulzbach
    Pfalz-Sulzbach ist eine Abspaltung von Pfalz-Neuburg, ein Seitenzweig, der den Hauptzweig überleben und beerben sollte. Die Gesamtlinie Pfalz-Neuburg, territorial zersplittert und ein stetes Politikum, kam 1777 zu einer gewissen Größe, als die Münchner Wittelsbacher ausstarben und unter der Linie Pfalz-Sulzbach die Pfalz-Neuburger und die bayrischen Wittelsbacher Länder vereinigt wurden, das hatte aber nur bis 1808 Bestand, als das Königreich Bayern gegründet wurde.

    Abb. Wappen von Johann Christian Joseph Prinz bei Rhein zu Sulzbach (23.1.1700 - 20.7.1733) an der Klosterkirche des von seiner Frau erbauten Salesianerinnenklosters in Sulzbach-Rosenberg.

    Wappen der Linie Pfalz-Sulzbach als neuer Kurlinie
    Das kurfürstliche pfälzische Wappen in der Variante der Sulzbacher Linie ist gültig 1742-1799. Das hier gezeigte Beispiel stammt von der ehemaligen kurpfälzischen Hofapotheke in Heidelberg. Das Wappen der Linie Sulzbach unterscheidet sich von den bisherigen Pfälzer Wappen durch das Feld Bergen op Zoom, welches erst 1728 ins Wappen dieser Speziallinie kam und erst 1742 mit Karl Theodor in das Wappen der neuen Kurlinie. Sponheim und Veldenz im Wappen weisen darauf hin, daß die Linie Pfalz-Sulzbach eigentlich bis auf Pfalz-Zweibrücken zurückzuführen ist. Der Pfalz wird im Mittelschild der Vorrang vor Wittelsbach in Feld 1 und 4 eingeräumt.

    Die Linie Pfalz-Zweibrücken
    Pfalz-Zweibrücken ist eine Abspaltung von Pfalz-Simmern. Als Stefan Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern u. Zweibrücken, Herzog v. Bayern (23.6.1385 - 1459) im Jahre 1453 abdankt, wird das Gebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt in Pfalz-Simmern für Friedrich mit Simmern und Sponheim einerseits und Pfalz-Zweibrücken für Ludwig mit Zweibrücken, Bergzabern und Veldenz. Immerhin besteht Pfalz-Zweibrücken zu zwei Dritteln aus Teilen der alten Grafschaft Veldenz. Zweibrücken war einmal Sitz der Grafen von Zweibrücken, als diese jedoch 1390 ausstarben, kam das Territorium an die Pfalz, 1410 kam Zweibrücken an Pfalz-Simmern, und nun wurde es Sitz einer eigenständigen Linie. Als Datum der Abzweigung gilt 1453 / 1459, ersteres ist das Jahr der Abdankung des Vaters, letzteres das seines Todes. Aus der Linie Pfalz-Zweibrücken spalten sich einige Nebenlinien ab, so Pfalz-Veldenz 1543 als eigenständige Linie und Pfalz-Birkenfeld 1569/1584. Auch die jüngere Linie Pfalz-Neuburg spaltet sich von Pfalz-Zweibrücken ab; die Basis wurde dafür 1556/1557 gelegt, als Pfalz-Zweibrücken das Gebiet von der älteren Linie erwarb, deren letzter Vertreter seit 1556 die Kurpfalz regierte. Durch Heirat erwirbt diese Linie Ansprüche auf Kleve-Jülich-Berg. Überhaupt ist das Jahr 1569 das Jahr der großen Teilung: Gleichzeitig entstehen die Linien Pfalz-Neuburg und Pfalz-Birkenfeld. So wird Pfalz-Zweibrücken insgesamt zur territorialpolitischen und personellen Drehscheibe des Pfälzer Zweiges der Wittelsbacher. Eine weitere Teilung im Jahre 1611 erzeugt drei Unterlinien: Zweibrücken, Moschellandsburg (Landsberg) und Kleeburg. Die Linie Kleeburg regierte in Schweden. Pfalz-Zweibrücken (Residenz ist ab 1477 Zweibrücken selbst) erlischt 1731 mit Gustav Samuel Leopold Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg. 1733/1734 fällt das Territorium als Erbe an Pfalz-Birkenfeld, das daraufhin seinen Namen in Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld änderte. 1793 kam das Gebiet de facto, 1801 vertraglich an Frankreich.

