Bernhard Peter
Geschichte und Entwicklung des Wappens der Württemberger

1. Wappen:
Stammwappen: In Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander. Die Anzahl der Enden der Geweihstangen variierte im Laufe der Geschichte: 1228 ist eine Abbildung mit 4, 4, 4 bekannt, 1246 eine mit 5, 5, 4 und 1257 sogar eine mit 5, 5, 5. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie auf 5, 5, 4 festgelegt. Als Helmzier gehört zum Stammwappen seit 1327 ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band und goldenen Beschlägen, zuerst von Ulrich III. 1327 auf seinem Reitersiegel geführt. Graf Eberhard der Jüngere (gestorben 1419) verwendet als erster die Straußenfedern (blau-silbern-rot) als Schmückung des Mundloches an dem Jagdhorn des Helmkleinodes in seinem Siegel. Ursprünglich Grafen von Württemberg, ab 1495 Herzöge von Württemberg. Die 3 Hirschstangen bleiben das Symbol der Württemberger bis 1952. Also gilt für das Wappen:

Helmzier:

2. Wappen:
Graf Ulrich nahm 1447 erstmals das Wappen von Mömpelgard auf, dazu wurde der Schild geviert. In Rot zwei aufrechte, abgekehrte goldene Barben (Fische). Mömpelgard (Montbéliard) bezeichnet die linksrheinischen Besitzungen, die aufgrund des Heiratsvertrages vom 13.11.1397 zwischen Graf Eberhard III dem Milden für seinen Sohn Eberhard IV mit Henriette von Mömpelgard, der Enkelin von Stephan von Mömpelgard (gestorben 1397, ohne männliche Nachkommen), zur Grafschaft (später Herzogtum) Württemberg kamen. 1473 wurde die Aufnahme des Mömpelgarder Wappens im Uracher Vertrag festgelegt. Mömpelgard erwies sich politisch als wichtig, da hier der vertriebene Herzog Ulrich Zuflucht suchte, ehe er sein Land wiedergewinnen konnte. Das Haus Württemberg ging dieser Ansprüche erst im Pariser Vertrag von 1796 wieder verlustig, nachdem sie wenige Jahre zuvor (1793) durch französische Truppen besetzt und annektiert worden waren. Herzog Friedrich II. trat sie im Pariser Sonderfrieden offiziell an Frankreich ab und wurde mit umfangreichen Gebieten in Süddeutschland entschädigt. Bis 1817 sind die Barben im württembergischen Wappen zu finden. Heute liegt Mömpelgard im Département Doubs. Über dem gevierten Schild wurde nach Stand der Kenntnis nur die Württemberger Helmzier geführt, aber noch nicht das Mömpelgarder Fischweiblein mit rotem Kleid und goldenem Gürtel, das kam erst später. Ein Beispiel für ein solches aus Württemberg und Mömpelgard geviertes Wappen ist über dem Portal der Amanduskirche in bad Urach zu sehen. Also gilt für das Wappen:

Zwei Helmzieren wären jetzt möglich, davon wird aber nur eine verwendet:

Beispiel: Württemberger Wappen am Portal der Amandus-Kirche in Bad Urach. Man achte auf die feingliedrige gotische Helmdecke und die beiden Tiere in den Winkeln unter dem Schild.

3. Wappen:
Unter Graf Eberhard kommt 1495 das Wappen der Herzöge von Teck ins Wappen: Schwarz-golden geweckt (gerautet). Die zugehörige Helmzier ist ein wie der Schild bez. Brackenkopf mit rot ausgeschlagener Zunge. Das ist eine Seitenlinie der Zähringer, die von ca. 1187 bis 1439 bestand. Den Zähringern gehörte am Nordrand der Schwäbischen Alb (Albtrauf, Landkreis Esslingen) die Burg Teck, nach der sich die Linie nannte. Aber schon 1386 verkauften die verarmten Herzöge von Teck ihr Stammland an Württemberg. 1439 starb der letzte Herzog von Teck ohne Erben. Als Graf Eberhard von Württemberg (Graf Eberhard im Bart) 1495 von Kaiser Maximilian I. zum Herzog erhoben wurde (auf dem Wormser Reichstag), bekam er auch den Titel der Herzöge von Teck verliehen. Heute steht der Titel der britischen Königsfamilie, d. h. Queen Elisabeth II zu, die ihn aber nicht offiziell führt. Da man drei Motive schlecht in einem gevierten Schild verteilen kann, wurde das verbliebene Feld mit Markgröningen besetzt: Reichssturmfahne. In Blau eine goldene Fahne mit Schwenkeln, belegt mit einem schwarzen Adler. 1336 schon kauft Graf Ulrich III. die Stadt Markgröningen (heute Landkreis Ludwigsburg). Damit erwirbt er auch das Recht auf die Reichssturmfahne, denn das Grüninger Reichslehen war dem Träger der Reichssturmfahne vorbehalten. Das Präfix „Mark“ leitet sich von der Grenzlage an der fränkisch-alemannischen Mark ab. Im württembergischen Wappen erscheint die Reichssturmfahne ab 1495. Als Helmzier gehörte dazu ein schwarzer Adler. Residenz und Oberamt gingen im 19. Jahrhundert auf Ludwigsburg über, was darin zum Ausdruck kommt, daß Stadt und Kreis Ludwigsburg heutzutage Träger der Reichssturmfahne im Wappen sind.

Beispiel: Württemberger Wappen am Epitaph der Eleonore v. Württemberg (22.3.1552 - 12.1.1618) in der Stadtkirche zu Darmstadt.

Also ist das neue Wappen geviert:

Dieses Wappen ist beispielsweise auf der Festung Hohenneuffen zu sehen. Vier Helmzieren wären jetzt möglich, davon wurden aber nur zwei verwendet:

Beispiel: Württemberger Wappen auf dem Hohenneuffen.

4. Wappen:
Dieser Wappenschild blieb nun über 200 Jahre, genauer bis 1707, unverändert das Wappen der Herzöge von Württemberg. 1593 kam es lediglich zu einer Änderung der Helmzieren: Herzog Friedrich I. von Württemberg legte doch größeren Wert auf die Feststellung der Tatsache, daß gerade die Mömpelgarder Linie an der Regierung war. Also wurde die Mömpelgarder Helmzier auf Platz 1 gesetzt, die Position für die in den Augen des Trägers hochwertigste Helmzier, zwischen die beiden anderen. Ein Beispiel ist das Württemberger Wappen auf beiden Seiten des Portales neben dem Schloß in Bad Urach. Der Wappenschild ist also geblieben:

Für die Helmzieren gilt:

Beispiel: Württemberger Wappen von 1603 am Torbogen neben dem Bad Uracher Residenzschloß

5. Wappen:
1707 wurden unter Herzog Eberhard Ludwig weitere Bestandteile in das Württemberger Wappen aufgenommen. Das war das Wappen der Grafen von Heidenheim: In Gold der Rumpf eines bärtigen Mannes (Heiden) mit roter, blau gestulpter Mütze und roter, blau ausgeschlagener Kleidung. Diesen Titel hatte bereits Herzog Friedrich angenommen. Über die Herrschaft derer von Helfenstein kam die Stadt Heidenheim an der Brenz 1448 an Württemberg und war bis 1803 eine Exklave mit eigenem Amt. 1707 wurde der Heide in das Württembergische Wappen aufgenommen. Als Helmzier gehört dazu der wie im Schild bez. Heidenrumpf. Der Wappenschild sah nun wie folgt aus:

Die Anzahl der Helmzieren wurde nun auf die maximale Größe hochgeschraubt, alle fünfe wurden verwendet, optisch nicht gerade befriedigend, aber es gibt schlimmere, größere Helmsammlungen (die Ansbacher Markgrafen brachten es mal auf bis zu 15 Helme):

Alternativ wurde auf diese Helmgalerie verzichtet und einfach ein Herzogshut oder eine Krone mit Wappenmantel verwendet.

Bildbeispiel: Röhrenbrunnen von 1727 auf dem Marktplatz von Feuchtwangen.

Genealogie von Württemberg-Oels:
Die Mitglieder eines Zweiges der Württemberger waren zugleich 1649–1792 Herzöge von Oels (Olesnica), nach dem Münsterberger Zweig der Herren von Podiebrad (1495–1647) und vor den Welfen (1792–1884). Oels wurde durch Erbheirat von Sylvius Nimrod Herzog v. Württemberg-Weiltingen mit Elisabeth Marie Herzogin v. Schlesien-Münsterberg-Oels gewonnen, wobei es aber nicht ein vollständig souveränes Fürstentum war, sondern um ein als Mediatfürstentum gewährtes Lehen des Königs von Böhmen (Vertrag vom 16.1.1649) bzw. ab 1742 des Königs von Preußen. Oels wurde über einige wenige Generationen vererbt, bis die Erbtochter Friderica Sophia Charlotte Augusta Herzogin v. Württemberg-Oels sie wiederum durch Heirat an Friedrich August Herzog v. Braunschweig-Lüneburg brachte.

Wappen von Württemberg-Oels:
Der erste Wappenschild sah wie folgt aus:

Dazu werden vier Helme geführt:

Der zweite, später geführte Wappenschild berücksichtigt Heidenheim:

Dazu ein Herzogshut mit Wappenmantel. Ein Beispiel ist ein Exlibris des Carl Christian Erdmann Herzog v. Württemberg-Oels (26.10.1716-14.12.1792), welches den Inhaber als Mitglied des dänischen Elefantenordens zeigt.