    Wappen der Linie Pfalz-Zweibrücken
    Das Wappen der Linie Zweibrücken ist gekennzeichnet durch die klassischen Elemente Wittelsbach und Pfalz, zusätzlich durch das typische Veldenz, und durch das Fehlen des Kurelementes. Von späteren Linien, die auch Veldenz zeigen, unterscheidet es sich durch das Fehlen von Sponheim. Als Beispiel dient das Wappen von Sophia Amalie, Pfalzgräfin von der Pfalz-Zweibrücken (Pfalzgräfin bei Rhein zu Zweibrücken, geb. 15.12.1646 Zweibrücken, gest. 30.11.1695 in Gelnhausen, zweite Gemahlin des Grafen Siegfried von Hohenlohe-Weikersheim (geb. 28.8.1619 in Neuenstein, verstorben 26.4.1684 in Weikersheim).

    Von diesem Wappen gibt es auch noch eine "große" Version. Pfalz-Zweibrücken gehörte nämlich zu denen, die im Kleve-Jülichschen-Erbfolgestreit ebenfalls Ansprüche stellten. Im Vergleich zu den anderen Parteien, Brandenburg-Hohenzollern, Pfalz-Neuburg und Sachsen waren die Ansprüche zwar ziemlich hoffnungslos, und im Dortmunder Vergleich schlossen sich auch Brandenburg und Pfalz-Neuburg gegen die "Mitläufer" zusammen, aber man glaubte seinen Anspruch daraus ableiten zu können, daß Wilhelms des Reichen dritte Tochter Magdalena den Bruder von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, den Pfalzgrafen Johann von Zweibrücken, geheiratet hatte. Im einzelnen besteht das "große" Wappen für die gleiche Person, Sophia Amalie, Pfalzgräfin bei Rhein zu Zweibrücken, geb. 15.12.1646 Zweibrücken, gest. 30.11.1695 in Gelnhausen, zweite Gemahlin des Grafen Siegfried von Hohenlohe-Weikersheim, aus folgenden Komponenten:

    Anm: Am Zweibrücker Schloß (ohne Abb.) sind abweichend die Felder 1 und 4 der rechten Spalthälfte als Veldenz tingiert, der Herzschild als Pfalz.

    Schwedische Könige aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken-Kleeburg:

    Abb.: Zweibrücken, Karlskirche, Barockportal an der Nordostseite der Kirche. Das Wappen von Karl XII. König von Schweden Herzog von Pfalz-Zweibrücken (27.6.1682 - 1718) ist in drei Lagen aufgebaut, wobei der unterste Schild, der Hauptschild, für das Königreich Schweden steht, der mittlere Schild für sein tatsächliches und seine drei beanspruchten Herzogtümer steht und der Herzschild schließlich das Stammwappen enthält. Cave - das Bildbeispiel enthält z. T. Fehltingierungen.

    Auf dem Schild ruht die schwedische Königskrone, als Schildhalter dienen zwei widersehende, gekrönte Löwen.

    Die Linien Pfalz-Birkenfeld und Pfalz-Bischweiler
    Pfalz-Birkenfeld ist eine Abspaltung von Pfalz-Zweibrücken, die sich 1569 nach dem Ableben von Wolfgang Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken anläßlich einer Teilung unter den Söhnen bildete. Das Fürstentum umfaßte den zweibrückischen Anteil an der ehemaligen Grafschaft Sponheim um das Herrschaftszentrum Birkenfeld herum. Die anderen "Spaltprodukte" sind Pfalz-Neuburg (jüngere Linie) und ein verkleinertes Pfalz-Zweibrücken. Pfalz-Birkenfeld spaltete sich in zwei Zweige, einen zu Birkenfeld (1671 erloschen) und einen zu Bischweiler, welcher 1671 den Zweig zu Birkenfeld beerbte. Die Basis dafür war der Erwerb von Bischweiler im Jahre 1630 durch Heirat. Aus der Abspaltung wurde wieder eine Hauptlinie, als Pfalz-Zweibrücken 1731 erlosch und 1733 die Gebiete an Pfalz-Bischweiler gingen, das sich nun Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld nannte. Aus dem Zweig Bischweiler kommt der Anspruch auf Rappoltstein im Elsaß, durch Heirat 1673 erworben. Diese neue Gesamt-Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld hatte eine große Zukunft, denn sie überlebte alle anderen Wittelsbacher-Linien und stellte 1799 mit Maximilian den Erben für Bayern und die Kurpfalz, der 1799 Kurfürst und 1806 der erste König des Königreichs Bayern wurde.

    Wappen der Linien Pfalz-Birkenfeld, Pfalz-Bischweiler und Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld
    Das hier gezeigte Beispiel stammt vom Schloß Pyrmont und ist in wesentlichen Punkten falsch angestrichen. Typisch für die Linien der Zweibrücker Seite ist Veldenz und Sponheim. Von den bisherigen Pfälzer Wappen unterscheiden sich die Linien Pfalz-Bischweiler und die daraus entstandene Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld durch die Felder der elsässischen Erbschaft. Der Schild ist einmal geteilt und dreimal gespalten und hat somit acht Felder.