Genealogie des Hauses Württemberg

6. Wappen:
Im Jahre 1785 kamen unter Herzog Karl Eugen weitere Felder in das vermehrte Wappen. Die Zeiten guter, schlichter Schildbilder waren vorbei, jetzt wurde kräftig alles hergezeigt, was man hatte (und bei vielen Familien leider auch, was man mal gehabt hatte, gerne hätte oder gerne gehabt hätte). Die Zeichen der Zeit standen auf Bildergeschichte im Wappenschild; Klarheit und Übersichtlichkeit gehörten einer vergangenen Zeit an. Der Hauptschild hatte jetzt 6 Felder (gespalten und 2x geteilt) und wurde mit einem Herzschild belegt:

In der Form wurde das Wappen bis 1803 geführt. Bei der Anzahl von Feldern und möglicher Helmzieren war es sinnvoll, das Wappen nur noch ohne Helme zu führen.

Hier ein Beispiel für das Württemberger Wappen aus dieser Zeit. Standort dieser gußeisernen Platte ist an der Wand im Foyer des Seminargebäudes des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Meersburg am Bodensee. (Genehmigung s. u.)

7. Wappen:
Nach der Erhebung Württembergs zum Kurfürstentum wurde 1803 das Wappen weiter vermehrt. Die neuen Zutaten:

In der Form bleibt das Wappen nur bis 1806 in Benutzung - soviel Aufwand für nur drei Jahre Freude daran!

Abb.: Wappen des Kurfürstentums Württemberg in der beschriebenen Form am Landgericht Ellwangen

8. Wappen:
1806 wurde aus dem Kurfürstentum Württemberg das Königreich Württemberg. Entsprechend wird das kurfürstliche Wappen durch das königliche Wappen ersetzt. Das hatte immerhin etwas länger Bestand, nämlich bis 1817. Kaum zu fassen, daß damals der Wappenschild Nr. 3 über 200 Jahre lang gut war. Was wird geändert? Markgröningen fliegt aus dem Herzschild, Schwaben kommt rein. Pfalzgrafschaft Tübingen kommt in den Hauptschild, der jetzt dreimal geteilt wird, um die nötige Anzahl Felder zu erzeugen. Ein Beispiel für dieses Wappen findet sich am Bad Mergentheimer Deutschordensschloß außen am Torbau (wobei allerdings Justingen durch Mergentheim ersetzt ist). Im Detail:

Beispiel: Das Württemberger Wappen am Bad Mergentheimer Deutschordensschloß außen am Torbau (wobei allerdings Justingen durch Mergentheim ersetzt ist)

9. Wappen:
Neben diesem vielfeldrigen Staatswappen fanden auch kleinere Versionen Verwendung, die nur die wichtigsten Felder zeigten, wie dieses Beispiel vom Torgebäude des Schlosses Altshausen, heutiger Wohnsitz der Herzöge von Württemberg und im Besitz der Familie seit 1810:

Schloß Altshausen, königlich-württembergisches Wappen am Torgebäude

10. Wappen:
Gott sei Dank, 1817 wurde unter König Wilhelm von Württemberg vereinfacht! Die ganzen kleineren Felder flogen auf einmal in einem gewaltigen heraldischen Befreiungsschlag aus dem Schild. Übrig blieb nur das, was im 8. Wappen der Herzschild war: Ein gespaltener Schild unter einem Helm mit Königskrone:

Ganz einfach die Geschichte der Württemberger in kondensierter Form: Ein kleines Grafenhaus diente einst unter den staufischen Herzögen und wurde zu Königen. Das Wappen hatte bis 1918 (Abdankung von König Wilhelm II. von Württemberg) Bestand.

Beispiel: Blaubeuren, Gebäude auf dem Klostergelände, erbaut kurz nach 1900 AD.

Neuere Genealogie des Hauses Württemberg

11. Wappen:
Als Bundesland Baden-Württemberg (ab 1952) führt das Land ein großes und ein kleines Landeswappen.

Das große Landeswappen als Pflaster-Mosaik aus Rheinkieseln vor dem Basler Hof in Freiburg (Breisgau), heute Regierungspräsidium. Allerdings ist es ohne die Schildhalter dargestellt. Das große Landeswappen führen Minister, Landtag und Regierungspräsidenten. Abb. links bei Sonnenschein, Abb. rechts bei Regen mit intensiveren Farben.

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher.
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen1.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen2.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen3.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen4.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen5.htm
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Die Veröffentlichung des Wappens aus dem Foyer des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Meersburg wurde freundlicherweise am 2.2.07 genehmigt von Herrn Paul Wiest, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ravensburg.

Aufnahmen aus der Stadtkirche zu Darmstadt mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Martin Schneider vom 12.06.2008 (http://www.stadtkirche-darmstadt.de)