    Der Schild kann auch als gespalten angesehen werden, vorne vom Pfälzer Löwen und den Wittelsbacher Rauten geviert, hinten von Veldenz, Sponheim, Rappoltstein und Hohenack.

    Dieses Wappen der Pfalzgrafen von Pfalz-Birkenfeld ist hier ohne Helme abgebildet. Theoretisch möglich wären folgende sechs Helme:

    Rappoltstein, Geroldseck, Hohenack - alles Gebiete im Elsaß. Es handelt sich übrigens um Grand-Geroldseck im Elsaß, nicht um Hohengeroldseck im Ortenaukreis. Die Herren von Rappoltstein sind eine uradelige Familie und herrschten von 1084 bis 1673 im Elsaß, in und um Rappoltsweiler (Ribeauville). Bekannt sind die Burgen der Rappoltsteiner, allen voran die wunderschöne Ulrichsburg, dazu Giersberg und Hohen-Rappoltstein, Hohenack und Judenburg, bekannt auch der erbitterte Konflikt mit den Giersbergern. Der letzte Herr von Rappoltstein wurde in den Grafenstand erhoben, es handelte sich um Johann Jacob Graf von Rappoltstein (1598-1673). Sein vollständiger Titel lautete "Graf zu Rappoltstein, Herr zu Hohenack und Geroldseck am Wasichin". 1673 starb das Geschlecht in männlicher Linie aus. Die Besitztümer fielen an das Haus Pfalz-Bischweiler, denn durch ein altes kaiserliches Privileg war es den Rappoltsteinern erlaubt, ihren Titel auch in weiblicher Linie zu vererben, wenn keine männlichen Nachkommen das Erbe antreten konnten.

    Catharina Agathe Gräfin zu Rappoltstein, Herrin zu Hohenack und zu Geroldseck am Wasichen (1648-1683), älteste Tochter des verstorbenen Grafen Johann Jacob, heiratete im Jahr 1667 Christian II., Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (1637-1717), der 1673 den Rappoltsteiner Titel annahm. 1699 folgte sein Sohn Christian III nach, auch als Titelträger, und das oben abgebildete Wappen ist das seiner Schwester Luise Pfalzgräfin von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (1678-1753).

    Mit der tatsächlichen Ausübung der ererbten Rechte war es aber nicht weit her, denn die betreffenden Besitzungen standen seit 1680/81 unter französischer Souveränität. Die leiseste Resthoffung des Hauses Wittelsbach auf Rappoltstein ging endgültig in der Französischen Revolution verloren, als am 4.8.1789 durch Beschluß der Nationalversammlung sämtliche Feudalrechte aufgehoben wurden.

    Alles zeigen, was man hat - das umfangreichste Pfälzer Wappen:
    Die verschiedenen Pfälzer Linien haben im Laufe der Geschichte diverse Ansprüche zusammengetragen, die in diesem Beispiel, es handelt sich um die Fassade der Hofkirche in Neuburg an der Donau, alle gemeinsam präsentiert werden. Es ist eine der komplexesten pfalzgräflichen Wappenvarianten. Es enthält mit Bergen op Zoom ein Element, welches von der Linie Pfalz-Sulzbach 1728 erheiratet wurde, weiterhin enthält das Wappen mit Hohenack und Rappoltstein Elemente aus der Linie Pfalz-Bischweiler-Zweibrücken (s.o.) und schließlich die Kurwürde und das Erztruchsessenamt.

    Aufbau des Wappens:

    Gesamtdarstellung der Pfälzer Linien
    Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden oben jeweils nur Teilausschnitte aus dem System der Pfälzer und Bayerischen Wittelsbacher herausgegriffen. Hier folgt eine Gesamtschau des Pfälzer Zweiges der Wittelsbacher mit ihren verflochtenen Linien. Es wird deutlich, wie sehr die Geschichte der Pfalz von der Verflochtenheit der unterschiedlichen Linien und ihrem gegenseitigen personellen Nachfolgen geprägt ist.

    Literatur, Links und Quellen:
    Siebmachers Wappenbücher (insbes. Band Fürsten)
    Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
    Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
    Die beste Geschichte von Pfalz-Neuburg im Internet stammt von Wolfgang Kaps: Pfalz-Neuburg:
    http://www.pfalzneuburg.de/, Liste mit Dokumenten: http://www.pfalzneuburg.de/page2/page2.html, Geschichte von Pfalz-Neuburg: http://www.pfalzneuburg.de/page2/files/Pfalz_Neuburg_Geschichte.pdf
    Herrn Wolfgang Kaps ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

    Wappen in morganatischen Ehen

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